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Bericht
der
Königl. Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenban
Geisenheim a. Rh.
für das Etatsjahr 1912.
Erstattet von dem Direktor
*
Prof. Dr. Julius Wortmann,
Geh. Reg.-Rat.
Mit 35 Textabbildangetr"
BERLIN
Verlagsbuchhandlung Paul Parey
Verla* fttr Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwesen
SW. 11, Hedemannstraße 10 u. 11
1913.
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Alle Rechte, auch das der Übersetzung, Vorbehalten.
Nachdruck, auch einzelner Teile, nur mit Angabe der Quelle und Autoren gestattet.
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Original frum
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Inhalt.
I. Schnlnachrichten. Seite
1. Veränderungen im Personal der Anstalt. 1
2. Frequenz. 2
3. Chronik. 4
4. Bauliche Veränderungen. 8
5. Bibliothek. 8
6. Sammlungen. 8
7. Schtilerkasse. 8
II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 9
A. Weinbau. 9
B. Kellerwirtschaft. 24
C. Sonstige Tätigkeit. 34
D. Veröffentlichungen. 35
Bericht über die Tätigkeit im Obstbau, in der Station für Obst- und Gemüseverwertung
und im Gemüsebau. 36
A. Obstbau. 36
B. Obstverwertungsstation. 57
C. Gemüsebau. 57
D. Sonstige Tätigkeit des Berichterstatters. 68
Bericht über Bienenzucht. 70
Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei und Arbeiten im Parke der Königl. Lehranstalt 78
A. Gartenbau. 78
B. Obsttreiberei. 84
C. Arbeiten im Parke der Lehranstalt. 85
D. Prüfung von Geräten, Materialien usw.. 94
E. Beobachtungen über die Temperaturschwankungen des Wassers in den Holz-
und Cementbetonfässem. 96
F. Sonstige Tätigkeit. 98
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Bericht über die Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation.100
A. Wissenschaftliche Tätigkeit.100
B. Sonstige Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation.108
Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.110
Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation.140
A. Durch tierische Feinde hervorgerufene Schäden.140
B. Durch pilzliche Feinde hervorgerufene Schäden.148
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IV
Inhalt.
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Seite
C. Bekämpfungsversuche.150
D. Auskunftserteilung. 165
E. Sonstige Tätigkeit der Station. 165
F. Veröffentlichungen der Station.166
Bericht über die Tätigkeit der Hefereinzucht-Station.168
A. Tätigkeit der Station im Verkehr mit der Praxis.168
B. Wissenschaftliche Tätigkeit der Station ■ • ..171
Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Station während des Jahres 1912 • • 178
Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz für das
Jahr 1912.186
IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
a) Technische Abteilung.207
b) Jahresbericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Abteilung der Reben-
veredlungs-Station.224
V. Tätigkeit der Anstalt nach aussen.
Bericht über die Tätigkeit des Obst- und Gartenbaulehrers B. HERRMANN-Geisenheim
a. Rhein im Jahre 1912/13.234
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Original frum
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I. Schulnachrichten,
1. Veränderungen im Personal der Anstalt.
a) Kuratorium.
Keine.
b) Lehrkörper.
Der Gartenarchitekt Julius Müller aus Düren (Bez. Aachen), welcher vom
1. Juni 1911 an der Königlichen Lehranstalt zur Aushilfe mit der Erteilung von gärt¬
nerischem Fachunterricht, und zwar in den Fächern Planzeichnen, Freihandzeichnen,
Feldmessen und Geschichte der Gartenkunst beauftragt war, trat am 1. März aus seiner
Stellung aus.
Die neu geschaffene 4. Fachlehrerstelle an der Lehranstalt wurde vom 15. März
ab dem städtischen Garteninspektor Arthur Glogau in Hannover übertragen.
c) Verwaltungsbeamte.
Sekretär Carl Knoener wurde zum 1. Juli an die Königliche Landwirtschaftliche
Akademie Bonn-Poppelsdorf versetzt.
d) Hilfsbeamte.
Assistenten:
Es traten ein:
Dr. Heinrich Schönfeld aus Zürich (önochemische Versuchsstation), am 25. April.
Dr. M. Kartschmar aus Mileischütz in Russland (önochemische Versuchsstation),
am 1. Juli.
Walter Kubler aus Redhill (England), als Volontär-Assistent (pflanzenphysio¬
logische Versuchsstation), am 14. September.
Franz Heinrich aus Weissenhorn, Bezirksamt Neu-Ulm (pflanzenphysiologische
Versuchsstation), am 1. November.
Karl Cztiu aus Wiesbaden, als Volontär-Assistent (önochemische Versuchsstation),
am 10. November.
Dr. Fritz Noldin aus Salurn (Südtirol) (önochemische Versuchsstation), am 1. April.
Dr. Noldin war im Monat März Volontär-Assistent in der Station.
Dr. Michael Schalamberidse aus Tiflis in Russland (önochemische Versuchsstation),
am 1. April.
Es schieden aus:
Dr. E. Schwenk (önochemische Versuchsstation), am 15. April.
Herm. Opitz (önochemische Versuchsstation), am 1. Juli.
Paul Lange (pflanzenphysiologische Versuchsstation), am 1. Oktober.
Walter Kubler (pflanzenphysiologische Versuchsstation), am 1. Januar.
Dr. Heinrich Schönfeld (önochemische Versuchsstation), am 31. Januar.
Christian Fetzer (pflanzenpathologische Versuchsstation), am 27. März.
Dr. M. Kartschmar (önochemische Versuchsstation), am 31. März.
Dr. Schmitthrnner (Rebenveredlungsstation), am 31. März.
Am 1. Mai trat Elisabeth Herrmann aus Geisenheim als Telephonistin und
Maschinenschreiberin in die Anstalt ein.
Der Volontär-Assistent im Obstbaubetriebe der Anstalt, G. Kerz, trat am 14. Juni
aus dem Dienste der Anstalt aus, um die Stelle eines Kreisobstbaubeamten für den
Geisenheimer Jahresbericht 1912. 1
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Kreis Langensalza zu übernehmen. Zum Nachfolger wurde der frühere Anstaltseleve
Otto Hollmann aus Augustdorf bei Detmold bestimmt.
Am 30. Juni schied der Kanzleidiätar Michael Blaeser aus dem Dienste der An¬
stalt aus. An seine Stelle trat mit dem 1. Juli der bisherige Verwaltungsgehilfe
Georg Einhold aus Kreuznach.
2. Frequenz.
Wie aus dem nachstehenden Schülerverzeichnis zu ersehen ist, haben
im Schul- bezw. Berichtsjahre 1912
Eleven
Schüler
Gesamt-
♦
Wein¬
bau
Garten¬
bau
Wein¬
bau
Garten¬
bau
schüler¬
zahl
die Lehranstalt besucht.
21
37
12
13
83
vorzeitig ausgetreten bezw. gestorben sind
nach abgelegter Abgangsprüfung sind am
% 4
2
1
—
7
12. Februar 1913 entlassen.
9
16
11
13
49
die Abgang8prtifung nicht bestanden haben
2
—
—
—
2
es verblieben ältere Eleven.
6
19
—
—
25
am 12. März 1913 traten ein.
6
; 20
13
20
59
das Schuljahr 1913 wurde mithin eröffnet mit
12
39
13
20
84
Auch in diesem Jahre mussten wieder 25 Bewerber um Aufnahme
als Schüler zurückgewiesen werden.
In das Berichtsjahr wurden 5 Praktikanten übernommen, 28 traten im
Laufe des Jahres ein, so dass 33 Praktikanten die Lehrantsalt besuchten.
I. Eleven und Schüler.
a) Altere Eleven.
(Weinbau.)
1. Bauer, Karl
aus Geisenheim
Hessen-Nassau.
2. Braun, Karl
„ Eggingen
Würtemberg.
3. Hauschild, Ludwig
„ Mainz
Hessen.
4. Hoogendyk, Johannes
„ Vlaardingen
Holland.
5. Immich, Wilhelm
„ Andel
Rheinprovinz.
In das HI. Semester eingetreten.
6. Kilian, Philipp
aus Winkel
Hessen-Nassau.
7. Krahmer, Sigmund
„ München
Bayern.
8. Lahr, Ottomar
„ Eschau
Bayern.
9. Milz, Joseph
„ Neumagen
Rheinprovinz.
10. Wischlen, Ernst
„ Westhalten
Elsass-Lothringen.
11. Werner, Jakob
„ Edenkoben (Pfalz)
Bayern.
(Gartenbau.)
12. Burchardt, Bernhard
aus Swinemünde
Pommern.
13. Falk, Hans
„ Bärwalde
Pommern.
14. Graeb, Otto
„ 'Eilsleben
Prov. Sachsen.
15. Jaeschke, Julius
„ Grossenhain
Sachsen.
16. Koch, Friedrich
„ Herleshausen
Hessen-Nassau.
17. Lewald, Wolfgang (Preusse)
„ Graupen
Böhmen.
18. Mehmel, Lebrecht
„ Thamsbrück
Prov. Sachsen.
19. Melzer, Arno (Preusse)
„ Soppen
Sachsen.
20. Merfert, Richard
„ Kreiwitz (Ober-Schles.)
Schlesien.
21. Möbes, Adolf
„ Vaethen
Prov. Sachsen.
22. Pfotenhauer, Fritz
„ Breslau
Schlesien.
23. Rades, Emst
„ Stettin
Pommern.
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UMIVERSITY CALIFORNIA
Frequenz.
3
24. Reintjes, Otto
25. Stümpke, Dietrich
26. Umhauer, Friedrich(Preusse)
27. Wetterberg, Sven
aus Andernach
„ Berge
„ Worms
„ Sköfde
Rheinprovinz.
Prov. Sachsen.
Hessen.
Schweden.
b) Jüngere Eleven.
(Weinbau.)
28. Auer, Julius
aus Ludwigshafen
Baden.
29. Fiedler, Walter
Ausgetreten am 15. Februar 1912.
aus Gera
Reuss j. L.
30. Fröhlich, Anton
„ Geisenheim
Hessen-Nassau.
31. Ganter, Joseph
„ Tautenbach
Baden.
32. Gladischeff, Michael
„ Samarkand
Russland.
33. Manoloff, Manol
Ausgetreten am 12. Februar 1913.
aus Sofia
Bulgarien.
34. Reis, Eugen
Ausgetreten am 26. Oktober 1912.
aus Geisenheim
Hessen-Nassau.
35. Schileff, Georgi
„ Sevlievo
Bulgarien.
36. Scheib, Oskar
Ausgetreten am 2. Oktober 1912.
aus Obergruppenbach
Württemberg.
37. Schug, Ewald
„ Traben-Trarbach
Rheinprovinz.
38. Apitzsch, Louis
(Gartenbau.)
aus Leipzig
Sachsen.
39. Beeck, Fritz (Preusse) „ Buenos-Aires
Argentinien.
40. Brücker, Wilhelm
„ Berg
Bayern.
41. Engelke, Ludwig
„ Hildesheim
Hannover.
42. Göricke, Willy
„ Zerbst
Sachsen-Anhalt.
43. Heidbüchel, Wilhelm
„ Röhe
Hessen-Nassau.
44. v. Hoerschelmann, Gerhard „ Hochheim
Russland.
(t am 25. September 1912.)
45. Hoppe, Leonhard aus Coblenz
Rheinprovinz.
46. Hoyer, Ewald
„ Hannover
Hannover.
47. Knacke, Walter
„ Carow
Prov. Sachsen.
48. Knippei, Karl
Ausgetreten am 10. April 1913.
aus Beetzendorf
Prov. Sachsen.
49. Kremers, Heinrich
„ Aldekerk
Rheinprovinz.
50. Lange, Otto
„ Polleben
Prov. Sachsen.
51. Leonhards, Friedrich
„ Vohwinkel
Rheinprovinz.
52. Lips, Philipp
„ Kreuznach
Rheinprovinz.
53. Loth, Ulrich
„ Potsdam
Brandenburg.
54. Pfeuffer, Erich
„ Schmalkalden
Hessen-Nassau.
55. Ries, Otto
„ Karlsruhe
Baden.
56. Sante, Emil
„ Hahndorf am Harz
Hannover.
57. Specht, Ernst
„ Wallenbrück
Westfalen.
58. Wessberge, Otto
„ Liebenau
Hannover.
59. Busch, Aloys
c) Weinbauschüler.
aus Pünderich
Rheinprovinz.
60. Götter, Joseph
Ausgetreten am 1. August 1912.
aus Ostrich
Hessen-Nassau.
61. Hoff, Max
„ Neustadt a. H.
Holstein.
62. Klein, Johann
„ Geisenheim
Hessen-Nassau.
63. Lohr, Johannes
„ Linz in Baden
Baden.
64. Marget, Ernst
„ Hügelheim
Baden.
65. Müller, Hermann
„ Sulingen
Hannover.
66. Permesang, Nikolaus
„ Filzen
Rheinprovinz.
67. Philipp, Joseph
„ Rüdesheim
Hessen-Nassau.
68. Rackles, Otto
„ Frankfurt a. M.
Hessen-Nassau.
69. Steinhauer, Johann
„ Altenahr
Rheinprovinz.
70. Weckbecker, Matthias „ Moselkern
Rheinprovinz.
1*
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4
I. Schulnachrichten.
d) Gartenbauschüler.
71. Almstedt, Karl
aus Hildesheim
Hannover.
72. Bergström, Georg
„ Linköping
Schweden.
73. Deuringer, Adolf
„ München
Bayern.
74. v. Eberstein, Kuno
„ Frankfurt a. d. 0.
Brandenburg.
75. Gatner, Erich
„ Körbelitz
Prov. Sachsen.
76. Habicht, Bernhard
„ Sachsenhagen
Hessen-Nassau.
77. Herzberg, Martin (Preusse)
„ Frankenhausen
Schw.-Rudolstadt.
78. Janicke, Karl
„ Cöln
Rheinprovinz.
79. Lohse, Gustav
„ Kirchen a. d. Sieg
Rheinprovinz.
80. Neumann, Adolf
„ Danzig
Westpreussen.
81. Redlin, Willy
„ Resehl
Pommern.
82. Schleicher, Raymund
„ Stolberg
Sachsen.
83. Sieburg, Walter
„ Breslau
Schlesien.
II. Teilnehmer an periodischen Kursen.
Kursus
vom
!
bis
|
Zahl
Preussen j
i
Reichs- §"
inländer ©
p
Ausländer
Wiederholungskursus.
22. 7.12.
26. 7.12.
24
24
i
Obstverwertungskursus für Frauen . .
29. 7.12.
3. 8.12.
34
30
4
—
„ „ Männer und
Haushaltungslehrerinnen ....
6.8.12.
17. 8.12.
35
22
5 |
8
Analysenkursus.
30. 7.12.
10.8.12.
33
21
5
Hefekursus.
12.8.12.
24.8.12.
31
14
11
6
Reblauskursus.
13. 2.13.
15. 2.13.
26
21
—
5
Sa.
183
132
27
24
' An dem Reblauskursus für Schüler am 10. und 11. Februar 1913 nahmen
52 Schüler teil.
Es besuchten somit die Lehranstalt:
a) im
Schuljahre 1912/13. . . .
76 Schüler dauernd,
n
n *}...•
7 „ vorzeitig entlassen bezw. gestorben,
b) *
Berichtsjahre 1912. . . .
33 Praktikanten,
c) „
V !?••••
183 Kursisten,
Insgesamt
299 Personen.
Die Gesamtzahl aller Schüler und Kursisten, welche die Lehranstalt seit Be
stehen besucht haben, beträgt nunmehr bis zum 31. März 1913 gerechnet 10 844,
und zwar:
Schüler . . .
Praktikanten .
Kursisten . .
Preussen
1621 j | 1309
561 j davon waren ' 202
8662 I I 7120
Reichsinländer Ausländer
249 63
200 159
1249 293
3. Chronik.
a) Besichtigungen usw.
Am 18. April wurde unter dem Vorsitze der Herrn Geheimen Re¬
gierungsrats Freiherrn von Hammerstein-Loxten aus dem Landwirtschafts¬
ministerium in der Anstalt eine Reblauskonferenz abgehalten.
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Chronik.
5
Hieran schloss sich am nächsten Tage eine Besichtigung der Iteben-
veredelungsanlagen durch die Eebenveredelungskommission.
Am 3. und 4. Juni fand eine Sitzung des Kuratoriums der Anstalt
statt, zu der sämtliche nachstehend aufgeftihrten Mitglieder erschienen
waren, nämlich:
Ober-Regierungsrat Pfeffer von Salomon, Wiesbaden, Vorsitzender des Kuratoriums,
Geheimer Regierungsrat Dr. Oldenburg, Berlin, stellvertretender Vorsitzender des
Kuratoriums,
Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Wortmann, Direktor der Königlichen Lehr¬
anstalt, Geisenheim,
Landesökonomierat Siebert, Frankfurt a. M.,
Weingutsbesitzer Jos. Burgeff, Geisenheim,
Hauptmann a. D. von Stosch, Oestrich,
Präsident der Landwirtschaftskammer Wiesbaden Bartmann-Lüdicke, Frankfurt a. M.,
Baumschulenbesitzer H. Müller, Langsur bei Trier,
Gartenarchitekt Reinhold Hoemann, Düsseldorf-Grafenberg.
Am 31. Juli wurde in der pflanzenpathologischen Versuchsstation ein
eintägiger Informationskursus über die staatliche Reblausbekämpfung ab¬
gehalten, an welchem sich 29 Personen beteiligten.
Die Lehranstalt wurde besichtigt:
am 19. Juli vom Herrn Ministerialdirektor a. D. Dr. Thiel,
am 28. August von dem englischen Landwirtschaftsminister Sauer aus
Englisch-Südafrika,
am 1. Oktober von mehreren Reichs- und Landtagsabgeordneten aus Nord¬
deutschland.
Am 5. Oktober fand in der Anstalt eine Konferzenz der Leiter der
Rebenveredelungsstationen unter dem Vorsitze des Geheimen Regierungs¬
rates Professor Dr. Wortmann statt.
Unter Leitung des Herrn Geheimen Regierungsrates Freiherrn
von Hammerstein-Loxten wurde am 7. Oktober in der Anstalt eine Reben¬
veredelungskonferenz abgehalten.
Am 14. Oktober unterzogen sich die Kandidaten
Paul Lange aus Kohlow
Walter Kirchberg aus Magdeburg,
Walter Binder aus Pratschütz,
Herbert Lüer aus Binder
der staatlichen Fachprüfung.
Am 12. November fand eine Sitzung des Anstaltskuratoriums statt.
Am 16. Dezember unterzogen sich die Kandidaten
Wilhelm Biermann aus Flierich,
Johann Kratz aus Wiesentheid,
Wilhelm Calgan aus Berlin
der staatlichen Fachprüfung.
Am 21. Dezember wurde im Beisein des Vorsitzenden des Kuratoriums
der Anstalt, Ober-Regierungsrat Pfeffer von Salomon, Wiesbaden, die
alljährliche Weihnachtsfeier abgehalten.
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I. Schulnachrichten.
Die Lehranstalt beging den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und
Königs in feierlicher Weise durch einen Festaktus in dem neuen Hörsaal
der Anstalt.
Professor Dr. von der Heide hielt nach einem Gesänge des Schüler¬
chors die Festrede über das Thema: „Lebensbild des Magisters Lauckhardt
sowie des Freiheitskämpfers Joachim Nettelbeck.“
In der Zeit vom 5.-9. Januar unterzogen sich die vorgenannten
älteren Eleven der schriftlichen Prüfung.
Als Fächer waren vorgesehen:
1. für Gartenbau-Eleven:
a) Landschaftsgärtnerei,
b) Feinde und Krankeiten der Gartenpflanzen,
c) Bodenkunde und Düngerlehre.
2. für die Obstbau-Eleven:
a) Obst- und Gemüseverwertung,
b) Gemüsebau,
c) Anatomie und Physiologie der Pflanzen.
3. für die Weinbau-Eleven:
a) Weinbereitung und Kellerwirtschaft,
b) Landwirtschaft,
c) Gährungsphysiologie.
Die Themata waren folgende:
1. Die Entwässerung der Wege in den gärtnerischen Anlagen.
2. Über Blattläuse und ihre Bekämpfung.
3. Aus welchen Gründen hat eine rationelle Bodenbearbeitung als Vor¬
bedingung einer rationellen Düngung zu gelten?
4. Einfache und billige Verwertungsmethoden des Obstes für ländliche
Haushaltungen.
5. Vorbedingung für eine erfolgreiche Durchführung des Freiland-Gemüse¬
baues zu Erwerbszwecken.
6. Die Wasserversorgung der Pflanze und die Bedeutung des Wassers
für das pflanzliche Leben.
7. Über die Bedeutung des Angärens der weissen Traubenmoste auf der
Maische in der früheren und heutigen Kellerwirtschaft.
8. Welches ist der Zweck der rationellen Bodenbearbeitung und wie wird
derselbe am besten erreicht.
9. Herkunft und Entwickelung des Gärungserregers im Moste.
An der mündlichen Schlussprüfung, welche am 5., 6., 7. und 8. Februar
in Gegenwart der Herren Ober-Regierungsrat Pfeffer von Salomon, Wies¬
baden, Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Wortmann, Landesökonomie¬
rat Siebert, Frankfurt a. M., Hauptmann a. D. von Stosch, Ostrich statt¬
fand, nahmen sämtliche Schüler teil.
Die Prüfung erfolgte bei den Eleven in den durch die Ordnung vom
29. Oktober 1912 festgelegten Fächern, bei den Schülern in Blumentreiberei,
Obstverwertung und Kellerwirtschaft.
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Chronik.
7
Am 12. Februar schloss der Direktor das Schuljahr mit einer An¬
sprache an die Schüler.
Am 10. März fand eine Feier zum Andenken an die Erhebung der
Nation im Jahre 1813 statt.
Professor Dr. Lüstner hielt nach einem Gesänge des Schülerchors
die Festrede über das Thema: „Preussens Befreiung“.
Der Eintritt der neuen Schüler erfolgte am 12. März.
Der Geheime Begierungsrat Dr. Oldenburg, sowie der Geheime Finanz¬
rat Dr. Freiherr Schenck zu Schweinsberg und Herr Ober-Kegierungsrat
Pfeffer von Salomon besichtigten am 26. März die Lehranstalt in allen
ihren Teilen.
b) Besuche.
Die Lehranstalt wurde besucht:
am 20. April von ca. 30 Mitgliedern der Senkenbergischen Naturforschenden Gesell¬
schaft in Frankfurt a. M..
am 28. April von der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst (Ortsgruppe Frank¬
furt a. M.),
am 28. April von Mitgliedern des Obstbauvereins für Stadt- und Landkreis Wiesbaden,
am 2. Mai von 12 Damen def Mainzer Frauenschule,
am 12. Mai von ca. 230 Personen des Vereins Nassauischer Land- und Forstwirte,
Frankfurt a. M.,
am 25. Mai von Studierenden der Universität Göttingen,
am 2. Juni von ca. 200 Personen des Militär- und Gesangvereins Altlussheim, Amt
Schwetzingen,
am 22. Juni von Schülerinnen der Frauenschule zu Weilbach,
am 24. Juni von Schülern der Königlichen Gartenbauschule in Weihenstephan,
am 30. Juni von Mitgliedern des Gartenbauvereins Bischofsheim, .
am 30. Juni von Gärtnern aus Wiesbaden,
am 11. Juli vom Verein „Ehemaliger Kirchheimbolander Landwirtschaftsschüler“,
am 13. Juli von Teilnehmern an der Deutschen Gartenbau-Woche in Bonn,
am 14. Juli vom Verein Wiesbadener Handelsgärtner,
am 15. Juli von ca. 600 Personen des Landw. Bezirksvereins in Esslingen,
am 1. August von ca. 8—10 Offizieren und Sanitätsoffizieren der Wilhelms-Heil¬
anstalt Wiesbaden (unter den Herren befand sich der Hofmarschall Sr. Ma¬
jestät des Kaisers, Admiral Graf von Platen-Hallermund),
am 4. August vom Obst- und Gartenbauverein Kreuznach,
am 11. August vom Obst- und Gartenbauverein für Diez und Umgegend in Freien¬
diez bei Diez a. d. L.,
am 11. August vom Langendiebacher Verein „Humor“,
am 18. August von der Gärtner-Vereinigung Frankfurt a. M.-Bornheim,
am 18. August vom Obst- und Gartenbauverband für den Kreis Dannstadt in Darm¬
stadt,
am 18. August vom Obstbauverein des Kreises Bingen,
am 18. August vom Obst- und Gartenbauverein Bergen, Kreis Hanau,
am 18. August vom Männer-Gesangverein in Schierstein,
am 25. August vom Maschinensetzerverein in Mainz,
am 25. August von den Baumwärtern des Kreises Wetzlar,
am 25. August vom Obst-, Wein- und Gartenbauverein zu Jugenheim (Rheinhessen),
am 28. August vom Obst- und Gartenbauverein Sprendlingen (Rheinhessen),
am 1. September vom Obst- und Gartenbauverein Schneidhain im Taunus,
am 1. September vom Obst- und Gartenbauverein Okriftel,
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8
I. Schulnachrichten.
am 1. September vom Obst- und Gartenbauverein Bieber bei Offenbach a. M.,
am 1. September vom Bockenheimer Kleingartenbau-Verein,
am 1. September vom Ausschuss des Bezirks-Obstbau-Verbandes Rockenhausen,
am 7. September vom Obst- und Gartenbauverein Herten i. W.,
am 8. September vom Obstbauverein Sindlingen,
am 8. September vom Obst- und Gartenbauverein zu Ketternschwalbach,
am 8. September von der Gärtnerklasse der Fortbildungsschule in Biebrich,
am 11. September von der französischen Gesellschaft: Union des Syndicats agricoles
de la Seine & Oise de la Seine in Franconville,
am 15. September vom Verein junger Landwirte im Kreise Höchst a. M.,
am 15. September vom Obst- und Gartenbauverein zu Lorsbach im Taunus,
am 15. September von Mitgliedern des landwirtschaftlichen Casinos Horchheim, Bez.
Coblenz,
am 17. September von Obstbau-Kursisten aus Mainz-Castel,
am 21. September von Obstbaumwärtern aus Kreuznach,
am 14. März von ca. 60 Schülern aus Hof-Geisberg bei Wiesbaden.
4. Bauliche Veränderungen.
Herstellung eines kleinen, überwölbten, vertieften Kokslagerraumes neben dem
Kesselraum im Gewächshause.
5. Bibliothek.
Geschenkt:
Vom Königl. preussischen Landwirtschaftsministerium:
1. Nachrichten über die Entwicklung des landwirtschaftlichen Vereins-, Genossen¬
schafts-, Kredit- und Versicherungswesens, sowie Nachrichten über alle neuen
Vorgänge und Fortschritte auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Technik und
Wissenschaften und der Pflanzenkrankheiten. (Veröffentlicht vom Internationalen
Landwirtschaftlichen Institut in Rom.)
2. Botanische Wandtafeln von L. Kny.
3. Zahlreiche Bulletins des United States Departement of Agriculture.
4. Abdruck der von der Königl. Preussischen Geologischen Landesanstalt heraus¬
gegebenen geologisch-agronomischen Darstellung der Umgegend der Königlichen
Lehranstalt für Obst- und Gartenbau in Proskau.
5. Vom Realschuldirektor Dr. Droysen aus Herford: Ein Verzeichnis der um Geisen¬
heim wachsenden Pflanzen.
6. Von der Landwirtschaftskammer in Posen: Denkschrift „Der Getreideausnahme¬
tarif S 3 a und die Bedeutung seiner erstrebten Ausdehnung auf das ganze Gebiet
der Provinz Posen für den Posener Getreidebau“.
6. Sammlungen.
Geschenkt:
Von Fräulein A. von Trapp, Wiesbaden: eine Kollektion Obstmodelle
7. Schülerkasse.
Geschenkt:
Von dem Kommerzienrat Robert de Neufville, Frankfurt a. M., 500 M. als Beitrag
zu den Kosten einer Exkursion.
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der KellerwirtschafL
Erstattet vom Betriebsleiter Weinbauinspektor Fischer.
A. Weinbau.
1. Jahresbericht.
Wer hätte nach dem sonnigen Jahr 1911 nicht auf ein gutes Wein¬
jahr 1912 gehofft?! Waren die guten Weinjahre nicht häufig gruppen¬
weise aufgetreten!? Man denke an 1857, 1858 und 1859 oder an 1893
^894 und 1895. Dazu der günstige Abschluss der Vegetation im Herbst
1911. Die Reben waren vorzüglich ausgereift, die Knospen gut veranlagt
und ausgebildet. Die Winterkälte ging daher spurlos an den Reben
vorüber. Das frische Grün am wiedererwachenden Stock konnte nicht
gleichmässiger erscheinen, die jungen Triebe nicht kräfter sein. Und der
Behang erst! Selbst ergraute Winzer erklärten, einen so reichlichen
Fruchtansatz noch nicht erlebt zu haben. Da erinnerte ein leichter Frost
zu Anfang April an die Gefahren, die dem sich eben entfaltenden jungen
Trieb noch drohen. Ein kräftiger Frost folgte in der Nacht vom 1. bis
2. Mai, der in flachen Lagen einigen Schaden anrichtete. Von den Anstalts¬
weinbergen haben besonders die Lagen „Weissmauer“, „Weiherchen“,
„Decker“, „Fuchsberg“ und „Platte“ gelitten. Der Schaden wurde im
Anfang etwas überschätzt.
Ende Mai waren vereinzelt schon blühende Gescheine zu finden.
Dank der günstigen Witterung verlief die Blüte gut und schnell. Schnell
entwickelten sich auch die jungen Beeren, wie denn überhaupt die „Periode
des Beerenwachstumes“ mit zu den günstigsten seit langer Zeit gehörte.
Schon Ende Juli waren in der Lage „Decker“ am Sylvaner weiche Tauben
zu sehen. Stock und Trauben standen schöner selbst als 1911. Ende Juli
konnten im Anstaltsgut 40—45 Halbstücke 1912 er erwartet werden.
Da leiteten Gewitter, die in den letzten Tagen des August nieder¬
gingen, einen gewaltigen Wettersturz ein. Kalte Winde und Regen waren
beinahe die einzigen Witterungserscheinungen dieses Monates. Die Trauben
blieben in ihrer Entwicklung beinahe vollständig stehen und begannen zu
faulen. In einzelnen Lagen hatte sich Botrytis auf -/ 3 aller Beeren- und
Traubenstiele angesiedelt, zerstörte sie und brachte so auch die an ihnen
hängenden Früchte zum Abfallen. Zwar »war der September etwas trockener,
die Rohfaule nahm nicht weiter überhand, allein die abnorm kühlen Nächte
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10
II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
verhinderten eine weitere günstige Entwicklung der Beeren. Die Trauben¬
stiele verholzten, die Reben nahmen ein herbstliches Aussehen an. Da
brachten die Nächte vom 5.—8. Oktober Temperaturen bis — 7° C. Bald
waren die Stöcke entlaubt. Die Trauben hatten je nach ihrem Reifegrad
verschieden starken Schaden genommen. Allgemein waren die unteren
Lagen mehr betroffen als die höheren, der spätreifende Riesling mehr als
der frühere Sylvaner. Über die durch dieses elementare Ereignis hervor¬
gerufenen besonderen Verhältnisse sowie über Beobachtungen und Fest¬
stellungen an vom Frost mehr oder weniger betroffenen Trauben siehe
S. 13).
Am 24. Oktober wurde mit der Lese begonnen. Infolge der grossen
Verluste, die im August, September und namentlich infolge der Ver¬
dunstung der Feuchtigkeit in den vom Frost befallenen Beeren und des
späteren Auswaschens des Beereninhaltes durch Regen im Oktober ein¬
getreten waren, betrug die Ernte nur 24 Halbstücke oder im Durchschnitt
400 l auf 25 a Weinbergsfläche.
Von den Bebkrankheiten machte im Berichtsjahr das Oidium am
meisten zu schaffen. Neu war eine derartig gleichmässige und beharrliche
Ausbreitung dieses Pilzes. Wohl hat man mit seinem Erscheinen jährlich
zu rechnen, allein wer in andern Jahren den Schwefelbalg nach den ersten
Ansteckungen tüchtig und fleissig bewegle, der konnte bisher auf einen
vollen Erfolg rechnen. Anders im Sommer 1912. Wer nicht sehr früh
zu schwefeln begonnen hatte, vermochte des Pilzes kaum Herr zu werden.
Die Blattfallkrankheit trat im allgemeinen verheerend nicht auf. In einigen
Lagen musste jedoch zur Verhütung von Schäden häufig gespritzt werden.
Unter den tierischen Rebfeinden brachte der „Heu- und Sauerwurm“
eine Überraschung. Die Motten flogen zahlreicher als man nach dem Auf¬
treten der zweiten Generation im Jahre 1911 erwartet hatte. Eine Ab¬
nahme gegen früher war immerhin festzustellen. Die schnelle Entwicklung
der Trauben infolge des herrlichen Wetters zur Blütezeit liess nur geringen
Schaden des Heuwurmes zu. Der Mottenfang mit Klebfächern wurde ver¬
suchsweise noch einmal durchgeführt, das Ergebnis war aber nicht be¬
friedigend. Überhaupt gehen die Erfolge dieser Bekämpfungsmassnahme
immer mehr zurück, da der bekreuzte Wickler im allgemeinen im Laufe
der Jahre zugenommen hat. Die wirtschaftliche Berechtigung des Kleb¬
fächerfanges vermindert sich aber in dem Mafse, als der bekreuzte
Schädling auftritt. Wir wollen daher in Zukunft von der Ausführung
dieser Bekämpfung absehen. Dagegen ist auch in Gegenden mit be¬
kreuztem Schädling das Aussuchen der Heu- und Sauerwürmer aus den
Gescheinen und Trauben mit Holzstäbchen zu empfehlen. Von sämtlichen
mechanischen Methoden zeitigt sie in derartigen Gebieten den besten
Erfolg. Statt der Hölzchen verwandten wir versuchsweise Pinzetten, ge¬
liefert von Uhrmacher Zilliken in Saarburg a. d. Saar, die sich vorzüglich
bewährten.
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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft.
11
2. Neuanlagen.
Die Parzellen im „Stallen“ und „Decker“ wurden im Laufe des
Winters rigolt und Rieslingblindreben bepflanzt.
Im Stallen wurden Versuche eingeleitet über die Zweckmässigkeit
des ein- und mehrschenkligen Satzes beim Riesling. Zwar waren früher
schon einige ähnliche Versuche ausgeführt worden, inzwischen pflanzte
man im Rheingau versuchsweise einschenklig mit einer Stockentfernung
von 55 cm. Diese neue Pflanzart sollte mit den andern verglichen werden.
Es wurden daher versuchsweise nebeneinander gepflanzt:
1. Reihenabstand 1,10 m, Stockentfernung 0,55 m, 1 Rebe an ein Ziel,
2. „ . 1,10 „ „ 1,10 „ 2 Reben „ „ „
3. „ 1,10 „ „ 1,10 „ 3 ,. „ „ „
4. „ 1,10 „ ,, 1,10 „ 1 Rebe „ ,, .
Die Entwicklung der Reben hatte sehr unter der Ungunst der
Witterung zu leiden. Unterschiede im Wachstum zwischen den Reben
auf den einzelnen Versuchsstücken traten kaum auf. Wo aber 3 Blind¬
hölzer zusammen gepflanzt wurden, ist eine Rebe häufig ausgeblieben oder
spät nachgewachsen. Diese auch sonst bekannte Erscheinung zeigte sich
hier wohl besonders häufig, weil der Boden sehr dicht ist. Bei der kleinen
Entfernung der Löcher wird der Boden durch den Setzstickel in einer
Weise zusammengedrückt, die natürlich die Bewurzelung hemmt.
Auf der neu gepflanzten Fläche im „Decker“ wurden Versuche mit
Schwefelkohlenstoff und Vorratsdüngung eingeleitet.
In diesem Jahre wurden im „Fuchsberg“ die Pflanzung des Sortimentes
und der wichtigsten Bebenerziehungsarten fertig gestellt.
Als im Jahre 1905 mit der Anlage der neuen Obstpflanzung im
Fuchsberg begonnen wurde, musste ein Teil der bisher dem Weinbau
dienenden Flächen dieser Lage sowie die Demonstrationspflanzungen mit
Rebenerziehungsarten und dem Rebdnsortiment geräumt werden. Da der
Unterrichtsbetrieb verlangt, die Rebenerziehungsarten verschiedener Gegenden
und das Rebensortiment so nahe als möglich an der Anstalt zu haben,
wurde der bestehende westliche und nördliche Teil des Fuchsberges zur
Aufnahme dieser Pflanzungen bestimmt. Aus Zweckmässigkeitsgründen
war die Neuanlage dieser Flächen auf mehrere Jahre verteilt worden.
Bestimmend hierfür wirkte vor allem der Umstand, dass die Reben aus
den alten Sortimentsquartieren nicht eher ausgehauen werden konnten, als
bis das neue Sortiment wieder vollständig angelegt war.
Um ein einheitliches Ganzes zu schaffen, wurden zunächst grössere
Erdbewegungen vorgenommen. Die Abb. 1 gibt eine planimeterische'
Wiedergabe des im Fuchsberg mit Reben bestandenen Teiles. Der nörd¬
liche Streifen zu beiden Seiten des Pavillons enthält das Sortiment, der
westliche grössere Teil die verschiedenen Rebenerziehungsarten. Im
Sortiment wurde von jeder Sorte eine Reihe mit mindestens 4 Stöcken
gepflanzt. Im ganzen enthält das Sortiment 225 verschiedene europäische
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12
II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Rebensorten, die nach weiss-, grün- und gelbfrüchtigen einerseits (Fläche
23, 24 und 25) und rot- und blaufrüchtigen andererseits (Fläche 26 und
27 der Abb. 1) getrennt wurden. Innerhalb dieser 2 Gruppen erfolgte
die Anordnung in alphabetischer Reihenfolge. Die Pflanzung verursachte
wegen der ungenügenden Ausreife eines Teiles der südlichen Sorten in
unserem Klima sehr grosse Schwierigkeiten. Den Wert einer guten Holz¬
reife für die Bewurzelung des Blindholzes musste man hier leider sehr
gründlich kennen lernen. Infolgedessen waren umfangreiche Nachpflanzungen
notwendig, weshalb die Anlage in den ersten Jahren einen sehr ungleich-
mässigen Stand zeigte.
Mit der Pflanzung der für die Rebenerziehungsarten bestimmten Fläche
wurde 1907 begonnen. Die Stücke 1—10 sind in jenem Jahr angelegt
worden. Die weitere Fortführung der Pflanzung wurde sehr ungünstig
beeinflusst durch das Unwetter am 21. Mai 1910. Die dabei nieder¬
gehenden gewaltigen Wassermengen richteten in dem frisch rigolten Boden
so viel Schaden an, dass die Fertigstellung der Anlage, die für 1910 vor¬
gesehen war, erst im Frühjahr 1911 beendet werden konnte. Die Auswahl
und Anordnung der Erziehungsarten geschah im allgemeinen so, dass die
niederen unten, die höheren im oberen Teil angelegt wurden.
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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft.
13
Sylvaner.
Dargestellt ist auf Stück:
1. Kahlschnitt,
2. Zapfenschnitt,
3. Bockschnitt,
4. Waadtländer Erziehung,
5. Bogenerziehung an der Nahe,
6. Erziehung nach Guyot
7. Niedere Pfälzer Erziehung,
8. Rheinhessische Zweidrahterziehung,
9. Rheingauer Erziehung, 1
10. Mittelrheinischer Wechselschnitt, /
11. Fränkische Erziehung, Portugieser.
12. Rebenerziehung in Württemberg, Trollinger.
13. Rebenerziehung an der Ahr, Spätburgunder.
14. Hohe Rheinhessische Drahterziehung, Frühburgunder.
15. Niedere Moselerziehung,
16. Erziehung am Niederrhein, /
17. Hohe Pfälzer Erziehung, I
18. Rebenerziehung im Breisgau, Gutedel.
19. Hohe Moselerziehung, 1
20. Hohe Elsässer Erziehung /
21. Oberlinscher Drahtzug, Bukettraube.
22. Laubenerziehung, Elbling.
Traminer.
Rheinriesling.
Moselriesling.
Moselriesling.
3. Beobachtungen über das Verhalten einiger Rebsorten
bei Frühjahrsfrösten.
Wie in der Jahresübersicht bereits angegeben ist, trat in der Nacht
vom 1. zum 2. Mai ein ziemlich starker Frühjahrsfrost ein. Dabei wurden
einige bemerkenswerte Beobachtungen gemacht.
Zunächst liess sich über den Frostschaden in höheren und niederen
Lagen eine allgemeine Regel nicht erkennen. So wie einzelne niedere
Lagen, wurden auch einige höhere Distrikte stark geschädigt. Fast durch¬
weg war der Frostschaden bei Sylvaner geringer als bei Riesling und
Traminer, während doch sonst der Sylvaner als frostempfindlicher gilt.
Ausgeglichen hat sich dagegen die Wirkung des Frostes bei Riesling
am meisten, wie genaue Beobachtungen und Zählungen ergeben haben.
In einem vom Frost ziemlich stark befallenen Weinberge sind zunächst
die erfrorenen und später die etwa aus den Nebenaugen am jungen Holz
erschienenen Rebtriebe gezählt worden. Danach haben an 73 % beim
Riesling durch Frost beschädigten Trieben aus dem Hauptauge die Bei¬
augen ausgetrieben. 4,1 % der Triebe aus den Beiaugen hatten Gescheine.
Beim Sylvaner sind dagegen nur 10,6 von 100 Beiaugen ausgetrieben, an
denen nur 0,5% mit Gescheinen besetzt waren. Beim Traminer trieben
endlich nur 0,09% Beiaugen aus; Gescheine waren an den neugebildeten
Trieben nirgends zu finden.
Eigentümlich war auch die Erscheinung, dass an ungegerten höher
stehenden Reben sehr häufig die Triebe total beschädigt, während boden¬
ständige Lotten verschont geblieben waren. Man kann annehmen, dass
dieses verschiedene Verhalten der Triebe darauf zurückzuführen ist, dass
die oberen bereits stärker ausgebildet und daher wasserreicher waren.
Pfahlweinberge haben mindestens eben so stark, zum Teil sogar
wesentlich stärker unter der Kälte gelitten als Reben in Drahtanlagen.
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
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Es ist notwendig, dies hier festzustellen, weil die Praxis in dieser Hinsicht
gegenteiliger Meinung ist.
4. Gehen in teilweise erfrorenen Trauben beim Verbleiben am
Rebstock nach der Frosteinwirkung noch Veränderungen vor sich?
In den Nächten vom 5.—8. Oktober des Berichtsjahres herrschten
so niedere Temperaturen, dass die Trauben Schaden nahmen. Es war
daher Gelegenheit geboten, die Einwirkung des Frostes auf die Trauben
zu studieren und vor allem etwa eintretende Veränderungen in der Zu¬
sammensetzung teilweise erfrorener Beeren festzustellen.
Zu diesem Behufe winden auf Anregung des Anstaltsdirektors in
einigen Anstaltsweinbergen regelmässige Untersuchungen über die Verände¬
rung in der Zusammensetzung des Inhaltes solcher Beeren ausgeführt.
Nach jeweils 3, bei der letzten Untersuchung im Beispiel 3 und 4 nach
4 Tagen stellten wir bei den Rheingauer Rebsorten Riesling und Sylvaner
das Mostgewicht, den Zucker nach Fehling und die Gesamtsäure fest, und
zwar sowohl von gesunden, von der Kälte in keiner Weise beschädigten,
als auch von Trauben, an denen der Frost nicht spurlos vorüber gegangen
war, sondern denen er einen massigen Schaden zugefügt hatte. Die von
uns untersuchten Frosttrauben waren nicht durch und durch erfroren,
zeigten also äusserlich auch nicht die völlig erfrorenen Beeren eigentümliche,
helle kupferige Farbe, sie wiesen vielmehr auf der ganzen oder auf Teilen
ihrer Oberfläche ein schmutzig gräulich-bräunliche Färbung auf, der manch¬
mal ein kleiner Anflug eines undeutlichen Blau beigemischt war. Von
solchen Beeren sind nur die mehr aussen gelegenen Zellschichten durch
die niederen Temperaturen beeinflusst worden, die inneren Partien dagegen
von der Kältewirkung verschont geblieben. Die Beerenstiele waren trocken,
die Blätter durch den Frost abgefalien. Nach alter Erfahrung darf man
wohl annehmen, dass diese Trauben beim Eintreten des Frostes in der
Reife schon verhältnismässig weit vorgeschritten waren.
Ich beschreibe den Zustand der von uns untersuchten Frosttrauben
so genau, weil ich aus Beobachtungen des vergangenen Herbstes vermuten
muss, dass die später angegebenen Veränderungen bei längerem Hängen¬
lassen nach Eintritt der Kälte für total erfrorene und zur Zeit des Frost¬
befalles in der Reife noch wenig vorgeschrittene Trauben nicht oder
wenigstens nicht im vollen Umfange zutreffen.
Die Ergebnisse unserer Untersuchungen sind in „Mitteilungen über
Weinbau und Kellerwirtschaft“, Geisenheim a. Rh. 1913, S. 4ff., aus¬
führlich zu finden. Hier wollen wir sie nur auszugsweise bringen.
Die Zahlen über die verschiedenen Mostgewichte bestätigten die schon
lang bekannte Tatsache, dass reifere Beeren mit einem konzentrierteren
Inhalt widerstandsfähiger sind gegen Frost als Beeren mit dünneren Zell¬
säften. Die nicht vom Frost beschädigten Trauben wiesen durchschnittlich
ein höheres, in einem Fall sogar ein um 20° Öchsle höheres Mostgewicht auf.
Sodann zeigte sich, ausgenommen in einem Beispiel, in den ersten
Tagen nach der Frosteinwirkung zunächst ein allerdings geringes Steigen
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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft.
15
des Zuckergehaltes. Man darf wohl annehmen, dass die Zunahme des
Zuckers zum geringsten Teil auf eine Zuwanderung, sondern in der Haupt¬
sache auf eine erhöhte Konzentration des Saftes zurückzufiihren ist. Diese
Annahme ist um so berechtigter, als in den ersten acht Tagen nach dem
Eintritt des Frostes im allgemeinen warme, trockene Witterung herrschte.
Der Temperatursturz hatte in den Nächten vom 5.—8. Oktober statt¬
gefunden, und zwar zeigte das Bodenthermometer der Geisenheimer
Meteorologischen Station
in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober — 6,7® C.
„„ „ * 6. „ „ 7. „ 6,9® „ und
7 Q _ 7 oo
r> n » n 1 • n » n * n •
Nach den Frostnächten waren die Temperaturen verhältnismässig hoch.
Niederschläge waren vom 3.—15. Oktober nicht gefallen, dagegen
hatte sich vereinzelt Tau gezeigt.
Bei den späteren Untersuchungen konnten wir ziemlich allgemein ein
Zurückgehen des Zuckergehaltes feststellen. In dieser Zeit fielen häufig
Niederschläge.
Der Beereninhalt und damit auch der Zucker wurde durch die auf¬
genommene Niederschlagsfeuchtigkeit verdünnt. Das zeigte übrigens auch
die Kostprobe recht deutlich. Zum Schlüsse der Lese, Mitte November,
schmeckten die Beeren auffallend wässerig und leer.
Sehr interessant sind die Feststellungen über die Säuregehalte. Zu¬
nächst sind diese mit Ausnahme eines Falles wieder am grössten bei den
Frosttrauben, also den in der Reife weniger vorgeschrittenen Trauben.
Sodann tritt die Abnahme der Säure durch das Hinausschieben der
Lese sehr deutlich in die Erscheinung. Je höher der ursprüngliche Säure¬
gehalt, um so grösser ist auch die Verminderung. Der höchste Rückgang,
nämlich 5,9 °/ 00 , trat in den teilweise erfrorenen Trauben der Lage
„Becht“ ein.
Zur Abnahme der Säure hat gewiss auch die Verdünnung des Zell¬
inhaltes der Beeren durch die aus der Luft aufgenommene Feuchtigkeit
beigetragen; doch wohl nur in bescheidenen Grenzen. Die Hauptabnahme
wird man wohl auf Lebensprozesse in der Beere zurückzuführen haben,
zumal da der Oktober verhältnismässig warm war.
Über die zweckmässigste Behandlung von Frosttrauben sind umfang¬
reiche Versuche angestellt worden, deren Resultat aber erst im nächsten
Bericht mitgeteilt werden kann.
5. Über die Möglichkeit, die Unterseite der Rebblätter
mit Spritzbrühen zu treffen.
Infolge der neuesten Untersuchungen über die Infektion der Reben
durch die Plasmopara (Peronospora) viticola, die ergaben, dass dieser Pilz
von der Unterseite in das Rebblatt eindringt, riet man den Winzern, die
Rebstöcke möglichst von unten her zu spritzen. Viele hielten eine derartige
Forderung praktisch für undurchführbar. Die im Berichtsjahr in den
Anstaltsweinbergen gemachten Feststellungen bewiesen das Gegenteil.
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16 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Beim 1. und 2. Spritzen vermag man die Rebblätter bei entsprechendem
Vorgehen sehr wohl von unten zu treffen; Schwierigkeiten stellen sich
dagegen infolge der dichten Belaubung, wie sie zu dieser Zeit bereits ein¬
getreten ist, bei der Ausführung der 3. und bei späteren Bespritzungen ein.
Damit ist der gewünschte Zweck aber auch meist genügend erreicht, denn
die unteren, für die Ernährung des Stockes so wichtigen Blätter und die
Trauben sind gegen die Ansteckung geschützt.
Wenn man vom Spritzen der Blätter von unten spricht, könnte der
Leser vielleicht eine falsche Vorstellung erhalten. Naturgemäss werden die
von unten bis über den Stock hinauf geschleuderten Tropfen der Spritz¬
brühe infolge ihrer Schwere nach unten fallen und die Blattoberseiten
treffen, soweit sich diese nicht gegenseitig verdecken. Das Bestreben, von
unten zu spritzen, führt also zu einer Behandlung der Unterseiten und
lasst immer auch der Oberseiten der Rebblätter.
Will man die Blattunterseiten treffen, so ist das Spritzrohr gegen
früher um so viel zu verlängern, dass der Verstäuber bei aufrechtem Stand
des Arbeiters und gesenkter Stellung des Spritzrohres nahe an den Boden
kommt. Um dies zu erreichen, dürfte es meist genügen, eine Verlängerung
um 40—50 cm gegen früher vorzunehmen. Bei der früher benützten Länge
des Spritzrohres ist die Möglichkeit des Spritzens von unten vollständig
ausgeschlossen. Um unten hin zu gelangen, müsste der Arbeiter eine ge¬
bückte Stellung einnehmen, was er natürlich nie tut, und was bei der
Schwere des Spritzeninhaltes auch nicht verlangt werden kann.
Sodann muss der Spritzkopf in einem Winkel zum Spritzrohr stehen.
Von dieser Erkenntnis ausgehend, haben die Hersteller von Rebspritzen
verschiedene ^Vorrichtungen zum Spritzen von unten“ angefertigt. Bereits
im letzten Bericht beschrieben wir auf Seite 33 eine derartige Vor¬
richtung, hergestellt von der Firma Carl Platz in Luduhgshafen a. Eh.
Wir betonten, dass jenes „Dürkheimer Universal-Gelenkrohr“ (System
Krapp) den Arbeiter zu sehr ermüdet und ihn veranlasst, die notwendige
Bewegung des Spritzrohrs zu unterlassen. Die genannte Firma hat daher
im Sommer 1912 ein Spritzrohr in den Handel gebracht, wie es Abb. 2 a
zeigt. Das Rohr bildet kurz vor dem Ansatz des Verstäubers eine
Schleife derart, dass die Achse der Spritzdrüse etwa senkrecht zum Spritz¬
rohr steht.
Die Firma Gebrüder Holder in Metzingen hat das Spritzrohr unter
einem stumpfen Winkel knieförmig gebogen (Abb. 2 b). Die Achsen des
Verteilers und Rohres stehen nicht ganz senkrecht aufeinander. In Abb. 2 c
ist an Stelle des einfachen ein Doppelverstäuber verwandt.
Die drei bis jetzt geschilderten Rohre, Abb. 2 a, b und c sind be¬
züglich ihrer Brauchbarkeit gleich einzuschätzen. Sie alle drei erfüllen
den gewünschten Zweck.
Doch ist, um von unten spritzen zu können, die Anschaffung eines
besonderen Spritzrohres gar nicht notwendig. Wir haben z. B. im Anstalts¬
gut die von früher bereits vorhandenen Spritzrohre vorn einfach etwas
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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft.
17
umbiegen lassen, wie das Abb. 2d zeigt. Die Spritzen der Firma Edel
in Geisenheim waren schon immer mit so gebogenen Röhren ausgestattet.
Die Vorrichtung, wie sie Abb. 2d wiedergibt, ist ausserordentlich billig
und einfach und erfüllte ihre Aufgabe sehr gut. Wir haben unsere
sämtlichen Spritzrohre neben der früher erwähnten Verlängerung derart
ändern lassen und können nun jede besondere Einrichtung entbehren.
Das Spritzen von unten lässt sich damit, soweit dies technisch möglich
ist, sehr gut erreichen. Ich möchte daher diese Änderung der bisherigen
Spritzrohre empfehlen.
Abb. 2.
Diese Art ist jedenfalls viel praktischer als die in Abb. 2e dar¬
gestellte Vorrichtung von Vermorel-Villefranche. Bei ihr ist das Spritzrohr
zweiteilig. Der untere längere Teil verläuft gerade, der obere kurze ist
dagegen knieförmig gebogen. Beide Teile sind durch ein Gelenk mitein¬
ander verbunden, das es gestattet, das kurze gebogene Rohrstück in seiner
Richtung zu verstellen. Der Ausschlag beträgt 180 Winkelgrade. Dadurch
soll erreicht werden, den Verteiler so einzustellen, dass in jedem Einzel¬
fall auf die Höhe der zu bespritzenden Rebteile, die Grösse des Arbeiters
und andere Verhältnisse, welche eine Änderung der Spritzarbeit bedingen,
Rücksicht genommen werden kann. Diese Einrichtung hat aber durchaus
versagt. Auch beim vorsichtigsten Andrehen der Schraube, die die
Geisenheimer Jahresbericht 1912. 2
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18
II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Stellung des Kniestücks befestigt, war der Austritt der Brühe an dieser
Stelle nicht zu umgehen. Dazu ist eine derartige Verstellungsmöglichkeit
absolut überflüssig.
Wenn man von unten spritzen will, ist immer erforderlich: Ein
entsprechend kräftiger Druck — je grösser der Druck, desto besser —
und ein entsprechend feiner Verstäuber. Wer bei geringem Druck eine
grobe Verteilung erzielt, der beschmiert die Blätter (namentlich die unteren)
mit Brühe stark. Bei entsprechend grossem Druck und feinem Verstäuber
lässt sich dies sehr wohl verhüten. Die Verteilung muss vor allem auch
deshalb feiner sein, weil die Arbeit ganz entschieden langsamer als früher
ausgeführt werden muss.
Wer gut von unten spritzen will, muss seinen früher angewöhnten
Gang durch die Reihen etwas mässigen, denn die Verstäuber bestreichen
beim neuen Verfahren in derselben Zeit keine so grosse Fläche wie früher.
Infolge der langsameren Arbeit verbraucht man natürlich auch mehr Brühe
und zwar gegen früher etwa */*—V 3 mehr, je nach der Gründlichkeit der
Arbeit. Um die Leistungsfähigkeit der Spritzen etwas zu erhöhen, halte
ich die Verwendung eines doppelten Verstäubers für angebracht. Dadurch
wird die bestrichene Fläche grösser, ohne dass — allerdings eine feine
Verstäubung vorausgesetzt — die grünen Rebteile zu dick mit Spritzbrühe
belegt werden.
Der Spritzkopf darf nicht wie früher weit vom Stock entfernt gehalten
werden; der Verstäuber muss ziemlich nah am Stock bleiben. Natürlich
ist es auch jetzt notwendig, das Spritzrohr auf- und abwärts zu bewegen,
wobei man aber immer darauf zu achten hat, dass der Spritzkopf nach
oben gestellt ist.
In der ersten Zeit erschien diese Art des Spritzens etwas ungewohnt,
aber schon nach etwa 1 / 2 Stunde hatten sich die Leute gut darin ein¬
gearbeitet. Die Arbeit strengt etwas mehr an, weil das Auf- und Abwärts¬
bewegen des Spritzrohres etwas mehr Mühe macht, denn die Verlängerung
des Spritzrohrs stellt für den Arbeiter eine grössere Last dar. Man muss
deshalb darauf sehen, das die Auf- und Abwärtsbewegung nicht unterbleibt
oder aus Bequemlichkeit nicht eine nachteilige Einschränkung erfährt.
Vergleichende Versuche über die Wirkung des Spritzens von unten
nach oben liessen leider keine Schlüsse zu, da die Blattfallkrankheit im
Versuchsfeld zu wenig aufgetreten war.
6. Prüfung von pulverförmigen Mitteln gegen Peronospora
und Oidinm.
In letzter Zeit mehren sich, gestützt auf die Untersuchungen Müller-
Thurgaus über die Entwicklung des Peronosporapilzes, die Angebote
pulverförmiger Mittel für die gleichzeitige Bekämpfung der Peronospora
und des Oidiums. Schon im Sommer 1910 hatten wir verschiedene der¬
artige Pulver versucht, konnten aber ihren Wert infolge nur ganz ver¬
einzelten Auftretens der beiden Pilzkrankheiten nicht feststellen. Im
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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft
19
Berichtsjahr kann dagegen ein Urteil über die Wirkung gegen Oidium
gegeben werden.
Zur Anwendung kamen:
1. Laykokupferkalkschwefel von der Firma Laymaxn & Cie, Brühl-Köln.
2. Floria-Kupfer-Schwefel-Sulfat („Florcus“) von der Chemischen Fabrik
Dr. Nöbdlinoeb, Flörsheim a. M.
3. Pulvazuro von der Genossenschaft ungarischer Landwirte in Budapest.
1. und 2. wirkten gegen Oidium sehr gut, so gut wie der gebräuch¬
liche Schwefel, 3. versagte dagegen beinaher vollständig. Es waren un¬
gefähr die Hälfte von Oidiuminfektionen wie an den als Kontrolle dienenden
unbehandelten Stöcken anzutreffen.
Über die Wirksamkeit gegen Peronospora kann ein sicheres Urteil
nicht abgegeben werden, da dieser Pilz nur spärlich auftrat. Doch schien
es, als ob die Kupfervitriolkalkbrühe besser als diese Pulver wirkte.
Verbrennungserscheinungen wurden im Berichtsjahre bei keinem der
3 Pulver beobachtet.
7. Überwintern die Puppen des Heu- und Sauerwurmes am Boden
und in den abgefallenen Rebblättern?
Nachdem durch Untersuchungen festgestellt war, dass die Puppen
dieses Schädlings in unsern Verhältnissen nicht in der Erde überwintern,
trat die Behauptung auf, sie überdauerten die kalte Jahreszeit an der
Oberfläche der Erde und in den abgefallenen Rehblättern. Das gelte
namentlich von dem Ruhestadium der bekreuzten Art.
Ungefähr 27000 abgefallene Rebblätter wurden daher auf das Vor¬
handensein von Puppen mit grossem Zeitaufwand sehr gründlich untersucht,
wobei 12 Puppenhüllen, aber keine lebende Puppe gefunden wurden, trotz¬
dem die Untersuchungen in der Hauptsache im November vorgenommen
wurden. Da immerhin die Möglichkeit bestehen konnte, dass man auch
bei sorgfältigem Suchen Puppen übersah, wurden aus verschiedenen Stellen
im Weinberg grössere Mengen Reblaubes unter Kästen gebracht, die mit
dichtschliessender feinmaschiger Gaze überzogen waren. Etwa im Laube
vorkommende Puppen hätten sich nach ihrer Entwicklung in den Kästen
fangen müssen. Trotz sorgfältiger häufiger Beobachtung bis in den Juni
des Berichtsjahres haben wir in keinem der Kästchen eine Motte fest¬
stellen können.
Danach scheint es sehr unwahrscheinlich, dass die Puppen des be¬
kreuzten Traubenwicklers — die 2. Generation des Schädlings bestand
sowohl 1910 als 1911 in den Versuchs Weinbergen hauptsächlich aus der
bekreuzten Art — unter den in den Geisenheimer Weinbergen herrschenden
Verhältnissen regelmässig im oder am Boden oder im abgefallenen Laube
Vorkommen. Wohl wäre dagegen denkbar, dass sich einzelne Puppen
zufällig und ausnahmsweise an der Erdoberfläche oder im Laube finden.
2 *
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
8. Leuchtklebeband der Firma H. Gross-Hamburg zum Fangen
der Heu- und Sauerwurmmotten.
Die Firma H. GRoss-Hamburg wies im Berichtsjahr durch die Ver¬
sendung zahlreicher Prospekte an Winzer auf ihr Leuchtklebeband zum
Mottenfang hin. Es handelt sich bei dieser Neuerung um Leinenbänder,
die mit einer kleberigen in der Dämmerung angeblich leuchtenden Masse
belegt sind. Die Klebebänder sollen in den Weinbergen aufgehängt, die
Motten durch die Lichtwirkung angelockt und von der Klebemasse fest¬
gehalten werden. 9
Beim 1. Mottenflug wurde das Leuchtklebeband versuchsweise ange¬
wandt. Dabei haben wir festgestellt, dass die kleberige Masse nach kurzer
Zeit, meist schon nach einigen Tagen vollständig eintrocknete. Im Stadium
ihres klebefähigen Zustandes hat sie Motten des Heu- und Sauerwurmes
nicht anzulocken vermocht. Wir beobachteten nur einige andere un¬
gefährliche Insekten auf dem Klebeband.
Im Kampfe gegen den Heu- und Sauerwurm hat das Leuchtklebeband
der Firma H. Gross in Hamburg deshalb keinerlei Wert. Den Winzern ist
daher von dem Ankauf dringend abzuraten.
10. Prüfung von Geräten und Maschinen aus dem Gebiet
des Weinbaues,
a) Der Doppelspaten.
Hergestellt von der Firma Istel in Wiesbaden (Abb. 3).
Jeder der beiden über Kreuz gelegten durch einen Bolzen verbundenen
Holmen dieses zangenähnliches Gerätes trägt einen zu einem Halbzylinder
gewölbten Gussstahlspaten. Geschlossen bilden die
beiden Spaten einen Zylinder von 15 cm Durch¬
messer. In dieser Stellung stösst man das Gerät
in die Erde und bewegt die Holmen nun ausein¬
ander, wodurch der durch den Spaten gebildete
Zylinder enger und die von ihm umschlossene
Erde gefasst wird. Durch die Herausnahme des
Spatens wird auch die Erde mit ausgehoben und
es entsteht ein Loch von mindestens 15 cm
Durchmesser. In die Tiefe kann man bis zu lm
dringen.
Der eben beschriebene Doppelspaten leistet
dem Winzer sehr gute Dienste und zwar sowohl
bei der Herstellung von Pflanzgruben als auch von
Löchern für die Aufnahme von Pfosten für Draht¬
aulagen.
Die Vorteile der Wurzelreben- gegenüber der
Blindholzpflanzung werden immer mehr erkannt
Abb. 3 . Doppelspaten vonjisTEL. und gewürdigt) doch verwendet die allgemeine
Praxis nur in seltenen Fällen Wurzelreben. Der Grund hierfür liegt
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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft.
21
namentlich in den Schwierigkeiten hei der Pflanzung der bewurzelten
Beben. Gebraucht man dabei den Setzstickel, so werden die Wurzeln
gewöhnlich zu sehr eingekürzt und erhalten trotzdem meist eine unsach-
gemässe Lage. Die vorteilhaftere Pflanzung mit dem Spaten kommt zu
teuer und gestaltet sich in schweren Ton- und steinigen Böden auch sehr
beschwerlich. Diesen Übelständen vermag der Istel’sche Doppelspaten
glänzend Abhilfe zu schaffen. Das Ausheben der Pflanzgruben kann leicht,
schnell, billig und für die spätere Entwicklung der Pflänzlinge äusserst
zweckdienlich geschehen. Gerade für diesen Zweck bedeutet das in Bede
stehende Gerät für den Weinbau einen grossen Fortschritt. In gleicher
Weise und mit demselben Vorteil lässt sich der Doppelspaten zur Nach¬
pflanzung in ein- und zweijährigen Weinbergen benützen. Naturgemäss
erfordert die Pflanzung in diesem Fall immer besondere Sorgfalt, da in
dem bereits wieder fest gewordenen Boden die gelockerte Erde zum
Trocknen neigt. Die geflanzten Beben sind gut anzudrücken oder besser
einzuschlemmen.
Auch beim Ausheben von Löchern bei der Herstellung von Pfosten
für Drahtgestelle leistet der Doppelspaten sehr gute Dienste, so dass das
Gerät der Praxis sehr empfohlen werden kann, wenn auch der Preis von
15 M. etwas hoch ist.
b) „Der automatisch feuernde Feldschütze“.
Seit Erlass des deutschen Vogelschutzgesetzes vom 30. Mai 1908
mehren sich in den Weinbaugegenden die Klagen über Vogelschäden zur
Zeit der Traubenreife in bedenklicher Weise. Stare und Weinbergs-
drosseln verheeren in einigen Gebieten einen grossen Teil der Trauben¬
ernte. Die Winzer sehen sich daher nach Abwehrmassregeln um. Ver¬
anlasst durch diese Verhältnisse haben die Hersteller automatisch wirkender
Schiessvorrichtungen in letzter Zeit viel Beklame für ihre Fabrikate ge¬
macht. Es schien daher notwendig, einen dieser Apparate, die in der
Wirkung alle gleich zu beurteilen sind, auf seinen Wert zu prüfen. Wir
gebrauchten den „automatisch feuernden Feldschütsen “, hergestellt von
Boeder & Cie., Hannover.
Diese Vorrichtung wirkt derart, dass in gewissen regelmässigen Zeit¬
abschnitten Schreckschüsse selbsttätig abgegeben werden.
Zu Beginn der Traubenreife waren „Feldschützen“ versuchsweise in
die Weinberge gebracht worden. Die Schüsse lösten sich zu der im Katalog
angegebenen Zeit aus. Die in grosser Zahl im Weinberg naschenden
Amseln und Drosseln schreckten bei den ersten Schüssen auf und flogen
etwas hoch, um sich aber einige Meter vom ursprünglichen Buheort wieder
niederzulassen. Im Laufe einiger Tage hatten sie sich an das Geräusch
ebenso gewöhnt wie an Vogelscheuchen, Läutewerke und ähnliche Vor¬
richtungen zum Verscheuchen der Vögel.
Wenn man nicht zeitweise scharfe Schüsse abgibt, ist die Wirkung
des „Feldschützen“ gleich Null. Einige scharfe Schüsse wirken weit mehr.
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Als der „Feldschütze“ aus dem Weinberg entfernt war, liess ich versuchs¬
weise 2 Amseln abschiessen. Von da an waren die Vögel aus dem be¬
treffenden Weinberg verschwunden.
Bei der geringen Wirkung ist auch zu bedenken, dass die Beschaffung
des „Feldschützen“ sehr teuer kommt. Ein Apparat kostet 42 M.
c) Schwefelzerstäuber „Baff“
eingesandt von Fr. Franke, Frankfurt a. M.
Der Schwefelzerstäuber ist eine Nachahmung des Cartano 'sehen Ver¬
teilers. Er unterscheidet sich von diesem nur dadurch, dass man ihn zu
öffnen vermag, und dass er an der Ausgangsöffnung ein feines Drahtnetz
besitzt. Im Innern läuft ein Flügelrad, das durch den Luftstrom rotiert
und so den ausgetriebenen Schwefel feiner verteilen soll.
Beim Gebrauch zeigten sich bald Mängel, die eine Weiterbenutzung
unmöglich machten. Infolge der seitlichen Einmündung des Rohres in die
Trommel wird der Schwefel durch das Flügelrad zurückgeschlagen, setzt
sich an diesem fest und bringt es zum Stehen. Hierdurch fängt sich der
später aus dem Schwefelbalg geblasene Schwefel immer mehr und wird so
am Austritt gehemmt. Auch das vorgenannte Drahtnetz hemmt den Aus¬
tritt des Schwefels zu sehr. Der Apparat besitzt für die Praxis keinen
Wert. Der Preis von 1,50 M. ist äusserst hoch.
11. Über die Veränderung der Temperaturen im Weinbergsboden
während der verschiedenen Jahreszeiten.
Auf Veranlassung des Anstaltsdirektors wurden vom 15. August 1911
bis 1. April 1913 regelmässige Beobachtungen über die Veränderung der
Temperaturen im Weinbergsboden angestellt. Dabei war beabsichtigt,
grundlegende Zahlen über die Temperaturen im Boden, und zwar in ver¬
schiedener Tiefe überhaupt zu erhalten und dadurch u. a. auch event.
Anhaltspunkte für die Beurteilung der Frage der Reblausvermehrung in
den einzelnen Jahreszeiten und Bodenschichten zu gewinnen.
Die Temperaturmessungen wurden in einem Anstaltsweinberg in der
Lage „Fuchsberg“ vorgenommen. Das Gelände hat eine Neigung von 8°/ 0 .
Die Zeilenweite der Reben beträgt 1,10 m. Die Reihen verlaufen von
Nordnordost nach Südsüdwest.
Der Boden ist ein sandiger Lehm mit normalem Feuchtigkeitsgehalt.
Die Beschaffenheit und Feuchtigkeit des Bodens bleiben sich bis
etwa 1,60 m tief gleich.
Für die Messung waren 4 mit einem Holzmantel umkleidete Boden¬
thermometer beschafft worden. Der umgebende Mantel war nur an der
Skala und Quecksilberkugel unterbrochen. Die Thermometer wurden in
einem gegenseitigen Abstand von 75 cm in die Mitte zwischen die Reb-
reihen derart gebracht, dass sich die Quecksilberkugeln in Tiefen von 0,40,
0,75, 1,20 und 1,60 m und die Skalen etwas über der Erdoberfläche be¬
fanden. Dadurch konnten die Thermometer ständig im Boden bleiben.
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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 23
Die Ablesungen wurden vom 14. August 1911 an durch den Wein¬
bauassistenten Kloepfer regelmässig 3 mal täglich vorgenommen, und zwar
morgens 6 Uhr, nachmittags 2 Uhr und abends 6 Uhr.
Die höchsten Temperaturen in der Beobachtungszeit wurden am
21. August 1911 gemessen, und zwar unmittelbar über der Erde + 38,4° C.,
in einer Tiefe von 40 cm + 25,4°C., 75 cm tief + 21,57 °C., 1,20 m tief
+ 20,63° C. und 1,60 m tief +18,75 0 C. Von diesem Tage an sank die
Wärme in der Erde ständig und gleichmässig bis zum Februar 1912. Am
4. jenes Monates wurde die niedrigste Temperatur überhaupt abgelesen,
nämlich morgens 6 Uhr an der Erdoberfläche —17,5° C. Erst in den v
nachfolgenden Tagen erreichten auch die Temperaturen in der Erde ihren
niedrigsten Stand, und zwar am 5. in 40 cm Tiefe +1,7°, am 12. in 75 cm
Tiefe + 2,0°C., am 16. in 1,20 m Tiefe +3,9°C. und am 17. in 1,60 m
Tiefe +3,7 °C.
Trotz der sehr grossen Kälte, die allerdings nur 3 Tage dauerte,
herrschten in einer Tiefe von 40 cm immer noch +1,7 0 C.
Von dem Tage an, an dem das Thermometer in den einzelnen Schichten
den tiefsten Stand erreicht hatte, stieg die Temperatur wieder gleich¬
mässig und schon am 15. Mai des Jahres 1912 wurde an der Erdober¬
fläche die höchste Temperatur im Sommer 1912 gemessen, und zwar
+ 40° C. Aber die Wärmeperiode war nur sehr kurz, so dass die tieferen
Erdschichten nur wenig davon berührt wurden. So wurde die grösste
Wärme in 40 cm Tiefe erst am 13. Juli (+21,5° C.), in 75 cm Tiefe am
14. Juli (+18,6° C.), in 1,20 m Tiefe am 18. Juli (+18,2° C.) und in
1,60 m Tiefe am 5. August (+ 16,3° C.) gemessen. Über die höchsten
und niedrigsten Temperaturen geben folgende Tabellen Aufschluss.
Tabelle I.
Höchsttemperaturen wurden gemessen °C. (Sommer).
J ahr
An der Erd¬
oberfläche
0,40 m tief
0,75 m tief
1,20 m tief
1,60 m tief
1911 vom 15. August
an gerechnet . .
1912 .
+ 38,4 0 C.
+ 40,0°C.
+ 24,4° C.
+ 21,5° C.
+ 21,84 °C.
-f- 18,6° C.
+ 20,63 °C.
+ 18,2°C.
+ 18,75° C.
+16,3° C.
Tabelle II.
Die niedrigsten Temperaturen wurden gemessen # C. (Winter).
Jahr
An der Erd¬
oberfläche
0,75 m tief
1,60 m tief
1911/1912 . . .
1912/1913 . . .
—17,5 0 C.
—15,3 0 C.
+ 1,7 °C.
0,0 °C.
+ 2,0 °C.
+ 2,7 0 C.
+ 3,9 0 0.
+ 3,4 0 C.
+ 3,7 0 C.
-f- 4,3 0 C.
Danach wurde der Boden im Jahre 1912 in 40 und 75 cm Tiefe
durchschnittlich um 3°C., und in 1,20 und 1,60 m Tiefe um durchschnitt¬
lich 2°C. weniger erwärmt als im Vorjahre. Demzufolge ging auch die
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Abkühlung des Bodens sehr schnell vor sich. Schon am 1. November 1912
waren in 40 cm Tiefe nur +6,2° C. (während an demselben Tage des
Jahres 1911 die Temperatur in derselben Tiefe noch +9° C. betrug). Am
25. Februar 1913 hatte das Thermometer 40 cm tief schon den tiefsten
Stand, und zwar 0,0° C. angezeigt, 75 cm tief am 26. Februar +2,7° C.,
1,20 m tief an demselben Tage +3,4°C. und 1,60 m tief am 1. März
+ 4,3°C.
Die Grösse der Temperaturschwankungen zwischen Sommer und
Winter in den verschiedenen Bodentiefen ist aus folgender Zusammen¬
stellung ersichtlich.
Tabelle m.
Jahr
An der Erd¬
oberfläche
0,40 m tief
0,75 m tief
1,20 m tief
1,60 m tief
1911/12, 1911 vom
15. Aug. an ge¬
rechnet . . .
1912/1913 . . .
55,9 # C.
55,3 «C.
22,7 # C.
215 »C.
19,84 °C.
15,9 °C.
16,73 0 C.
14,8 °C.
15,05 °C.
12,0 °C.
Die Temperaturschwankungen an der Erdoberfläche, die besonders
im Frühjahr der beiden Jahre innerhalb 12 Stunden bis zu 30° C. und dar¬
über betrugen, übten auf die Temperaturen schon in einer Tiefe von 40 cm
nur einen ganz geringen Einfluss aus. Die stärkste Schwankung innerhalb
12 Stunden betrug dort nur 0,7° C. Die Temperaturen in den folgenden
Schichten wiesen kaum mehr Schwankungen auf. In diesen Tiefen war
je nach der Jahreszeit nur ein gleichmässiges Fallen oder Steigen dei
Wärme zu beobachten.
Die ausführlichen Zahlen werden in ihrem ganzen Umfange an anderer
Stelle veröffentlicht werden.
B. Kellerwirtschaft.
1. Betriebsbericht.
Im Anstaltskeller lagern zurzeit:
17 Halbstück 1911er und
25 „ 1912 er Weissweine
und verschiedene Versuchsweine in kleineren Mengen.
Am 4. Juni des vergangenen Jahres fand eine Versteigerung von
Anstaltsweinen statt, auf der 9 Halbstück 1909 er, 8 Halbstück 1910 er
und 12 Halbstück 1911er Weissweine zum Ausgebot kamen. Der Verlauf
der Versteigerung war sehr lebhaft; alle Weine wurden zugeschlagen, da
sie ohne Ausnahme weit über die Taxen bezahlt wurden. Die erzielten
Durchschnittspreise waren: für 1 Halbstück 1909er 753 M., für 1 Halb¬
stück 1910 er 862 M. und für 1 Halbstück 1911er 1630 M.
Die 1911 er haben sich sehr schön entwickelt. Kellertechnisch ist
dieser Jahrgang eigentlich uninteressant, denn seine Weine entwickeln sich
infolge der gesunden Beschaffenheit der Trauben bei der Lese beinahe ohne
wesentliches Zutun; Neigung zu Krankheiten und Fehlern ist nicht vor-
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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft.
25
handen. Interessant ist die frühe Reife dieses Jahrganges. Wir haben
bereits 3 Halbstück auf Flaschen gefüllt, die sich bis jetzt alle tadellos
hellgehalten und trotz ihres geringen Körpers — es handelt sich um unsere
kleinsten Weine dieses Jahrganges — durch die Flaschenlagerung an Güte
sehr gewonnen haben.
Viel schwieriger sind die 1912 er zu behandeln. Sie stellen einen
sogenannten unangenehmen Jahrgang dar. Wenn die Weine in der Ent¬
wicklung weiter vorgeschritten sind, nach einem Jahr, soll über die Most-
und Weinbehandlung dieses Jahrganges eingehend berichtet werden.
2. Vergleichende Versuche mit den verschiedenen zurzeit im
Handel vorkommenden Flaschenweinflltern.
Bereits in den Berichten 1910 und 1911 behandelten wir die Frage
der Flaschenweinfiltration (vergl. 1910 S. 29: Das SEiTZsche Flaschen¬
abfüllfilter „Komet“ und 1911 S. 34: Der rotierende Umfüllbock „Halley“).
Inzwischen sind neben den dort erwähnten SEiTZschen Fabrikaten auch
die anderer Firmen aufgetaucht. Bei den häufigen Anfragen aus den
Kreisen der Praxis über den Wert solcher Filter erschien es durchaus
wünschenswert, die Arbeitsleistungen der verschiedenen Systeme miteinander
zu vergleichen. Eine derartige Prüfung war um so notwendiger, als
namentlich der Weinhandel ein ausserordentlich grosses Interesse an dieser
Art der Weinbehandlung hat, ist es doch schon so weit gekommen, dass
die im Auftrag der Steigerer abfallenden Kommissionäre vom Produzenten
verlangen, dass die in den Gutskellern auf Flaschen gezogenen Weine
zuvor mit Flaschenabfüllfiltern behandelt werden. Wer hätte das vor
einigen Jahren für möglich gehalten? Dazu führte aber das Bedürfnis
des Handels nach einem solchen Verfahren und drängte vor allem auch
das heute mehr denn je hervortretende Bestreben des Weinhandels, die
Weine so früh wie möglich auf die Flasche zu bringen. Zu letzterem
Bestreben wird der Handel nicht allein durch die modernen Anforderungen
der Verbraucher an den Wein, sondern namentlich auch durch die heutigen
hohen Zinsen für Geld geleitet.
Wir prüften und vergehen miteinander:
1. Das Flaschenabfüllfilter „Komet“ der Seite- Werke, Kreuznach.
2. Das Flaschenabfüllfilter „Rapid“ der Apparatefabrik Fromme, G. m.
b. H., Frankfurt a. M.
3. Das „Glanz-Filter, System Iffland“, hergestellt von Weingutsbesitzer
Jean Iffland, Eltville (Rheingau).
Zu Beginn der vergleichenden Versuche war das iFFLANDSche Filter
noch nicht auf dem Markt erschienen. Wir arbeiteten daher zunächst nur
mit dem SEiTZschen „Komet“ und dem FROMMESchen „Rapid“ und ver¬
glichen später das IFFLANDSche Fabrikat mit dem SEiTZschen.
Den Bau des Seite 'sehen Filters hier nochmals zu schildern, kann
unterbleiben, da dies bereits im Bericht 1910, S. 29 geschehen ist.
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26
II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Frommes „Rapid“ (Abb. 4) hat im Äusseren sehr viel Ähnlichkeit mit
dem Seitzschen „Komet“. Auf einem etwa 47 cm hohen dreifüssigen Gestell
befindet sich der eigentliche Filterkörper. Der Boden desselben besteht
aus einer nach der Mitte geneigten Metallplatte, die einen Durchmesser
von ungefähr 30 cm hat. Auf die Metallplatte wird ein ebenfalls kreis¬
runder Einsatz gebracht, der nach unten durch ein ziemlich feines Sieb
abgeschlossen ist. Sechs Metallflanschen gestatten die Befestigung des
Einsatzes. Auf das dünne feinmaschige Sieb im Einsatz wird ein festeres
dichteres gelegt. Über dieses bringt man etwa 4 cm hoch die Filtermasse.
Als solche ist reine Baumwolle benützt. Über das mehr oder weniger
fest zusammengedrückte Filtermaterial wird ein weiteres dünneres Sieb
gelegt, und nun der metallene kräftige Deckel mit 6 Flanschen auf das
Ganze befestigt. In der
Mitte des Deckels befindet
sich der Einlass-, und da¬
neben der Lüftungshahn.
Die Auslauföffnung aus
dem Filter ist im Boden
eingelassen. Oben auf dem
Deckel ist seitlich der
eigentliche Abfüllhahn an¬
geordnet.
Für die Handhabung des
Apparates gibt die Firma
folgende Gebrauchsan¬
weisung heraus. Zuerst
werden 500 g der Filter¬
masse in einer mit kaltem
Wasser gefüllten Brenke
einige Minuten geweicht
und dann zu einem flocki¬
gen Brei verrieben, so dass keinerlei Knötchen mehr vorhanden sind.
Die fein zerriebene Masse schöpft man nu% in das leere Filter ein,
zuerst rings herum am Rand, dann in der Mitte, bis das Filter ungefähr
Vs gefüllt ist. Dann wird die Masse am Rand des Filters mit den Händen
etwas nach unten gepresst, worauf die ganze Filterschicht mit dem mit
einer Dreiecköse versehenen Abschlussieb eben gedrückt wird. In gleicher
Weise stellt man eine zweite und eine dritte Schicht her, bis das Filter
bis zum Rand gefüllt ist. Das Abschlussieb wird aufgelegt und das Filter
durch Aufschrauben des Deckels geschlossen. Etwa übrig gebliebene
Filtermasse kann man zum Nachfüllen später verwenden.
Zunächst wird nun der Abfüllhahn auf Mitte gestellt und der
Lufthahn geöffnet, worauf man Wein einlaufen lässt. Nach Austreten
des Weines aus dem Lufthahn wird dieser geschlossen und der Abfüllhahn
geöffnet. Es ist durch Probe festzustellen, wann das Wasser vollständig
Abb. 4.
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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft.
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entfernt ist. Die als Vorlauf entnommenen, vielleicht 2 oder 3 nicht ganz
hellen Flaschen werden am Spundloch des Fasses wieder eingefüllt,
das Sicherheitsventil aufgesetzt, und Kohlensäure je nach Bedarf zum
Drücken und vielleicht zum Imprägnieren verwendet.
Bei besonders trüben, schleimigen Weinen empfiehlt es sich, das
Filter nur bis etwa 3 / 4 der Höhe fest zu verpacken, wie angegeben,
und den Rest der Masse nur ziemlich lose aufzulegen. Von Zeit zu Zeit,
wenn das Filter wesentlich langsamer zu laufen beginnt, kann man diese
oböre Schicht durch neue Masse ersetzen.
Nachdem wir die Filter einzeln schon länger benutzt hatten, mit
ihrer Handhabung also vollständig vertraut waren, stellten wir mit dem
Seitzschen „Komet“ und Frommeschen „Rapid“ vergleichmde Versuche an,
die wir so Vornahmen, dass aus demselben Fass durch beide Filter zu
gleicher Zeit abgefüllt wurde.
Wegen Raummangels müssen die den Verlauf der einzelnen Filtrationen
wiederspiegelnden Zahlen wegbleiben; wir werden sie an anderer Stelle
veröffentlichen.
Die wichtigste Frage für die Bewertung eines Filters ist naturgemäss
dessen Leistungsfähigkeit , wobei zu unterscheiden ist zwischen quantitativer
Leistung, das heisst Menge des in einem gewissen Zeitraum filtrierten
Weines und qualitativer Leistung, unter welcher man den Grad der Klar¬
heit und die Ergebnisse der Geschmacksprobe des Filtrates aufzufassen
hat. Quantitative und qualitative Leistung müssen gemeinsam betrachtet
werden. Das geschieht bei der Beurteilung der Filter durch die Praxis
leider nicht immer. Wie könnten sich sonst jene Verhältniszahlen ergeben,
bei denen das eine Filter in einer gewissen Zeit drei und mehr mal so
viel Wein zu filtrieren vermag als das andere. Der gegenseitige Grad
der Klarheit wird bei solchen Angaben nicht berücksichtigt. Es ist natur¬
gemäss leicht, durch jedes Filter in kurzer Zeit eine gewisse Weinmenge
durchlaufen zu lassen, doch stehen bei ein und demselben Filter die Menge
der Leistung und die Qualität derselben meist im umgekehrten Verhältnis
zueinander.
Betrachten wir die Ergebnisse der vergleichenden Versuche hinsichtlich
der qualitativen Leistungsfähigkeit der beiden Filtersysteme zunächst all¬
gemein, so geht aus allen Versuchen klar hervor, dass in dieser Beziehung
der SEiTZSche „Komet“ leistungsfähiger ist als der FROMMESche „Rapid“.
Damit will ich nicht sagen, dass der FROMMEsche Apparat nicht in der
Lage wäre, ebenfalls ein helles Filtrat zu erzeugen, doch ergaben unsere
Feststellungen fast regelmässig Unterschiede in der Helligkeit der Filtrate
beider Systeme und zwar zu gunsten des SEiTZschen Fabrikates. Besonders
stark treten diese Unterschiede hervor bei jungen Weinen. Die von der
Firma Seitz früher eingefuhrte Bezeichnung „Sonnenglanz“ trifft auch für
die Filtrate mit dem „Kometen“ zu. In der Hauptsache hängt diese Ver¬
schiedenheit natürlich von der angewandten Filtermasse ab, die ja über¬
haupt für die Leistungsfähigkeit des Filters in erster Linie ausschlaggebend
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28
II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
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ist. Der Wert der Asbeste für die Feinfiltration hat sich auch in diesem
Fall bewiesen.
Vielleicht spricht bei der Klärung durch den FROMMEschen Apparat
der Umstand ungünstig mit, dass die auch noch so sorgfältig eingebrachte
Filtermasse immerhin eine gewisse Schichtung erhält. Wenn man das
Filter entleert, kann man am Mantel des herausgenommenen Massezylinders
immer deutlich Spalten erkennen, die vermutlich bei der Klärung hinder¬
lich wirken.
In der Praxis hört man manchmal Andeutungen über eine ge¬
schmackliche Beeinflussung der Weine durch Filtermassen und zwar gibt
es immer noch Praktiker, die die Asbeste in dieser Beziehung ungünstiger
beurteilen, wie dje aus Cellulose bestehenden Materialien. Wir haben bei
unsern Versuchen, bei denen — was eigentlich kaum notwendig sein wird
zu bemerken — immer verdeckt probiert wurde, diese Befürchtung nie
bestätigt gefunden (Voraussetzung ist eine zweckentsprechende Auf¬
bewahrung der Asbeste), dagegen einmal beim Filtrat aus dem „Rapid“
einen an Papier erinnernden Beigeschmack feststellen können. Allerdings
steht diese letzte Beobachtung vollständig vereinzelt da. Trotzdem wir
später öfters neue Baumwolle verwandten, haben wir eine so weit gehende
Beeinflussung wie in jenem Fall nicht mehr finden können. Nur die ersten
Flaschen, die ja aber ins Fass zurückgegeben werden, zeigten manchmal
Spuren eines solchen Geschmackes. Wurde gebrauchte Masse benützt, so
haben wir Papiergeschmack nicht herausgeschmeckt.
Manche Koster wollen das reiner schmeckende Filtrat aus dem
SEiTZschen „Komet“ als mehr „mitgenommen“, das weniger rein schmeckende
aus dem „Rapid“ als „weniger mitgenommen“ bezeichnen. Die ver¬
schiedenen Filtermaterialien sollen die Schuld an dieser Verschiedenheit
tragen. Eine derartige Auffassung von der Beeinflussung des Weines durch
die Filtration verursacht durch die verschiedenen Filtermaterialien geht
entschieden zu weit. Wir sprachen bereits aus, dass das Filtrat des
SEiTZschen Filters in der Regel heller ist als das des FROMMEschen. Nun
ist bekannt, dass hellere Weine immer reiner — mancher mag es dünner
nennen — schmecken als trübere. Davon kann man sich leicht dadurch
überzeugen, dass man ein und denselben Wein mit demselben Filter einmal
klarer und dann weniger klar filtriert. Das klare Filtrat wird bei fehler¬
freien gesunden Weinen immer reintöniger, aber oft auch etwas dünner
erscheinen. Aus demselben Grunde schmeckt ja ein Wein vor der Filtration
oft voller als nachher. Der reinere Geschmack, und darauf kommt es bei
der Durchführung einer Klärung vor der Flaschenfüllung in erster Linie
an, ist bei fehlerfreien Weinen immer auf Seiten des klareren Filtrates.
Ob man einen volleren Wein, der aber nicht so „glatten Abgang“ hat,
den Vorzug vor einem reintönigeren, dünner erscheinenden geben soll, er¬
scheint mir sehr zweifelhaft.
Die Beobachtung der Weine auf ihre Haltbarkeit in der Flasche
bewies, dass im allgemeinen das hellere Filtrat sich auf der Flasche auch
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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft.
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klarer hielt und reiner schmeckte als das trübere, was ja leicht verständlich
ist, wenn man bedenkt, dass im trüberen Wein mehr Stoffe Zurückbleiben
als im helleren, die in der Flasche natürlich eher zu störenden Nach¬
trübungen Veranlassung geben müssen.
Die quantitative Leistung beider Systeme wird durch die Grösse der
Filterfläche und die Art und Menge der Filtermasse beeinflusst. Der
SEiTZsche „Komet“ hat, wie aus der Beschreibung hervorgeht, eine weit
grössere Filterfläche als der FROMMEsche „Rapid“. (Durchmesser des
„Komet“ 53, des „Rapid“ 30 cm.) Gleiche Massen und gleiche Mengen
der Massen vorausgesetzt müsste das SEiTZsche Fabrikat bedeutend leistungs¬
fähiger sein als das FROMMEsche. Nun ist Baumwolle im allgemeinen
durchlässiger als Asbest, so dass der durch die Grösse der Filterfläche bei
dem SEiTZschen „Kometen“ bedingte Vorsprung durch die Art und Menge
der Masse dem „Rapid“ gegenüber etwas eingeschränkt werden muss.
Das haben denn auch unsere Versuche bestätigt. Gleiche Helligkeit voraus¬
gesetzt ist die in einer gewissen Zeit durch das SEiTZsche Filter laufende
Weinmenge in der Regel, namentlich in der ersten Zeit nach der Inbetrieb¬
setzung etwas grösser als jene durch das FROMMEsche Fabrikat. Die Unter¬
schiede sind aber gering.
Ist man bezüglich der Helligkeit weniger anspruchsvoll, so erreicht
der FROMMEsche „Rapid“ häufig einen kleinen Vorsprung. Da man aber
bei der Flaschenweinfiltration bezüglich der Helligkeit das Höchstmöglichste
zu erreichen bestrebt sein muss, wird man mit Vorteil immer die grössere
Klarheit vorziehen, auch wenn die quantitative Leistung etwas zurück¬
stehen sollte. Bei trüben Weinen kann sich nach einiger Zeit das Bild
etwas ändern. Das zeigte ein Versuch mit einem 1910 er Wein. Die
quantitativen Leistungen beider Systeme hielten sich bis zu etwa 400 Flaschen
gleich, von da ab errang der FROMMEsche „Rapid“ einen kleinen Vorsprung,
der vermutlich noch etwas grösser geworden wäre, wenn man die Filtration
hätte fortsetzen können. Bei solchen trüben Weinen wird die verhältnis¬
mässig dünne „Theorit“-Schicht natürlich etwas schneller verstopft als die
grössere Menge der Baumwolle, so dass die erstere weniger durchlässig
wird. Das hat bei der Filtration grösserer Weinmengen eine öftere Er¬
neuerung der Masse des „Kometen“ als beim „Rapid“ zur Folge. Bei
trüben Weinen hat sich dieser Befund häufiger gezeigt.
Natürlich ist sowohl für die qualitative als auch quantitative Leistungs¬
fähigkeit beim „Kometen“ die Auswahl unter den verschiedenen „Komet-
Theoriten“, beim „Rapid“ die Art des Stopfens der Filtermasse massgebend.
Dafür muss sich der Küfer im Laufe der Zeit ein gewisses Verständnis er¬
werben. Er muss dem Wein ansehen, welche Art von „Theorit“ die besten
Resultate ergibt. Bei trüben Weinen hat sich der „Komet-Theorit II“ be¬
sonders in der 2—3 fachen Menge angewandt ganz hervorragend bewährt.
Beim „Rapid“ ist es Aufgabe des Küfers, sich zunächst zu orientieren, ob er
die Masse dichter oder weniger dicht in das Filter bringen muss. Je
trüber der zu filtrierende Wein ist, um so dichter wird das Filter in der
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
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Regel gestopft. Je nach der Auswahl des Filtriermaterials beim „Kometen“
und der Dichtigkeit der Packung beim „Rapid“ hat bald das eine, bald
das andere Filter hinsichtlich der Menge der Leistung einen kleinen Vor¬
sprung. Man beachte dabei aber, was vorher über die Helligkeit gesagt ist.
Weine, deren Trübung eine gewisse Stärke erreicht hat, sollen mit diesen
Filtern überhaupt nicht behandelt werden. Ich will nicht unterlassen, hier
noch einmal zu betonen, dass diese Klärvorrichtungen keine Filter im ge¬
wöhnlichen Sinne sind, sondern nur dazu benutzt werden sollen, an sich
fertigen Wein noch den letzten Glanz zu geben. Für diesen Zweck gebe
ich aber dem SEiTzschen „Kometen“ den Vorzug vor dem FROMMEschen
„Rapid“, wenngleich ich nicht verhehle, dass die Behandlung des Seitz-
schen Apparates etwas mehr Sorgfalt verlangt.
Ein Vorzug des FROMMEschen „Rapid“ besteht darin, dass man den
Apparat während der Filtration örtlich verändern und ohne Störung ab¬
stellen kann, was beim „Kometen“ nicht möglich ist. Unterbricht man die
Filtration beim SEiTzschen Filter, so laufen die nachfolgenden 10—12 Liter
des Filtrates trüber und erst dann tritt die ursprüngliche Klarheit wieder ein.
Ein Unterschied zwischen beiden Systemen besteht auch in der An¬
wendung der Kohlensäure. Während Fromme Kohlensäure von Anfang an
verwendet, benützt man Kohlensäuredruck beim „Kometen“ erst, wenn die
Leistungsfähigkeit sich etwas vermindert. Die Anwendung der Kohlensäure
bedingt ein gewisses Schäumen, was allerdings bei dem FROMMEschen
Apparat deshalb weniger stört, weil der Wein infolge der Einfüllvorrichtung
ziemlich weit unten in die Flasche eintritt. Arbeitet man beim „Kometen“
mit Kohlensäuredruck, so tritt durch die Verwendung des Revolverhahnes
etwas Weinverlust ein. Andererseits bleibt in der Baumwolle des „Rapid“
naturgemäss mehr Wein zurück als in der Asbestschicht des SEiTzschen
Apparates.
Verschieden sind beide Systeme auch in den Preisen. In den von
uns benützten Grössen kostet der SElTZsche „Komet“ 350 M., der Fromme-
sche „Rapid“ 230 M.
Das
Glanzfilter „System Iffland“
ist kleiner als die vorhergehenden. Das uns eingesandte Exemplar be¬
steht aus einem metallenen Kessel mit einem Durchmesser von ungefähr
20 cm und einer ebensolchen Höhe. Der Boden des Kessels ist nach der
Mitte zu geneigt. In den Kessel wird ein zylindrischer Einsatz eingelassen.
Der Mantel dieses Zylinders besteht aus einem dichten Sieb, der Boden
ist dagegen massiv. In der Mitte des Einsatzes ist eine Röhrenanordnung
angeschraubt, die aus 4 Röhren besteht. Die mittlere massive hat neben
dem Zweck, mechanischen Halt zu geben, die Aufgabe, den filtrierten
Wein abzuleiten. Der Mantel der 3 seitlichen besteht aus einem Sieb¬
geflecht, durch das der filtrierte Wein gedrückt und von da in die Ab¬
leitungsröhre geführt wird. Zwischen dem äusseren zylindrischen Sieb
und der Röhrenanordnung wird die Masse, die aus Zellulose hergestellt zu
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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft.
31
sein scheint, mit einem eigens beigegebenen hölzernen stempelartigen Gerät
eingebracht. Je nach der Beschaffenheit des Weines verwendet man für
eine Füllung 600—700 g. Die Masse kann in Wasser oder in Wein gelöst
werden. Je trüber der Wein ist, desto dichter ist das Filtriermaterial zu
packen. Auf die eingefüllte Masse kommt ein metallener Deckel, der die
Einlassöffnung für den Wein und einen Entlüftungshahn enthält. Der
Wein gelangt also oben in und unten aus dem Filter.
Beim Gebrauch wird das Filter entweder direkt an den Ansteck-
krahnen des Fasses geschraubt — Erfordernis ist allerdings eine ent¬
sprechend hohe Lage des Fasses — oder auf ein dreifüssiges Gestell
gesetzt. Wird die Masse in Wasser aufgelöst, so sind die zuerst ablaufenden
Flaschen natürlich gewässert und müssen entfernt werden. Lösst man das
Filtermaterial in Wein auf, so ist dies nicht notwendig.
Auch mit diesem Filter haben wir Versuche angestellt. Da es uns
aber erst später als die beiden andern eingeschickt wurde, verglichen wir
seine Leistungen nur noch mit dem SEiTZSchen. Die Ergebnisse gleichen
sehr jenen mit dem „Rapid“, was ja durch die Gleichheit der Masse
leicht verständlich ist.
Im Verhältnis zu seinen Mafsen ist das Filter leistungsfähig, nament¬
lich bei trüben Weinen. Die Helligkeit des Filtrates gleicht der durch
das FROMMEsche „Rapid“ erreichbaren. In dem Mafse, als die Klarheit
zunimmt, verkleinert sich allerdings die Menge der Leistung. Soll das
Filtrat in seiner Helle jenem aus dem SErrzschen „Kometen“ gleichen, so
steht die quantitative Leistung zurück. In bezug auf den Geschmack des
Weines lässt sich ebenfalls dasselbe sagen wie vom „Rapid“.
Der Preis des Filters mit Masse beträgt nur 185 M.
Wie die Firma Seitz, so hat auch die Apparatefabrik Fromme einen
Umfüllbock gebaut, der mit dem Filter verbunden und so der Wein von
Flasche zu Flasche filtriert werden kann. Er ist folgendermassen gebaut:
Auf einem dreifüssigen Gestell finden sich 2 Böden, von denen der untere
einen Eisenhebel trägt, der zur Unterstützung des gleichzeitig benutzten
Filters dient. Auf dem zweiten Boden finden sich 4 Flaschenuntersätze,
von denen 2 federnd und 2 fest sind. In der Mitte ist auf einem Eisen¬
gestell der eigentliche Umfüllbock montiert. Auf die umzufüllende Flasche
kommt ein doppelt durchbohrter Gummistopfen. Durch dessen eine Durch¬
bohrung führt eine etwa 32 cm lange verzinnte Röhre, die bis in die
Nähe des Flaschengrundes reicht. Durch diese Röhre wird der Wein aus
der Flasche gedrückt. Die zweite engere Durchbohrung trägt einen dünnen
Metalleinsatz, durch den die Kohlensäure einströmt, die auf der Oberfläche
des Weines in die Flasche drückt. Dadurch wird der Wein ausgetrieben
und durch einen anschliessenden Schlauch in das verbundene Filter bewegt.
Ist er dort geklärt, so läuft er zum Umfüllbock zurück und zwar direkt
in einen etwas tiefer angebrachten Abfüllhahn.
Zu gleicher Zeit werden immer 2 Flaschen behandelt, von denen aber
nur eine läuft. Die Umstellung geschieht durch einen einfachen Doppelhahn.
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Der Umfüllbock wird immer in Verbindung mit dem Filter gebraucht.
Die Einrichtung des Umfüllbockes erscheint uns sehr gut. Der Apparat
ist handlich und arbeitete beim Gebrauch immer tadellos. Mit Luft kommt
auch hier der Wein nicht in Berührung. Die Wiederklärung eines Weines
geschieht also möglichst schonend, zumal da auch kein Verlust an anderen
Stoffen durch das Umfüllen eintritt. Das Umfüllen geschieht stossfrei. Die
Abb. 5.
quantitative Leistung ist hier etwas grösser als bei dem SEiTZSchen Um¬
füllbock „Halley“, bezüglich der qualitativen gilt das vom FROMMEschen
Filter Gesagte.
3. Anstreich- und Desinfektionsmaschine „Freya“
von Gebrüder Holder in Metzingen (Württemberg) (Abb. 6).
Durch die Fortschritte, die in den letzten Jahren die deutsche Reben¬
spritzenindustrie machte, gewann natürlich die Herstellung von Tünch¬
maschinen auch. Diese Tatsache ist sehr erfreulich, denn das Bedürfnis
für solche Maschinen wächst immer mehr. Bereits früher beschäftigten
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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft.
33
wir uns verschiedentlich mit der Prüfung von Tünchmaschinen; auch in
den beiden letzten Jahren wandten wir ihnen unser Jnteresse zu und
prüften Holders „Freya“.
Die Spritze besteht aus einem auf ein eisernes Fahrgestell montierten
Flüssigkeitsbehälter aus starkem Kupferblech, der je nach der Grösse
40—100 l Inhalt hat. In den Behälter ist eine aus Messing hergestellte
Kolbenpumpe eingebaut, die mit Metallkugelventilen arbeitet. In die oben
angebrachte Einfüllöffnung ist ein Reinigungssieb eingelassen. Von der
Pumpe zweigt ein 5 m langer karbolineumbeständiger Panzerschlauch ab,
der an seinem Ende einen Abstellhahn mit entsprechend langem Spritzrohr
aus Messing oder Bambus mit eingezogenem Messingrohr trägt.
Wir verwenden die Maschine zum Tünchen von Kellern, Betriebs¬
gebäuden und dem Stall seit
etwa 2 Jahren und sind
mit ihren Leistungen ausser¬
ordentlich zufrieden. Un-
Gang ist leicht, die Inbetrieb¬
setzung erfordert sehr viel
weniger Kraft als die der
StepB an sehen Maschinen, die
Verstaubung ist dauernd gut.
Verstopfungen des Verstäu-
bers kommen kaum vor. Der
Druck der Pumpe hält gut
an und ist sehr gleichmässig
und die Bauart des Ganzen
ist äusserst solid, was bei
einer Tünchmaschine ent¬
sprechend dem Gebrauch
auf Gerüsten besonders zu
schätzen ist.
Wir können die „Freya“ der Praxis bestens empfehlen und ziehen sie
allen anderen ähnlichen Fabrikaten aus den oben angegebenen Gründen vor.
Je nach Grösse schwankt der Preis zwischen 128 und 189 Mark.
Wir wollen noch bemerken, dass sich die Spritze auch zur Schäd¬
lingsbekämpfung besonders an hohen Bäumen verwenden lässt.
4. Verschlussstopfen für Steinzeug-Gärkruken, System Dr. Vehrigs,
hergestellt von „Thüringische Braunkohlen-, Ton- und Steinzeug-
Werk“, Mertendorf, Bezirk Halle.
Die einüefernde Fabiik stellt unter andeiem Kruken aus glasiertem
Steinzeug her, für welche der patentierte Verschlussstopfen, zu dessen
Fabrikation dieselbe Masse benutzt wird, als Verschluss dient. Der Ver¬
schlussstopfen ist von kegelförmiger Gestalt. Sein oberer Randteil tritt
seitlich etwas hervor. In der inneren Höhlung befindet sich ein bügel-
Geisenheimer Jahresbericht 1912. 3
Abb. 6.
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34
n. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
förmiges Rohr, dessen eines Ende sich an der Bodenfläche öffnet, während
das andere in geringem Abstand darüber endet. In die mittlere Höhlung
wird Wasser gefüllt, das den hermetischen Abschluss wie bei den gewöhn¬
lichen tönernen Gärtrichtern herstellen soll.
Wir haben die Kruke mit dem Verschlussstopfen zur Vergärung von
zuckerhaltigen Flüssigkeiten verschiedentlich verwandt und feststellen
können, dass die Wirkung des Verschlussstopfens jener der gewöhnlichen
tönernen Gärspunden vollständig gleich kommt. Je nach der Grösse des In¬
haltes der Kruken wird auch der Verschlussstopfen mit verschiedenen Mafsen
hergestellt. Das ist sehr notwendig und richtig, weil sonst die Ausfluss¬
gelegenheit für reichliche Mengen von Kohlensäure sehr gering wäre. Der
Stopfen passt infolge seiner kegelförmigen Gestalt genau in den Kruken-
hals. Trotzdem erscheint es nach unseren Feststellungen notwendig, ihn
noch mit Wachs, Siegellack oder einem ähnlichen Material abzudichten.
G. Sonstige Tätigkeit.
Als Praktikanten waren im Berichtsjahr in der Weinbauabteilung tätig:
Bender, Ludwig, Saargemünd, Tarschimanjanz, Artasches, Matrasa
Ehrlenholtz, Oskar, Leer, (Russland),
Hoehl, Carl, Geisenheim, Vohrer, Walter, Helenendorf (Russland),
Kaiser, Karl, Mainz, Votteler, Robert, Helenendorf (Russland),
Regitz, Wilhelm, Scheidt, Widmer, William, Naples (Amerika),
Schmitz, Lothar, Godesberg, Woronine, Victor, Jalta (Russland).
Am Obstverwertungskursus für Männer hatte der Berichterstatter 11, am Obst¬
verwertungskursus für Frauen 3 Vorträge übernommen.
Vorträge hielt der Berichterstatter:
Am 12. Mai in Rüdesheim über: „Neueste Ansichten über die Bekämpfung der
Blattfallkrankheit.“
Am 15. September bei der Generalversammlung des „Verbandes preussischer
Weinbaugebiete“ über: „Drahtanlagen und Heftvorrichtungen in Weinbergen.“
Am 15. Januar in Winkel über dasselbe Thema.
Am 14. März in Worms über: „Wie gestaltet der Winzer den Weinbau heute
intensiv und dabei möglichst billig?“
Als Sachverständiger wirkte er bei Abschätzung des Vogelschadens in den Wein¬
bergen der Königl. Domäne Assmannshausen.
Als Geschäftsführer des „Verbandes preussischer Weinbaugebiete“ nahm er an
den Vorstands- und Ausschusssitzungen sowie an der Hauptversammlung in Kreuznach
teil. Er redigierte die Zeitschrift „Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft“
(Der Winzer) Geisenheim.
Der Berichterstatter leitete folgende fachwissenschaftliche Exkursionen der
Wein- und Obstinteressenten der Anstalt.
Am 9. Mai Teilnahme an Naheweinversteigerungen in Kreuznach und Besichti¬
gung der Domäne Niederhausen.
Am 27. Juli Besichtigung der Maschinenfabrik Theo und Geo Seitz, Kreuznach.
Am 10. August Besuch in der Schaumweinkellerei Geiling, Bacharach und der
Stillweinhandlung Jakob Hütwohl, Steeg.
Vom 21.—28. September fand die alljährlich abgehaltene grosse Exkursion unter
Leitung des Berichterstatters nach der Schweiz und dem Eisass nach folgender Zeit¬
einteilung statt:
1. Tag: Fahrt nach Biel (Schweiz).
2. Tag: Fahrt nach Twann; Besichtigung der Weinberge und Rebschulen der
dortigen Rebgesellschaft und der Weinberge bei Neuenstadt; Fahrt nach
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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft.
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Auvernier; Besichtigung der Weinbaustation und der Versuchsweinberge;
Bahnfahrt nach Bern.
3. Tag: Besichtigung der Stadt Bern; Fahrt über Interlaken, Luzern (Besichtigung
der Stadt und des Gletschergartens) nach Zürich.
4. Tag: Besichtigung der Stadt Zürich und der Weinberge bei Erlenbach, Herrliberg
und Meilen, der Schweizer Versuchsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau
sowie der Genossenschaft für Obstwein in Wädenswil.
5. Tag: Fahrt nach Landquart; Gang durch die Weinberge von Maienfeld, Jenins
und Malans; Fahrt durch das St. Galler Rheintal (mit Weinbau) und das
Thurtal nach Frauenfeld.
6. Tag: Besichtigung des Gutes Karthaus-Ittingen (Besitzer Oberst Fehr) und Gang
durch die Weinberge von Nussbaumen und Stammheim; Fahrt nach Schaff¬
hausen; Besichtigung der Stadt und des Rheinfalles.
7. Tag: Fahrt nach Gebweiler; dort Besichtigung der Weingüter der Herren
v. Schlumberger und des Herrn Dr. Räder.
8. Tag: Wanderung durch die Bergholzzeller und Orschweierer Rebberge zum
Weingut des Kommerzienrates Hartmann auf dem Bollenberg; Besichtigung
des Gutes; Ausflug nach den „Drei Ähren“ und Fahrt nach Strassburg.
9. Tag: Heimreise über Strassburg.
Am 17. Oktober Besichtigung der Maschinenfabrik Philipp Mayfarth & Cie.,
des Obstmarktes und der Dampfapfelweinkelterei Adam Rackles, Frankfurt a. M.
Am 18. Januar Besichtigung der Weinberge und der Kellerei des Schlosses
Johannisberg und der Weinhandlung Johann Klein in Johannisberg.
Allen denen, die zum Gelingen der Studienreisen beigetragen haben, sagen wir
auch an dieser Stelle unsern verbindlichsten Dank.
D. Veröffentlichungen.
Heftvorrichtungen in den „Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft“
(Der Winzer) Geisenheim.
Zur Bekämpfung der Blattfallkrankheit in den „Mitteilungen über Weinbau und
Kellerwirtschaft“ (Der Winzer) Geisenheim.
Was kann jetzt noch zur Milderung des Frostschadens geschehen? in den „Mit¬
teilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft“ (Der Winzer) Geisenheim.
Winzer - und Bauernhilfe in den „Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft“
(Der Winzer) Geisenheim.
Ein sehr gutes kaltflüssiges Flaschenwachs in den „Mitteilungen über Weinbau
und Kellerwirtschaft“ (Der Winzer) Geisenheim.
Über Drahtanlagen und Heftvorrichtungen in Weinbergen in den „Mitteilungen
über Weinbau und Kellerwirtschaft“ (Der Winzer) Geisenheim.
Zur Veränderung der Zusammensetzung teilweise erfrorener Trauben bei
weiterem Verbleiben am Rebstock nach der Frosteinwirkung in den „Mitteilungen
über Weinbau und Kellerwirtschaft“ (Der Winzer) Geisenheim.
Vom Verjüngungszapfen in den „Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirt¬
schaft“ (Der Winzer) Geisenheim.
Das Weinjahr 1912 in Deutschland in „Die französische Rebe“ Paris.
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
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Bericht über die Tätigkeit im Obstbau, in der Station für Obst¬
und Gemüseverwertung und im Gemüsebau.
Von dem Betriebsleiter Garteninspektor Junge.
A. Obstbau.
1. Allgemeine Jahresübersicht.
Wenn das Jahr 1911 infolge der Dürre manche unangenehme Er¬
scheinung mit sich gebracht hatte, so traten doch die Vorteile der grossen
Wärme und starken Belichtung nachträglich deutlich in die Erscheinung. Sämt¬
liche Obstarten zeigten im Frühjahr einen überaus reichen Blütenansatz, so
dass die Aussichten auf die bevorstehende Obsternte die denkbar besten
waren. Der verflossene Winter 1911/12 brachte sehr viele Niederschläge,
so dass ein Mangel an Feuchtigkeit im Boden — als Nachwirkung des
trockenen Vorjahres — nicht zu befurchten war.
Leider entsprach der Ertrag bei den einzelnen Obstarten nicht dem
Blütenansatze, denn Wilterungsverhältnisse und Schädlinge beeinflussten
den Fruchtansatz in recht nachteiliger Weise. Die Aprikosenblüte setzte
bereits am 21. März, die Pfirsichblüte am 26. März bei günstigem Wetter
ein. Mit Beginn der Blüte von Kirschen, Zwetschen, Pflaumen und Birnen,
die in die Zeit vom 3.-8. April fiel, schlug das Wetter jedoch um.
Bereits am 4. April war eine Kälte von — 2 0 C. zu verzeichnen. Diese
steigerte sich am 13. und 14. April auf — 3 0 C.; dazu herrschte scharfe
Ostluft. Es war vorauszusehen, dass dieser Frost an den Blüten des
Steinobstes und der Birnen Schaden hervorrufen würde. Auf der Ost¬
seite der Bäume hatten die Blüten infolge der zeitigen Einwirkung der
Sonne am Morgen am meisten gelitten. Wenn auch hei den Birnen dem
Anscheine nach nur die Blumenkronblätter durch den Frost vernichtet
waren, der Griffel jedoch gesund geblieben war, so stellte es sich doch
später heraus, dass der Befruchtungsvorgang durch den Frost gelitten
haben musste, denn ein sehr grosser Teil der in Bildung begriffenen kleinen
Früchte wurde von den Bäumen abgestossen.
Den grössten Schaden hatten die Frostnächte vom 13. und 14. April
an den Aprikosen angerichtet. Die Früchtchen hatten um diese Zeit
bereits Erbsengrösse erreicht und traten über die schützende Hülle des
Kelches hervor. Das junge, zarte und sehr wasserhaltige Gewebe hielt
nicht stand und die Früchte gaben durch die schwärzliche Farbe zu er¬
kennen, dass der Frost sie vernichtet hatte. Bei Aprikosen hatten wir
demzufolge eine Fehlernte zu verzeichnen.
Auch ein grosser Teil der männlichen Blüten des Walnussbaumes
war durch die Kälte zerstört. Immerhin genügte die Zahl der übrig¬
gebliebenen, um die weiblichen Blüten zur Befruchtung zu bringen. Die
Walnussernte fiel recht befriedigend aus.
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Original frum
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
37
Nach Mitte April war die Witterung für den Blüteverlauf recht
günstig, was den mittelfrüh- und späthlühenden Birnsorten sowie den
Äpfeln zustatten kam. Leider musste bei Beginn der Erdbeerblüte, die
mit dem 25. April einsetzte, festgestellt werden, dass auch hier der Frost
vom 13. und 14. April Schaden angerichtet hatte; die Blüten waren in
den Knospen zum grossen Teil vernichtet. Laxtons Noble scheint gegen
Frost besonders empfindlich zu sein.
Wenn heutzutage von verschiedenen Fachzeitschriften besonderer
Wert darauf gelegt wird, über den Blüteverlauf sowie über etwaige Frost¬
schäden möglichst schnell unterrichtet zu werden, um das Resultat alsdann
weiteren Kreisen bekannt zu geben, so dürfte doch hierbei ein wenig mehr
Zurückhaltung am Platze sein, da der Schaden nicht in allen Fällen in
kürzester Frist in vollem Umfange überblickt werden kann. Voreilige
. Berichte liefern jedoch unklare Bilder über den jeweiligen Stand der vor¬
aussichtlichen Obsternte, was dem Obsthandel nicht zum Vorteil gereicht.
Im August setzte kühles, regnerisches Wetter ein, das nicht nur dem
Winzer die Hoffnung auf einen guten Herbst vernichtete, sondern auch die
Ausbildung des Obstes nachteilig beeinflusste. Dies trat besonders bei
den Himbeeren, Pfirsichen und manchen Birnsorten hervor, deren Aroma
im Vergleich zu den Vorjahren zu wünschen übrig liess.
Auffallend war die Frühreife des Obstes im allgemeinen. So konnte
mit der Ernte der Kirschen bereits am 24. Mai begonnen werden; auch
bei den übrigen Obstarten musste mit der nötigen Sorgfalt der richtige
Zeitpunkt der Ernte abgepasst werden, um Verlusten durch vorzeitiges
Abfallen bezw. Übergehen vorzubeugen. Hierbei wurde festgestellt, dass
auch Verschiebungen im Eintritt der Baumreife bei den einzelnen Sorten
zu verzeichnen sind, so dass manche spätreifende Sorte vor solchen, die
unter normalen Verhältnissen früher reifen, geerntet werden musste.
Somit lehrte das verflossene Jahr, dass den sogenannten ,,Pflücktabellen“
auch keine zu grosse Bedeutung beigemessen werden darf, da durch die
jeweiligen Witterungsverhältnisse des Jahres stets Abweichungen hervor¬
gerufen werden.
Im Herbst, am 5.—7. Oktober, wurden die Obstzüchter durch einen
starken vorzeitigen Frost überrascht, der an vielen Kulturen empfind¬
lichen Schaden verursachte. Es wurden in diesen Nächten — 4° C. ver¬
zeichnet. Wenn auch ein Erfrieren der Früchte nicht wahrgenommen
werden konnte, so reifte doch das nach diesen Frostnächten geerntete Obst
auf dem Lager sehr rasch, so dass zur Weihnachtszeit die edlen Tafel-
birnen, wie Winterdechantsbirne, Olivier de Serres und Edelcrassane, die
sich sonst bis Ende Februar halten, bereits vorüber waren. Der Frost
hat somit eine Beschleunigung der Reife zur Folge gehabt. Die Spalier¬
reben verloren durch den Frost vorzeitig die Blätter, so dass die Trauben
nicht ausreifen konnten und für den Rohgenuss unbrauchbar waren.
Das Gesamtergebnis der Ernte war folgendes:
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38
EL Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Äpfel: gut.
Birnen: sehr gut.
Süsskirschen: gering.
Sauerkirschen: gut.
Zwetschen: sehr gut.
Reineclauden: genügend.
Mirabellen: ziemlich gut.
Aprikosen: fehlend.
Pfirsiche: gering.
Erdbeeren: befriedigend.
Stachelbeeren: gut.
Johannisbeeren: gut.
Himbeeren: ziemlich gut.
Brombeeren: ziemlich gut.
Weintrauben: gering.
Walnüsse: gut.
2. Praktische Massnahmen für die Bekämpfnng tierischer
und pflanzlicher Schädlinge.
Die Blutlaus trat im verflossenen Jahre nur im Vorsommer etwas
stärker auf, während sie mit Beginn der kühlen, regnerischen Witterung
zurückging. Die Bekämpfung, die während des Sommers mit Jnsekten- #
harzölseife vorgenommen wurde, verursachte deshalb auch nur verhältnis¬
mässig wenig Unkosten.
Auch die Blattläuse zeigten sich nur in den Monaten Mai und Juni
stärker, so dass das Wachstum der Bäume durch diesen Schädling nicht
viel behindert wurde. Zur Bekämpfung wurde Quassia-Schmierseifenbrühe
benutzt, die immer noch als das beste und billigste Mittel bezeichnet
werden kann.
Mehr Arbeit verursachte die Vernichtung der Schildläuse, zumal der
Diaspis fallax an den Birnbäumen, die der gefährlichste Feind in den
hiesigen Anlagen ist. Da die Schwefelkalkbrühe als Bekämpfungsmittel
hier vollkommen versagt hat, wurde wieder Carbolineum verwendet. Wird
zur Winterzeit der Anstrich der befallenen Baumteile ausgeführt, so ist
eine 40%ige Lösung zu verwenden; schwächere Lösungen töten bei
stärkerem Befalle die Läuse nicht sämtlich ab. Nach unseren Erfahrungen
ist es jedoch ratsam, mit dem Anstrich möglichst bis Anfang März zu
warten, da alsdann die Schilder der Läuse locker sitzen, so dass das
Carbolineum besser wirkt. Zu dieser Zeit genügt die Verwendung einer
30°/ o igen Lösung.
Wenn heutigentages das Carbolineum von verschiedenen Seiten als
Geheimmittel angesehen und von dessen Verwendung abgeraten wird, so
können wir dieser Ansicht durchaus nicht zustimmen. In dem Carbolineum
besitzen wir nach unseren Erfahrungen das zurzeit beste Mittel bei der
Bekämpfung der Schildläuse, zumal der Diaspis fallax, während alle anderen
Anstrichmittel bisher versagten. Es ist nur nötig, sich von den Fabriken
Garantie für einen gewissen Gehalt an wirksamen Bestandteilen durch Be¬
kanntgabe des Wassergehaltes geben zu lassen. Reelle Fabrikanten ent¬
sprechen nach unseren Erfahrungen diesen Forderungen gerne.
Mit einer 10°/ o igen Carbolineumlösung werden in den hiesigen An¬
lagen sämtliche Bäume vor dem Austreiben bespritzt. Wir glauben, das
Zurückgehen vieler Schädlinge auf diese Massnahme zurückführen zu müssen.
Da, wo Unterkulturen unter den Bäumen sich vorfinden, darf das Bespritzen
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
39
nicht ausgetührt werden, da alle weichen Pflanzenteile leiden. So konnten
wir grösseren Schaden an überwintertem Salat feststellen, was zu grösster
Vorsicht auch bei anderen im Freien überwinterten Pflanzen, wie bei
Spinat, Feldsalat, Winterkohl und Rosenkohl, mahnt. Selbst bei Graswuchs
scheint deshalb diese Winterbehandlung der Bäume mit Carbolineum nicht
unbedenklich zu sein.
Sehr stark trat im verflossenen Jahre die Obstmade auf, die einen
grossen Teil der Äpfel und Birnen vorzeitig zum Abfallen brachte. Es
war freilich nur das Auftreten einer Generation festzustellen, was auf die
kühle Witterung des Sommers zurückzuführen sein dürfte. Da das An¬
legen der Madenfallen regelmässig in den hiesigen Anlagen ausgefuhrt
wird, dieselben rechtzeitig nachgesehen und abgenommen werden, auch
sonst alle übrigen Massnahmen für die Vernichtung dieses Schädlinges
nicht ausser acht bleiben, so ergibt sich hieraus, dass sämtliche Be¬
kämpfungsmittel keinen durchschlagenden Erfolg sichern. Arsenhaltige
Brühen wurden bisher nicht angewendet, da uns dieses Verfahren wegen
der grossen Giftigkeit nicht ungefährlich erscheint. Nach Lage der Dinge
werden wir aber in Zukunft auch dieser Massnahme, zunächst versuchs¬
weise, näher treten müssen.
Frostspanner wurden in grosser Zahl gefangen; ein Beweis für die
Notwendigkeit des regelmässigen Anlegens der Leimringe. Es wurde die
Wahrnehmung gemacht, dass viele Weibchen ihre Eier schon unterhalb
des Ringes direkt auf den Stamm ablegten, so dass nach dem Abnehmen
der Ringe ein Vernichten der Eihäufchen, die an der grünlichen Farbe zu
erkennen sind, nötig wird. Man verwendet hierzu am besten eine 40°/ o ige
Carbolineumlösung. Bäume, welche im verflossenen Jahre mit Ringen ver¬
sehen waren, auf denen der Leim wohl klebrig, aber nicht fängisch war,
hatten unter dem Frasse der Frostnachtspannerraupen sehr stark zu leiden.
Es ist deshalb beim Bezug des Raupenleimes besonders darauf zu achten,
dass derselbe längere Zeit seine Klebrigkeit beibehält. Es ist auch
ratsam, die Raupenleimringe des öfteren, zumal beim Auftreten der ersten
Schmetterlinge, auf ihre Wirkung zu prüfen. Sollte der Leim auf der
Sonnenseite eingetrocknet sein, und dieses ist oft der Fall, so ist ein
Nachstreichen nötig. Den Leim recht dünn aufzutragen, ist verkehrte
Sparsamkeit, da alsdann die Fangfähigkeit nur kurze Zeit anhält und ein
Nachstreichen rings um den Gürtel herum nötig wird. Es sollte auch
stets bestes imprägniertes Papier als Unterlage benutzt werden, damit der
Leim nicht zuviel von seiner Klebrigkeit einbüsst.
Die rote Spinne zeigte sich im verflossenen Jahre besonders stark
an den Steinobstbäumen, zumal an den Mirabellen. Bespritzungen mit
2%iger Quassiabrühe, sowie mit der Schwefelkalkbrühe im Verhältnis
1:35 hatten keinen Erfolg, riefen sogar Verbrennungserscheinungen an
den Blättern hervor. Ein sicher wirkendes und gleichzeitig billiges Mittel
fehlt zurzeit noch immer.
Mit der Schwefelkalkbrühe (Californische Brühe) sind in den hiesigen
Anlagen weitere Versuche bei der Bekämpfung des Mehltaues an Apfel-
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
bäumen eingeleitet, die erst in diesem Jahre zum Abschluss gebracht
werden. Gänzlich versagt hat die Califomische Brühe bei der Bekämpfung
der Diaspis fallax. Die Bäume weisen trotz Verwendung einer 50%igen
Lösung einen derartigen starken Befall auf, dass in diesem Jahre der
Anstrich mit 40°/ 0 igem Carbolineum vorgenommen werden musste, um die
jungen Bäume, die bereits merklich im Wachstum nachgelassen hatten, zu
retten. Auch die Bekämpfung des Fusicladiums mit der Califomischen
Brühe zeitigte keine Erfolge.
Auch das Beerenobst ist im verflossenen Jahre von dem Befalle durch
tierische und pflanzliche Schädlinge nicht verschont geblieben. Die
Stachelbeerblattivespe, die im Vorjahre durch ihr 3 maliges Auftreten so
grossen Schaden hervorgerufen hatte, zeigte sich weniger. Es ist eine
bekannte Erscheinung, dass dieser Schädling nur alle 2 Jahre in stärkerem
Mafse auftritt, ebenso wie die gefürchtete Schmierlaus alle 3 Jahre. Das
Bestäuben der Stachelbeersträucher mit Kalk, dass von verschiedenen
Seiten empfohlen wird, zeitigte hierselbst keine guten Resultate. Selbst
nach vorhergehendem Anfeuchten der Sträucher, um den Kalk besser zum
Haften zu bringen, frassen die Afterraupen, wenn auch mit etwas ver¬
minderter Begier, weiter und sind nicht eingegangen.
Grossen Schaden richtete an den Erdbeeren der bekannte Erdbeer¬
decher an. Wenn dieser Schädling es bisher auf die Blütenstiele ab¬
gesehen hatte, so ging er in diesem Jahre bei dem massenhaften Auftreten
auch auf die Blätter über und brachte diese durch das Anstechen bei
seiner Eiablage zum Absterben. Da Mittel für das Zurückhalten des
Erdbeerstechers nicht zur Verfügung stehen, so wurden die befallenen
Blütenstiele und Blätter gesammelt und verbrannt. Auf den mehr frei
gelegenen Flächen war der Schaden grösser als da, wo die Erdbeeren
etwas Schatten hatten. Bei einzelnen Sorten, wie bei Laxtons Noble,
wurde die Ernte durch den Erdbeerstecher fast gänzlich vernichtet. Auch
der Zweigabstecher war im verflossenen Jahre in grossen Mengen auf den
Erdbeeren anzutreffen.
Trotz aller Vorbeugungsmassregeln ist es nicht ausgeblieben, dass
der amerikanische Stachelbeermehltau in den hiesigen Anlagen Eingang ge¬
funden hat. In den letzten vier Jahren wurden von ausserhalb keine
Stachelbeersträucher bezogen, um auf diese Weise der Einschleppung ent¬
gegen zu wirken, auch wurden die Stachelbeerpflanzungen in jedem Jahre
auf das Vorhandensein dieses gefährlichen Schädlings untersucht, wobei
sich sämtliche Pflanzen bis zum Frühjahre 1912 als nicht befallen erwiesen.
Im Juli des verflossenen Jahres zeigte sich der Pilz zum ersten Male ganz
plötzlich auf 2 Sträuchern der „Mertens Gebirgsstachelbeere“, wobei sowohl
einige junge Triebe als auch mehrere Beeren befallen waren. Durch sofortiges
Verbrennen der befallenen Teile glaubten wir der Ausbreitung der Krankheit
Vorbeugen zu können, doch zeigten in wenigen Tagen die meisten Sträucher
auf den verschiedenen Quartieren der Anlage einen mehr oder weniger
starken Befall. Eine Vernichtung der befallenen Sträucher war nach Lage
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
41
der Dinge ausgeschlossen, denn es wäre gleichbedeutend gewesen mit einem
Aufgeben der Stachelbeerkultur. Dieses plötzliche Auftreten des Pilzes
und die überraschend schnelle Verbreitung über die ganze Anlage lässt
erkennen, dass eine Infektion in grossem Umfange von ausserhalb her
stattgefunden haben muss. Der nächstgelegene grössere Herd befindet
sich, soweit dies zu unserer Kenntnis gelangte, in den bekannten Kirschen¬
orten Kestert und Camp a. Rh. Ob der Pilz sich von hier aus weiter
in das obere Rheintal verbreitet hat und so auch in die hiesigen Anlagen
gelangt ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Da der amerikanische Stachel¬
beermehltau auch in anderen Obstanlagen der Geisenheimer Gemarkungen
gefunden wurde, liegt die Möglichkeit vor, dass der Pilz durch den Bezug
von Pflanzen von ausserhalb eingeschleppt worden ist.
Es gilt jetzt gegen diesen neuen Feind die geeigneten Bekämpfungs-
massregeln zu ergreifen bezw. die bisher empfohlenen auf ihre Brauchbar¬
keit zu prüfen. In den Anlagen der Lehranstalt wurden zunächst während
des Winters von sämtlichen Sträuchern die befallenen Triebe beseitigt
und verbrannt. Im Frühjahre sind die Sträucher mit einer 0,5°/ o igen
Schwefelkaliumbrühe bespritzt. Die Bespritzungen sollen weiter fortgesetzt
werden. Über das Ergebnis wird im nächsten Jahre berichtet werden.
Wenn von verschiedenen Fabriken immer wieder neue Mittel an-
geboten werden, die, den Anpreisungen nach zu urteilen, besser sein
sollen als die bisherigen, so können wir auf Grund der an der hiesigen
Anstalt gesammelten praktischen Erfahrungen allen Obstzüchtern nur
dringend dazu raten, vorderhand an den bisherigen bewährten Mitteln
festzuhalten, denn etwas wirklich Wertvolles und somit Empfehlenswertes
haben wir bis heute unter diesen „Neuheiten“ noch nicht herausge¬
funden. In den hiesigen Anlagen kommen als besondere Bekämpfungs¬
mittel zurzeit zur Anwendung:
1. Die Kupferkalkbrühe zur Bekämpfung von Fusicladium, Sphaerella
und mehreren anderen Pilzen.
2. Der Schwefel zur Bekämpfung des Oidiums auf Reben.
3. Die Quassiaschmierseifenbrühe zur Bekämpfung der Blattläuse, Schmier-
läuse, des Stachelbeerspanners, der Kirschenblattwespe u. a. m.
4. Die Insektenharzölseife zur Bekämpfung der Blutlaus im Sommer.
5. Das Carbolineum zur Bekämpfung der Blutlaus und Schildlaus (im
Winter 40 %, kurz vor dem Austreiben 30°/ o ) sowie Spritzen der
Bäume mit einer I0°/ O igen Lösung dicht vor dem Austrieb gegen
verschiedene tierische Schädlinge, die sich auf den Bäumen vorfinden.
6. Die Schwefelkaliumbrühe zur Bekämpfung des amerikanischen Stachel¬
beermehltaues.
7. Das Anlegen der Oürtel im Sommer zum Fang der Obstmade und
verschiedener Rüsselkäfer.
8. Das Anlegen der Raupenleimringe zum Fange der Frostspanner. Da,
wo die Fanggürtel vom Sommer her an den Stämmen sich vorfinden,
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42
II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
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werden diese gleichzeitig im Herbst zum Aufstreichen des Raupen¬
leime s benutzt.
Die Versuche mit der Californischen Brühe sind noch nicht ab¬
geschlossen, so dass ein endgültiges Urteil über ihren Wert zurzeit nicht
gefällt werden kann.
8. Stand der alten Anlagen.
Die grossen Vorteile einer rationellen Düngung, einer gründlichen
Bewässerung sowie sorgfältigen Bodenbearbeitung treten auf den alten
Quartieren immer mehr in die Erscheinung. Jeder Besucher der Anlagen,
der diese von früheren Jahren her kennt, ist von der guten Entwicklung
der alten Bestände, zumal der Birnhochstämme, überrascht. Mag mancher
ältere Baum auch den verwöhnten Ansprüchen eines nach tadellosen Formen
suchenden Beschauers nicht mehr genügen, so lehren doch die ständig
steigenden Erträge, dass diese, und nicht die Form, für die Beibehaltung
solcher älteren Bestände bestimmend sein müssen.
Folgende Zahlen, welche eine Übersicht über die in den Jahren 1896
bis 1911 erzielten Einnahmen aus Obst geben, mögen dieses beweisen:
Jahr: 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903
Obstverkauf in M.: 3740 4165 2639 4138 3701 1707 6365 2933
Jahr
Obstverkauf in M.
1904 1905 1906 1907 1908 1909 1910 1911
6740 5994 6329 5978 8564 9803 11462 11579
Aus diesen Zahlen dürfen freilich keine Schlüsse über die Ein¬
träglichkeit der Obstkulturen im allgemeinen gezogen werden, da in den
hiesigen Anlagen mit besonderen Umständen gerechnet werden muss, auf
die kurz hingewiesen werden soll.
Zunächst ist zu berücksichtigen, dass in den letzten 4 Jahren einzelne
Quartiere der alten Anlagen, die abgängig waren, geräumt wurden, um
Nachpflanzungen Platz zu machen, die zurzeit noch keine Erträge liefern.
Auch mussten für die ausgeführten Neubauten eine grössere Anzahl von
zum Teil recht ertragreichen Bäumen entfernt werden. Während im Jahre
1905 die durch tragfähige Obstbäume in Anspruch genommene Fläche rund
20 Morgen betrug, ist dieselbe in den alten Anlagen durch obige Umstände
vom Jahre 1909 ab auf ca. 17 Morgen zurückgegangen.
Für die Ertragsberechnungen verdient noch besonders hervorgehoben
zu werden, dass die Zahl der Sorten, den Aufgaben einer Lehranstalt
entsprechend, eine sehr grosse ist. Wir zählen zurzeit in den alten An¬
lagen rund 185 Apfelsorten, 160 Birnensorten und 120 Steinobstsorten.
Viele dieser Sorten besitzen nur pomologischen Wert, liefern unbedeutende
Ernten und haben geringen Handelswert. Für Unterrichtszwecke müssen
diese Sorten jedoch beibehalten bleiben. Trotz dieser Verhältnisse können
die bisherigen Ertragsergebnisse als recht günstige bezeichnet werden, hat
doch die Fläche, auf 1 Morgen Grösse (2500 qm) berechnet, im Durchschnitt
der letzten 4 Jahre rund 600,00 M. Rohertrag geliefert, wobei die Unter¬
kulturen von Gemüse, die ansehnliche Einnahmen bringen, noch keine Be¬
rücksichtigung gefunden haben.
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
43
Mit welchen Erträgen bei einzelnen Bäumen in den alten Anlagen
gerechnet werden kann, mögen folgende Aufzeichnungen des verflossenen
Jahres
Ein
zu erkennen geben:
40jähriger Hochstamm von
Sparbirne.
5 Ztr.
11
40
11
11 11
Amanlis Butterbirne . .
6
11
11
40
11
11 11
Sommer Eierbirne. . .
7
11
11
40
11
11 11
Grumbkower Butterbirne
7
>i
11
40
11
11 11
Gellerts Butterbirne . .
7,5
11
11
40
11
11 11
Hochfeine Butterbirne .
5
11
11
30
11
11 11
Diels Butterbirne . . .
7
V
n
40
11
11 11
Olivier de Serres . . . .
9
11
Es steht zu erwarten, dass die Erträge der alten Anlagen im Laufe
der folgenden Jahre noch weiter zunehmen werden.
4. Stand der neuen Anlagen.
Auf sämtlichen Quartieren weisen die Bäume eine recht gesunde
Entwicklung auf. Leider vernichtete der Frost auch hier einen grossen
Teil der Blüten an den Pfirsichen, Kirschen, Birnen und Erdbeeren. Trotz¬
dem konnten wir aus dieser 6jährigen Anlage auf rund 10 Morgen für
etwa 3000 M. Obst ernten. Dazu wird Gemüsebau als Unterkultur in
intensiver Weise betrieben.
Sehr gut trugen bereits die Birnen, so u. a. die Sorten Präsident
Drouard, Diels B.-B., Gute Louise von Avranches, Williams Christbirne,
Geheimrat Dr. Thiel und Birne von Tongre. Auch die Äpfel brachten
zum Teil gute Erträge, was besonders für die Geisenheimer Züchtung
„Minister von Hammerstein“ zutrifft. Eine andere Apfelsorte, die besser
trägt wie diese, gibt es zurzeit in den hiesigen Anlagen nicht. Vielleicht,
dass die Neuzüchtung „Geheimrat Dr. Oldenburg“ dem Minister von Hammer¬
stein in der Tragbarkeit gleich kommen wird. Ausserdem zeigten guten
Fruchtansatz die neueren Apfelsorten „Ernst Bosch“ und „Goldrenette
Freiherr von Berlepsch“.
Das Steinobst, mit Ausnahme der oben genannten Arten, brachte eben¬
falls schon gute Erträge, so „Zimmers Frühzwetsche“, „Italienische
Zwetsche“, „Bühler Frühzwetsche“, „Grosse grüne Reineclaude“, „Mirabelle
von Nancy“ und „Doppelte Herrenhäuser Mirabelle“. Die „italienische
Zwetsche“, über deren schlechte Tragbarkeit vielfach geklagt wird, zählt
hier zu den einträglichsten Sorten. Von den Sauerkirschensorten befriedigten
bisher am besten „Bettenburger Glaskirsche“, „Schattenmorelle“ und
„Schöne von Chatenay“; von den Süsskirschen verdient besonders die
„Beste Werdersche“ hervorgehoben zu werden. Diese Sorte reift in der
2. Kirschenwoche, trägt sehr reich und bringt grosse, plattrunde, dunkel¬
braune Früchte von ausgezeichnetem Geschmack.
Vom Beerenobst brachten besonders die Himbeeren reiche Erträge.
Die Sorten Superlativ und Hörnet sind für hiesige Verhältnisse am besten;
Fastolf hat sich hier garnicht bewährt. Die Erdbeeren, die schon durch
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44 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
den Prost gelitten hatten, wurden noch vom Erdbeer- und Zweigabstecher
befallen, der einen grossen Teil der Blütenstiele und Blätter abstach. Der
Ertrag aus den Erdbeeren fiel deshalb nur gering aus.
In dem Birnenhalbstammquartier, das eine Zwischenpflanzung von
Äpfelbuschbäumen aufweist, musste leider festgestellt werden, dass ver¬
schiedene Buschbäume, die auf Paradies veredelt sein sollten, auf Doucin-
unterlage stehen. Infolgedessen wachsen die Bäume sehr stark und stehen,
da sie auf 2,75 m gepflanzt sind, zu eng. Die Bäume wurden von ersten
Baumschulfirmen geliefert. Mögen die Baumschulbesitzer doch stets be¬
denken, dass durch Lieferung von Bäumen auf falscher Unterlage die Ren¬
tabilität einer ganzen Anlage in Frage gestellt wird. Der Obstzüchter
muss aber verlangen, dass die Angaben über die Unterlage auch den Tat¬
sachen entsprechen.
5. Düngungsversuche im Obstbau.
Im Jahre 1897 wurde an der hiesigen Anstalt unter Mitwirkung der
Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft ein besonderes Obstbaumdüngungs-
Versuchsfeld eingerichtet, das unter der Leitung des Vorstandes der öno-
chemischen Versuchsstation stand. Diese Versuche wurden im Jahre 1911
eingestellt. Ein positives Ergebnis, aus welchem irgend welche Schlüsse
lür die Praxis hätten gezogen werden können, hat sich bei diesen Ver¬
suchen nicht ergeben.
Auch in dem Obstbaubetriebe der Anstalt wurde der Frage der Obst¬
baumdüngung bisher die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Wohl wird
seitens der Praxis immer wieder der Wunsch ausgesprochen, dass an den
Lehranstalten Düngungsversuche ausgeführt würden, die zur Klärung dieser
noch viel umstrittenen Frage beitragen könnten. So nützlich und not¬
wendig es auch auf der einen Seite erscheinen mag, dass solche Versuche
angestellt werden, so darf ihre Bedeutung für die obstbauliche Praxis
auch nicht überschätzt werden, da die Nutzanwendung aus den Ergebnissen
mehr oder weniger nur für die Verhältnisse am Ort selbst Gültigkeit hat.
Wenn man die Resultate der bisher an anderen Orten angestellten
Düngungsversuche miteinander vergleicht, so ergeben sich hierbei grosse
Unterschiede, die das Gegenteil von einer Klärung der Düngungsfrage sind.
Die Ursache dieser Erscheinung wird in erster Linie in den wechselnden
Bodenverhältnissen zu suchen sein, die für das jeweilige Wachstum der
Bäume sowie deren Ertrag bestimmend sind. Je nach der chemischen
Zusammensetzung des Erdreiches (seinem natürlichen Nährstoffgehalt) sowie
dessen physikalischen Eigenschaften (Bindigkeit, Tiefgründigkeit, Wasser¬
gehalt) wird die Wirkung einer Düngung im allgemeinen, sowie der Zufuhr
bestimmter Düngerarten und -mengen im besonderen verschieden ausfallen.
Es ist deshalb auch nicht richtig, aus den Ergebnissen von Düngungs¬
versuchen, die unter bestimmten Verhältnissen zur Ausführung kommen,
ohne weiteres Schlussfolgerungen für die Obstbaumdüngung im allgemeinen
zu ziehen.
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Original fro-m
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau asw.
45
Dahin muss gewirkt werden, dass jeder Obstzüchter mit dem nötigen
Verständnis die Düngung seiner Kulturen derart durchzuführen versteht,
dass ohne unnötige Geldausgaben das Wachstum der Bäume gefördert und
ihre Erträge gesteigert werden. Eis kommt deshalb auch darauf an, dass
man die Düngung den gegebenen Verhältnissen anzupassen versteht und
dass man mit dem nötigen offenen Auge die Wirkung der Düngung zu
beurteilen und hieraus die Schlussfolgerungen für die zukünftige Weiter¬
behandlung zu ziehen vermag. Obstzüchter, die sich von diesen Gesichts¬
punkten bei praktischen Düngungsversuchen leiten lassen, werden wirk¬
lichen Nutzen hieraus ziehen.
Auch die Obstanlagen der hiesigen Anstalt boten für die Ausführung
praktischer Düngungsversuche im grossen ein geeignetes Feld der Be¬
tätigung. Der Zustand der Bäume auf den alten Quartieren war vor
10 Jahren ein derart schlechter, dass diesen das Todesurteil bereits ge¬
sprochen war. Das Heraushacken alter Bäume ist nun leichter geschehen,
als die Heranzucht junger Bäume an derselben Stelle. Daher wurde von
dem Berichterstatter der Wunsch ausgesprochen, zunächst noch einmal
versuchen zu dürfen, durch geeignete Massnahmen den alten Beständen
wieder aufzuhelfen. Demzufolge wurde der Plan der Räumung der alten
Quartiere wieder aufgegeben, nicht zum Nachteil der Anlagen.
Dem Boden waren früher einseitig zu viel künstliche Dünger zu¬
geführt, die Stallmistdüngung aber war vernachlässigt worden. Zudem
fehlte es dem Boden an Bodenbearbeitung und vor allen Dingen an Wasser.
Dies alles hatte das Zurückgehen der Baumbestände hervorgerufen. Dem¬
zufolge wurde zunächst die Zufuhr künstlicher Dünger gänzlich ein¬
gestellt und eine regelmässige Stallmistdüngung in der Weise eingeführt,
dass jedes Quartier alle 2 Jahre pro Morgen im Durchschnitt 300 Ztr.
besten Rindviehdünger erhielt. In dem Zwischenjahre wurde, soweit als
angängig, noch mit Komposterde oder Jauche nachgeholfen. Um dem
Wassermangel abzuhelfen, wurde das Rohrnetz erweitert, und an Stelle
des bisherigen Göpelbetriebes mit Ochsengespann trat eine neue, leistungs¬
fähige Pumpe mit elektrischem Antrieb, die die Anlage täglich mit 45 cbm
Wasser zu versehen vermag. Schliesslich wurde eine bessere Boden¬
bearbeitung im Herbste und im Sommer durch Vermehrung der Arbeits¬
kräfte, sowie die Einführung leistungsfähiger Bodenbearbeitungsgeräte für
Pferdegespanne ermöglicht.
Der Erfolg dieser Massnahmen ist nicht ausgeblieben. Schon nach
wenigen Jahren stellte sich bei fast sämtlichen Bäumen neue Triebkraft
ein und viele derselben haben in den letzten Jahren mehr an Kronen¬
umfang zugenommen, als in den vorhergehenden 20—30 Lebensjahren. So
gibt Abb. 7 einen Baum wieder, der den Zuwachs in den letzten Jahren
als Folge der besseren Bodenpflege deutlich erkennen lässt.
Jeder -Massnahme im praktischen Erwerbsobstbau, die erhöhte Un¬
kosten erfordert, muss aber auch eine grössere Einnahme gegenüber stehen,
sonst lohnt sich die Kultur nicht. Dass die vermehrte Zufuhr von Stall-
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46
II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
dünger, die Bewässerungsanlage sowie die erhöhten Unkosten für die
häufigere Bodenlockeruug sich reichlich bezahlt machen werden, gehen
jetzt schon die regelnlässigeren Ernten, die höheren Erträge sowie die
vollkommenere Ausbildung der Früchte deutlich zu erkennen. Auch
die Entwicklung der Gemüse als Unterkultur ist eine ganz andere, wie
vor Jahren. Das Zahlenmaterial auf Seite 42 besagt, dass die jährlichen
Einnahmen im Durchschnitt der Jahre von 1896—1907 4535 M. betrugen;
diese Einnahmen sind in den letzten 4 Jahren auf durchschnittlich
10 352 M. gestiegen.
Diese Belebung der alten
Anlagen ist nichts weiteres,
als ein praktischer Düngungs¬
versuch im grossen, der die
besten Erfolge zeitigte und
der uns erkennen liess, was
der Boden benötigt, um die
Lebensdauer der Bäume zu
erhöhen, die Erträge und
somit die Einnahmen zu
steigern und auch die Untei-
kulturen in ihrer Ergiebig¬
keit und Güte günstig zu
beeinflussen.
Wenn im obigen hervor¬
gehoben wurde, dass in den
letzten Jahren von der Zu¬
fuhr künstlicher Dünger ab¬
gesehen wurde, so erfolgte
dies mit Rücksicht auf die
früher zu reichliche und ein¬
seitige Verwendung dieser
Stoffe, die, in grossen Mengen
aufgespeichert, erst jetzt im
Verein mit den reichlichen
Gaben von Stalldünger zur
Wirkung gelangen. Düngungsversuche, bei denen jahrelang nur die künst¬
lichen Dünger Verwendung finden, wobei aber die gleichzeitige Verbesserung
des Bodens nach der physikalischen Seite ganz ausser acht gelassen wird,
werden wohl selten zu günstigen Resultaten führen.
Nachdem der Boden in den hiesigen Anlagen wieder in guten Kultur¬
zustand versetzt ist, und mit der Zufuhr von Stalldung die Bewässerung
und Bodenlockeruug Hand in Hand gehen, finden jetzt auch die künstlichen
Dünger als Beidünger wieder Verwendung. Für die Berechnung der zu
verabreichenden Düngermenge werden die Zahlen der „Statik des Obst¬
baues“ von Prof. Steglich benutzt, da diese ohne Zweifel die zurzeit
Abb. 7. Baum der Giffards B. B.
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
47
brauchbarsten Anhaltspunkte für die Düngung von im Ertrage stehenden
Obstpflanzungen bieten. Bei der Feststellung der Düngermenge muss
gleichzeitig die Ausnutzung des Bodens durch Gemüsekulturen berück¬
sichtigt werden, die während eines Jahres die Flächen durch 2, selbst
3 maligen Fruchtwechsel stark in Anspruch nehmen. Die Berechnung der
für die Gemüse erforderlichen Düngermengen erfolgt nach den Angaben
von Wagner, „Die Ernährung gärtnerischer Kulturpflanzen“.
Die in Frage stehenden Quartiere sind mit Birnenhochstämmen im
durchschnittlichen Lebensalter von 35 Jahren bepflanzt. Als Zwischenkultur
finden Zwetschen- und Pflaumenhochstämme Verwendung, die zurzeit eben¬
falls im Durchschnitt 35 Jahre alt und zum grössten Teile bereits beseitigt
sind. Als Unterkultur hat in den Baumreihen Beerenobst Verwendung
gefunden, während die 5 m breiten Streifen zwischen den Baumreihen durch
Gemüsekultur ausgenutzt werden. Die Zufuhr von Dünger erfolgt jetzt
in nachstehender Weise:
Alle 2 Jahre erhalten die Quartiere im Durchschnitt pro Morgen
300 Ztr. Stalldung. In dem Zwischenjahre werden künstliche Dünger zu¬
geführt, deren Menge unter besonderer Berücksichtigung der anzubauenden
Unterkulturpflanzen in jedem Jahre berechnet wird. Augenblicklich be¬
nötigt z. B. ein Quartier, auf dem als Unterfrucht Kohlgewächse gebaut
werden, pro Morgen ausser 300 Ztr. Stalldünger noch 50 kg 18%iges
Superphosphat, 75 kg 40°/ 0 iges Kalisalz und 100 kg schwefelsaures Ammo¬
niak (20°/ o ). Im folgenden Jahre werden der Fläche bei Verwendung von
Wurzelgewächsen als Unterkultur und bei Ausschluss der Stallmistdüngung
gegeben: 60 kg Superphosphat, 50 kg 40°/ o iges Kalisalz und 75 kg schwefel¬
saures Ammoniak.
Diese Düngermengen dürften manchem Leser reichlich hoch er¬
scheinen; bei der Flachgründigkeit und dem geringen Nährstoffgehalte
des Bodens sowie der intensiven Ausnutzung der Fläche unter gleich¬
zeitiger Berücksichtigung des Alters und der Leistungsfähigkeit der Bäume
wird diese reichliche Nährstoffzufuhr aber zur Notwendigkeit. Zurzeit
kann ein Urteil noch nicht abgegeben werden, ob wir mit obigen Dünger¬
mengen das Richtige getroffen haben; wir betrachten diesen Düngungs¬
versuch im grossen deshalb noch nicht als abgeschlossen.
Wenn zunächst an dieser Stelle über die Erfolge der Obstbaum¬
düngung in den alten Anlagen berichtet wird, so hoffen wir, den Obst¬
züchtern hiermit eine Anregung zu geben, der Düngung in alten Anlagen
in Zukunft erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Sicherlich liessen sich
die Einnahmen aus vielen älteren Obstpflanzungen noch um ein bedeutendes
steigern, wenn die Düngung unter genauester Anpassung an die vor¬
handenen Bodenverhältnisse und der Art der Ausnutzung der Flächen in
Zukunft mit mehr Verständnis ausgeführt würde. Man bedenke hierbei,
dass Obstbaumdüngung in erweitertem Sinne „Belebung der Wurzeltätig¬
keit“ bedeutet, und dass hierbei nicht nur der Gehalt des Bodens an
Nährstoffen, sondern seine Verbesserung nach der physikalischen Seite
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
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berücksichtigt werden muss. In allen Fällen muss mit der Zufuhr von
Dünger die Regulierung der Wasserverhältnisse sowie eine sachgemässe
Bodenbearbeitung Hand in Hand gehen.
6. Düngungsversuche in den neuen Anlagen.
Den berechtigten Wünschen der Praxis Rechnung tragend, wurden
in den neuen Obstanlagen im Laufe der letzten Jahre mehrere Düngungs¬
versuche eingeleitet, durch welche festgestellt werden soll, inwieweit durch
eine Volldüngung, d. h. durch Verwendung von natürlichem und künst¬
lichem Dünger eine Steigerung der Erträge erzielt werden kann. Da die
Ausführung solcher Düngungsversuche, die mit Messungen, Wägungen und
einer ständigen Kontrolle verbunden sind, sehr viel Zeit in Anspruch
nimmt, die Lehranstalt aber auch noch anderen Aufgaben nachgehen muss,
so wurden diese Versuche auf folgende eingeschränkt:
1. Düngungsversuch bei Erdbeeren. Grösse der Fläche: 500 qm.
2. Düngungsversuch bei Himbeeren. Grösse der Fläche: 400 qm.
3. Düngungsversuch mit Steinobsthochstämmen mit Zwischenpflanzung von
Birnenspindeln. Grösse der Fläche: 1400 qm.
4. Düngungsversuch bei Birnenspindeln. Grösse der Fläche: 300 qm.
5. Düngungsversuch bei Apfelspalieren. Grösse der Fläche: 51 qm
(U-Formen).
6. Düngungsversuch bei Birnspalieren. Grösse der Fläche: 51 qm.
Die Bodenverhältnisse sind, was Obergrund, Untergrund und Feuchtig¬
keitsverhältnisse betrifft, auf den einzelnen Versuchsparzellen von gleich-
mässiger Beschaffenheit, sie werden gleichmässig bearbeitet und auch die
Unterkulturen werden, soweit solche zur Durchführung gelangen, einheit¬
lich betrieben. Bei den Erdbeeren wurden die Düngungsversuche im
ersten Jahre, bei den Himbeeren im 3. Jahre und bei den übrigen Obst¬
arten im 6. Jahre nach der Pflanzung eingeleitet. Bei den Steinobsthoch¬
stämmen und auch bei den Birn- und Apfelzwergformen war es somit
möglich, zunächst einmal festzustellen, ob sich sämtliche Bäume bei gleich-
mässiger Behandlung in den ersten Jahren auch gleichmässig entwickeln.
Es ist nämlich hierbei zu berücksichtigen, dass der Boden, der Schnitt,
sowie etwaiger Befall durch Schädlinge das Wachstum der einzelnen
Bäume verschieden zu beeinflussen vermögen, so dass bei einer verhältnis¬
mässig geringen Zahl von Bäumen, bei denen noch mit der individuellen
Veranlagung des einzelnen gerechnet werden muss, ein Düngungsversuch
sehr leicht zu Trugschlüssen führen kann. Nachdem bei obigen Düngungs¬
versuchen festgestellt war, dass sämtliche Versuchsbäume eine gleichmässige
Entwicklung zeigten, der Schnitt bei den Steinobsthochstämmen in seinem
ersten Stadium auch als beendet angesehen werden konnte, wurde mit der
Volldüngung bei gleichzeitiger Einführung von Kontrollparzellen ein¬
gesetzt.
Wenn die meisten Versuche auch erst nach einer Reihe von Jahren
abgeschlossen werden können, so dürfte es von Interesse sein, bereits an
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
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dieser Stelle näheres über das bisherige Ergebnis von einigen Versuchs¬
parzellen zu erfahren. Mit der Ausführung und Kontrolle dieser Ver¬
suche sowie mit der Zusammenstellung des Zahlenmaterials wurde An¬
staltsgärtner Wenk betraut, der der Düngungsfrage ein besonderes Inter¬
esse entgegenbringt.
Düngungsversuch bei Erdbeeren.
Die Erdbeeren werden in den hiesigen Anlagen bei der Pflanzung
mit 1200 Ztr. Stallmist pro Hektar gedüngt. Im zweiten Jahre erhalten sie
keinen Dünger, während im dritten Jahre wieder Stallmist gegeben wird.
Durch den Versuch sollte festgestellt werden, ob durch Zugabe von Kunst¬
dünger im zweiten Jahre der Ertrag noch gesteigert werden kann. Da
mit einer Erdbeersorte keine genügend grosse Fläche bepflanzt ist, musste
davon abgesehen werden, die spezifische Wirkung der einzelnen Nährstoffe
zu ergründen; es konnte deshalb nur die Wirkung einer Volldüngung
festgestellt werden. Die Phosphorsäuregabe wurde jedoch zum Vergleich
auf einer Parzelle verdoppelt, und auf einer anderen Parzelle der Stick¬
stoff zur Hälfte als schwefelsaures Ammoniak, zur Hälfte als Chilesalpeter
gegeben.
Der Versuchsplan war folgender:
a) Sorte: Laxtons Noble, Pflanzweite 80 x 40 cm, Grösse der Parzelle
100 qm.
Parzelle I, Volldüngung (pro Hektar 18 kg Phosphorsäure als Super¬
phosphat, 60 kg Kali als 40% Kalisalz und 90 kg Stickstoff als
schwefelsaures Ammoniak.)
Parzelle II, ungedüngt.
Parzelle III, Volldüngung (pro Hektar 36 kg Phosphorsäure als
Superphosphat, 60 kg Kali als 40%iges Kalisalz und 70 kg Stick¬
stoff als schwefelsaures Ammoniak).
b) Sorte: Sharpless, Pflanzweite 80x40 cm.
Parzelle IV, Volldüngung (pro Hektar 36 kg Phosphor säure als Super¬
phosphat, 60 kg Kali als 40%iges Kalisalz und 90 kg Stickstoff,
zur Hälfte als Chilesalpeter, zur Hälfte als schwefelsaures Ammoniak).
Parzelle V, ungedüngt.
Als Anhaltepunkte für die Stärke der Düngergaben dienten die An¬
gaben von Lierke, wobei aber noch mit einer Stalldüngernachwirkung
gerechnet wurde. Die Dünger wurden mit Ausnahme des Chilesalpeters,
der in zwei Gaben Ende April und Mitte Mai als Kopfdünger gegeben
wurde, am 22. Februar ausgestreut und flach untergegraben.
Ergebnis:
Im Stande der Pflanzen war kein Unterschied zu erkennen; dagegen
war der Uuterschied im Ertrag ein bedeutender. Nachfolgende Tabelle
veranschaulicht dies deutlich:
Geisenheimer Jahresbericht 1912. 4
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
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Laxtons Noble 1
Sharpless
Par-
Par-
Par-
Par-
Par-
zelle I
zelle II
zelle III
zelle IV
zelle V
(Voü-
(Un-
(Voll-
(Voll-
(Un-
dtingung)
gedüngt)
düngung)
düngung)
gedüngt)
Ertrag berechnet auf 1 ha Grösse
Geldwert des Ertrages in M.
5578 kg
4940 kg
i
6370 kg
8281 kg
!
| 6473 kg
(Preis pro kg 0,80 M.) . .
Mehrertrag gegenüber „Un¬
4462,40 M.
638 kg
: 3952 M.
5096 M.
1430 kg
6624,8 M.
1808 kg
' 5358,4 M.
gedüngt“ .
i
Kosten der Düngung . . .
Geldwert des Mehrertrages
144,55 M.
t
150,95 M.
151,10 M.
gegenüber „Ungedüngt“ nach
Abzug der Kosten ....
365,85 M.
993,05 M.
1295,30 M.
Trotz der starken Stallmistdüngung, die unsere Erdbeeren erhalten,
wurde also doch noch durch Zugabe von Kunstdünger eine bedeutende
Ertragssteigerung erzielt. Besonders in die Augen fallend ist die Ertrags¬
steigerung in Parzelle III durch Verdoppelung der Phosphorsäuregabe;
hierdurch wurde der Ertrag von 5578 kg auf 6370 kg pro Hektar gebracht.
Die Frage, ob es zweckmässig ist, den Stickstoff in Form von
schwefelsaurem Ammoniak in einer Gabe, oder in Form von schwefel¬
saurem Ammoniak und Chilesalpeter in mehreren Gaben zu verabreichen,
wurde durch den Versuch nicht klar beantwortet. Wohl wurde in
Parzelle IV (Stickstoff als Chilesalpeter und schwefelsaures Ammoniak) der
Ertrag um 1808 kg gesteigert, in Parzelle III (Stickstoff als schwefelsaures
Ammoniak) dagegen nur um 1430 kg gegenüber „Ungedüngt“; doch handelt
es sich in beiden Parzellen um 2 Sorten, so dass man nicht mit Sicherheit
Schlüsse ziehen kann.
Leider konnte im Jahre 1912 die Nachwirkung dieser Düngung, die
mit Sicherheit zu erwarten war, nicht festgestellt werden, da der Spät¬
frost und Schädlinge eine Missernte auf den Versuchsparzellen hervor¬
gerufen hatten. Mit solchen unvorhergesehenen Ereignissen muss nun
einmal bei allen Düngungsversuchen im Obstbau gerechnet werden.
Düngungsversuch zu Himbeeren.
Die Himbeeren werden etwas stärker wie die Erdbeeren mit Stall¬
mist gedüngt; sie erhalten alle 2 Jahre 800 dz pro Hektar. Durch den
Düngungsversuch soll nun festgestellt werden, ob durch Beigabe von
Kunstdüngern neben dieser starken Stallmistgabe noch eine Ertrags¬
steigerung erreicht werden kann. Leider liess es auch hier die Grösse
der Himbeeranlage nicht zu, die Wirkung der einzelnen Nährstoffe zu er¬
mitteln; denn es konnten bei einerSorte nur 2 Parzellen angelegt werden.
Sämtliche Parzellen erhalten als Grunddüngung alle 2 Jahre 800 dz Stall¬
dünger pro Hektar und als Differenzdüngung in den Zwischenjahren Kunst¬
dünger. Die Grösse der Parzellen beträgt je 100 qm ,; es sind 4 Parzellen
angelegt, und zwar 2 mit der Sorte Superlativ, 2 mit der Sorte Hörnet.
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
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a) Sorte Superlativ, Pflanzweite 1,50 X 0,70 cm.
Parzelle I erhält alle 2 Jahre Stalldünger, aber keinen
Kunstdünger.
Parzelle II erhält alle 2 Jahre Stalldünger und in dem Zwischen¬
jahre an Kunstdünger 36 kg Phosphorsäure in Form von Superphosphat
und 80 kg Kali in Gestalt von 40%igem Kalisalz. Stickstoff wurde nicht
gegeben, da der Bedarf durch die Stalldüngergabe reichlich gedeckt
erschien.
b) Sorte Hörnet; Pflanzweite 1,50x0,70 cm.
Parzelle III erhält alle 2 Jahre Stalldünger, aber keinen Kunst¬
dünger.
Parzelle IV erhält alle 2 Jahre Stalldünger und in den Zwischeu-
jahren an Kunstdünger 36 kg Phosphorsäure in Form von Super¬
phosphat, 80 kg Kali in Form von 40 0 /„igem Kalisalz und 40 kg Stick¬
stoff als schwefelsaures Ammoniak pro Hektar.
Der Stalldünger wird im Herbst untergegraben; ebenso wird Super-
phosphat und 40°/ o iges Kalisalz bereits im Herbst ausgestreut; das
schwefelsaure Ammoniak wird dagegen erst im Frühjahr verabreicht.
Der Düngungsversuch wurde im Jahre 1911 eingeleitet, so dass sich
aus dem bisherigen Resultat, das die nachfolgende Tabelle erkennen lässt,
noch keine bestimmten Schlüsse ziehen lassen; es muss vielmehr das Er¬
gebnis mehrerer Jahre abgewartet werden.
Superlativ
Hörnet
Parzelle I !
Stalldünger
ohne
Kunstdünger |
Parzelle II
| Stalldünger
1 -f- Phosphor¬
säure u. Kali
Parzelle HI
Stalldünger
ohne
Kunstdünger
Parzelle IV
1 Stalldünger
+ Phosphor¬
säure, Kali
und Stickstoff
Ertrag pro ha 1911.
6 692,5 kg
5 365,0 kg
2940,0 kg
1 3 297,5 kg
» „ „ 1912 .
Somit Gesamtertrag bisher (1911
6 640,5 „
8 682,5 „
7034,0 „
7 403,0 „
und 1912) .
Mehrertrag der mit Stall- und
Kunstdünger gedüngten Par¬
zellen gegegenüber den nur mit
Stallmist gedüngten Parzellen
13 333,0 „
14 047,5 „
i
!
9974,0 „
10 700,5 „
i
pro ha .
Geldwert des Mehrertrages (Preis
—
714,5 kg
—
; 726,5 kg
0,80 M. pro kg) .
Kosten der Differenz - Düngung
—
571,60 M.
—
581,20 M.
pro ha (künstlicher Dünger)
Somit eine Mehreinnahme pro ha
—
30,20 „
—
85,80 „
infolge der Yolldüngung . . .
—
541,40 „
i
—
495,40 „
7. Fortsetzung der Versuche, die auf die Züchtung
neuer Obstsorten hinzielen.
Die vorhandenen Sämlinge wurden auch im Berichtsjahre auf ihr
Verhalten genau beobachtet und die Früchte auf ihren Wert hin geprüft.
Die in den letzten Jahren als besonders beachtenswert befundenen Säm-
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
linge wurden bei Birnen auf Quitte, bei Äpfeln auf Paradis veredelt, um
sie auch in diesem Zustande weiter beobachten und Vergleiche mit den
Mutterbäumen anstellen zu können. Die Birnen sind in Spindelform, die
Äpfel in Buschform gezogen. Zurzeit beträgt die Zahl der Apfelsämlinge
60, die der Bimensämlinge 55, die verdienen schärfer ins Auge gefasst
zu werden. Wir hoffen, im Laufe der nächsten Jahre noch mehrere
brauchbare neue Apfel- und Birnensorten herausgeben zu können.
Im Berichtsjahre wurden neue Kreuzungsversuche in die Wege ge¬
leitet, für die folgende Ziele massgebend waren:
i. Züchtung brauchbarer Konservenbimen für das Ganzeinmachen.
Hierfür wurde ein für diesen Zweck bereits tauglicher Sämling ge¬
kreuzt mit Stuttgarter Gaishirtle, Bestebirne und Jakobsbirne.
2. Weitere Verbesserung der vorhandenen, als tauglich befundenen
Sämlinge durch erneute Kreuzung.
Hierbei wurden vorzugsweise solche Sorten verwendet, die bisher in
den hiesigen Anlagen bei den Kreuzungsversuchen bereits gute Resultate
gezeitigt haben. Als solche sind u. a. zu nennen von Birnen: Diels B. B.,
Edelcrassane, Hardenponts Winter B. B., Olivier de Serres, Clapps Lieb¬
ling und Giffards B. B. Bei den Äpfeln wurden für diese Kreuzungen
benutzt: Coxs Pomona, Minister von Hammerstein, Geheimrat Dr. Olden¬
burg und Baumanns Rtte.
Es wird ferner versucht, durch Kreuzungen auf eine Verbesserung
der Birnsorten Geheimrat Dr. Thiel hinsichtlich Güte des Fleisches sowie
der Apfelsorte Minister von Hammerstein hinsichtlich der Färbung hin¬
zuwirken.
Die Kreuzungen selbst wurden im Berichtsjahre von mehreren zu¬
verlässigen Eleven der Anstalt ausgeführt. Im allgemeinen nahmen die
Birnen die künstliche Befruchtung besser an, als die Äpfel. Das Resultat
der Befruchtungen war, soweit es sich um die Gewinnung der Samen¬
früchte handelt, ein zufriedenstellendes. Auch für das kommende Jahr
sind weitere Kreuzungsversuche vorgesehen, die auf die übrigen Obstarten
ausgedehnt werden sollen.
8. Versuche mit Poenickes Fruchtgürtel.
Im Berichtsjahre sind Versuche ein geleitet, durch welche festgestellt
werden soll, ob und unter welchen Voraussetzungen die Fruchtgürtel in
der Praxis mit Erfolg angewendet werden können.
Für diese Versuche sind in den neuen Anlagen eine Anzahl von
jüngeren Bäumen in den verschiedenen Formen mit dem Fruchtgürtel ver¬
sehen, wobei nicht nur das Kernobst, sondern auch das Steinobst Berück¬
sichtigung fand. Die Bäume zeichnen sich sämtlich durch ein üppiges
Wachstum aus und haben bisher noch nicht getragen, so dass hier
Resultate am ehesten zu erwarten sind.
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□ rigiral frcm
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
53
An einzelnen Bäumen wurden nur um einzelne Äste die Fruchtgürtel
gelegt, während die übrigen verschont blieben. Auf diese Weise kann
die Wirkung noch besser beobachtet werden; auch sind eher Vergleiche
möglich.
Nach Abschluss der Versuche, die sich auf mehrere Jahre erstrecken
werden, wird über das Ergebnis berichtet.
9. Sprengversuche mit Romperit.
Es sind Versuche eingeleitet, um festzustellen, ob die Bodenlockerung
mittels Sprengstoffen zur allgemeinen Anwendung im Obstbau empfohlen
werden kann.
Folgende Sprengungen wurden im Frühjahr 1913 ausgeführt:
1. Lockerung des Bodens auf 75 cm Tiefe auf einem Baumschulquartiere.
Zur Kontrolle wurde eine Fläche in der bisher üblichen Weise rigolt.
2. Lockerung des Bodens für die Pflanzung junger Bäume. Zum Vergleich
wurden unter denselben Verhältnissen Baumlöcher in der bisher
üblichen Weise ausgehoben.
3. Lockerung des Bodens in einer jüngeren Obstpflanzung. Hierbei
wurde die in einer Tiefe von 1,20 m vorhandene feste Schicht ge¬
troffen, welche das Eindringen der Wurzeln in tiefere Erdschichten
erschwert. Zum Vergleich dienen hier Bäume derselben Sorte und
in demselben Alter stehend, bei denen jedoch die Bodensprengungen
unterblieben.
4. Bodenlockerung auf einem älteren Apfelbuschquartier. Es soll hier
durch Nachgrabungen festgestellt werden, ob und in welchem Umfange
durch die Sprengungen das Wurzelwerk, welches die ganze Fläche
durchzieht, beschädigt wird.
5. Auf einem besonderen Versuchsstück soll festgestellt werden, ob und
in welcher Weise durch die sich bei der Sprengung bildenden Gase
die Tätigkeit der Bodenbakterien beeinflusst wird.
Da die Beobachtungen über die Wirkung dieser Bodensprengungen
längere Zeit erfordern, kann erst nach einigen Jahren über das Ergebnis
dieser Versuche berichtet werden.
10. Beobachtangen über das Wurzel Wachstum der Obstbäume.
Für den Bau des neuen Obsthauses musste ein Teil der Bäume eines
älteren Apfelbuschquartieres beseitigt werden. Bei dieser Gelegenheit
wurden wiederum Wurzelausgrabungen vorgenommen, von denen einige
der interessantesten an dieser Stelle im Bilde wiedergegeben werden.
Abb. 8 gibt die Seitenwurzel eines 40jährigen Apfelbaumes wieder,
der einen Stammumfang von 74 cm und einen Kronendurchmesser von
5,50 m aufweist. Die freigelegte Wurzel hatte, wie dies die Abbildung
erkennen lässt, verschiedene stärkere Verzweigungen und lief ziemlich
horizontal etwa 70 cm unter der Erdoberfläche hin. Die Länge der frei¬
gelegten Wurzel betrug etwas über 8 m. An dieser Stelle war sie ab-
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54
II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
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gebrochen und zeigte hier eine Stärke von 10 mm. Die Gesamtlänge bis
zu den feinsten Verzweigungen dürfte somit sicherlich 10 m betragen
haben. Dieser Befund lehrt wieder einmal, wie irrig die Annahme ist,
dass die Düngung unter der Kronentraufe zu erfolgen habe. Die Kronen¬
traufe war bei diesem Baume 2,80 m vom Stamm entfernt. Zu der Ab¬
bildung sei bemerkt, dass die Wurzel durch die perspektivische Wieder¬
gabe vorn stärker als
hinten erscheint. Der
Deutlichkeit halber wur¬
den die Wurzeln mit Kalk¬
milch bepinselt.
Abb. 9 gibt das frei¬
gelegte Wurzelwerk eines
40 jährigen Apfelbusch¬
baumes der Sorte „Späher
des Nordens“ wieder, der
zu tief gepflanzt war. Die
über das Loch gelegte
Latte deutet den Stand
des Baumes an. Infolge
des zu tiefen Standes
hatten sich an dem im
Boden stehenden Stamm¬
teile eine grosse Menge
von Faserwurzeln sowie
zahlreiche Wurzeltriebe
gebildet. Hierdurch wur¬
den dem Baume im Laufe
der Jahre viel Baustoffe
entzogen, worunter der
Fruchtansatz zu leiden
hatte. Nur selten konnten
von dem Baume Früchte
geerntet werden. Die
, , . ., u , „ „ , t Hauptwurzeln des Baumes
liefen mehr horizontal, um
für Nahrungs- und Wasserzufuhr zu sorgen; in die Tiefe gingen nur wenige,
mehr schwache, denen die Aufgabe des Befestigung zufiel. Die Abbildung
zeigt, wie sich der Baum bei einer fehlerhaften zu tiefen Pflanzung zu
helfen sucht, um lebensfähig zu bleiben.
Abb. 10 zeigt eine Reihe 9 jähriger Apfelbuschbäume der Sorte
Königlicher Kurzstiel, von einem älteren Apfelbuschquartier durch einen
festen Weg von 2 m Breite getrennt. Der vordere Baum der Kurzstiel¬
reihe zeigt eine recht gesunde Entwicklung, während der zweite im Wachs¬
tum auffallend zurückgeblieben ist. Hier hat nun nicht der Lichtentzug
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
55
durch den gegenüberstehenden grossen Apfelbuschbaum das schwache
Wachstum hervorgerufen, denn die Reihen laufen von Nord nach Süd; die
Wurzelausgrabungen haben vielmehr ergeben, dass sich auch hier im Boden
Abb. 9. Zu tief gepflanzter Buschbaum.
Abb. 10. Apfelbüsche des Kgl. Kurzstieles.
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
ein Kampf ums Dasein abspielt. Von dem grossen alten, rechts stehenden
Buschbaume sind, wie die Ausgrabung ergab, stärkere Wurzeln durch den
Weg, ohne Verzweigungen zu bilden, hindurchgewachsen, um sich alsdann
in dem von den jungen Äpfelbuschbäumen in Anspruch genommenen Erd¬
reiche zu verzweigen. Zwei stärkere Wurzeln des alten Baumes haben den
jungen Baum des Kgl. Kurzstiel gleichsam umklammert und von unten
her die gute Erde des Baumloches vollkommen mit ihren Faserwurzeln
durchzogen. So konnte es nicht ausbleiben, dass der jüngere Baum kein
Vorwärtskommen zeigt. Ebenso wie hier wird auch in vielen älteren
Abb. 11. Wurzelbildung eines 8jährigen Apfelbuschbaumes.
Anlagen die kümmerliche Entwicklung uachgepflanzter junger Bäume auf
die Inanspruchnahme des Erdreiches durch die Wurzeln der grösseren, in
der Nähe stehenden Bäume zurückzufübren sein.
Von welcher Ausdehnung das gesamte Wurzelwerk eines jungen
Baumes ist, lässt Abb. 11 erkennen. Das Alter dieses Baumes beträgt
8 Jahre, als Unterlage fand der Sämling Verwendung. Als Stammumfang
wurde 25 cm, als Kronendurchmesser 1,50 m festgestellt. Die Wurzeln ver¬
teilten sich ziemlich gleichmässig im Boden; Faserwurzeln waren an den
ausgegrabenen Teilen verhältnismässig wenig anzutreffeu. Die feinen Ver¬
zweigungen waren bis zu 2,50 m vom Stamm entfernt, so dass auch hier,
bei einem verhältnismässig jungen Baume, die Kronentraufe nicht als
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
57
Massstab für das Unterbringen des Düngers gelten kann. Nach den
STEGLiCH’schen Angaben entpricht dem Stammumfange von 25 cm eine
Standortsfläche von 6,25 qm, auf die der Dünger unterzubringen wäre.
Die Grösse der von den Wurzeln in Anspruch genommene Fläche betrug
aber rund 10 qm. Man sieht, dass auch diese Angaben nur als ungefähre
Anhaltepunkte gelten dürfen.
Es wäre erwünscht, dass auch an anderen Stellen solche Wurzel¬
ausgrabungen bei passender Gelegenheit ausgeführt würden. Wohl er¬
fordern dieselben sehr viel Zeit und Unkosten, doch lassen sich manche
Lehren aus den Ergebnissen ziehen, die der Praxis wieder zu gute
kommen.
B. Obstverwertungsstation.
Besonderer Wert wurde auf die praktische Ausbildung der Schüler
und Praktikanten gelegt. Demzufolge wurden die verschiedenen Obst¬
und Gemüseprodukte in grösseren Mengen hergestellt, wobei der steigenden
Nachfrage nach Konserven, Marmeladen und Säften besonders Kechnung
getragen wurde. Bei der Herstellung sämtlicher Erzeugnisse kamen die
Verfahren zur Anwendung, die sich auf Grund mehrjähriger Versuche als
die brauchbarsten erwiesen hatten und die in früheren Jahresberichten
beschrieben sind.
Bei dem erfolgten Wechsel im Hilfspersonal, das sich zunächst in
den Betrieb einarbeiten musste, und bei der erhöhten Inanspruchnahme
desselben durch andere dienstliche Arbeiten, musste die Einleitung und
Durchführung grösserer Versuche zuiückgestellt werden. Sobald eine neue
Hilfskraft zur Verfügung steht, die sich mehr den Arbeiten in der Obst¬
verwertungsstation widmen kann, wird die Versuchstätigkeit in erweitertem
Umfange aufgenommen werden.
Versuche.
Seit mehreren Jahren werden Versuche angestellt über die Herstellung
von kandierten und kristallisierten Früchten, die im Handel immer mehr
gesucht sind. Diese Versuche werden voraussichtlich im kommenden Jahre
zum Abschluss gebracht, so dass alsdann über das Ergebnis berichtet
werden kann.
Dasselbe gilt für die Herstellung der gefüllten Zwetschen, der sogen,
„blauen Pflaumen“ sowie der gezuckerten Pasten, die im Handel als bessere
Obstprodukte recht hoch im Preise stehen.
G. Gemüsebau.
Sowohl die Ausbildung, als auch der Ertrag liess bei den einzelnen
Gemüsearten in dem Berichtsjahre nichts zu wünschen übrig. Wohl übte
die kühle, regnerische Witterung auf die Entwicklung der Tomaten einen
nachteiligen Einfluss aus, doch selbst bei den Gurken und Bohnen waren
die Erträge noch recht befriedigend.
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58 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Neben den alten bewährten Sorten wurden auch Neuheiten zum Ver¬
such angebaut. Das Ergebnis dieser Anbauyersuche ist im nachfolgenden
niedergelegt.
Weisskohl. Die Frühsorten bildeten sich in diesem Jahre schneller
und vollkommener aus, wie in den Vorjahren. Die ersten Köpfe wurden
bereits am 16. Juni geerntet, 35 Tage früher wie im Jahre 1911. Am
besten bewährte sich die Sorte Heinemanns Sechswochen. Der Samen wurde
direkt von dieser Firma bezogen; von 10 g Samen wurden aber nur 50
echte Pflanzen gewonnen. Die Sorte Dithmarsches frühes, die in diesem
Jahre zeitig im Frühjahre ausgesät und pikiert wurde, entwickelte sich
sehr langsam, so dass die Ernte erst mit den mittelfrühen Sorten aus¬
geführt werden konnte. Diese Sorte ist also nicht als früh, sondern als
mittelfrüh zu bezeichnen; sie bildet kleine, niedrige, aber sehr feste Köpfe.
Auch die Sorten Ruhm v. Enkhuizen und Schweinfurter befriedigten im
Ertrage. Bei den Spätsorten traten Unterschiede in den Sorten nicht zu¬
tage. Die Köpfe sämtlicher Sorten blieben klein- und waren nicht so fest,
wie in den letzten Jahren. Ob die Ursache in dem Saatgute oder in den
Witterungsverhältnissen zu suchen war, konnte nicht festgestellt werden.
Angebaut wurden die Sorten Braunschweiger Riesen, Magdeburger, Schwein¬
furter und Später Goliath. Als neuere Sorten fanden Dänischer Amager
Winter und Erfurter grosser Aufnahme. Erstere Sorte entwickelte sich
mangelhaft und bildete fast keine Köpfe; letztere war sehr ertragsreich
und konnte etwas früher geerntet werden wie Braunschweiger und
Magdeburger.
Rotkohl. Auch hier wurden bei der Frühkultur bessere Resultate
erzielt, als bei der Spätkultur. Am schnellsten entwickelte sich wieder die
Sorte Holländischer früher; auch die Sorte ütrechter früher und Zenith
mittelfrüher bildeten sich vollkommen aus. Bei der Spätkultur versagten
in diesem Jahre sämtliche Sorten. Da in den letzten Jahren die holländischen
Kohlsorten zum Anbau besonders empfohlen werden, so wurden in diesem
Jahre mit einigen neueren Rotkrautsorten Versuche angestellt, die aber
sehr schlechte Ergebnisse zeitigten. Angebaut wurden die Sorten Hollän¬
disches Export Winter und Holländisches Export Herbst; es wurden von jeder
Sorte 300 Pflanzen ausgepflanzt, aber kaum 100 gute Köpfe geerntet. Zur
Spätkultur wurden die Sorten Holländisches spätes blutrotes Riesen, Zenith ,
Frankfurter Steinkopf, Holländisches dunkelrotes und Braunschweiger Riesen
verwendet. Sämtliche Sorten entwickelten sich sehr langsam und brachten
meistens kleine Köpfe. Das nasskalte Wetter hat sicherlich die Pflanzen
in ihrer Entwicklung zurückgehalten. Die Hauptschuld an der Missernte
muss jedoch dem Saatgute zugeschrieben werden.
Wirsing. Derselbe gedeiht in den hiesigen Anlagen im allgemeinen
besser, als alle andern Kohlarten. Es wurden neben den alten bewährten
Sorten Zwei Monats-Wir sing, Wiener früher und Johannistag, die neuen
Sorten Wundenburger früher und Heinemanns Advent Wirsing angebaut.
Der Wundenburger frühe wird viel zu hoch, bildet keine geschlossenen
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
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Köpfe und entwickelt sich sehr langsam; Heinemanns Advent Wirsing da¬
gegen hat sich sehr gut bewährt. Diese Sorte liefert schöne feste und
auch ziemlich grosse Köpfe und ähnelt sehr der Sorte Oberräder. Die
Herbstkultur hätte bei einigen Wirsing-Sorten bessere Resultate liefern
können. So blieben der Ulmer späte und die in den letzten Jahren mit
gutem Erfolge angebaute Sorte Kölner Mariä sehr klein und unvollkommen;
auch die neue Sorte Winter Dauerlcopf bildete nur kleine und lose Köpfe.
Am besten bewährten sich die Sorten Vertus und Marcellin, die sowohl in
trockenen, als auch kühlen regnerischen Jahren die höchsten Erträge liefern.
Blumenkohl. Zum Auspflanzen für die Frühkultur wurden über¬
winterte Pflanzen verwendet, die sich aber sehr schlecht entwickelten.
Bei der Frühkultur wurde des öfteren beobachtet, dass viele der über¬
winterten Pflanzen keine Blütenscheiben bildeten und ein sehr langsames
Wachstum zeigten. Im nächsten Jahre sollen daher nur die im Frühjahr
im Mistbeetkasten herangezogenen Pflanzen verwendet werden. Die mittel¬
frühen und späten Sorten entwickelten sich in diesem Jahre etwas früher,
und die Ernte war eine sehr gute. An erster Stelle verdient die Sorte
Algier hervorgehoben zu werden; die Blütenscheiben sind ziemlich gross
und von schön weisser Farbe. Die Sorte Frankfurter mittelfrüher kam
etwas später zur Reife wie Algier. Die Sorte Frankfurter Kiesen brachte
viel frühere Erträge wie in den letzten Jahren. Von neueren Sorten kam
Erfurter grosser und die Sorte Triumph zum Anbau. Erstere Sorte ent¬
wickelt sich sehr schwach und kam spät zur Ernte; trotzdem wird sie in
den Katalogen meistens als frühe Sorte geführt. Triumph dagegen ver¬
dient mehr Beachtung. Sie gleicht der Sorte Algier ; die Pflanzen ent¬
wickeln sich gedrungen, haben einen kräftigen Wuchs und bilden sehr
früh weisse Bltitenscheiben von grosser Vollkommenheit.
Kohlrabi. In diesem Jahre wurde zur Frühkultur Ulmer früher
und Weisser Delikatess angebaut. Erstere Sorte entwickelte sich sehr
langsam, und es platzte auch ein grosser Teil der Knollen auf. Letztere
entwickelte sich besser und konnte auch früher geerntet werden. Die
Sorte Ulmer früher wurde nach dem Auspflanzen von einigen Nachtfrösten
getroffen, infolgedessen die meisten Pflanzen durchschossen. Die Sorte
Delikatess wurde erst am 8. Mai ausgepflanzt und hatte nicht unter Nacht¬
frösten zu leiden. Es ist bekannt, dass jäher Temperaturwechsel, an¬
haltende Trockenheit, zu dichter Stand der Pflanzen in den Saatbeeten und
zu langes Stehenlassen auf denselben Veranlassung zum Durchschiessen
des Kohlrabi geben können. Je feiner und früher die Sorte ist, umso eher
tritt dieses in die Erscheinung. Es ist deshalb ratsam, vor Anfang Mai
keine Kohlrabipflanzen in das freie Land zu bringen. Von Spätsorten
wurden die bekannten Ooliath weiss und Goliath blau mit gutem Erfolge
angebaut.
Rosenkohl. Die Sorten Frankfurter Markt , „Fest und viel 11 und
Aigburth haben sich auch in diesem Jahre sehr gut entwickelt. Die Rosen
der beiden ersten Sorten waren zwar nicht so gross, die Strünke waren
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
jedoch von unten bis oben mit Rosen dicht besetzt. Aigburtli hatte be¬
sonders grosse Rosen, sie standen jedoch am Strunke nur vereinzelt.
Schwarzwurzeln. Die Sorte Heinemanns einjährige Riesen, die in
diesem Jahre am 22. März ausgesät wurde, hat sich bei der einjährigen
Kultur wieder sehr gut bewährt. Sie wächst im Laufe eines Sommers
vollständig verbrauchsfertig heran und hat gleichmässig dicke und glatte
Wurzeln. Diese Sorte kann somit zum allgemeinen Anbau empfohlen
werden. Die Sorte Russische Riesen entwickelte sich in diesem Jahre auch
befriedigend, jedoch waren die Wurzeln nicht so lang und so dick, wie
bei der ersten Sorte. Auch waren viele Wurzeln zu stark verzweigt.
Sellerie. Es wurden die Sorten Sachsenhäuser dicker, Frager Riesen,
Imperator und die neuen Sorten Delikatess, Heinemanns Kugel und Ham¬
burger Markt angebaut. Der Sachsenhäuser dicke zeichnete sich wieder,
wie schon in früheren Jahren, durch grosse und glatte Knollen aus. Der
Prager Riesen entwickelte sich bedeutend besser wie im Jahre 1911, nur
wurde das Kraut zu hoch und die Knollen sind nicht so glatt, wie bei
der vorhergehenden Sorte. Imperator hat sich recht gut bewährt und
verdient allgemein angebaut zu werden. Von den neueren Sorten ver¬
dienen noch Delikatess und Hamburger Markt als beachtenswert hervor¬
gehoben zu werden. Erstere hat vollständig glatte, oval-runde Knollen,
ist sehr kurzlaubig und hat schneeweisses Fleisch. Die Sorte Hamburger
Markt bildet aussergewöhnlich grosse, glatte und weisse Knollen und ist
auch kurzlaubig. Die Sorte Heinemanns neue glatte Kugel ist zwar
kurzlaubig und glattknollig, doch bleibt die Knolle viel zu klein und ent¬
wickelt sich sehr langsam.
Möhren. Mit der Aussaat wurde am 22. Februar begonnen; die
Ernte war eine reiche. Zum zweiten Male wurde die Sorte Frankfurter
neue hochrote Winter angebaut, die recht befriedigte. Die Sorten Ham¬
burger lange rote und Braunschioeiger lange rote sind zum Massenanbau
sehr zu empfehlen. Auch die Karottenernte fiel in diesem Jahre sehr gut
aus; es wurden die bisher bewährten Sorten angebaut.
Kopfsalat. Einen sehr reichen Ertrag lieferten die im Freien
überwinterten Kopfsalatsorten Oelber und brauner Winter, die widerstands¬
fähig gegen Frost und dabei zart im Blatt sind. Auch Nansen ist ein
sehr gutfer Wintersalat, der runde, feste Köpfe mit zartem Blatt bildet.
Die Sorten Maikönig, Vorläufer, Fürchtenichts und die neuere Sorte
Primus befriedigte in jeder Hinsicht. Primus wurde mit Maikönig zu
gleicher Zeit gepflanzt und lieferte einen früheren Ertrag. Die Köpfe
werden noch etwas grösser wie beim Maikönig, sind zart und haben eine
grünlich-gelbe Färbung. Die Sorte soll im nächsten Jahre noch einmal
mit Maikönig zum Vergleich angebaut werden. Vorzügliche Resultate
wurden bei der Sommerkultur erzielt. Es kamen die Sorten Oenezeana,
Graf Zeppelin, HoUschuhs Erfolg, Erfurter Dickopf und die neuen Sorten
Maximus und Wunder v. Stuttgart zum Anbau. Die Sorte Maximus ver¬
dient besonders hervorgehoben zu werden. Die Köpfe werden ausser?
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
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gewöhnlich gross und weisen einen Durchmesser von 25—30 cm auf,
sie sind fest und dabei zart im Blatt; die Pflanzen stehen lange fest im
Kopf, ehe sie in Samen schiessen. Der Abstand muss ziemlich weit be¬
messen werden, damit sich die Köpfe vollständig entwickeln können.
Wunder von Stuttgart ist auch eine brauchbare Sorte; sie bildet kleinere
Köpfe wie Maximus, die aber der Hitze recht gut widerstehen. Wir
haben es hier mit zwei brauchbaren Neuheiten zu tun, die hoffentlich ihre
guten Eigenschaften längere Zeit beibehalten werden. Die Sorte Holl¬
schuhs Erfolg ist auch sehr widerstandsfähig gegen grosse Hitze und
Trockenheit, bildet aber zu kleine Köpfe. Qenezzana geht in jedem Jahre
immer mehr zurück; die Köpfe werden kleiner, lockerer und haben auch
kein gutes Aussehen mehr. Die Sorte Graf Zeppelin ist recht grossköpfig
und für den Hochsommer geeignet.
Zwiebeln. Die Ernte war nicht so gut wie in dem vorhergehenden
Jahre. Es wurden angebaut Braunschweiger rote, Zittauer gelbe Biesen, Tripolis ,
Erfurter grosse gelbe und die zwei neuen Sorten Dauerzmebel grosse gelbe
und Silberglocke. Die meisten Zwiebeln blieben klein. Die besten Er¬
träge lieferte die Zittauer gelbe; mittelmässig im Ertrage war die Braun¬
schweiger, gering dagegen Erfurter grosse. Die neue Sorte gelbe Dauer¬
zwiebel brachte den besten Erfolg. Diese Zwiebel ähnelt in der Form der
bekannten Zittauer schwefelgelben; sie unterscheidet sich von dieser durch
die mehr rötlich-gelbe Farbe und ihre Grösse. Die Zwiebel entwickelt
sich schnell und ist von grosser Haltbarkeit. Eine recht gute Einmache¬
zwiebel ist die neue Sorte Silberglocke-, sie “bringt silberweisse, mittelgrosse
Zwiebeln und reift sehr früh.
Stangenbohnen. Die Samen sämtlicher Sorten keimten in dem
kalten Mai sehr ungleichmässig, doch entwickelten sie sich im Juni und
Juli noch recht gut. Am widerstandsfähigsten gegen kühle, regnerische
Witterung zeigten sich die Sorten Rheinische Speck- und Zehnwochen. Die
Juli-Stangen und Schlachtschwert sind auch ertragreiche Sorten, doch sind
sie sehr empfindlich gegen Witterungseinflüsse. Von Neuheiten wurden
die Sorten Meisterstück ohne Fäden angebaut. Die Hülsen sind dunkel,
dickfleischig und sehr lang; fadenlos war sie jedoch nicht, und der Ertrag
war sehr gering.
Buschbohnen. Die erste Aussaat von Buschbohnen wurde am
29. April ausgeführt. Die Bohnen blieben lange im Boden liegen und
keimten sehr unregelmässig. Ende Mai setzte jedoch ein warmer Regen
ein, so dass die Pflanzen sich schneller entwickelten. Angebaut wurden
die Sorten Kaiser Wilhelm, Hinrichs Riesen, Unvergleichliche, frühe Juni
und Hundert für Eine. Die Sorte Kaiser Wilhelm brachte den frühesten
Ertrag. Von dieser Sorte wurden 12 Reihen von je 58 m Länge aus¬
gesät; am 10. Juli wurden die ersten Bohnen geerntet und der Gesamt¬
ertrag belief sich auf 14 Ztr.
Von den Neuheiten bewährte sich die Sorte Saxa sehr gut; sie wurde
am 3. Mai ausgesät und lieferte bereits am 13. Juli die ersten Erträge.
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Die Sorte ist sehr früh und ihr Behang geradezu erstaunlich. Es wurden
von 200 g Samen 40 Pfd. Bohnen geerntet. Auch die neue Sorte Hundert
für eine ist sehr reichtragend und besitzt kleine, dickfleischige Hülsen.
Die Sorte Unvergleichliche früheste erwies sich als widerstandsfähig gegen
Nässe; der Ertrag befriedigte ebenfalls. Die späteren Aussaaten von
Buschbohnen entwickelten sich anfangs sehr gut und kamen bis zur Blüte;
infolge der nasskalten Witterung konnten sich die Hülsen jedoch nicht
mehr weiter entwickeln, so dass die Pflanzen als Gründüngung untergegraben
werden mussten.
j Erbsen. Bei der milden Witterung konnte mit der ersten Aussaat
bereits am 27. Februar eingesetzt werden. Hierfür wurden verwendet:
Adlerfrüheste Mai, Buchsbaum und Wunder von Amerika. Die erste Ernte
erfolgte am 30. Mai bei der Sorte Allerfruheste Mai, die auch die reich¬
tragendste von den drei genannten Sorten war. Eine spätere Aussaat
erfolgte am 21. März mit den Sorten Ruhm von Cassel und Orünbleibende
Folger. Beide Sorten brachten in diesem Jahre nur geringe Erträge. Die
Pflanzen wuchsen sehr hoch, blühten aber nur vereinzelt.
Puffbohnen.. Sämtliche Puffbohnensorten lieferten guten Ertrag.
Angebaut wurden die Sorten Erfurter Markt, Mazagan, Windsor grosse
grüne, Windsor grosse weisse und Hamburger. Ein Teil der bepflanzten
Fläche war vorher als Saatbeet für andere Gemüse des öfteren mit Torf
und Mistbeeterde gedüngt. Auf diesen zwei Beeten konnte festgestellt
werden, dass Torf und Mistbeeterde die Entwicklung der Pflanzen
ausserordentlich günstig beeinflussen; auch war der Ertrag doppelt so gross
wie auf den übrigen Beeten.
Gurken. Die Gurkenkulturen versagten anfangs infolge der un¬
günstigen Witterung; es wurden 3 Aussaaten gemacht, die aber nur
spärlich aufgingen. Die Nässe im August wirkte so ungünstig auf die
Pflanzen ein, dass sie bald abstarben. Zum Anbau kamen die Sorten:
Erfurter lange volltragende, kletternde Delikatess, Erfurter verbesserte
Schlangen, Kunzendorfer, Walzen von Athen, Allerfrüheste Trauben, Pariser
Trauben, Unikum, Orüne lange, Chinesische Schlangen, Japanische Kletter¬
gurke, Grosse weisse Schlangen und Erfurter grüne Riesen. Als sehr un¬
empfindlich gegen ungünstige Witterungseinflüsse erweisen sich die Sorten
Unikum, Chinesische Schlangen, Japanische Klettergurke und Sachsenhäuser
halblange-, diese Sorten lieferten trotz der kühlen, regnerischen Witterung
recht befriedigende Erträge.
Tomaten. Die Triebentwicklung und der Behang bei sämtlichen
Pflanzen war sehr gut. Infolge der nasskalten Witterung reifte jedoch nur
ein geringer Teil der Früchte. Es wurden folgende Sorten angebaut: Geisen-
heimer Frühe, Meteor, Favorite, Bimförmige rote, Kirschförmige rote, Ponde¬
rosa, Gourmet und die neueren Sorten Lucullus, Allerfrüheste Ruhm und
Erste Ernte. Die Sorte Geisenheimer Frühe, die jetzt nach mehrjähriger
sorgfältiger Auslese mehr glatte Form erhalten hat, brachte nicht nur die
ersten Früchte, sondern war auch die reichtragendste unter sämtlichen
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
63
Sorten. Fast sämtliche Früchte kamen zur Reife. Von den drei neuen
Sorten ist Erste Ernte, von Weigelt & Co. in Erfurt bezogen, als sehr gut
zu bezeichnen. Die Pflanzen zeichneten sich durch reiche Tragbarkeit
aus, doch konnten die Früchte erst 14 Tage später geerntet werden wie
die der Geisenheimer Frühen. Die Früchte sind mittelgross, glänzend rot
und ganz glatt. Die Sorte Allerfrüheste Rühm brachte die Früchte, die
gross, glänzend und glatt sind, sehr spät zur Reife und die Tragbarkeit
der Pflanzen war eine sehr mässige. Die Sorte Lucullus ist eine sehr
frühe Sorte; die Früchte reiften fünf Tage nach der Geisenheimer Früh-
tomate, und der Behang der Pflanzen war in diesem Jahre besser als in
den Vorjahren. Die Früchte sind mittelgross, von leuchtend roter Farbe
und glatt. Die Früchte hängen in grossen Mengen traubenförmig an der
Pflanze.
Bote Bähen. Wenn auch die Menge zu wünschen übrig liess, so
war doch die Qualität eine vorzügliche. Es stellte sich wieder einmal
heraus, dass die kleineren Rüben viel zarter, saftiger und wohlschmeckender
sind wie die grossen. Angebaut wurden die Sorten: Ägyptische dunkelrote,
Schwarzrote runde dunkellaubige und Kölner feine halblange bimförmige
mit schwarzrotem Fleisch und ganz dunkler, glänzender Belaubung.
Erträge aus Spargelanlagen.
In den neuen Obstanlagen wurde auf 2 Halbstammquartieren von
Äpfeln und Birnen eine Zwischenpflanzung mit Spargel ausgeführt. Die
Art der Ausnutzung dieser Flächen gibt die
Abb. 12 wieder. Die Halbstämme stehen in
einer Entfernung von 10 x 7,50 m, in der
Baumreihe ist zwischen je 2 Apfel-Halbstämmen
eine Birnspindel, zwischen je 2 Birn-Halb¬
stämmen ein Apfelbuschbaum auf Paradies¬
unterlage gepflanzt. Das Land zwischen den
Baumreihen wird durch 3 Reihen Spargel in
der Weise ausgenutzt, dass Baumstreifen von
3 m Breite liegen bleiben, die noch mit ein¬
jährigen Gemüsekulturen bebaut werden. Auf
diese Weise soll eine nachteilige Beeinflussung
der Halbstämme durch die Spargelkultur dau¬
ernd vermieden werden, ohne dass hierdurch der
Gesamtertrag von der Fläche geschmälert wird.
Die Grösse der mit Birn-Halbstämmen bepflanzten Fläche beträgt
3880 qm. Insgesamt konnten bei einem Abstande von lxl«t 1440 Spargel¬
pflanzen untergebracht werden. Es wurden mehrere Spargelsorten an¬
gepflanzt, um ihr Verhalten zueinander unter den hiesigen Verhältnissen
festzustellen. Es wurden gewählt: Ruhm von Braunschweig, Schneekopf,
Horburger Riesen und Schwetzinger.
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Abb. 12. Spargel als Zwischen-
pflanzung in Obstanlagen.
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Die Pflanzung wurde im Frühjahre 1907 in sorgfältigster Weise nach
vorhergehendem Rigolen ausgeführt, wobei nur einjährige Pflanzen in
bester Qualität Verwendung fanden. Mit der Ernte wurde im dritten
Jahre begonnen. Von den 1440 Pflanzen wurden insgesamt im ersten
Jahre 6 Ztr., im zweiten Jahre 12 Ztr. geerntet, so dass die einzelne Pflanze
im Durchschnitt 1 Pfd. bezw. 125 g lieferte. Im verflossenen Jahre wurden
täglich die Erträge von jeder einzelnen Sorte gesondert notiert, um fest¬
zustellen, ob sich bei den einzelnen Sorten bereits grössere Unterschiede
in der Menge ergaben. Die nachfolgende Zusammenstellung gibt das
Resultat dieser Wägungen, die vom Anstaltsgärtner Schwabz kontrolliert
wurden, wieder.
Es tourden geerntet von:
(Siehe die Tabelle auf Seite 65.)
Die Tabelle lässt deutlich erkennen, dass bereits im zweiten Jahre des
Stechens bei den einzelnen Sorten grosse Unterschiede in dem Ertrage zu
verzeichnen sind. Da der Boden auf der ganzen Fläche von gleichmässiger
Beschaffenheit ist, die Pflanzen sich auch einer gleichmässig guten Pflege
erfreuen, wird dieser Unterschied nur durch die Eigenart der Sorte her¬
vorgerufen.
Am einträglichsten erwies sich der Schneekopf, der sich gleichzeitig
noch durch Frühzeitigkeit auszeichnet. Diesem kommt der Ruhm von
Braunschweig im Ertrag gleich; wenn diese Sorte auch etwas später mit
der Ernte einsetzt, so verdient die gleichmässige Ausbildung der Pfeifen
und der vorzügliche Geschmack besonders hervorgehoben zu werden. Der
Horburger und Schwetzinger Spargel bleiben im Ertrage weit hinter den
beiden ersten Sorten zurück. Während der Horburger Spargel schöne ge¬
rade und sehr starke Stangen liefert, liess der Schwetzinger in der Ausbildung
recht zu wünschen übrig; viele Stangen waren innen hohl.
Es wäre verfrüht, aus diesem Ergebnis bereits ein abschliessendes
Urteil über die Brauchbarkeit der einzelnen Sorten zu fällen. Die Wägungen
sollen auch in den folgenden Jahren fortgesetzt werden, um später über
das Ergebnis berichten zu können.
Allgemein werden die bereits hohen Erträge auffallen; lieferten doch
die Pflanzen von Schneekopf und Ruhm von Braunschweig bereits annähernd
je 1 Pfd. Die Zahlen besagen, dass sorgfältige, nicht zu dichte Pflanzung,
beste Pflege, vorsichtige Behandlung beim Stechen und rechtzeitiges Ein¬
stellen der Ernte die Vorbedingungen für die Gewinnung hoher Erträge
sind. Nicht die Grösse einer Fläche bedingt die Einträglichkeit der Spargel
kultur, sondern die Art der Anlage und Unterhaltung der Pflanzung.
Als weiteres Beispiel für die Richtigkeit dieser Behauptung kann eine
ältere Spargelpflanzung dienen, die sich als Zwischenkultur auf einem
12jährigen Apfelbuschquartier vorfindet. Zwischen je 2 Buschobstreihen
sind 2 Spargelreihen in einem Abstande von 1,20 untergebracht; der Ab¬
stand der Pflanzen in den Reihen beträgt 1,00 m. Die Zahl der Spargel-
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
65
pflanzen beträgt insgesamt rund 1000 Stück. In den einzelnen Jahren
wurden folgende Erträge von den beiden Sorten Ruhm von Braunschweig
und Schneekopf notiert:
1904: 5 Ztr.,
1907: 15 „
1910: 22,5 „
1905: 12 Ztr.,
1908: 19 „
1911: 19,5 „
1906: 12,5 Ztr.,
1909: 20
1912: 20
Tag der Ernte
171 Pflanzen
der Sorte:
Horburger
Pfd.
171 Pflanzen
der Sorte:
Schwetzinger
Pfd.
342 Pflanzen
der Sorte: Ruhm
v. Braunschweig
Pfd.
684 Pflanzen
der Sorte:
Schneekopf
Pfd.
April 30.
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17,
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157*
Mal 1.
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1
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Gesamtertragvon den
320
649
einzelnen Sorten .
119
111
Durchschnittl. Ertrag
von einer Pflanze
Geisenheimer Jahrei
0,695
sbericht 1912.
0,649
0,935
0,949
5
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66
II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Die einzelne Pflanze lieferte somit im Durchschnitt der letzten Jahre
rund 2 Pfd. Spargel. Auch diese Zahlen lehren, dass bei bester Pflege
und unter günstigen Verhältnissen Erträge aus Spargelanlagen erzielt werden
können, die diese Kultur zn eine der einträglichsten gestalten.
Mistbeetkulturen.
Salate. Bei der Frühtreiberei wurden mit mehreren Salatsorten
recht gute Resultate erzielt. Zum Anbau gelangten die Sorten: Universal,
Kahls frühester, Triumph von Frankfurt, Gelber Steinkopf, Büttners Treib-,
und für die kalten Kästen: Maikönig. Universal bringt wohl grosse Köpfe,
entwickelt sich aber sehr langsam und fault leicht. Für die Treiberei im
kalten Kasten scheint sich die Sorte besser zu eignen. Kahls frühester
gelber Treib erwies sich als recht brauchbar. Die Köpfe gleichen dem be¬
kannten Steinkopf, sind aber bedeutend grösser und haben eine noch
hellere Färbung. Der gelbe Steinkopf hat sich nicht so gut bewährt; die
Köpfe blieben zu klein und faulten leicht zusammen. Die besten Resultate
wurden mit Büttners Treibsalat erzielt. Die Köpfe sind gut gebaut und
haben eine zarte, hellgrüne Farbe. Die Sorte erwies sich als sehr wider¬
standsfähig gegen ungünstige Witterungseinflüsse und verdient allgemein
angebaut zu werden. Der Maikönig ist eine alte bekannte Sorte für Früh¬
kultur im freien Lande und im kalten Kasten. Die Aussaat erfolgte bei
dieser Sorte am 11. Oktober des verflossenen Jahres, die Pflanzen wurden
in Kästen pikiert und frostfrei überwintert. Am 20. Februar wurden
die Setzlinge in einen kalten Mistbeetkasten ausgepflanzt, und sie ent¬
wickelten sich derart schnell, dass bereits am 25. März die ersten schönen
Köpfe geerntet werden konnten.
Gurken. Die meisten Pflanzen entwickelten sich recht gut und
brachten reiche Erträge. Angebant wurden die Sorten: Noas verbesserte
Treib, Vorbote, Magnum Multum, Deutscher Sieger, Erfurter Ausstellungs¬
gurke, Röllisons Telegraph, Becks Namenlose, Weigelts beste von Allen, Blaus
Erfolg, Sensation und die neue Sorte Hundert für Eine.
Am ertragreichsten waren die Sorten Deutscher Sieger, Erfurter Aus¬
stellungsgurke, Rollisons Telegraph, Weigelts beste von Allen und die neue
Sorte Sensation. Hinsichtlich Fruchtbarkeit und Widerstandsfähigkeit gegen
Witterungseinflüsse nimmt die Sorte Deutscher Sieger einen der ersten Plätze
ein, sie bringt Früchte bis zu 60—70 cm Länge. Auch die Erfurter Aus¬
stellung sgurke trug in diesem Jahre wieder sehr reich, während sie im
Jahre 1911 vollständig versagte. Becks Namenlose, Rollisons Telegraph
und Weigelts Beste von Allen haben sich als gute Kastengurken erwiesen.
Als gute Einmachegurke ist die Sorte Sensation zu bezeichnen; sie gibt
einen hohen Ertrag, ist schnell wachsend und von lang anhaltender Frucht¬
barkeit. Die Früchte werden leider, wenn sie kaum ausgewachsen sind,
schnell gelb, was ihren Verkaufswert herabsetzt. Die neue Sorte Hundert
für Eine ist für die Mistbeetkultur etwas zu stark wachsend, sie liess
jedoch hinsichtlich der Fruchtbarkeit nichts zu wünschen übrig.
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
67
Melonen. Die Kultur zeitigte in diesem Jahre günstigere Resultate,
wie in den Vorjahren. .Die erste Aussaat erfolgte am 25. Februar in
einem warmen Kasten. Am 12. März wurden die Pflanzen ausgesetzt, und
die erste Ernte erfolgte am 20. Juni bei der Berliner Netzmelone, die sich
als die reichtragendste erwies. Von neueren Sorten wurden angebaut:
Korallenriff, IAebling von Malakav und zwei von Russland eingesandte
Sorten: Keetscher Melone und Farkasser Melone. Korallenriff ist die
früheste aller Cantaloupen; die Tragbarkeit ist gut, die Früchte sind von
orangegelber Farbe und erreichen ein Gewicht von 6—7 Kilo. Die Sorte
Liebling von Malakav ähnelt der Berliner Netz, ist jedoch schwach¬
wachsend, empfindlich gegen Witterungseinfltisse, und die Früchte reifen
etwas später. Die russische Keetscher Melone ist eine reichtragende Netz¬
melone von früher Reife. Die Früchte sind von mittlerer Grösse und das
Fleisch ist gelblich-rot. Die Früchte der russischen Farkasser Wasser-
Melone sind nicht zur Reife gekommen. Die Sorte bildet grosse, runde
Früchte, die Schale ist grün mit schwarzen Streifen, das Fleisch ist
dunkelrot mit rötlichen Samen.
j Radies. Ausser den alten, bewährten Sorten wurden die Sorten
Bubin und Biesen-Butter angebaut. Es stellte sich dabei heraus, dass die
neuen Sorten nicht früher waren wie Non plus ultra, Buhrn von Mechau
und Express. Die neue Sorte Biesen-Butter ähnelt der Sorte: Würzburger
Biesen, nur ist die Form mehr gleichmässig rund. Die Pflanzen können
längere Zeit in gebrauchsfertigem Zustande stehen bleiben, ehe sie pelzig
werden. Auch Bubin eignet sich sehr gut zum Treiben; sie ist etwas
später wie Non plus ultra, hält sich aber länger und platzt nicht so leicht
auf. Die Farbe ist leuchtend rot. Im Hinblick auf die feine Belaubung
kann sie auch im warmen Kasten getrieben werden.
Wirsing. Für die Treiberei wurden die Sorten Zwei-Monats¬
wirsing, Wiener niedriger früher Treib und die neue Sorte Wundenburger
frühester verwendet. Die drei Sorten wurden im Oktober 1911 ausgesät,
pikiert und frostfrei überwintert. Am 24. Januar 1912 erfolgte das Aus¬
pflanzen in einen kalten Mistbeetkasten. Der Zwei-Monatswirsing und
Wundenburger frühester Treib entwickelten sich sehr langsam, so dass erst
am 30. Mai die ersten Köpfe geerntet werden konnten. Dagegen hat sich
die Sorte Wiener frühester Treib schneller entwickelt und konnte 14 Tage
früher geerntet werden. Die neue Sorte Wundenbtirger frühester bildete
spitze, lose, hellgrüne Köpfe; der Strunk ist lang und dünn, so dass die
Pflanzen trotz Anhäufelns leicht Umfallen. Der Zwei-Monatswirsing ist
ist wohl eine recht brauchbare Sorte, doch wurde bisher der Same nicht
gut geliefert. In diesem Jahre fanden sich unter 20 Pflanzen nur zwei
■echte vor; die übrigen waren ausgeartet. Der Wiener frühester Treib¬
wirsing ist eine alte Sorte, von der man in jedem Jahre auf einen guten
Erfolg rechnen kann.
Blumenkohl. Der Berliner Treib und Erfurter Ziverg lieferten
frühe und gute Erträge.
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68 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Bei der Treiberei von Kohlrabi fand die Sorte Wiener früher Ver¬
wendung; andere Sorten wurden nicht angebaut.
D. Sonstige Tätigkeit des Berichterstatters.
Im Laufe des Berichtsjahres wurden von dem Berichterstatter folgende
Vorträge gehalten:
Bei Gelegenheit der Vorstandssitzung des Nassauischen Landes-
Obst- und Gartenbauvereins zu Diez über: Die Anwendung von Geheim¬
mitteln bei der Bekämpfung von tierischen und pflanzlichen Schädlingen
im Obst- und Gartenbau;
auf der Generalversammlung des Nassauischen Landes-Obst- und
Gartenbauvereins in Oberlahnstein über: Allgemeine Richtlinien für die
Abhaltung von Obstausstellungen;
auf der Generalversammlung des Kreis Vereins zu Höchst a. M. über:
Die Taxation von Obst- und Gartenkulturen.
Bei Gelegenheit des V. Repetitionskursus für preuss. Obstbaubeamte
hatte Berichterstatter folgende Vorträge übernommen:
1. Zeitfragen im Obstbau.
2. Obstbau und Baumschulbetrieb.
3. Neuere Erfahrungen über die Düngung der Obstbäume.
4. Wertberechnung der Obstkulturen.
An 3 Nachmittagen fanden praktische Demonstrationen in den Obst¬
anlagen und in der Station für Obst- und Gemüseverwertung statt. An
den Obstbau- und Obstverwertungskursen wurden insgesamt 60 Stunden
Unterricht und praktische Demonstrationen erteilt.
Berichterstatter leitete die Zeitschrift „Geisenheimer Mitteilungen über
Obst- und Gartenbau“, die als Organ der Anstalt im 27. Jahrgange in
einer Auflage von 18000 Exemplaren erscheint.
An Schriften wurden im Berichtsjahre herausgegeben:
1. „Wert und Rentabilitätsberechnung der Obstkulturen auf neuer Grundlage.“
II. Auflage.
2. „Anbauwürdige Beerenobstsorten.“ Mit 20 Farbentafeln.
3. Die Geheimmittelfrage in ihrer Bedeutung für den Pflanzenschutz.
Berichterstatter leitete die diesjährige Studienreise der Gartenbau¬
schüler- und Eleven, deren Ziel Holland war. Auf dieser Reise, welche in
der Zeit vom 11.—18. August stattfand, wurden folgende Kulturen und
Anlagen besichtigt:
1. Tag: Fahrt über Cöln bis Alkmaar.
2. Tag: Besichtigung der Gemüsekulturen und der Veiling in Broek ofs Langendyk
sowie der Obst- und Gemüsekulturen in Purmerand.
3. Tag: Gartenkulturen in Aismeer sowie die Gartenbauschule daselbst.
4. Tag: Baumschulen und Gartenbauschule in Boskoop.
5. Tag: Obst- und Gemüsekulturen des Westlandes.
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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw.
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6. Tag: Obst- und Gemüsekulturen des Vorgebirges bei Bonn.
7. Tag: Besuch des Siebengebirges und Rückfahrt mittels Dampfers.
Zu besonderem Danke sind wir dem Herrn Reichsgartenbaulehrer
BoNTHUis-Haag verpflichtet, denn durch seine Bemühungen wurde es uns
ermöglicht, in viele Betriebe Hollands Einblick zu erhalten und die Kultur¬
weisen kennen zu lernen. Allen Personen, die in entgegenkommender
Weise die Führung übernahmen, sei an dieser Stelle herzlichst gedankt.
Mit den älteren Eleven wurden mehrere kleinere Exkursionen in die
Umgebung von Geisenheim ausgeftihrt, die der Besichtigung von Obst- und
Gemüsekulturen dienten.
Im Obstbaubetriebe waren im Berichtsjahre 10 Praktikanten tätig.
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Bericht Uber Bienenzucht.
Von Obergärtner N. Baumann.
Am Donnerstag, den 30. November, bei einer Temperatur von 10,1 0 C.
und am Freitag, den 1. Dezember, bei einer Temperatur von 8,5° C. im
Schatten sind die Bienen noch stark geflogen und trugen sogar Pollen ein.
Dabei haben sie sich gewiss auch gereinigt. Da das Thermometer im
Dezember und Januar nicht über 8° C. gestiegen ist, konnten die Bienen
in dieser langen Zeit keinen einzigen Reinigungsflug halten. Erst am
9. Februar bekamen wir einen warmen Tag mit 8,6° C. im Schatten,
es flog aber nur ein Volk. Die Reinigung aller Völker vollzog sich am
16. Februar bei einem Thermometerstand von 8,5° C. im Schatten. Trotz¬
dem die meisten Bienen vom 1. Dezember bis 16. Februar ihre Wohnungen
nicht verlassen konnten, ist nicht ein einziges Volk krank geworden, ein
Beweis, dass der Viktoria-Kristallzucker, den wir im September als Winter¬
futter gaben, den Bienen gut bekommen ist. Bei der Verdünnung wurde
wieder wie in früheren Jahren 1 l Zucker und 1 l Wasser genommen.
Diese Mischung scheint die richtige zu sein, die Bienen nehmen sie gern
und überwintern gut darauf.
Am 25. Februar trugen die Bienen die ersten Pollen von Haselnüssen
und Schneeglöckchen ein und Wasser, das sie an der Tränke neben dem
Bienenhaus holten. Von diesem Tage an bis zum 16. März war das Wetter
für die Bienen sehr günstig. Der 16. März brachte uns Regen und Sturm,
und dabei wurde es kühl. So blieb die Witterung bis zum 23. März. Von
da an bis 31. März waren die Tage warm.
Am 12. März sind die Mandeln, am 19. die Aprikosen, am 23. die
Pfirsiche an den Wänden, am 26. die im Freien und am 27. die Johannis¬
und Stachelbeeren in die Blüte getreten. Alle diese Obstarten hatten sehr
viele Blüten, nur die Mandeln nicht. Diese sind Ende Februar und Anfang
März von den Blutfinken (Dompfaff) abgepickt worden. Dieser schöne
Vogel hat in diesem Jahr im Rheingaukreis viel Schaden verursacht, indem
er an manchen Steinobstbäumen die Blütenknospen verzehrte.
Die ersten Tage vom April waren warm, dann wurde es am 10. bis
zum 14. kühl. Das Thermometer stand jede Nacht unter Null, der 13.
brachte uns sogar — 3 0 C. Dieser Frost hat unsere ganze Pfirsich- und
Kirschenblüte vernichtet, so dass wir von diesen beiden Obstarten gar
keine Ernte hatten. Dann blieb es bis zum Schluss des Monates warm.
In dieser Zeit haben viele Obstarten ihre Blüten geöffnet, am 3. die
Zwetschen, Pflaumen und Kirschen, am 6. die Birnen, am 18. die Äpfel
und am 25. die Erdbeeren. Trotz der kalten Tage litten die Zwetschen,
Pflaumen und Birnen nicht unter der Kälte, sie brachten alle eine gute
Ernte. Um diese Zeit war im Rheingau der Tisch für die Bienen gedeckt,
sie haben auch fleissig Honig eingetragen. Bei einer Bienenversammlung,
die der Rheingauer Bienenzüchter-Verein am 19. Mai in Neudorf bei Eltville
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Bericht über Bienenzucht.
71
abhielt, teilten mir viele Mitglieder mit, dass sie schon am 22. April Apfel¬
blütenhonig schleuderten. Das konnten aber nur Bienenzüchter mit starken
Völkern und solche, die ihre Bienen im Herbst reichlich fütterten. Da
hatten jene Imker wiederum recht, die schreiben, dass man die spekulative
Fütterung nicht im Frühjahr, sondern im Herbst vornehmen soll. Einige
Bienenzeitschriften raten, diese Arbeit im Frühjahr vorzunehmen, wenn
die Stachelbeeren blühen. Das mag für andere Gegenden passen, für den
Rheingauer Bienenzüchter aber nicht. Der Rheingauer Bienenzüchter muss
seine Bienen im Herbst stark einfüttern, damit der Brutansatz im März
nicht stockt. Jene Bienen nämlich, die anfangs März ausgebrütet werden,
geben unsere Trachtbienen für die Obstblüte. Diese setzt bei uns in den
meisten Jahren im April ein. Dann müssen die Völker in voller Höhe
stehen, damit sie die Obstblüte gut ausnutzen können. Sind die Völker
um diese Zeit schwach, dann brauchen wir nicht mehr auf eine Honigernte
zu rechnen. Im Monat Mai geht im Rheingau leider das Schwärmen los,
wobei das Einträgen von Honig aufhört. Im Jahre 1912 bestätigte sich
diese Erfahrung voll und ganz. Da sind die Schwärme wie die Fliegen
gefallen. Auf unserem Stand fing das Schwärmen schon am 9. Mai an,
und von da ab gab es, wenn das Wetter nur einigermassen gut war, fast
jeden Tag einen Schwarm. Vier Schwärme an einem Tage war keine
Seltenheit. Wir hatten Völker, die viermal schwärmten. Einmal setzten
sich sogar drei Schwärme an einen Ast und vereinigten sich zu einem
wahren Riesenschwarm. Er wurde in einem recht grossen Strohkorb ein¬
gefangen, der aber lange nicht ausgereicht hat, um alle Bienen in sich
aufzunehmen. Der Korb war innen vollgefullt, und aussen sass er noch
ganz schwarz voller Bienen, so dass man ihn kaum anfassen konnte, um
ihn ins Bienenhaus zu tragen. In dem Gewimmel konnten die Bienen
gar nicht zu der Königin gelangen. Trotzdem flogen sie nicht weg. Zwei
Königinnen wurden nach dem Einfangen des Schwarmes von ihrer Rivalin
abgestochen. Auch der Riesenschwarm behielt nur eine Königin. In der
Erwartung, das aus den 3 Schwärmen entstandene Volk könnte uns in
diesem Jahre noch einen schönen Ertrag geben, öffneten wir ihm gleich
den Honigraum. Sofort zogen alle Bienen, die nach dem Einfangen um
den Korb sassen, hinein. Als wir aber Ende Juli die Honigräume Weg¬
nahmen — wir füttern immer vom 1. bis 10. August etwas Zuckerwasser,
damit die Bienen nochmals Brut ansetzen — wollten wir auch den Honig¬
raum des Riesenvolkes beseitigen und dachten einige Pfund Honig von
ihm ztf schleudern. Wir wurden schwer getäuscht. Nicht einen Tropfen
Honig hatte er im Honigraum, trotzdem dieser jetzt noch voller Bienen sass.
Auch im Brutraum sah es trüb aus, es war nur noch Futter für einige
Tage vorhanden. Dieses grosse Volk hat vom 15. Mai bis Ende Juli ge¬
arbeitet und noch nicht einmal seinen Winterbedarf eingetragen. An
diesem Schwarm hat sich das Sprichwort: „Ein Schwarm im Mai ist wert
ein Fuder Heu“ nicht bewahrheitet. Überhaupt alle Maischwärme trugen
in diesem Jahre nichts ein. Von Mitte Mai an dachten die Bienen nicht
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72
n. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
mehr ans Honigeintragen, sondern nur ans Schwärmen. Von 20 Völkern,
die wir überwinterten und auch gut durchbrachten, haben 16 Völker ge¬
schwärmt. Darunter befanden sich welche, die gar nicht stark waren,
denen es auch nicht an Platz fehlte und doch sind sie zum Schwärmen
gekommen. Alle Mittel, um das Schwärmen zu verhindern, waren in
diesem schwarmreichen Jahr vergeblich. Die meisten Bücher über Bienen¬
zucht sagen, man könne das Schwärmen gut verhindern, wenn man die
Völker früh auseinanderziehe und sie dabei recht viel bauen lasse. Wir
stellten manchen Völkern, die schon alte Waben hatten, acht Halbrähmchen
mit Kunstwaben nach und nach in den Brutraum und die mit Brut ge¬
füllten Waben in den Honigraum. Das wird als das beste Verfahren an¬
gegeben, um die Bienen vom Schwärmen abzuhalten. In diesem schwarm¬
reichen Jahr ist es gänzlich fehlgeschlagen. Unsere Wohnungen sind
nicht zu klein. Brut- und Honigraum bestehen aus je 20 Halbrähmchen
(Albertisches Mafs). Es sind noch 6 alte Blätterstöcke vorhanden, die
nur 16 Halbrähmchen im Brut- und 16 im Honigraum haben. Trotzdem
diese 6 Völker auf 32 Halbrähmchen sitzen, schwärmten 'nur 2 davon.
In den anderen Wohnungen mit 40 Halbrähmchen schwärmten alle Völker.
Diese Tatsache bewies, dass nicht die Pflege der Bienen oder deren Woh¬
nungen das häufige Schwärmen verschuldeten, sondern das Jahr selbst.
Es ist allen Bienenzüchtern im Bheingau, sogar alten erfahrenen Männern
in der Bienenzucht, die in Flachter Kanalbeuten imkern, ebenso gegangen.
Sie bekamen auch mehr Schwärme als HoDig. Die Schwarmwut war so
gross, dass einige Völker 4 Schwärme abstiessen, die natürlich recht klein
waren. Trotzdem konnte man sie nicht einfangen. Sobald die Bienen in
dem Strohkorb eingezogen waren, — wir fassen alle unsere Schwärme
dahinein und tragen sie bei eingetretener Beruhigung der Bienen in die
für sie bestimmte Wohnung — so sind sie unruhig geworden und in
einigen Minuten hingen sie wieder an einem hohen Ast. Von da aus
ging es dann nach dem Wald auf Nimmerwiedersehen. Alles Bespritzen
mit Wasser hat nichts geholfen. So ein kleines Bad hat sie gar nicht
gestört. Sie fächelten kurze Zeit mit den Flügeln, dann war alles Wasser
auf ihnen verschwunden. Einmal hatten wir einen solchen Nachschwarm
5 Tage in einer Wohnung mit 10 Halbrähmchen, die mit Kunstwaben¬
streifen versehen waren. Die Bienen hatten schon ganz schön gebaut
und etwas Honig eingetragen. Trotzdem ist das Völkchen wieder aus¬
gezogen. Es hat der Königin wahrscheinlich in der neuen Wohnung nicht
gefallen, darum hat sie sich mit ihrer kleinen Schar im Wald eine bessere
gesucht. Leider zu ihrem Verderben, denn sie ist gewiss verhungert, weil
die Bienen den Winterbedarf nicht mehr eintragen konnten.
Was hat uns nun das häufige Schwärmen gebracht? Recht viel
Arbeit, die wir durch das Einfangen der Schwärme hatten. Ein Vor¬
teil ist aber dabei auch entstanden. Unsere Völker sind fast alle ohne
unser Dazutun mit jungen Königinnen versehen. Wenn nun das Jahr 1913
iür die Bienen günstig wird, so müssen wir eine gute Honigernte be-
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Bericht über Bienenzucht.
73
kommen. Alle Imker, mit denen man über Bienenzucht spricht, behaupten,
dass nur die Völker auf der Höhe stehen und reiche Ernten bringen, die
mit jungen Königinnen versehen sind.
Der Mittelrheingauer Bienenzüchter-Verein hat am 18. August auf
dem Bienenstand der Königlichen Lehranstalt eine gut besuchte Versamm¬
lung abgehalten. Dabei wurden praktische Arbeiten an den Albertischen
Blätterstöcken ausgeführt und gezeigt, wie die Völker vor der Herbst¬
fütterung zu stellen sind. Man hatte zwei Völker, ein schwaches und ein
starkes vorgenommen. Dem ersteren liess man nur 14 und dem letzteren
16 Halbrähmchen. Damals überzeugten wir uns, dass die Bienen von
Mitte Juli ab fast gar keinen Honig mehr eintrugen. Sie hatten in den
obersten Waben des Brutraumes nur noch einige Streifen Zuckerwasser,
das wir ihnen vom 1. bis 10. August gereicht hatten. Um diese Zeit
füttern wir jedes Jahr, damit die Königin noch eine Anzahl Eier legt.
Dadurch erhält man ziemlich viele junge Bienen für den Winter. In
diesem Jahre hat die Königin keine Eier gelegt, wohl des schlechten
Wetters wegen. Manche Völker lebten nur von dem dargereichten Futter,
sie hatten bei der Herbstfütterung gar keine Nahrung mehr, so dass sie
ihre Brut herausreissen mussten. Im Jahre 1911 konnten wir im Sep¬
tember noch eiuige Töpfe Honig schleudern, während wir in diesem Sep¬
tember füttern mussten.
Dr. Eckardt von der Meteorologischen Station in Weilberg a. Lahn
hat in der Deutschen Obstbauzeitung auf S. 512 nachgewiesen, dass August
und September in diesem Jahre so schlecht waren, wie seit langen Jahren
nicht mehr. Natürlich konnten die Bienen nicht arbeiten. Sie trugen
noch nicht einmal Pollen ein, was man in guten Jahren um diese Zeit
mit Freuden wahraimmt. Wir haben in der Nähe unseres Bienenhauses
zwei lange Rabatten mit Reseda gesät, die den Bienen viel Pollen liefern.
In diesem Herbst sind die Reseden, die, wenn das Wetter günstig ist, bis
in den November hinein blühen, schon im September fertig gewesen und
in der Zeit vom 5. bis 7. Oktober bei —4,1° C. vollständig erfroren.
Die Honigverwertungs-Genossenschaft für die Rheinprovinz in Bonn
hat den Imkern in diesem Jahr steuerfreien mit 5 °/ 0 Sand vergällten Zucker
zur Herbstfütterung empfohlen und zwar in Säcken zu 50 kg ab Braun¬
schweig zu 39,70 M. Bei kleineren Bezügen 0,50 M. Aufschlag, Sack
0,40 M. Nur Imker konnten höchstens 5 kg pro Volk beziehen. Für den
Regierungsbezirk Wiesbaden hat der Schriftführer des Nassauischen
Bienenzuchtvereins Lehrer a. D. Strack, Hoiheim im Taunus die Vermittlung
übernommen. Die Mitglieder des Mittelrheingauer Bienenzuchtvereins
haben sich von dem angebotenen Zucker schicken lassen. Die Versuche
sind nicht gut ausgefallen. Alle Mitglieder führten darüber Klage, dass
der Zucker — es war gemahlener Kristall — nicht sauber war. Er wurde
durch den Sand verunreinigt. Das sah man sofort beim Auflösen, das
Zuckerwasser färbte sich wie Kalkmilch. Leider wurde die Flüssigkeit
von vielen Mitgliedern gleich nach dem Kochen in Flaschen gefüllt, unter
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74 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
der Annahme, dass der Sand sich im Kochtopf zu Boden gesetzt hätte.
Es war aber nicht der Fall, und so haben sich die Flaschen beim Füttern
verstopft. Bekanntlich stellt man sie mit der Öffnung nach nnten in einen
Futterteller, dann fliesst nur soviel Flüssigkeit heraus als die Bienen weg¬
nehmen. Durch den Sand ist das Zuckerwasser nicht ansgelaufen, der
Hals hat sich verstopft, und die Flaschen waren am andern Morgen noch
gerade so voll wie beim Einstellen am Abend vorher. Hätten diese
Bienenzüchter nach dem Kochen das Zuckerwasser filtriert, so hätten sich
die Flaschen nicht verstopft. Aber auch die Mitglieder, die das Zucker¬
wasser vor dem Einfüllen in die Flaschen filtrierten, klagten, dass die Töpfe,
in welchen der Zucker gekocht war, ganz schmutzig wurden, ebenso die Ge-
fasse, in welchen man das Futter den Bienen gereicht hatte. Auf der General¬
versammlung des Bienenzüchter-Vereins für den Regierungsbezirk Wies¬
baden vom 7.—8. Oktober in Nassau a. d. Lahn wurde den Mitgliedern
geraten, im nächsten Jahr von der Fütterung dieses Zuckers abzusehen,
bis noch mehr Erfahrungen darüber gesammelt wären. Vielleicht waren
die Bienenzüchter auch etwas gegen den mit Sand vergällten Zucker ein¬
genommen, weil er zu spät eingetroffen ist. Er kam erst Ende September
in die Hände der Imker, das war in diesem Jahr zu spät für die Herbst¬
fütterung. Die Tage waren schon zu kühl zum Füttern der Bienen.
Diese nahmen das Zuckerwasser auf, flogen dann zum Stock hinaus, wie sie
das ja bei jeder Fütterung tun, fielen aber, weil es zu kühl war, auf den
Boden und konnten trotz allem Fächeln nicht mehr aufstehen, um in ihre
Wohnungen zurück zu fliegen. Auf diese Weise haben die Völker viele
Bienen verloren und mussten ganz schwach in den Winter gehen. Das
bedeutet für den Rhein gauer Bienenzüchter aus den schon oben erwähnten
Gründen einen grossen Verlust.
Wir machten in diesem Sommer einen Versuch mit dem Aufhängen
der Bienenwaben auf den Speicher. In den Bienenbüchem heisst es, dass
man seine Waben ohne Bedenken in jedem Raume auf bewahren könne,
vorausgesetzt, dass sie sich nicht berühren und in dem Raume Gegenluft
sei. Dieser Rat stützt sich auf die Behauptung, der Wachsmotten¬
schmetterling könne den Luftzug nicht leiden und lege deshalb keine
Eier an die Waben. Nach unsern Erfahrungen in diesem Sommer ist
dieses Verfahren, die Waben aufzubewahren, vollständig falsch. Wir hatten
sie noch nicht 14 Tage auf dem Speicher stehen, da waren sie schon
voller Wachsmaden, trotzdem immer Gegenluft war und die Waben so
standen, dass sie sich nicht berührten. Mottenfrei bleiben die Waben nur
in einem guten Wabenschrank, der gar keine Ritze zeigt und in jeder
Bienengeräte-Handlung käuflich ist. Es ist aber nicht jeder Bienenzüchter
in der glücklichen Lage, sich ein so teures Stück Möbel anzuschaffen. Es
leistet auch ein gewöhnlicher Schrank gute Dienste. Auf unserm Bienen¬
stand stehen 2 Schränke, die im Internat ausser Benutz kamen, weil sie
aus dem Leim gingen. Diese Schränke wurden von unserm Anstaltsschreiner
wieder sauber hergerichtet und innen mit Spalierlatten versehen, so dass
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man in jeden Schrank 100 Halbrähmchen stellen kann. Es kann auch eine
grössere Kiste zum Aufbewahren der Waben verwendet werden, voraus¬
gesetzt, dass sie keine Ritze zeigt. Trotzdem sind die Waben noch nicht
für jeden Fall vor den Motten sicher. Die Eier, die die Motte im Herbst
legt, überwintern und kommen im Frühjahr aus. Die Motten verstehen
es, durch jeden kleinen Riss, ja sogar durchs Schlüsselloch einzudringen.
Gelingt ihnen das nicht, so legen sie ihre Eier in den Riss, weil sie durch
den Wabenduft angezogen werden. Sobald das Würmchen ausgekrochen
ist, drängt es sich durch den Riss zu den Waben, spinnt sich ein und be¬
ginnt sein Zerstörungswerk. Ein ähnliches beobachteten wir bei der Frost¬
spannerraupe. Das Weibchen hat keine Flügel, es muss den Stamm
hinauflaufen, um seine Eier an die Zweige der Krone abzulegen. Um es
daran zu verhindern, legt der verständige Obstzüchter anfangs Oktober
Leimringe um seine Obstbäume, an welchen die Schmetterlinge gefangen
werden. Die Weibchen sind hierbei viel vorsichtiger als die Männchen.
Sobald sie mit ihren langen Beinen an die Klebringe kommen, so kehren
sie um und legen ihre grünen Eier unterhalb der Ringe an den Stamm.
Da bleiben sie den ganzen Winter hängen. Sobald es im Frühjahr warm
wird, so kriechen aus den Eiern ganz winzige Räupchen. Diese lassen
sich aber nicht am Stamme verhungern, sondern kriechen im Katzenbuckel
in die Krone und zehren dort an den Blättern und Früchten. Einen
ähnlichen Trick braucht das Wachsräupchen. Um die Motten von den
Waben abzuhalten, mögen sie stehen, wo sie wollen, mnss man sie von
Zeit zu Zeit ausschwefeln. Hierzu benutzt man Fassschwefel (Schwefelspan),
der in jeder Apotheke oder Drogerie käuflich ist. Beim Anzünden des
Schwefels muss man recht vorsichtig sein. Der brennende Schwefel tropft
ab, fällt auf den Boden des Schrankes und bringt diesen in Feuersgefahr.
Um dies zu vermeiden, hängen wir den Schwefelspan in eine hohe
Konservenbüchse, die jetzt in jeder Haushaltung vorhanden ist. Damit
die Flamme des Schwefelspans die Waben nicht erreicht und das Wachs
zum Schmelzen bringt, bindet man mittels Draht ein breites Stück Blech
über die Konservenbüchse, dann kann die Flamme nicht in die Höhe steigen.
Sind die angegebenen Vorbereitungen getroffen, so wird der Schwefelspan
angesteckt und der Schrank geschlossen und zwar so, dass gar kein Dampf
entweichen kann. Solange wir den Schwefel brennen hören, bleiben wir
wegen der Feuersgefahr bei dem Schrank. Wir öffnen ihn aber nicht, der
Dampf soll recht lange auf die Maden einwirken. Das Ausschwefeln muss
von März bis in den Oktober hinein ausgefuhrt werden und zwar am
1. und 15. eines jeden Monats.
Die Wabenabfälle und das Gemüll, welches man auf seinem Bienen¬
stand sammelt, soll man sofort in den Wabenschrank bringen und nicht
auf den Bienenwohnungen herum liegen lassen, hier legen die Motten auch
ihre Eier hinein. Früher haben wir nach erhaltenen Anweisungen diese
Abfälle zusammengedrückt wie eine Kugel und sie in eine Kammer gestellt.
Als wir sie im Herbst ausschmelzen wollten, war fast alles zerfressen, es
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76
n. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
waren noch Maden darin, fast so gross wie ein kleiner Finger. Hätten
wir die Abfälle im Wabenschrank aufbewahrt, wie das jetzt geschieht und
was wir jedem Bienenzüchter empfehlen können, so wäre uns viel Verdruss
erspart geblieben.
Die Wachsmotte kommt aber nicht allein in den leeren Waben und
im Gemüll vor, sondern auch in den Bienenwohnungen selbst Sie kann
hier, wenn der Bienenzüchter nicht auf Reinlichkeit hält, so stark auftreten,
dass sie ganze Völker zugrunde richtet oder sie stark in ihrer Entwicklung
hemmt. Man hat in erster Linie bei seinen Völkern dafür zu sorgen, dass
sie all ihre Waben besetzen, schon aus dem Grunde, damit die Bienen
recht warm sitzen und keine Räuberei entsteht. Sobald die Nachbar¬
bienen merken, dass in einer Bienenwohnung honiggeftillte Waben stehen,
die nicht mit Bienen besetzt sind, so ist die Räuberei fertig.
Im zeitigen Frühjahr belagern die Bienen ihre Waben nicht bis zum
Bodenbrett. Hier bleibt auch das Gemüll, das sie während des Winters
abschroteten, liegen, es sind das gewöhnlich Zellendeckel und Wachsteile,
die beim Ausputzen der Zellen entstehen, darin nisten die Maden auch.
Aus diesem Grunde muss der Imker seine Bodenbretter im Frühjahr
reinigen. Das soll er, solange die Bienen noch nicht nach unten gezogen
sind, alle 8 Tage tun und das Gemüll mit der Reinigungskrücke heraus¬
ziehen. Damit werden auch die lästigen Wachsmaden beseitigt. Auch in
den Ecken am Deckbrett und unter den Fenstern, ganz besonders aber
zwischen den Halbrähmchen, trifft man die Maden an. Es ist dies ein
grosser Nachteil der Halbrähmchen. Die Bienen verkitten sie zwar sofort
beim Einstellen. Es müssen aber immer noch einige Lücken frei bleiben.
In diese legt der Schmetterling die Eier. Deshalb muss der Bienenhalter
die obersten Rähmchen öfter heben, damit die Bienen die Maden heraus¬
ziehen können.
Wir finden aber auch Maden besonders im Frühjahr zwischen der
Brut selbst. Wir kennen sie bei der grossen Wachsmotte daran, dass die
Made ihre Gänge gewöhnlich direkt unter den Brutdeckeln hat, dadurch
werden diese etwas gehoben und sehen etwas dunkler aus. Die Made
der kleinen Wachsmotte sitzt immer unter der Brut, die Zellendeckel,
womit die Brut gedeckelt ist, sind eingefallen, weil schon viel Brut ab¬
gestorben ist. Um nun zu den Motten zu gelangen, heben wir die Zellen¬
deckel mit der Messerklinge ab und entfernen, so gut es geht, etwas
Bienen. Dabei kommt schon eine Anzahl Maden heraus, weil wir sie in
ihrer Ruhe störten. Damit keiner dieser Schädlinge verloren geht, legen
wir eine Zeitung unter, darauf fallen alle Maden, die wir dann leicht töten
können. Der Vorsitzende von unserm Bienenzüchterverein hat immer einen
fingerlangen Nagel in der Westentasche. Kommt er an den Stand eines
seiner Mitglieder und er findet solche mit der Made befallenen Waben, so
fahrt er mit dem Nagel durch die tote Brut und treibt dadurch die Maden
heraus. Es bleiben aber immer noch einige Maden in den Waben, die
sich unter der Brut verkriechen. Um auch sie zu entfernen, klopft man
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Bericht über Bienenzucht.
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mit dem Messer oder mit der Wabenzange auf die Holzteile der Rähmchen.
Durch das Klopfen gerät die Brut in Erschütterung, und die Maden suchen
sich beiseite zu schaffen. Sie können das dadurch, weil wir ihnen durch
das Entfernen der kranken Brut Luft schafften. Wir müssen mit dem
Klopfen so lange fortfahren, bis keine Maden mehr aus den Waben heraus¬
kommen. Nachher stellen wir sie wieder zu dem Volk. Die Bienen ent¬
fernen dann noch die vorhandene tote Brut und bauen die Waben wieder
ganz gut aus.
Die letzten Pollen wurden in diesem Jahr am Sonntag, den 27., und
am Montag, den 28. Oktober, den beiden einzigen warmen Tagen, die der
Oktober brachte, eingetragen, und zwar von der Schotenblätterigen Rampe
(Diplotaxis Tennifolia), die im Rheingau an den Eisenbahndämmen vor¬
kommt und bis spät in den Herbst hinein blüht. Unsere Bienen finden
an dieser Pflanze, wenn die Witterung im Herbst nicht gar zu schlecht
ist, ziemlich viel Pollen. Das kommt ihnen sehr zu statten, sie brauchen
dann im Frühjahr an schlechten Tagen nicht nach Pollen auszufliegen.
Die in den Zellen überwinterten sind im Frühjahr gerade so gut zum
Füttern der jungen Brut wie frisch eingetragene.
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Bericht Uber Gartenbau, Obsttreiberei und Arbeiten im Parke der
Königl. Lehranstalt.
Erstattet von dem Betriebsleiter Garteninspektor F. Glindemann.
A. Gartenbau.
1. Allgemeines.
Die Witterungsverhältnisse des Jahres 1911 und 1912 in Verbindung
mit der Entwicklung der Pflanzen usw. gaben Veranlassung zu manchen
interessanten Beobachtungen im Gartenbaubetriebe.
Mehrere grössere Bäume, wie z. B. eine Ulme, zwei Birken, eine
Catalpa, die in bester Entwicklung standen, wurden im Frühjahr 1912
trocken und mussten entfernt werden. Fast die meisten Bäume und
Sträucber, besonders die Nadelhölzer, zeigten viele abgestorbene Äste und
Zweige, eine Erscheinung, die jedenfalls auf den Einfluss der Trockenheit
des vorangegangenen Sommers 1911 zurückgeführt werden kann.
Überaus reich war im letzten Jahre der Blütenflor der Ziergehölze,
namentlich an den Syringen, Prunus, Ribes, Paeonien und auch der Bosen,
gewiss ein Zeichen dafür, dass auch hier die vorangegangene Trockenheit
und Hitze des Sommers 1911 den Blütenknospenansatz und die Reife des
Holzes ausserordentlich begünstigt hatte.
Nicht unerwähnt darf auch bleiben, dass Jasminum undiflorum im
Herbst 1911 seine ersten Blüten, obgleich der heisse Sommer vorher¬
gegangen war, erst Mitte Dezember im Freien öffnete, während im Herbst
1912 mit dem vorangegangenen kalten, nassen Sommer, der Blütenflor an
diesem Strauche schon am 2. November einsetzte. Man hätte hier das
Gegenteil erwarten können, wenn man einen Vergleich der Blütezeiten
mit den Witterungsverhältnissen der beiden Jahre anstellen würde.
Den schroffsten Gegensatz zu den Blütezeiten von Jasminum undi¬
florum bildete Chimonanthus praecox, der im Herbst 1911 schon Anfang
Dezember in Blüte stand, während in den Herbstmonaten des darauffolgenden
Jahres sich noch keine Blütenknospen entfalteten. Erst im Januar 1913
konnten die ersten offenen Blüten an dem Strauche beobachtet werden.
In den Gewächshäusern legte man im verflossenen Jahre auf die
Kultur nachstehender Handelspflanzen einen besonderen Wert, die in
grösserem Umfange gezogen wurden:
1. Englische Pelargonien (Odier Pelargonien),
2. Primula obconica und chinensis,
3. Cyclamen,
4. Hortensien.
Bei den englischen Pelargonien konnte bei den Kulturarbeiten die
Erfahrung gesammelt werden, dass das Verpflanzen der überwinterten
jungen Pflanzen nicht zu zeitig im Frühjahr vorgenommen werden sollte.
Die ungünstigen trüben und kalten Witterungsverhältnisse, mit denen man
in der Regel im Februar und März zu rechnen hat, sind den verpflanzten
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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw.
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englischen Pelargonien oft recht nachteilig. Die Pflanzen kommen im
Wachstum nicht voran und viele gehen, wenn nicht ganz besonders vor¬
sichtig gegossen wird, in der Entwicklung zurück oder sterben ab. Ausser¬
dem erscheint es ratsam, die englischen Pelargonien nach dem Verpflanzen,
wenn irgend möglich und wenn auch nur für kurze Zeit, auf einen er¬
wärmten oder heizbaren Mistbeetkasten zu bringen, wo eine leichte Boden¬
wärme von 15—18 0 C. gegeben werden kann. Bei einer solchen Boden¬
wärme werden die Pflanzen die Störungen, die durch das Verpflanzen
hervorgerufen werden, schnell überwinden, zu einem guten Austrieb an¬
geregt und kräftigere Triebe bilden. Die Bodenwärme braucht den Pflanzen
Abb. 13. Teilansicht eines Pflanzenkni tur-Hauses der Koni gl. Lehranstalt mit englischen Pelargonien,
die in voller Blüte stehen.
allerdings nur kürzere Zeit (3—4 Wochen) geboten werden, denn später
lohnt es sich mehr, die Weiterkultur in luftigen, geräumigen Häusern vor¬
zunehmen.
Von den hier kultivierten Sorten können die nachstehenden mit Rück¬
sicht auf Grösse und Färbung der Blüten sowie auf Reichblütigkeit be¬
sonders empfohlen werden:
Obergärtner Henze, Dr. Nagel,
Schneewittchen, Georg Künzel,
Regine Neubronner, Anna Rolloff,
Frau Cora Scheuzer, Direktor Zink,
Perle von Neuulm, Mein Liebling,
Deutscher Ruhm, Wolfgang von Goethe,
Fürstin Antoniette von Hohenzollern, Frl. Kettner.
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Bei der Kultur der Primula obconica haben vergleichende Versuche
gezeigt, dass es nicht ratsam ist, die Kultur dieser Pflanzen in leichter oder
stark gedüngter Erde vorzunehmen; auch die Vermischung des Erdreichs
mit Torf hat sich nicht bewährt. Das Gelbwerden der Blätter und die
mangelhafte Entwickelung der Pflanzen scheinen direkte Folgen hiervon zu
sein. Eine gute Gartenerde, mit etwas Düngererde vermischt, unter Zusatz
von genügenden Mengen scharfen Flussand, scheint die besten Kulturerfolge
zu sichern.
Bei der Kultur von Alpenveilchen scheint von besonderem Werte zu
sein, nur Saatgut von besten Mutterpflanzen und anerkannt ersten Züchtern
für die Aussat zu verwenden, wenn man auf Sämlinge mit guten Eigen¬
schaften in bezug auf Haltung und Form der Blüte, Blütenfärbung, Be¬
laubung etc. mit Bestimmtheit rechnen will. Die durch Aussaat gewonnenen
oder die direkt bezogenen Sämlinge scheinen sich, je nach den einzelnen
Züchtern, von denen das Saatgut oder die Sämlinge bezogen wurden, bei
der späteren Kultur und in ihren Eigenschaften sehr abweichend zu ver¬
halten. Die in dieser Beziehung gesammelten Erfahrungen sollen im
nächsten Jahresbericht, nachdem die Beobachtungen zum Abschlus ge¬
kommen sind, in eingehender Weise besprochen werden.
Bei der Kultur der Hortensien wurden fast ausschliesslich die
französischen Züchtungen verwendet, unter denen die nachstehenden Sorten
als besonders empfehlenswert bezeichnet werden können:
1. Generalin Vicomtesse de Vibraye, ist ausserordentlich reichblühend
und bringt grosse lebhaft rosagefärbte Dolden.
2. Souvenir de Mme Reault, zählt zu denjenigen Sorten, die mit
den grössten Blütendolden ausgezeichnet sind.
3. Souvenir de Mme Chantard, hat sich als sehr reichblühend aus¬
gezeichnet, mit mittelgrossen, lebhaft rosagefärbten Blüten. Eine der besten
Sorten zur Erzielung der blauen Blütenfärbung.
4. Mme E. Mouillere, mit fast reinweissen Blüten, die sehr reich an
den Pflanzen erscheinen. Sie steht in der Keichblütigkeit wohl oben an.
5. La Lorraine, bringt mit die grössten Blütendolden, deren Blüten
rosa gefärbt und mit leicht gezacktem Bande versehen sind, wodurch die
Blüten ein sehr gefälliges Aussehen zeigen.
6. Bouquet Rose, bringt ebenfalls recht grosse Blütenstände in leb¬
haft rosa Färbung. Für die blaue Färbung der Blüten ist sie sehr' geeignet.
7. Radiant, mit grossen ballförmig geschlossenen Blütenständen, die
auf langen, straffen Stielen getragen werden. Von Natur zeigen die
Blüten eine tief rosa Färbung, die sich leicht blau färben lassen.
8. Souvenir de Claire, ist reichblühend, scheint aber die Blüten nur
auf Trieben an einjährigem Holz zu bringen. Auch diese Sorte ist für
die Erzielung einer blauen Blütenfärbung sehr geeignet.
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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw.
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I. Prüfung von Pflanzenneuheiten.
Ageratum Koppitz.
Diese Pflanzenneuheit ist eine Einführung der Firma Bornemann-
Blankenburg a. Harz und bildet ein Gegenstück zu der älteren Sorte
„Leipziger Kind“. Der Bau der Pflanze ist niedrig und gedrungen. Der
Blütenflor ist ein überaus reicher, und die Blüten weisen eine dunkelblaue
Färbung auf mit einem leicht rosig-violetten Schein. Zur Einfassung von
Blumenbeeten ist diese Pflanzenneuheit sehr zu empfehlen, doch ist dabei
zu beachten, dass sie auf nicht zu stark gedüngtem Boden stehen muss,
wenn sie anstatt einer starken Laubentwicklung sich durch reichen Blüten¬
flor auszeichnen soll.
Primula chinensis Salmoneum.
In dieser Pflanzenneuheit haben wir eine Primel, welche im Farben¬
spiel der Blüten mit dem der Cyclamen Salmoneum fast übereinstimmt.
Die Farbe der Blüten wechselt vom zartesten Rosa bis zum leuchtenden
Carminrosa und ist für das Auge ausserordentlich angenehm in der Wirkung.
Sie bildet ein gutes Gegenstück zu der ebenso wertvollen älteren Sorte
„Morgenröte“, indem sie neben der schönen Färbung sich durch grosse
Blüten, schönen Bau der Pflanze und gute Haltung ausgezeichnet. Für
den Handel wird diese Primel von grossem Werte sein und dürfte recht
bald eine weite Verbreitung in den Kulturen finden.
Pelargonium Zonale „Bavaria“.
Die Pflanze zeigt einen gedrungenen Bau, blüht sehr reich und bringt
starke Blütenstände, die hoch über dem Laubwerk getragen werden mit
recht grossen Einzelblüten. Die Färbung der Blüten ist leuchtend dunkel¬
rot und hat eine grosse Ähnlichkeit mit der älteren Sorte „Cardinal“.
Gegen Niederschläge zeigten sich die Blüten recht widerstandsfähig, so
dass es eine Sorte zu sein scheint, die zur Bepflanzung der Blumenbeete
wertvoll ist.
Pelargonium Zonale „Edelweiss“.
Diese Sorte ist in der Form und Farbe der Blüten mit der älteren
Sorte Frau Rentier Wünsche zum Verwechseln ähnlich, nur scheint sie
gedrungener im Bau zu bleiben. Gegen Niederschläge scheint sie sehr
empfindlich zu sein, denn jeder stärkere Regen bringt die Blütenblätter
zum Abfall. Als Freilandpelargonie ist sie als wertlos zu bezeichnen.
Pelargonium Zonale „Nobel“.
Die grossen Blüten dieser Sorte weisen eine leicht lachsrote Färbung
auf, doch tritt sie in der Wirkung nicht genügend hervor. Auch der
Blütenreichtum liess an den Pflanzen zu wünschen übrig. Der Bau der
Pflanze ist gedrungen und das Wachstum schwach. Es scheint nur eine
Sorte zu sein, welche sich zur Dekoration der Pflanzenhäuser eignet.
II. Dem Gartenbaubetriebe überwiesene Geschenke.
1. Von der Stadtgärtnerei Frankfurt a. M. eine Anzahl englischer Pelargonien der
Sorte: Ostergruss.
Geleenheimer Jahresbericht 1912. ®
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U. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
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2. Von der Stadtgärtnerei Essen a. Ruhr einige Pflanzen von:
Verbena hybrida „Das Märchen“.
„ „ „Miss Ellen Willmott“.
Ageratum Blue Perfection.
„ Gertrud Thomi.
3. Von der Landwirtschaft!. Hochschule Tokio (Japan) einige neue Chrysanthemum.
4. Von Herrn Obergärtner Peters in Godesberga.Rh. eine Pflanze Allamanda Hendersoni.
5. Von der Firma Goos & Koenemann in Nieder-Walluf a. Rh. einige Pflanzen der
Nelkenzüchtung „Titania“.
6. Aus der Grossherzogi. Hofgärtnerei Karlsruhe einige Pflanzen von Vittadinia triloba.
7. Aus der städt. Gartenverwaltung Wiesbaden Samen von Vittadinia triloba.
8. Von der Firma Gerbitz & Wiebicke in Hamburg-Eilbeck verschiedene Modelle von
Fenstersprossen und Lüftungsvorrichtungen für Gewächshäuser.
Den freundlichen Gebern sei an dieser Stelle noch einmal der Dank der Königl.
Lehranstalt ausgesprochen.
2. Beobachtangen über die Widerstandsfähigkeit verschiedener
Rosensorten gegen die Witterungseinflüsse des letzten Sommers.
Die ungünstigen Witterungsverhältnisse des letzten Sommers, be¬
sonders während der Monate August—September, übten im allgemeinen
einen recht ungünstigen Einfluss auf den zweiten Blütenflor der Rosen aus
und manche Sorte, die in den anderen Jahren sich recht gut bewährte,
hat in dem letzten fast vollständig versagt oder nur vereinzelt ihre Blüten
zur vollen Entfaltung gebracht Selbst der Blütenreichtum, wie er in
anderen Jahren manchen Sorten eigen ist, hatte derart zu leiden, dass auch
diese Eigenschaft nicht zur Geltung kam. Man erkennt hieraus die grosse
Verschiedenheit der einzelnen Rosensorten lin ihrer Widerstandsfähigkeit
gegen die Witterungseinflüsse. Nach den von mir gemachten Beobachtungen
haben sich die nachstehenden Sorten recht gut bewährt und trotz des
kühlen regnerischen Wetters und bei guter gesunder Belaubung einen
vollen Blütenflor zur Entfaltung gebracht.
1. Charlotte Klemm, Teehybridrose.
Die Blüten sind mittelgross, gut gefüllt mit brennend blutroter
Färbung. Bei guter Verzweigung der Pflanze entwickelt sich ein reicher
Blütenflor und beide Eigenschaften machen diese Sorte zu einer sehr
dankbaren Gruppenrose.
2. Dean Hole, Teehybridrose.
Die sehr zahlreich erscheinenden Blüten sind gross, schön geformt
und in der Färbung lebhaft lachsfarben. Es ist eine Sorte, die alle Be¬
achtung verdient und der Empfehlung wert ist.
3. Celia, Teehybridrose.
Die gut gefüllten Blüten sind lebhaft rosa gefärbt, werden auf straffen
Trieben getragen und erscheinen, namentlich im Herbstflor, überaus zahl¬
reich. Als Hochstammrose ist sie besonders empfehlenswert.
4. Rosomane Narcisse Thomas, Teerose.
Die Blüte ist mittelgross, schön in Form und Scharlach in kupferrot
übergehend gefärbt. Der Blütenflor ist ein reicher.
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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw.
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5. Kaiser Wilhelm II., Teehybridrose.
Die Färbung der Blüten ist karmoisin- und feuerrot mit samtig¬
schwarzem Anflug. Die leicht sich öffnenden Blüten erscheinen sehr zahl¬
reich und halten selbst bei grosser Hitze recht gut die Färbung.
6. Jonkheer J. L. Mock, Teehybridrose.
In der leuchtend lilaroten Färbung der Blumenblätter, die umgeschlagen
silberig erscheinen, erinnert sie an die bekannte Sorte „Farbenkönigin“
und trägt ihre Blüten schön aufrecht auf starken Trieben.
7. Lady Ashtown, Teehybridrose.
Neben reichem Blütenflor ist es die schöne Form und die reinrosa
Färbung der Blüten, die diese Sorte zu einer der besten neueren Rosen¬
sorte macht.
8. Laurent Carle.
Die schön geformten, gut gefüllten scharlachroten Blüten dieser Sorte
werden meist einzeln auf langen Stielen getragen und erscheinen recht
zahlreich an den Pflanzen.
9. Le Progress, Teehybridrose.
Neben einer gesunden Entwicklung der Pflanze zeigen die schön
geformten Blüten eine goldgelbe bis nankingelbe Färbung und sind recht
wirkungsvoll.
10. Mme Jenny Gillemot, Teehybridrose.
Die Blütenknospe ist nankingelb gefärbt, schön hoch gebaut und edel
in der Form. Die offene Blüte ist gut gefüllt und safrangelb. Eine sehr
dankbar blühende Rosensorte.
11. Mme Ravary, Teehybridrose.
Die grossen kugelförmig gebauten Blüten weisen eine orangegelbe
Färbung auf und erscheinen sehr zahlreich an den Pflanzen.
12. Mme Segoud Weber, Teehybridrose.
Die schalenförmigen Blüten sind zart lachsrosa gefärbt mit leuchtender
Mitte und werden auf langen, straffen Stielen getragen. Der Blütenflor ist
sehr reich. *
13. Mrs. Arthur Robert Waddell, Teehybridrose.
Als Gruppenrose ist diese Sorte besonders wertvoll, weil sie überaus
dankbar blüht und durch das Farbenspiel der Blüten eigenartig wirkt. Die
Färbung der Blüten ist lachsfaibig mit granatroter Rückseite der Blüten¬
blätter.
14. Natalie Böttner, Teehybridrose.
Die Blüten sind hellgelb, schön gebaut und gut gefüllt. Der kräftige
Wuchs und die straffe Haltung der Triebe machen diese Sorte wertvoll
zur Bepflanzung von Gruppen.
15. Pharisäer, Teehybridrose.
Die Färbung der Blüten ist weisslich rosa mit dunkler lachsrosa
Mitte. Die Blütenknospen sind schön hoch gebaut.
6 *
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
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16. Mad. Gaston Worth, Teehybridrose.
Die meist einzeln auf langen Trieben getragenen Blüten sind karmin-
rosa gefärbt und auf der Rückseite der Blütenblätter macht sich ein leicht
gelber Anflug bemerkbar.
17. Prince de Bulgarie, Teehybridrose.
Die Färbung der Blüten ist fleischrosa mit lachsfarbigem Schimmer.
Blütenknospe und geöffnete Blüte sind von edler Form. Die grosse Be¬
laubung unterstützt die Wirkung des Blütenflors.
18. Richmond, Teehybridrose.
Die ziemlich gefüllten, scharlachrot gefärbten Blüten haben die gute
Eigenschaft, dass sie sich im Verblühen nicht blau färben.
19. Hugh Dickson, Remontant-Rose.
Die sehr zahlreich erscheinenden Blüten sind schön geformt und
scharlachrot gefärbt. Gegen die Einwirkung der Sonnenstrahlen ist sie
widerstandsfähig, indem sie nicht verbrennt.
20. Nervelt, Teehybridrose.
Die Blüten sind feuerrot in der Färbung, öffnen sich sehr leicht und
werden auf langen Trieben getragen.
21. Rayon d’or.
Die eigenartige Färbung der Blüten, die rein kadmiumgelb ist, ist so
auffallend in der Wirkung, dass diese Sorte für den Rosenliebhaber sehr
wertvoll erscheint.
Es ist jedenfalls der Beachtung wert, auch die Eigenschaften der
einzelnen Sorten in dieser Hinsicht festzustellen und sowohl bei der Ver¬
wendung in den Gartenanlagen wie auch besonders bei der Neuzüchtung
von Rosensorten hierauf Rücksicht zu nehmen, damit nicht nur neue,
sondern auch widerstandsfähige Sorten gewonnen werden. Unter den
zahlreichen Rosenneuheiten der letzten Jahre sind leider viele Sorten, die
in bezug auf Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse usw. recht zu
wünschen übrig lassen.
B. Obsttreiberei.
In dem grossen Weintreibhause waren im verflossenen Jahre grössere
Arbeiten erforderlich. Das Alter der vorhandenen Rebstöcke und damit
im Zusammenhang stehend die geringe Grösse der Trauben und der
Einzelbeeren, machten es erforderlich, eine Erneuerung eintreten zu lassen.
Bei diesen Erneuerungsarbeiten sind 2 Verfahren eingeschlagen worden.
Auf d£r einen Seite des Weintreibhauses (Sattelhaus) sind die vorhandenen
Rebstöcke gänzlich entfernt, das Erdreich rigolt und teilweise durch neues
ersetzt und zur Neubepflanzung junge, einjährige Topfreben verwendet
worden. Auf der anderen Seite des Hauses sind die vorhandenen Reb-
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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usvv.
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stocke nur verjüngt, d. h. auf etwa 30 cm über dem Boden zurück-
gescünitten, um aus ihnen wieder einen neuen Stock zu ziehen.
Diese beiden Verfahren sind eingeschlagen worden, um festzustellen,
ob eine Neupflanzung oder die Verjüngung der vorhandenen Stöcke im
gegebenen Falle als vorteilhafter bezeichnet werden kann. Das Ergebnis
soll in den später erscheinenden Jahresberichten der Lehranstalt ver¬
öffentlicht werden.
0. Arbeiten im Parke der Lehranstalt.
1. Bepflanzung von Blumenbeeten.
ln der Bepflanzung der Blumenbeete des letzten Jahres haben sich
die nachstehenden Zusammenstellungen als recht wirkungsvoll im Farben¬
spiel erwiesen:
a) Zusammenstellung in der Bepflanzung für den Frühjahrsflor.
Beet Nr. 1. Zur Verwendung kamen: Darwin-Tulpen in der Sorte
Henry Veitch in lockerer, gleichmässiger Verteilung auf der ganzen Beet-
Abb. 14. Blumenbeet Nr. 3. Bepflanzung in voller Blüte stehend.
fläche mit einer Unterpflanzung von Primula elatior aurea grandiflora
(Vierländer Primel) und einer schmalen Einfassung von Aubrietia tauricola.
Die satte Färbung der Tulpenblüte (dunkel kastanienbraun) hebt sich vor¬
züglich auf dem goldgelben Untergründe der Primelblüte ab und bildet
mit dem lichten Violettblau der Aubrietienblüte ein wirkungsvolles Farben¬
spiel, zumal alle drei Pflanzen zu gleicher Zeit blühen und auch in der
Blütendauer ziemlich übereinstimmend sind.
Beet Nr. 2. Zur Bepflanzung wurde die Tulpe (Chapeau de Cardinal)
in lockerer Verteilung auf der ganzen Beetfläche mit einem Untergrund
von Viola tricolor „Azurblau“ verwendet. Die dunkelrote Färbung der Tulpen¬
blüte steht vorzüglich zu der azurblauen Färbung der Stiefmütterchenblüte
und gibt der gärtnerischen Anlage eine schöne Farbenwirkung.
Beet Nr. 3. Für die Bepflanzung des Beetes wurde die Tulpensorte
Proserpine verwendet mit einem Untergrund von Arabis albida fl. pl.
Auch in dieser Zusammenstellung ergab sich eine schöne Farbenwirkung.
Die carminrosa Färbung der Tulpenblüte auf dem weissen Untergründe der
Arabisblüte ist von schöner Wirkung.
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
b) Zusammenstellung in der Bepflanzung für den Sommerflor.
Beet Nr. 1. Lobelia cardinalis Queen Viktoria in einzelnen Trupps
auf der Beetfläche verteilt mit einem Untergründe blaublühender Verbenen
und einer Einfassung von Mesembrianthemum cordifolium fol. var. Die
tiefdunkelroten Blätter und die leuchtendroten Blüten der Lobelien auf
dem sattblauen Untergründe der Verbenenblüten heben sich vorzüglich ab,
und die Leuchtkraft des Farbenspiels wird durch die rahmweisse Ein¬
fassung noch unterstützt. Die Zusammenstellung der Bepflanzung wirkt
locker und leicht, weil sich die Lobelien hoch über den Verbenen erheben.
Beet Nr. 2. Pelargonium zonale „Wilhelm Langguth“ mit einer Ein¬
fassung von Ageratum „Leipziger Kind“.
Die Wirkung des Farbenspiels dieser Bepflanzung war recht schön.
Die feurigroten Blüten der Pelargonien auf der weissbunten Belaubung dieser
Pflanze heben sich vorzüglich aW und bildet mit der lichtblauen Einfassung
der Ageratumblüte eine schöne und für das Auge wohltuende Wirkung.
2. Beobachtungen über verschiedene Pflanzen, welche in den
Parkanlagen Verwendung fanden.
a) Vittadinia triloba.
Unter den Geschenken, die im letzten Jahre der Kgl. Lehranstalt
überwiesen wurden, ist die obige Pflanze bereits angeführt. Es ist eine
kleinlaubige, sich reich verzweigende Pflanze, die einen Durchmesser von
etwa 30 cm erreicht und deren Triebe sich fast kriechend über den Boden
legen. Sie bringt eine Fülle kleiner, weisser Sternblüten, die im Ver¬
blühen eine leicht rötliche Färbung annehmen und überaus zahlreich von
Mitte Mai bis zum Spätherbst erscheinen. Durch Aussaat Anfang März
vermehrt, liefert sie schon für die Pflanzzeit ein passendes Material. Die
Pflanzen sind mehrjährig, müssen im Kalthause überwintert werden und
lassen sich dann auch durch Stecklinge leicht vermehren. Zur Einfassung
grösserer Blumenbeete oder Staudenrabatten, sowie zur Unterpflanzung
höherwachsender Pflanzen auf den Blumenbeeten ist sie sehr zu empfehlen.
b) Zonal Pelargonie Wilhelm Langguth.
Die Witterungsverhältnisse des letzten Sommers waren für manche
Pelargoniensorten, die zur Bepflanzung der Blumenbeete Verwendung fanden,
recht ungünstig. Die Widerstandsfähigkeit der Blüten gegen Niederschläge
und Fäulnis, der Blütenreichtum, das gedrungene Wachstum Hessen bei
vielen Sorten sehr zu wünschen übrig. Manche Sorte hat auch fast voU-
ständig versagt, wie bereits an anderer Stelle ausführlicher berichtet
worden ist. Am besten bewährte sich hier, ausser der älteren Sorte Vesuv,
die noch weniger bekannte und verwendete Sorte Wilhelm Langguth. Die
feurigroten Blüten, die, auf straffen Stielen getragen, sich hoch über der
weissbunten Belaubung der Pflanze erheben, haben trotz der regnerischen,
kalten Witterung fast gar nicht geUtten und sich gut entfaltet. Nach den
hier gesammelten Erfahrungen zählt diese Sorte zu einer der wertvollsten
für die Verwendung auf den Blumenbeeten.
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c) Crocus speciosus und Zonatus.
Unter den im Spätherbst (Oktober-November) noch blühenden Zwiebel¬
gewächsen sind diese beiden Crocus von allerliebster Wirkung. Die erstere
bringt dunkelblaue und die letztere lavendelblaue Blüten zur Entfaltung
und ihr Blütenflor hält 3—4 Wochen an. Vorteilhaft ist es, dieselben in
leichter Gruppierung, namentlich zwischen locker gestellten Nadelhölzern,
auf den Rasenflächen zu verteilen und die Pflanzung gegen Anfang Sep¬
tember vornehmen zu lassen. Wählt man bei der Pflanzung ausserdem
noch einen halbschattigen Standort, so wird dadurch die Blütezeit noch
wesentlich verlängert. Die Ansiedelung in den Gärten kann für Blumen¬
liebhaber sehr empfohlen werden.
d) Colchicum speciosum.
Nicht minder wertvoll für den Herbstflor ist auch diese riesenblütige,
aus dem Kaukasus stammende Herbstzeitlose, welche bis zu 20 cm lange,
prächtig blauviolette Blüten bringt. Starke Zwiebeln verwendet, gehört
es nicht zu den Seltenheiten, dass oft 6—8 Einzelblüten sich aus jeder
Zwiebel entfalten, die wie kleine Blütensträusse wirken. Auch diese
Zwiebel wird Anfang September gepflanzt und eignet sich vorzüglich zur
Ansiedlung auf den Rasenflächen in Verbindung mit locker gestellten
Laub- oder Nadelhölzern.
e) Tritoma uvaria Pfitzeri.
Die Tritomen als Dekorationspflanzen auf den Rasenflächen verteilt
oder auf den Staudenrabatten verwendet sind von gleich guter Wirkung
und von hohem Wert für die Ausschmückung gärtnerischer Anlagen sowie
für den Blumenschnitt. Die oft zahlreich erscheinenden Blütenschäfte in
ihren leuchtenden Farben sind von ganz hervorragender Wirkung, zumal
der Blütenflor im Hochsommer beginnt und sich bis in den Herbst hinein
fortsetzt. Besonders gilt dies von der oben angeführten Sorte, die hier
verwendet, sich als besonders reich blühend gezeigt hat und die fast den
ganzen Sommer hindurch ihre Blüten zur Entfaltung brachte. Sie ist
entschieden als Gartenstaude zur Anpflanzung zu empfehlen und verdient
die weiteste Verbreitung in den Gärten.
f) Fuchsie „Alice Hoffmann“.
Für die Bepflanzung kleinerer Blumenbeete oder zur Einfassung derselben
gibt es wohl kaum eine geeignetere Fuchsie als die oben erwähnte Sorte.
Bei schwachem Wachstum zeigt sie einen recht gedrungenen Bau, ist
kleinlaubig und bringt eine Fülle von Blüten, die fast senkrecht gestellt
sind und sich hoch über dem Laubwerk erheben. Die Färbung der Blüten,
deren Sepalen dunkelrot und deren Korolle reinweiss gefärbt ist, ist recht
lebhaft und sehr wirkungsvoll. In voller Sonne stehend, nehmen die Blätter
einen rötlich-braunen Ton an und bilden mit dem Farbenspiel der Blüten
einen besonderen Schmuck der Pflanze.
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88 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
g) Rose Charlotte Klemm, Teehybridrose.
Als Gruppenrose ist diese Sorte von hohem Wert. Sie bringt eine
Fülle brennend blutroter, mittelgrosser leicht gefüllter Blüten, die auf
straffen Stielen hoch über dem Laubwerk getragen werden und blüht fast
ununterbrochen während der ganzen Sommerzeit bis spät in den Herbst.
Niedrig bleibend und sich reich verzweigend sind Eigenschaften, die als
Gruppenrose sehr geschätzt werden. Unter den Witterungsverhältnissen
des letzten Sommers hat sie nicht zu leiden gehabt, was zu erkennen gibt,
dass sie widerstandsfähig ist.
h) Primula Forbesii.
Unter den Primeln, die zur Topfkultur wertvoll sind und auch im
freien Lande während der Sommerzeit Verwendung finden können, ist die
Primula Forbesii von besonderem Wert. Das Saatgut derselben Anfang
Dezember auf einer Schale im Gewächshaus ausgesät und die jungen
Pflanzen in geeigneter Weise behandelt, erhält man bis Anfang Mai starke
Pflanzen, die mit ihrem Blütenflor einsetzen und ununterbrochen bis zum
Spätherbst blühen. Die Blüten erscheinen überaus reich und sind in ihrer
rosalila Färbung von aparter Wirkung. Ein halbschattiger Standort sagt
den Pflanzen am meisten zu.
i) Dimorphoteca aurantiaca.
Auf den Wert dieser Pflanze zur Ausschmückung der Blumenrabatten
ist bereits in einem früheren Jahresbericht der Königl. Lehranstalt hin¬
gewiesen worden. Wenn auch in diesem Jahre noch einmal Gelegenheit
genommen wird, diese Pflanze zu erwähnen, so geschieht dies aus dem
Grunde, um auf verschiedene Eigenschaften hinzuweisen, die bei der
weiteren Verwendung der Beachtung wert sind, wenn sie zur vollen
Geltung kommen soll. Dimorphoteca ist nicht nur wertvoll zur Verwendung
auf den Blumenrabatten, sondern auch zur Bepflanzung von Blumenbeeten
geeignet, wo sie in der Massenwirkung noch mehr zur Geltung kommt.
Der ausserordentlich reiche Blütenflor, die grossen Margueriten ähnlichen
Blüten in ihrer dunkel orangegelben Färbung sind von ganz auffallend
schöner Wirkung, und schön steht die Farbe zwischen weiss und einem
lichten Blau. Leider hat sie die Eigenschaft, dass sie ihre Blüten erst
spät am Morgen öffnet und bei genügender Wärme. An trüben Tagen, an
schattigen Stellen angepflanzt oder in rauhen Gegenden verwendet, wird
sie ihre Schönheit nur wenig zur Geltung bringen und ihren Zweck kaum
erfüllen, weshalb ein sonniger Standort, eine geschützte Lage für die Ver¬
wendung in Betracht gezogen werden müssen. Es empfiehlt sich weiterhin
diese Pflanze vorwiegend für die Monate Juni, Juli bis Mitte August zur
Bepflanzung der Blumenbeete zu verwenden, da sie in den Herbstmonaten,
mit Rücksicht auf die früher erwähnten Eigenschaften der Blüten, kaum
lohnend ist. Eine zeitige Aussaat (Anfang März) und eine Vorkultur in
Töpfen, damit die Pflanzen bei der Verwendung Ballen halten, ist zu
empfehlen.
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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw.
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Als geeignete Zusammenstellungen können empfohlen werden: Dimor-
photeca aurantiaca in leichter Anordnung auf der Beetfläche verteilt mit
einem Untergründe von Lobelia „Hamburgia“ und einer Einfassung von
Ageratum „Leipziger Kind“. Wirkungsvoll ist auch die Verwendung in
der Weise, dass Dimorphoteca den Bestand des Beetes bildet, und dass
eine Einfassung von weissblühenden Ageratum oder Lobelien gewählt wird.
Die in den Handel als Neuheiten gebrachten Hybriden sind weniger wertvoll,
weil die Färbung der Blüten nicht rein ist.
k) Fuchsie Adolf Wenzel.
In empfehlenswerter Weise muss auch an dieser Stelle auf die oben
erwähnte Fuchsie hingewiesen werden, obgleich es eine ältere Sorte ist.
Die Sepalen der Blüte sind korallenrot und die Korolle purpurviolett ge¬
färbt. Die Blüten erscheinen ganz besonders reich an den Pflanzen und
der Blütenflor hält ununterbrochen an. Wertvoll ist die Eigenschaft, dass
die Blüten über dem Laubwerk erscheinen, und dass sie mehr in wage¬
rechter und aufrechter Stellung getragen werden. Für die Anzucht von
Hochstämmen eignet sich wohl kaum eine Sorte so gut wie diese, und es
gelingt mit Leichtigkeit, von der Frühjahrsvermehrung noch 0,80 bis
100 cm hohe Stämmchen zu ziehen, die bis Anfang Juni mit vorgebildeter
Krone fertig zum Auspflanzen sind.
I) Antirrhinum majus nanum „Morgenröte“.
Die Verwendung der Sommerblumen zur Ausschmückung von
Staudenrabatten usw. hat auch die Aufmerksamkeit auf verschiedene
Löwenmaulsorten gelenkt, die in ihrem Blütenreichtum, dem anhaltenden
Blütenflor und der Widerstandsfähigkeit gegen die Witterungsverhältnisse
von hervorragendem Werte sind. Ganz besonders schön ist die von der
Firma Gebr. DiPPEe in Quedlinburg als Neuheit in den Handel gebrachte
Sorte „Morgenröte“. Die Blüten sind leuchtend Zinnoberscharlach mit
weissem Schlund. Sie verdient die grösste Beachtung und ist wertvoll
für jeden Garten.
m) Antirrhinum majus nanum „Creseia“, Schwarzer Prinz.
Eigenartig in der Wirkung des Farbenspiels der Blüten und Blätter
ist auch diese Sorte. Die tief dunkelbraunrote Färbung der Blätter steht
in vorzüglicher Wirkung zu den dunkel-blutroten Blüten. In geeigneter
Weise verwendet, natürlich auf hellfarbigem Untergründe, ist auch diese
Sorte der Beachtung wert.
3. Interessante and wertvolle Gehölze aus den Parkanlagen
der Kgl. Lehranstalt.
Syringa dubia Pers.
Der zweifelhafte oder chinesische Flieder, welcher auch häufig unter
der Bezeichnung S. chinensis Willd. oder S. rothomageusis Renault geführt
wird, ist infolge seines ausserordentlichen Blütenreichtums und seiner
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
lang anhaltenden Blüten wegen gar nicht genug zur Ausschmückung
gärtnerischer Anlagen zu empfehlen. Er blüht entschieden viel reicher
als S. vulgaris und seine Abarten, ist mit seinen dünnen Ästen und Zweigen
viel zierender als letzterer und besitzt dabei die gute Eigenschaft, dass
er nicht so üppig wächst und wenig Ausläufer bildet.
Seine volle Schönheit entfaltet der Strauch besonders dann, wenn er
einzeln steht und wenn ein recht sonniger Platz bei seiner Anpflanzung
gewählt wird. Leider wird er in den Gärten vielfach an schattigen Stellen
unter den Bäumen gepflanzt, angetroffen, was entschieden als ein grosser
Abb. 15. Syringa dubia Pers., zweifelhafter oder chinesischer Flieder. Syn. S. chinensis WillcL,
S. Rothomagensis A. Rieh., Strauch in voller .Blüte stehend.
Fehler anzusehen ist und wodurch sein Blütenreichtum ganz auserordent-
lich geschmälert wird. Die Abbildung 15 zeigt den Strauch in voller Blüte
stehend und in einem Durchmesser von 5 m.
Citrus trifoliata L., Dreiblättrige Zitrone.
„Citrus trifoliata“, die dreiblättrige Zitrone, auch fälschlich unter dem
Namen „Thriphasia trifoliata“ in den Gärten vorkommend, ist ein noch
ziemlich seltener und weniger bekannter Strauch Japans, der noch lange
nicht die gebührende Anerkennung und Verbreitung in den Gärten ge¬
funden hat, die er verdient.
Citrus trifoliata gehört zur Familie der Rutaceae, der Rautengewächse
und erreicht eine Höhe von 1—2 m. Die kahlen, grünen Zweige sind
kantig und gedreht und mit den einzelnen, in den Achsen der Blätter
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stehenden, langen Dornen besetzt. Der Bau des Strauches ist leicht und
zierlich; die aufrechtstehenden Äste sind mit graziös stehenden Zweigen
besetzt. Die leuchtend dunkelgrünen, dreizähligen Blätter werden auf
mehr oder weniger breitgeflügelten, langen Stielen getragen. Die wohl¬
riechenden, weissen, zarten, ziemlich grossen Blüten erscheinen im Mai,
oftmals aber auch noch vereinzelt später im Sommer, einzeln oder zu
zweien, achselständig. Die Frucht ist kugelig anfangs grün, später mit
Eintritt der Herbstmonate goldgelb und angenehm duftend. Die volle
Abb. 16. Citrus trifoliata L dreiblättrige Zitrone, Strauch in voller Blüte stehend.
Schönheit dieses Strauches kommt aber nur dann zur Geltung, wenn er
als Einzelstrauch auf Rasenflächen steht. Hier dürfen ihn aber auch, wenn
er im Mai in der Pracht seiner Blüten oder im September—Oktober im
Schmucke seiner goldgelben Früchte steht, kaum ein anderer Strauch in der
Schönheit übertreffen. In warmen geschützten Lagen angepflanzt, hält die
dreiblättrige Zitrone ohne jede Deckung, wie hier am Rhein seit Jahren
beobachtet wurde, aus, doch ist es zweckmässig, dass dieser Strauch an
weniger günstig gelegenen Plätzen oder in rauheren Gegenden angepflanzt,
eine gute Deckung mit Fichtenreisig im Winter erhält.
Die Vermehrung geschieht durch Samen und ist es zweckmässig, die
Aussaat auf Kästen oder Schalen in einem Gewächshause auszuführen, wie
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
es sich auch weiter empfiehlt, die Anzucht der jungen Pflanzen in den
ersten Jahren in Töpfen vorzunehmen.
Chimonanthus praecose L., Gemeine Winterblüte oder frühblühender
Gewürzstrauch.
Syn. Calycanthus praecox L.
Chimonantus fragrans Lindl.
Calycanthus fragrans Lindl.
Dieser aus Japan eingeführte und zu der Familie der Calycanthaceae,
der Gewürzsträucher, gehörige, prächtige Strauch hat trotz seiner Schön¬
heit noch lange nicht die gebührende Verbreitung in den Gärten gefunden,
in denen er vielmehr immer noch zu den seltenen Erscheinungen gehört.
Er erreicht eine Höhe von 2—2 1 / 2 m, sein Bau ist leicht und zier¬
lich, die braunen Äste sind mit graziös stehenden Zweigen besetzt. Seine
Schönheit kommt deshalb auch nur dann zur vollen Geltung, wenn er als
Einzelstrauch auf Rasenflächen steht; hier dürfte ihm aber auch, wenn er
im Monat März, oft schon früher, in der Pracht seiner zahlreichen braun¬
gelben, köstlich duftenden Blüten steht, kaum ein anderer, gleichzeitig
blühender Zierstrauch an die Seite zu stellen sein. Nach der Blütezeit
entfalten sich die etwa 10 cm langen, lebhaft glänzend dunkelgrün ge¬
färbten, lanzettförmigen, auf der Oberseite rauhen Blätter, die im Herbst
sich durch die gelbe Herbstfärbung auszeichnen.
In geschützten, sonnigen Lagen, wo Kirschlorbeer und Aukuben aus-
halten, angepflanzt, wird der Chimonanthus oder die Winterblüte recht gut
fortkommen und ist ohne Deckung durch den Winter zu bringen, doch
dürfte es sich empfehlen, eine leichte Bodendeckung mit Laub oder Fichten¬
reisig voizunehmen. Dort, wo die Winter strenge sind, ist eine starke
Deckung des Strauches mit Fichtenreisig unumgänglich notwendig.
Die Vermehrung dieses Strauches geschieht durch Ableger, kraut¬
artige Stecklinge oder aus Samen; letzterer wird bei uns in Deutschland,
wie es scheint, nur an älteren Sträuchern hervorgebracht und ist nur in
ganz vereinzelten Jahren, wo während der Blütezeit günstiges Wetter
herrschte, anzutreffen.
Alle die oben erwähnten guten Eigenschaften mögen dazu beitragen,
diesen wirklich wertvollen Blütenstrauch in unseren Gärten und Park¬
anlagen mehr anzupflanzen, für die er einen prächtigen Frühjahrsschmuck
bildet.
Viburnum plicatum tomentosum Miquel, Filziger Schneeball.
Dieser in Japan heimische und in Deutschland eingeführte Strauch
hat leider in den gärtnerischen Anlagen noch recht wenig Verbreitung
gefunden, obgleich er zur Anpflanzung sehr empfohlen werden kann.
Der Strauch ist schwachwachsend, kaum die Höhe von 1,50 m über¬
schreitend, zeigt eine reiche Verzweigung mit ausgebreitetem Bau und
bringt auf seinen fast wagerecht gestellten einjährigen Zweigen eine Fülle
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kugelförmiger Scheindolden, die in ihrer Grösse, in der langen Blüten¬
dauer und der schönen Haltung, deu gewöhnlichen Schneeball Viburnum
opulus sterile bei weitem übertreffen. Als Eiuzelstrauch auf den Rasen-
Abb. 17. Viburnum plicatum tomentosum Miquel, Filziger Schneeball. Strauch in voller Blüte stehend.
flächen verwendet oder am Rande der Gruppen mit den Staudenpflanzungen
vereinigt, ist er von hervorragender Wirkung und dient jeder Gartenanlage
zur Zierde.
Cornus florida L., Gemeiner Blumen-Hartriegel.
Dieser in den östlichen Vereinigten Staaten von Nord-Amerika,
namentlich in Florida, heimische, zu der Familie der Cornaceae, den Hart¬
riegelgewächsen, zählende Strauch, hat in unseren gärtnerischen Anlagen
noch wenig Verbreitung gefunden.
Der Blumen-Hartriegel ist ein, unser Klima im allgemeinen gut ver¬
tragender, langsam wachsender Strauch mit grünen, später rotbraunen
Zweigen, die sich mehr wagerecht ausbreiten.
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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Die kleinen, vor Ausbruch der Laubblätter im Monat Mai erscheinen¬
den gelben Blüten sind von einer Rosette herzförmig ausgebreiteter, weisser,
blumenblattartige Deckblätter umgeben, die sich später rötlich färben
und die oftmals als die eigentlichen Blütenblätter angesehen werden.
Nach der Blütezeit entfalten sich die eirunden bis ovalen, ganz-
randigen, blassgrünen Laubblätter, welche sich im Herbst durch eine
prächtige Herbstfärbung auszeichnen.
Es empfiehlt sich, den Strauch mit Rücksicht auf sein schwaches
Wachstum in Einzelstellung auf den Rasenflächen zu verwenden und einen
halbschattigen Standort bei der Anpflanzung desselben auszusuchen. In
Abb. 18. Cornus florida L., Gemeiner Blumen-Hartriegel. Strauch in voller Blüte stehend.
dieser Verwendung ist er von hervorragendem Werte und dürfte sowohl
zur Zeit der Blüte, wie auch im Schmucke seiner prächtigen Herbstfärbung
die Aufmerksamkeit des Pflanzenfreundes auf sich lenken.
D. Prüfung von Geräten, Materialien usw.
a) Frühbeetfenster Rekord,
hergestellt von dem Metallziehwerk Rekord, G. m. b. H., Eltville a. Rh.
Die Herstellung dieser Fenster geschieht nach den Angaben der Firma
in folgender Weise: „Ein massiver, mit einem besonderen Öl getränkter
Holzkern wird mit einem gefalzten Stahlmantel luftdicht umzogen und zum
Fensterrahmen elektrisch zusammengeschweisst. Das Metall als guter
Wärmeleiter wird von dem als schlechten Wärmeleiter bekannten Holz¬
kern beeinflusst und nimmt die Temperatur des Holzes ohne weiteres an,
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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw.
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so dass jede plötzliche Temperaturschwankung allmählich ausgeglichen
wird. Das lästige Abtropfen wird dadurch sehr vermindert.“ Dazu wird
weiter angegeben, dass das Rekordfenster noch folgende Eigenschaften
besitzt: „Es hat alle Vorteile der Holz- und Eisenfenster ohne deren Nach¬
teile. Es garantiert für einen dauernden luftdichten Abschluss, ein Ver¬
ziehen ist unmöglich; in bezug auf Stabilität wird es von keinem anderen
Fenster übertroffen. Die Lebensdauer dieses Fensters ist eine unbegrenzte.“
Zur Prüfung obiger Angaben sind im Frühjahr 1912 6 Stück Rekord¬
fenster versuchsweise für die Frühbeetkästen zur Verwendung gekommen.
Über das Ergebnis der Beobachtungen soll im nächsten Jahresbericht mit¬
geteilt werden. Vorläufig muss erwähnt werden, dass diese Fenster leicht
in der Handhabung sind und irgendwelche Nachteile während der Zeit der
Verwendung nicht gezeigt haben.
b) Blumenwatte,
bezogen von der Firma J. C. Schmidt, Hoflieferant, Erfurt.
Es ist eine dunkelgrün gefärbte Baumwollwatte, welche in der
Blumenbinderei eine Bedeutung hat. Wird diese Watte in Wasser ge¬
taucht und werden damit die Schnittflächen abgeschnittener Blütenstiele
umgeben, so bildet dieselbe ein vorzügliches Ersatzmittel für das sonst
zur Verwendung kommende Moos. Gegenüber dem letzteren Material hat
es den Vorzug, dass es sich leicht verarbeiten lässt, schon in geringen
Mengen verwendet, die Feuchtigkeit gut hält und somit zur Frischhaltung
der Blüten, Zweige usw. beiträgt. Infolge der grünen Färbung tritt die
Blumenwatte in keiner Weise störend bei der Verwendung in den Blumen¬
bindearbeiten auf. Für Blumengeschäftsinhaber bildet die Blumenwatte
ein sehr geschätztes Material und kann als solches nur empfohlen werden.
c) Ufers grünes Gärtnerband,
bezogen von der Firma H. G. Ufer, Barmen-R. (Wuppertal).
Es ist ein grün gefärbtes Band, welches als Ersatz für Raffiabast in
den gärtnerischen Betrieben verwendet werden soll. Wir haben dieses
Band zu gleicher Zeit mit dem gewöhnlichen Rafflabast im Herbst (Ok¬
tober) 1912 zum Heften von Schlingsträuchem im Freien zur Anwendung
gebracht. Nachdem dasselbe jetzt bereits 1 / a Jahr den Witterungsverhält-
nissen ausgesetzt war, hat es sich ganz gut bewährt. Ob dieses Band,
gegenüber dem Rafflabast haltbarer ist, kann erst später festgestellt
werden, nachdem es längere Zeit im Gebrauch war. Wertvoll erscheint
dieses Material in erster Linie durch seine grüne Färbung, indem es zum
Aufbinden von Topfpflanzen, wie z. B. Nelken usw. sich recht gut eignet
und in seiner Färbung sich den Pflanzen anschliesst.
d) „Blumenfreund“-Geräte,
geliefert von der Firma Adolf Prestien, Hannover-Linden.
Es sind dies Geräte, welche aus Eisen hergestellt sind und die den
Zweck haben, als Halter für Pflanzen, die in Töpfen stehen, zu dienen.
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96 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Infolge der eigenartigen Konstruktion sichern sie die Pflanzen gegen Stoss
und Sturm und sie können sowohl im Zimmer, auf Baikonen, wie im
Freien, Verwendung finden. Vorwiegend sind sie dazu bestimmt, an den
Wänden befestigt zu werden und namentlich den Schlingpflanzen als Halter
zu dienen. Werden dieselben mit besonderen Haltern in Verbindung, ge¬
bracht, wie solche auch von der Firma geliefert, so können dieselben auch
in freier Aufstellung benutzt werden. Die Konstruktion der Blumenfreund-
Geräte scheint sehr solide zu sein und dabei sind sie in der Gesamtheit
sehr gefällig gearbeitet und haben einen Zierwert. Für Blumengeschäfts¬
inhaber haben diese Geräte einen besonderen Wert, da sie zur Aufstellung
der Pflanzen in den Verkauferäumen besonders geeignet erscheinen.
e) Zementholz-Frühbeetkästen
von der Firma Aug. Vogel, Kunst- und Dübbelstein-Fabrik in Langenzeun i. Bayern.
Diese Kästen sollen gegenüber den Zementbeton-Kästen den Vorzug
haben, dass sie wärmer sind, dabei vollständig frost-, schwamm- und
wurmsicber und sowohl als feststehende, wie als transportable Kästen
Verwendung finden können. Aus einer feuerfesten Masse hergestellt, bieten
sie den Zementbeton-Kästen gegenüber noch den Vorzug, dass sie genagelt
und geschraubt werden können und dass die einzelnen Teile, soweit sie
ohne Drahteinlage versehen sind, sich sägen lassen. Auch ganze Treib¬
häuser, Überwinterungskästen usw. werden aus Zementholz geliefert.
Die Königliche Lehranstalt hat von diesen Kästen im verflossenen
Jahre mehrere in Gebrauch genommen und es soll später über Brauchbar¬
keit, Haltbarkeit usw. berichtet werden. Jedenfalls kann schon jetzt ge¬
sagt werden, dass diese Kästen für die Pflanzenkultur brauchbar zu sein
scheinen.
E. Beobachtungen über die Temperatnrschwanknngen des Wassers
in den Holz- und Gementbetonfässern.
Die Verwendung der Holz- und Cementbetonfässer in den gärtnerischen
Betrieben hat zu der Frage Veranlassung gegeben, ob die ersteren nicht
nur mit Rücksicht auf die grössere Dauerhaftigkeit gegenüber den Holz-
fassem als vorteilhafter bezeichnet werden können, sondern ob auch ein
Unterschied in der Temperatur des Wassers, welches in den Behältern
aufgespeichert wird, sich ergeben würde.
Zur Prüfung dieser Frage wurden 2 Fässer nebeneinander aufgestellt,
wovon das eine Fass aus Holz, das andere aus Cementbeton hergestellt
war. Letzteres war von der Firma Klein & Co., Roisdorf b. Bonn a. Rh.
bezogen worden. Beide Fässer hatten einen Rauminhalt von 300 l und
waren mit gleichen Wandstärken versehen. Die Füllung der Behälter mit
Leitungswasser geschah zu gleicher Zeit und die Temperaturmessungen %
des Wassers wurdeD stündlich abgelesen.
Das nachstehende Zahlenmaterial konnte bei den Ablesungen ge¬
wonnen werden:
Gck igle
Original from
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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw.
97
Ablesungen am 8. Juni 1912,
Die höchste Temperatur betrug an diesem Tage + 25 0 C.
a) Des Wassers im Holzfass
b) Des Wassers im Zementbetonfass
Zeit der Ablesung
Grade nach
Celsius
Zeit der Ablesung
Grade nach
Celsius
7 Uhr
vormittags ....
14,2
7 Uhr vormittags. . . .
14,5
8
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ii ....
15,0
8
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15,3
9
ii
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15,5
9
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16,1
10
ii
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17,0
10
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17,2
11
ii
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17,4
11
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17,8
12
ii
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18,3
12
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18,6
1
ii
nachmittags ....
19,1
1
„ nachmittags . . .
19,8
2
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19,3
2
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3
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ii ....
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3
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5
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5
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21,6
6
11
ii *
20,6
6
ii ii ...
21,7
7
11
ii *
20,6
7
ii ii ...
21,7
Ablesungen am 9. Juni 1912,
nachdem das Wasser in den Behältern 24 Stunden gestanden hatte.
Die höchste Temperatur betrug an diesem Tage + 26 0 C.
a) Des Wassers im Holzfass
b) Des Wassers im Zementbetonfass
Zeit der Ablesung
Grade nach
Celsius
Zeit der Ablesung
Grade nach
Celsius
7 Uhr
vormittags ....
16,5
7 Uhr vormittags....
16,5
8
ii
ii ....
16,5
8
ii ii ....
16,9
9
ii
ii ....
16,8
9
ii ii ....
17,8
10
ii
ii ....
17,3
10
18,4
11
ii
ii ....
18,0
11
ii ii ....
18,6
12
ii
ii ....
18,3
12
ii ii ....
19,0
1
ii
nachmittags ....
18,5
1
„ nachmittags . . .
19,5
2
ii
ii ....
19,2
2
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20,1
3
ii
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20,0
3
ii ii ...
21,0
4
ii
ii . . . .
20,6
4
ii ii ...
21,5
5
ii
ii ....
21,0
5
ii ii ...
21,7
6
ii
ii ....
21,0
6
ii ii ...
21,6
7
ii
ii ....
20,5
7
ii ii • %•
21,4
Ablesungen am 16. Juli 1912.
Die höchste Temperatur betrug an diesem Tage 28 0 C.
a) Des Wassers im Holzfass
b) Des Wassers im Zementbetonfass
Zeit der Ablesung
Grade nach
Celsius
Zeit der Ablesung
Grade nach
Celsius
7 Uhr
vormittags ....
17,3
7 Uhr vormittags....
17,3
8
ii
ii ....
17,7
8
ii ii ....
17,9
9
ii
ii ....
18,3
9
18,6
10
ii
ii ....
18,8
10
19,2
11
ii
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19,4
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12
ii
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20,5
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21,2
1
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nachmittags ....
21,4
1
„ nachmittags . . .
22,2
2
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22,2
2
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23,0
3
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23,1
3
24,1
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23,4
4
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5
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23,8
5
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24,8
6
ii
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25,1
7
ii
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23,7
7
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25,0
Geisenheimer Jahresbericht 1912.
7
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Gck igle
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
98
II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.
Digitized by
Ablesungen am 17. Juli 1912,
nachdem das Wasser in den Behältern 24 Standen gestanden hatte.
Die höchste Tagestemperatur betrug an diesem Tage -4- 30 # C.
a) Des Wassers im Holzfass
b) Des Wassers im Zementbetonfass
Zeit der Ablesung
Grade nach
Celsius
Zeit der Ablesung
Grade nach
Celsius
7 Uhr vormittags ....
20,7
7 Uhr vormittags. . . .
21,4
8 Jt „ ....
21,3
8 „ „ ....
21,5
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21,9
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22,1
10 „ „ ....
22,2
10 „ „ ....
22,5
11 „ „ ....
22,5
11 „ „ ....
23,1
12 „
23,0
12 „ „ ....
23,5
1 „ nachmittags ....
23,5
1 „ nachmittags . . .
24,2
2 ,, „ ....
24,1
2 „ „ ...
24,7
3 „ „ ....
24,8
3 „ „ ...
25,5
4 „ „ ....
25,2
4 „ „ ...
25,9
5 ,, „ ....
25,5
5 „ „ ...
26,0
6 „ „ ....
25,6
6 „ „ ...
26,4
7 , „ . . . . (
25,5
7 .. ...
26,5
i
Schlussbetrachtung.
Die Beobachtungen haben somit das Resultat ergeben, dass die
Cementbetonfässer nicht nur in bezug auf die Haltbarkeit wertvoller sind
als die Holzfässer, sondern auch noch den Vorzug besitzen, dass sich in
ihnen das Wasser höher erwärmt als in denen, tRe aus Holz gearbeitet
worden sind. Es ist dieses ein besonderer Vorzug, der in der Pflanzen¬
kultur nicht zu unterschätzen ist.
F. Sonstige Tätigkeit.
Der Berichterstatter leitete folgende Exkursionen der Gartenbaueleven und
Gartenbauschüler.
Am 2. April: Besuch der Kurparkanlagen in Wiesbaden und Besichtigung der Ver¬
änderungsarbeiten daselbst unter Führung des städtischen Gartendirektors Berthold.
Am 22. April: Besuch der Orchideensammlung des Herrn G. Weber, Schloss
Rheinberg bei Geisenheim.
Am 29. April: Besuch des Schlossparkes in Biebrich a. Rhein und Besichtigung
der in der Ausführung begriffenen Gartenanlage Alfred Dyckerhoff, der Anlagen am
Landesdenkmal in Biebrich sowie des Villengartens von J. Schetter in Wiesbaden.
Die Besichtigung erfolgte unter Führung des Gartenarchitekten K. Hirsch in Wiesbaden.
Am 10. Mai: Besuch der Baumschulen und Staudengärtnerei von Goos & Koene-
mann, der Rosenschulen von Kreis und der Staudengärtnerei und Rosenschule von
Keim in Nieder-Walluf a. Rh.
Am 13. Mai: Besichtigung des neu angelegten Hausgartens von J. Klein und
H. Klein in Johannisberg a. Rhein.
Am 14. Juni: Besichtigung der von Ridderschen Parkanlagen, des Villengärtens
Hochstrasser und des Villengartens der Frau von Grunelius in Cronberg i. Taunus unter
Führung des Gartenarchitekten F. Wirtz aus Rödelheim bei Frankfurt a. M. Ferner
Besichtigung des Palmengartens in Frankfurt a. M. unter Führung des Garteninspektors
Kraus.
Am 21. und 22. Juni: Besichtigung der Anlagen am Helenenwall in Deutz, der
Anlagen am Frankenwerft und Kuniberts-Kloster, der Anlagen am Deutschen Ring, des
Gck igle
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw.
99
Stadtwaldes, des Lortzingplatzes, Klettenbergpark, Volksgarten, des botanischen Gartens,
des Vorgebirgsparkes und des Südparkes mit den umliegenden Villengärten in Köln
a. Rh. unter Führung des Stadtgartendirektors Encke und Beamten der städtischen
Gartenverwaltung.
Am 15. Juli: Besichtigung der städtischen Gartenanlagcn in Bingen a. Rhein und
der Villa Sachsen daselbst.
Am 19. Juli: Besuch des Villengartens der Frau Albert (Ausführung der Anlage
nach den Entwürfen von Professor Leuger-Karlsruhe) und der Baumschulen und
Handelsgärtnerei von Weber & Co. sowie der Nerothal-Anlagen in Wiesbaden.
Am 30. Juli: Besichtigung des Südfriedhofes mit dem neuen Urnenhain in Wies¬
baden.
Am 26. September: Besuch der Herbstobst- und Blumenausstellung von Weber
& Co. in Wiesbaden und der städtischen Anlagen daselbst.
Am 30. September: Besuch der Obstausstellung des Rheingauer Vereins für Obst-,
Wein- und Gartenbau in Oestrich a. Rhein.
Am 21. Februar 1913: Besuch der Blumentreibereien von F. Sinai und des
Palmengartens in Frankfurt a. M.
Am 28. März 1913: Besuch der Nelkenkulturen von A. Moll und der Rosen¬
treiberei von Weygand in Soden a. Taunus sowie des Hauptfriedhofes in Frankfurt a. M.
unter Führung des Herrn Stadtgartendirektors Bromme.
Berichterstatter war wiederholt als gerichtlicher Sachverständiger tätig. Er
bekleidete ferner das Amt eines Vorsitzenden der Gärtner-Vereinigung des Rheingaues,
sowie das Amt eines Geschäftsführers des Rheingauer Vereins für Obst-, Wein- und
Gartenbau. Er leitete ferner die vom Ufieingauer Verein in Oestrich a. Rhein ver¬
anstaltete Obstausstellung.
7*
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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen
Institute.
Bericht Uber die Tätigkeit der pflanzenphysiologischen
Versuchsstation.
Erstattet von Prof. Dr. Karl Kboemer, Vorstand der Station.
A. Wissenschaftliche Tätigkeit.
1. Über die Keimnng und das Keimwurzelsystem des Apfelbaums.
Von K. Kboemer.
Um die Wurzelbildung der Obstbäume genauer zu erforschen, wurden
im Berichtsjahre in Anlehnung an einen früher mitgeteilten Arbeitsplan
Beobachtungen über die Keimung und Entwicklung der Sämlingswurzeln
bei den Kernobstgehölzen angestellt. Beide Vorgänge verdienen im Hin¬
blick auf die Anzucht von Unterlagen und neuen Sorten aus Sämlingen
Beachtung und müssen auch deswegen klar gelegt werden, weil anzunehmen
ist, dass sie über das Wachstum und die Lebensbedingungen der Wurzeln
älterer Bäume Aufschlüsse geben werden. Von den bisherigen Ergebnissen
dieser Untersuchungen, die wegen anderer dringender Arbeiten und mangels
geeigneter Hilfskräfte leider noch nicht zum Abschluss gebracht werden
konnten, seien hier nur diejenigen kurz besprochen, die sich auf die Ver¬
hältnisse beim Apfelbaum beziehen.
Der Samen des Apfelbaums setzt sich zusammen aus der Samen¬
schale, einer verhältnismässig dünnen Schicht von Nährgewebe und dem
Keimling. Die Hauptmasse des Samens bilden die fleischigen Keimblätter
des Embryos. Anatomisch zeigen die einzelnen Bestandteile folgenden Ban.
Die Samenschale besitzt eine Epidermis aus prismatischen Zellen, die in
der Flächenansicht gestreckt vierseitig, auf dem Querschnitt des Samens
wenig radial gedehnt erscheinen. Ihre Aussenwand ist stark verdickt und
lässt auf dem Querschnitt eine dünne, mit einer zarten Kutikula überzogene
Primärlamelle, darunter eine grosse Anzahl farbloser stark quellbarer
Schleimlamellen und daran anschliessend eine ziemlich dicke, nicht quell¬
bare Schicht erkennen, die den Innenraum der Zelle begrenzt und
allmählich dünner werdend auch auf die übrigen Wände sich fortsetzt.
Die Primärlamelle und die Schleimlamellen bleiben in Chlorzinkjod farblos,
während die festeren Inuenschichten sich mit diesem Reagens leicht bräunen
und mit Phloroglucin-Salzsäure rot färben, also schwach verholzt sind. Die
Schleimlamellen quellen im Wasser sehr stark auf und sprengen dabei, sich
Google
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenphysröloghscben ö Versuchsstation. 101
^ r li* J ' * K ‘ e *
nach aussen vorwölbend, die primäre Lamelle und die Kutikula. Auf ihrer
Anwesenheit beruht die bekannte Erscheinung, dass die Samen im Wasser
schlüpfrig werden. Für die Keimung sind die Schleimlamellen deswegen
von Bedeutung, weil sie die Befestigung des Samens an den Bodenteilchen
ermöglichen, die aufgenommene Feuchtigkeit festhalten und die Quellung
begünstigen.
Unter der Epidermis liegt eine Hartschicht, die aus 6—10 oder mehr
stark gebräunten Zellreihen besteht und die Färbung des Samens bedingt.
Die Zellen dieses Gewebes erscheinen auf dem Samenquerschnitt vieleckig,
isodiametrisch, an den Kanten etwas abgerundet und an den Seiten meist
schwachwellig eingebogen. Auf Flächenschnitten zeigen sie langgestreckte
Form und lassen hier deutlich schräg aufsteigende, stellenweise auch kleine
länglich-runde Tüpfel erkennen. Die braun gefärbten, stark verdickten
Wände sind in der Regel unverholzt. Zerstreut finden sich in der Hart¬
schicht aber auch einzeln liegende Zellen, die deutlich verholzt sind und
sich meist schon durch hellere Wände von dem umgebenden Gewebe ab¬
heben. Interzellularen sind in den äusseren Teilen der Hartschicht
nicht mit Sicherheit nachzuweisen; wo sie beim Wachstum der Zellen
entstehen, scheinen sie nachträglich durch braune Füllmassen wieder
verstopft zu werden. Am Innenrande der Hartschicht liegen die hier
unregelmässig geformten, an den Längswänden zum Teil vielfach ein¬
gebuchteten Zellen lockerer. Auf die Hartschicht folgt eine weniger
breite Gewebeschicht, deren ziemlich dünnwandige Zellen zu den Fasern
der Hartschicht fast sämtlich rechtwinklig angeordnet und durch grössere
Interzellularen getrennt sind. An den Schmalseiten des Samens erweitert
sich dieses lockere Gewebe zu einem Keil von annähernd dreiseitigem
Querschnitt. Nach innen zu grenzt es an eine dicke Haut, die in ihren
äusseren Teilen gelblich gefärbt und kutinisiert, in den inneren Schichten
farblos und stark lichtbrechend ist. Sie besteht aus obliteriertem Nuzellus-
gewebe und schliesst an eine Endospermschicht von drei bis vier wohl-
ausgebildeten Gewebereihen an, deren vieleckige annähernd isodiametrische
Zellen mit Aleuronkörnern und Öltröpfchen dicht gefüllt sind. Gegen
den Embryo grenzen sie sich durch eine Haut ab, die aus zusammen¬
gedrückten obliterierten Zellschichten besteht, wie durch Einlegen der
Schnitte in Kalilauge oder Eau de Javelle leicht nachzuweisen ist.
Am Embryo sind Keimknospe und Würzelchen gut entwickelt. Die
fleischigen Keimblätter zeigen auf dem Querschnitt eine meist 5—6-seitig^
kleinzellige Epidermis, deren zarte Wände noch keine Kutikula ausgebildet
haben. Auf der späteren Blattoberfläche schliessen sich daran 4—6 Reihen
radial gestreckter Zellen, und auf diese folgt in der Mitte des Blattes ein
mehrere Zellschichten starkes Gewebe aus polygonalen breiteren Zellen,
welches mehrere embryonale Leitbündel einschliesst. Zwischen dieser Mittel¬
schicht des Keimblattes und der Epidermis der späteren Blattunterseite
liegen wieder mehrere Reihen radial gestreckter Zellen, die jedoch nicht
so lang sind wie die korrespondierenden Zellen der Blattoberseite. Die
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102 Ili. Bericht, pbej; die'Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
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Epidermis und alle parenchymatischen Zellen der Keimblätter fuhren als
Speicherstoffe wie das Enosperm reichlich Aleuronkörner und fettes Öl.
Für die Keimung sind die Verhältnisse wichtig, unter denen man
in der Praxis die Aussaat vornimmt. In den Baumschulen werden die
Samen entweder gleich im Herbst zusammen mit Trebern und Kernhaus¬
resten ausgelegt oder in den Fällen, wo man die Verluste durch Mäusefrass
vermeiden will, im Herbst nach mehr oder minder sorgfältigem Auslesen
in Kisten oder zementierten Behältern mit Zwischenlagen von feuchtem
Sand, Erde, Kohle oder Mennige eingeschlagen, um erst im Frühjahr in
den Saatschulen ausgesät zu werden. Durch diese Behandlung sucht man
das Austrocknen der Samen zu verhüten und die Keimung zu beschleunigen.
Trocken aufbewahrte Obstsamen, die erst im Frühjahr vom Händler be¬
zogen werden, stratiflziert man in der Weise, dass man sie in Blumentöpfe
einschichtet, mit warmem Wasser angiesst und dann in warme Mistbeete
ein gräbt.
In Anbetracht dieser Verhältnisse verdient die Wasseraufnahme der
Samen bei der Keimung Beachtung. Einige Aufklärung darüber bieten
Bestimmungen, die der Assistent der Station, Dr. Heinrich, auf meine
Veranlassung ausgeführt hat. Ihre Ergebnisse sind in der nachstehenden
Tabelle niedergelegt.
Wasseraufnahme von je 25 Apfelsamen in Prozenten des ursprünglichen Gewichts.
Nach Stunden
1
3 |
7
21
46
72
Frische, der Frucht
entnommene Samen
(grüner Fürstenapfel)
Ganz in Wasser liegend
10,60
13,35
15,95
19,76
21,31
21,55
Nach der Entnahme
aus der Frucht
10 Tage trocken auf-«
bewahrte Samen
In feuchtem Raum auf
Gipsblöcken liegend .
7,84
15,27
20,91
35,00
47,94
54,77
(grüner Fürstenapfel)
6 Monate alte Samen J
1
Ganz in Wasser liegend
In feuchtem Raum auf
Gipsblöcken liegend .
33,95
37,46
41,70
51,67
64,34
69,70
(Handelsware) |
l
6,05
11,44
15,54
26,62
37,85
46,54
.Trocken aufbewahrte, j
Ganz in Wasser liegend
24,99
28,48
30,32
38,47
48,50
55,60
9 Jahre alte Samen \
1
i
In feuchtem Raum auf
|
(Handelsware) '
1
Gipsblöcken liegend .
5,22
9,57
14,12
21,32
32,17
40,08
Wie man sieht, nehmen frische Samen die Hauptmenge des zur
Quellung benötigten Wassers schon im Laufe des ersten Tages auf. Bei
Samen, die einige Zeit trocken gelegen haben, ist die Gewichtszunahme im
Wasser auffallend gross, was auf die starke Austrocknung und den Luft¬
gehalt solcher Samen zurückzuführen ist. Dass Apfelsamen beim Liegen
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation. 103
an der Luft schon nach kurzer Zeit grosse Mengen von Wasser verlieren,
beweisen die folgenden Zahlen:
Gewichtsverlust von 25 an der Luft liegenden Samen des grünen Fürstenapfels:
24 Stunden nach der Entnahme aus der Frucht . . 28,82%
48 „ )• n n »))»•• 29,20 „
72 „ „ „ „ » n » 30,15 ,,
des
ursprüng¬
lichen
Gewichts.
Aus diesen Zahlen geht die Bedeutung der in der Praxis üblichen
Aufbewahrungsart der Samen klar hervor. Beachtenswert ist die starke
Wasseraufnahme von Samen, die sich in einem feuchten Raum auf nasser
Unterlage, d. h. unter ähnlichen Verhältnissen befinden, wie sie im Boden
vorliegeu dürften. Die Wasseraufsaugung dürfte in diesem Falle durch
die Schleimschichten der Epidermis stark gefördert werden. Erwähnt sei
schliesslich, dass bei frischen Samen nach dreitägigem Liegen in Wasser
bereits die Keimung beginnen kann.
Die günstige Einwirkung einer Warmwasserbehandlung auf die Keimung
zeigte sich bei mehreren Versuchen. Die Samen werden dabei 24 und
48 Stunden lang in Wasser von 40 0 und 60 0 C. eingelegt.
Beschleunigend wirkte auf die Keimung auch eine kurze Behandlung
der Samen mit Schwefelsäure, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass
die Membranen der lederartigen Hartschichten in Schwefelsäure stark auf¬
quellen und für Wasser leichter durchlässig werden. Bei trockenen, l / 2 Jahr
alten Samen genügte z. B. eine Schwefelsäurebeize von 15 Minuten, um
sie nach 4 Tagen zur Keimung zu bringen. Vorbedingung des Erfolges
ist in diesem Falle allerdings, dass die Samen nach dem Einlegen in die
Säure wieder sorgfältig gewässert werden.
Bei der Keimung wird die Samenschale an der Spitze oder etwas
seitlich davon längs der Schmalseiten gesprengt, worauf die hier aus¬
tretende Keimwurzel schnell bis zur Länge von 2—4 cm heranwächst.
Erst wenn die Keimung soweit vorgeschritten ist, beginnt sich auch das
Hypokotyl stärker zu strecken und grade zu richten. Zu derselben Zeit
lösen sich die Kotyledonen aus der Samenschale, worauf sich sogleich die
ersten Laubblätter einstellen. Keimlinge, die im Gewächshaus der Ver¬
suchsstation angezüchtet wurden, erreichten diese Entwicklungsstufe am
6.—8. Tage nach dem Hervorbrechen des Würzelchens aus dem Samen.
Die Hauptwurzel solcher Pflänzchen war in der Regel 6—8 cm lang, am
Grunde bereits mit Wurzelzweigen 1. Ordnung besetzt und mit Ausnahme
einer an der Spitze liegenden Zone von 1—1,5 cm Länge mit kurzen
Wurzelhaaren dicht bekleidet. Im feuchten Raum erzogene Keimlinge
zeigten diese Art der Behaarung sehr deutlich, und die Wurzelhaare blieben
auch unter solchen Bedingungen verhältnismässig klein. Das Hypokotyl
erreichte bis zum Ablauf der dritten Woche nach Beginn der Keimung in
der Regel eine Länge von 2—3 cm. Die ersten Seitenwurzeln 2. Ordnung
stellten sich in den meisten Fällen nach etwa 3 Wochen ein; zwischen
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104
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
der vierten und siebenten Woche erschienen regelmässig auch Wurzel¬
zweige 3. Ordnung. Die Länge der Hauptwurzel betrug bei 4 Wochen
alten Sämlingen durchschnittlich 15 cm, bei 7 Wochen alten Pflanzen
etwa 25—30 cm. Die Seiten wurzeln 1. Ordnung waren bei Sämlingen
dieses Alters im Verhältnis zur Hauptwurzel meist ziemlich lang und selbst
dicht verzweigt.
Noch schärfer trat diese Art des Wachstums an einem Sämling
hervor, der im Alter von 30 Tagen unter möglichster Schonung der ge¬
bildeten Wurzeln in einen Beobachtungskasten des Wurzelhauses ver¬
pflanzt wurde. Es stellte sich an dieser Pflanze dichte Verzweigung der
Wurzel und verhältnismässig lebhaftes Wachstum der Seitenwurzeln ein,
während sich ihre Hauptwurzel weniger stark entwickelte. Die Pflanze
bildete eine buschig verzweigte Wurzelkrone, die sich in den oberen
Wurzelschichten ausbreitete und in der Zeit vom 13. Juni bis zum
16. September 1912 nur bis zu einer Tiefe von 55 cm in den Boden ein¬
drang. Ein gleichzeitig gepflanzter Birnensämling von gleichem Alter er¬
reichte mit der äussersten Spitze seiner Hauptwurzel in derselben Zeit
eine Bodenschicht von 1 m Tiefe. Die von der Praxis oft behaupteten
Unterschiede in der Bewurzelung von Äpfelbäumen und Birnbäumen liessen
sich also schon an den Sämlingen in ganz ausgeprägter Form nachweisen.
Was die Wachstumsenergie der Wurzeln anbelangt, so Hess sich fest-
steHen, dass sie sich mit der Bodenfeuchtigkeit und auch mit der Tempe¬
ratur ändert. Völliger Stillstand im Wurzelwachstum trat erst im Ok¬
tober ein, nachdem infolge der starken Fröste die jungen Pflanzen ihre
Blätter abgeworfen hatten. Wieder aufgenommen wurde das Wachstum
in der Zeit von Ende März bis Anfang April, und zwar nicht nur bei den
Versuchspflanzen des Wurzelhauses, sondern auch bei Topf bäumen, die im
Boden eingesenkt im freien Feld überwintert hatten. Wie eine genaue
Untersuchung ergab, werden bei Apfelbäumen wie bei Birnbäumen im
Frühjahr nicht nur ganz neue Wurzelzweige gebildet, sondern auch alte
Vegetationspunkte von neuem in Tätigkeit gesetzt. Es können also auch
bei den Obstbäumen, wie ich das früher für die Rebe nachgewiesen habe,
Wurzelspitzen im Ruhezustände den Winter überdauern und im Frühjahre
ihre Zellteilungen von neuem aufnehmen. Bei den Versuchspflanzen waren
die so entstandenen Wurzelverlängerungen durch ihre hellweissüche Fär¬
bung von den älteren gebräunten Teilen der Wurzeln zwar anfangs immer
scharf abgegrenzt, aber sonst äusserUch nicht von ihnen verschieden.
Der innere Aufbau der Wurzeln bietet wenig Besonderheiten. Die
Saugwurzeln gehören nach ihrer Gewebeanordnung zum Wurzeltypus 4,
wie ich ihn in einer früheren Arbeit 1 ) beschrieben habe. Den Wurzeln fehlt
eine verkorkte Hypodermis; die Zellwände der Wurzelhaut und der
Hypodermis neigen aber zur Metadermbildung Diese steUt sich auch in
den Randschichten der Vegetationspunkte ein, sowie diese in den Ruhe¬
zustand übergehen. Für die Rinde der Saugwurzeln ist eine ausserhalb
’) Bibliotheca botanica Heft 59.
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation. 105
der Endodermis liegende, mechanisch wirksame Scheide aus #- Zellen
charakteristisch.
2. Untersuchungen über eine in überschwefelten Mosten .auftretende
Hefe der Gattung Saccharomycodes.
Von Kroembb und Heinrich.
Die in früheren Berichten besprochenen Untersuchungen über die
Einwirkung von schwefliger Säure auf die Gärungserreger des Weines sind
im letzten Jahre unter Mitwirkung von Prof. Dr. C. von der Heide fort¬
gesetzt worden. Von den dabei gewonnenen Ergebnissen soll an dieser
Stelle nur die Tatsache mitgeteüt werden, dass wir in stärker geschwefelten,
nicht pasteurisierten Mosten als Gärungserreger nicht echte Weinhefen,
sondern regelmässig eine Saccharomycodes-Art beobachtet haben. Diese
Wahrnehmung bestätigt die Angaben von Mensio 1 ) sowie Baragiola und
Godet, 2 ) wonach in überschwefelten Mosten südlicher Herkunft derartige
Hefen gleichfalls auftreten. Mensio hält es für wahrscheinlich, dass in
der von ihm beobachteten Art Saccharomycodes Ludwigü Hansen Vor¬
gelegen habe. Die von uns aufgefundene Saccharomycodes-Art ist mit
Saccharomycodes Ludwigii zwar nicht völlig identisch, aber doch so nahe
verwandt, dass man sie wohl als eine Varietät dieser Art anzusehen
haben wird.
In jungen Mostzuchten zeigen die beiden Hefen verschiedene Zell¬
formen. Saccharomycodes bildet unter diesen Verhältnissen neben den
typischen zitronenförmigen Zellen und den Übergangsformen von den
jungen, mehr oder weniger ovalen Sprossen zur Zitronenform sehr viel
langgestreckte wurstförmige Zellen von meist beträchtlicher Grösse. Bei
dem neu gezüchteten Saccharomycodes sind dagegen wurstförmige Zellen,
wie sie bei Saccharomycodes Ludwigii Vorkommen, äusserst selten; man
findet hier höchstens langgestreckt zitroneDförmige oder längliche ovale
Zellen. Infolge des häufigen Auftretens wurstförmiger Zellen neigt
Saccharomycodes Ludwigii auch mehr als die andere Form zur Flocken¬
bildung. Die Zellgrösse schwankt bei Saccharomycodes Ludwigü stärker
als bei unserem Pilz. Unförmliche Riesenzellen, wie sie bei ersterem
manchmal in Mostkulturen auftreten, konnten bei dem verwandten Saccharo¬
mycodes nur in Riesenkolonien gefunden werden. Die Einzellkulturen in
festen Nährböden, sowie die Riesenkolonien Hessen im allgemeinen nur
kleinere nicht tiefergehende Unterschiede erkennen. Bei Oberflächenzuchten
auf schräg erstarrter Mostgelatine zeigen sich Wachstumsverschiedenheiten,
die als Rassenmerkmale in Betracht gezogen werden können. Das Haut¬
bildungsvermögen ist bei der neuen Form noch weniger ausgeprägt als
bei S. Ludwigii, dagegen findet sich in den Hautzuchten beider Formen
die bereits von Hansen bei S. Ludwigii beobachtete Mycelbildung. Mycel-
*) Staz. sperim. agr. ital. 1911 Bd. 44, S. 829.
*) Mitteilungen aus dem Gebiete der Lebensmitteluntersuchung und Hygiene.
Veröff. v. Schweiz. Gesundsheitsamt 1912 Bd. 3, S. 105.
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106
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
ähnliche Zellverbände kommen bei beiden Pilzen auch auf festen Nährböden
(Riesenkolonien) vor, wie überhaupt die neue Saccharomycodes-Form,
ähnlich wie S. Ludwigii, auf festen Böden sehr viel langgestreckte wurst¬
förmige Zellen hervorbringt. In der Sporenbildung und Sporenkeimung
weichen die beiden Pilze etwas voneinander ab. Die Kardinalpunkte der
Sporenbildung fallen nicht zusammen, doch sind die Unterschiede in dieser
Beziehung nicht so gross, dass man sie als ein artunterscheidendes Merk¬
mal ansehen könnte. Im allgemeinen scheint die im Wein auftretende
Form von Saccharomycodes noch leichter Sporen zu bilden als S. Ludwigii.
Im Verhalten gegen Zuckerarten stimmen die beiden Formen überein, des¬
gleichen annähernd in der Gärkraft, im Gärverlauf und im Alkoholbildungs¬
vermögen sowie in der oberen Wachstumsgrenze. Gegen schweflige Säure
ist die neue Form widerstandsfähiger als S. Ludwigii. Die Glykogenbildung
ist bei beiden Hefen gleich stark ausgeprägt.
Eine genauere Charakteristik der neuen Hefe wird an anderer Stelle
gegeben werden.
3. Über das Vorkommen von Zygosaccharomyces-Arten im Wein.
Von Matsumoto und Kroemer.
Hefen, die zur Gattung Zygosaccharomyces Barker gehören oder ihr
nahestehen, sind schon in den verschiedenartigsten Medien aufgefunden
worden, so Zygosaccharomyces Barkeri Saccardo und Sydow in einer mit
Ingwer und Nährsalzen versetzten Saccharoselösung, Z. Priorianus Klöcker
im Körper von Honigbienen, Z. japonicus Saito in Soya-Sauce, Z. lactis
Dombrowski in Butter, Debaryomyces globosus Klöcker in Erde von
St. Thomas (Westindien) und Guillermondia Nadson und Konokotin im
Schleimfluss einer Eiche (Petersburg). Man darf daraus schliessen, dass
kopulierende Hefen in der Natur ziemlich verbreitet sind. Da andererseits
einzelne von ihnen in Most üppig gedeihen, ist von vornherein auch mit
der Möglichkeit zu rechnen gewesen, dass Zygosaccharomyceten auch unter
den Gärungserregern des Weines nicht fehlen werden. Wie Untersuchungen,
die im letzten Jahre in der Versuchsstation ausgeführt worden sind, er¬
geben haben, finden sie sich in manchen Weinen in der Tat vor, vermut¬
lich allerdings nur in solchen, die mit unzulänglichen Mitteln und ohne
Anwendung von Reinhefen hergestellt werden. Sicher haben wir Zygo¬
saccharomyceten bisher in einem russischen und in einem deutschen Rot¬
wein (Handelswein) nachgewiesen. Wie eine genaue Prüfung ergeben hat,
handelt es sich um zwei einander nahestehende Formen, die nach ihren
Gestalts- und Wuchsmerkmalen anscheinend in die Verwandtschaft des
Debaryomyces globosus Klöcker gehören, sich von diesem Pilz aber durch
die Beschaffenheit ihrer Sporen und einige andere Eigenschaften unter¬
scheiden. Sie wachsen üppig in Most und auf Mostgelatine, vergären
Dextrose und Lävulose, jedoch nicht Saccharose, Maltose und Lactose.
In Würze vermehren sie sich nur ganz spärlich. Hautbildung ist in
flüssigen Nährböden nicht zu bemerken, dagegen fast immer das Auftreten
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation. 107
eines Heferinges. Sporen bilden beide Formen anscheinend nur nach vor-
ansgegangener Kopulation, am leichtesten in dünner Mostschicht auf dem
Deckglas oder nach Übertragung von jungen Zellen in dünne Schichten
steriles Wasser. Ihr Gärvermögen ist schwächer als das der echten
Weinhefen.
Die Menge des in 100 ccm Most im Verlauf von 35 Tagen gebildeten
Alkohols betrug bei
der kopulierenden Hefe 1.4,64 g
n w »2.5,57 „
„ Weinhefe Assmannshausen.7,49 „
Eine genauere Charakteristik der Hefen wird an anderer Stelle ge¬
geben werden.
4. Untersuchungen über die systematische Stellung der in Obst- und
Traubenweinen vorkommenden Saccharomyces apiculatus-Formen.
Bearbeitet von Dr. Heinrich.
In den letzten Jahren sind die sogen. Apiculatus-Hefen wiederholt
genauer untersucht worden, wobei sich herausgestellt hat, dass unter dieser
Bezeichnung früher Pilze sehr verschiedener systematischer Stellung zu¬
sammengefasst worden sind. Man ordnet die apiculatusartigen Hefen mit
Klöcker heute zweckmässig in die beiden Gattungen Hansoniaspora und
Pseudosaccharomyces ein, von denen die erstere zu den Saccharomycetaceen,
die letztere zu den Torulaceen gehört. Von der Gattung Pseudosaccharo¬
myces hat Klöcker neuerdings 16 Arten unterschieden und dabei gezeigt,
dass diese Pilze zum Teil Merkmale besitzen, die man bei den bisher
untersuchten Apiculatus-Hefen nicht beobachtet hat.
Nach diesen Beobachtungen erschien es gerechtfertigt, die in Obst¬
und Traubenweinen auftretenden Hefen von Apiculatusform auf ihre Zu¬
gehörigkeit zu den neu aufgestellten Gattungen zu prüfen. Mit dieser
Aufgabe wurde der Assistent der Station, Herr Dr. Heinrich, betraut.
Das Ausgangsmaterial seiner Untersuchungen bildeten aus je einer Zelle
gezüchtete Stämme, die zum Teil aus Obstweinen, zum Teil auch aus
Gartenerde stammten. Die bisher angestellten Ermittlungen führten zu
folgenden Ergebnissen.
Die isolierten Apiculatus-Hefen liessen sich in zwei deutlich von
einander verschiedene Gruppen einordnen. Bei der einen Gruppe zeigten
die Zellen in 3—4 Tage alten Mostzuchten bei 20—22° C. vorwiegend
typische Zitronenform (gedrungen bis länglich zitronenförmig), bei der
anderen, weitaus kleineren Gruppe, wurden fast durchwegs länglich ovale
bis wurstförmige Zellen ausgebildet, die von der Zitronenform überhaupt
nichts oder nur sehr wenig mehr erkennen liessen. Innerhalb der beiden
Gruppen sind Unterschiede in der Form zwar vorhanden, doch sind sie
meist so gering, dass hieraus kein Schluss auf eine bestimmte Art oder
Rasse gezogen werden kann. Auch die Grössenverhältnisse, die bei ein-
und derselben Form meist stark wechseln, besagen für sich allein wenig
als Art- oder Rassecharaktere. Riesenzellen konnten vereinzelt fast bei
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108 III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
allen Formen beobachtet werden. Grösser sind die Gestaltsunterschiede
unter anderen Verhältnissen. Ergebnisse hierüber liegen vorläufig nur
von vier genauer untersuchten Formen vor. So zeigten zwei dieser Hefen
in Mostgelatine-Stichkulturen verschiedene Zellform, obwohl sie in den
Mostzuchten kaum von einander zu unteischeiden waren. Von Interesse
ist, dass eine Form, die in Most wurstförmige Zellen bildet, ziemlich lange
Zellen hervorbringt, die vereinzelt zu myzelähnlichen Sprossverbänden ver¬
einigt sind. Es konnte sogar eine einzelne Zelle von 80 (i Länge auf¬
gefunden werden. Riesenkolonien und Stichkulturen zeigten bei den er¬
wähnten vier Formen kaum Unterschiede. Sporenbildung konnte nach dem
üblichen Verfahren auf Gipsblöcken bei keiner Art beobachtet werden.
Die in Most gebildete Alkoholmenge schwankte zwischen 3,21 und
3,71 Vol.-°/ 0 . Die Untersuchungen werden fortgesetzt.
B. Sonstige Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation.
' 1. Verkehr mit der Praxis.
Die Station stand auch im Berichtsjahre in regem Verkehr mit der Praxis.
Insbesondere wurde sie häufig um gutachtliche Äusserungen ersucht über Fragen der
Pflanzenernährung der Wein- und Obstweinbereitung und der Obstverwertung.
2. Kurse.
Die Station war beteiligt an dem Wiederholungskursus für Wein-, Obst- und
Landwirtschaftslehrer in der Zeit vom 22.—26. Juli mit 2 Vorträgen über das Wurzel¬
leben der Obstbäume und einem Vortrag über den Anschauungsunterricht in der
Anatomie und Physiologie der Pflanze; an dem Obstverwertungskursus für Frauen in
der Zeit vom 29. Juli bis 3. August mit 5 Vorträgen über die Mykologie der Obst¬
verwertung; an dem Obstverwertungskursus für Männer in der Zeit vom 6.—17. August
mit 6 Vorträgen über den gleichen Gegenstand.
In der Zeit vom 12.—24. August 1912 wurde in der Station ein Kursus über
Weingärung, Weinkrankheiten und Anwendung von reingezüchteten Weinhefen ab¬
gehalten, an dem sich 31 Herren beteiligten. Von den Hörern waren 18 aus Preussen,
3 aus Hessen, je 2 aus Spanien und Elsass-Lothringen, sowie je 1 aus Baden, Bayern,
Österreich, Schweiz, Japan und Russland.
Im Laboratorium der Station arbeiteten im Berichtsjahre als Praktikanten die
Herren Friedrich von Marschall, Geisenheim a. Rh., Hans Karl von Külmer, Turin,
Schwarzburg-Sondershausen, Felix Seidel, Warschau (Russland), Ernst Wicht, Halle
a. d. Saale, Camilo Arocena, Irun (Spanien), Prof. Dr. Hetoski Matsumto, Kioto (Japan),
Robert Votteler, Walter Vohrer, beide aus Helenendorf (Kaukasus) und Dr. Bjelouss,
Slonim (Russland).
3. Vorträge.
1. Die bisherige Tätigkeit Preussens auf dem Gebiete der Rebenveredlung , auf der
Herbstzusammenkunft der Rebenveredlungskommission in Geisenheim a. Rh.
2. Über die Wurzelbildung der Rebe im Sonderausschuss für Rebendüngungsversuche
am 30. Dezember 1912 in Geisenheim a. Rh.
3. Die Kulturbedingungen der Rebe unter den Verhältnissen der Neuzeit , auf dem
Vortragskursus für praktische Landwirte (abgeh. v. d. Grh. Hess. Landwirtschafts¬
kammer) am 9. Januar 1913 in Mainz.
4. Lebensgeheimnisse der Pflanze , am 9. Februar 1913 in Geisenheim.
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation. 109
4. Veröffentlichungen.
1. Kroemer, K., Wege und Ziele des neuen Weinbaues. Bericht der Senkenbergischen
naturforschenden Gesellschaft für 1912. Frankfurt a. M.
2. Kroemer, K., Über die Bedingungen der Blüten- und Fruchtbildung. Möllers
Deutsche Gartenzeitung 1912.
3. Kroemer, K., Die Kulturbedingungen der Rebe. Hessische Landwirtschaftliche
Zeitschrift 1913, S. 181.
4. Kroemer, K., Die Fruchtbarkeit der Obstbäume in ihrer Abhängigkeit von äusseren
Bedingungen. Geisenheimer Mitteilungen über Obst- und Gartenbau 1913, S. 21.
5. Heinrich, Fr., Saccharomyces anamensis. Geisenheim 1913.
5. Neuanschaffungen.
Von wertvolleren Neuanschaffungen sind zu nennen:
Für das Laboratorium: 1 Mikroskop, Seibert VI B, 1 Beleuchtungsapparat mit
Irisblende, 1 Kippscher Apparat, 1 Seitz-Filter, 4 Büretten, eine Anzahl feiner Mess-
gefässe, 3 Anaerobengefässe, Gipsblockformen und Geräte für d. Einzell-Kultur von
Hefen, Sterilisationsgeräte, 1 Drehstrom-Transformator, 12 Zylinderthermometer und
10 Holzkulturzylinder.
Für den Unterricht und die Sammlungen des Instituts: 1 gr. Projektionsobjektiv,
10 Wandtafeln, eine Reihe mikroskopischer Apparate und Glasphotogramme.
Für die Bibliothek: Ausser den laufenden Zeitschriften: Amtsblatt der Land¬
wirtschaftskammer, Bakteriologisches Centralblatt, Jahrbuch für Wissenschaft!. Botanik,
Weinbau und Weinhandel und einer Reihe von Lieferungswerken die Bücher: Ahrens,
Technologie; Benecke, Leben der Bakterien; Bersch, Die Entstehung des Weines;
Gerlach, Das landwirtsch. Versuchswesen; Giesenhagen, Lehrbuch der Botanik;
Goethe, Deutscher Obstbau; Hegi, Flora von Mittel-Europa, Bd. 3; Koch,-Der Weinbau
an der Saar und Mosel; Kramer, Bakt. Untersuchung über das „Umschlagen“ des
Weines; Mach, Nachweis und quantitative Bestimmung von Milchsäure und Butter¬
säure in Weinen usw.; Meyer, Die Zelle der Bakterien; Nussbaum, Karsten und Weber,
Lehrbuch der Biologie; Palladin, Pflanzenphysiologie; Scala, Most- und Weinschönung
und Filtration; Schaller, Reblausgesetze; Vageier, Die organischen und mineralischen
Nährstoffe; Will, Biologische Untersuchungen.
Die Station erhielt ausserdem von dem Herrn Minister für Landwirtschaft:
Landw. Jahrbücher 1912, Statistische Nachweisungen aus dem Gebiete der landw.
Verwaltung von Preussen 1911; vom Reichsamt des Innern: Berichte über Landwirt¬
schaft; von der Kaiserl. Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft zu Dahlem-
Berlin: Bericht über die Krankheiten und Beschädigungen der Kulturpflanzen im
Jahre 1911; vom Württembergischen Weinbau verein: Der Weinbau 1912 und vom
Staatsdepartement für Landwirtschaft in Washington: Experiment Station Record.
6. Personalveränderungen.
Die Assistentenstelle der Versuchsstation war vom 1. April bis zum 1. Oktober
1912 von Herrn Paul Lange besetzt. Nach dessen Anstellung als Obstbauwanderlehrer
an der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden wurde die Stellung
vom 1. November 1912 ab Herrn Dr. Franz Heinrich aus Weissenborn (Bayern) über¬
tragen. Als Schreibgehilfen waren an der Station tätig vom 1. April bis 31. Dezember
1912 Eugen Doerner aus Frankfurt a. M. und vom 1. Januar bis 14. März 1913 Karl
Gauweiler aus Buchloe. Sein Nachfolger wurde am 25. März 1913 Martin Sehring
aus Langen, Bez. Darmstadt. Als Institutsdiener trat zu Beginn des Berichtsjahres
Andreas Müller in die Station ein.
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110
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
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Bericht Uber die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
Erstattet von C. von der Heide, Vorstand der Station.
1. Untersuchung von Mosten des Jahres 1912 ans den prenssischen
W einbangebieten.
(Maingau, Eheingau, linkes und rechtes Kheintal, Nahe, Lahn, Mosel,
Saar, Ahr und ostdeutschem Weinhaugebiet.)
Zur statistischen Untersuchung wurden insgesamt 643 Moste ein-
gesandt und zwar 634 weisse und 9 rote Moste.
Davon entfallen auf das Gebiet:
Weiss Rot
Maingau. 7 —
Rheingau. 302 —
Rechtes Rheintal ) unterhalb . . 8 4
Linkes „ ) des Rheingaues . . 5 —
Nahe.24 —
Lahn.— 1
Mosel .171 1
Saar.110 —
Ahr.— 3
Ostdeutsches Weinbaugebiet. 7 —
634 9
Die Einzelergebnisse der gesamten Untersuchung werden mitgeteilt
werden in den Arbeiten aus dem kaiserlichen Gesundheitsamte. Die
folgenden Tabellen geben eine kurze Zusammenfassung der ganzen Unter¬
suchung.
Infolge der frühzeitig eingetretenen Herbstfröste sind die Säuregehalte
durchgehends sehr hoch, die Mostgewichte sehr niedrig. Je unreifer die
Trauben waren, als sie vom Froste befallen wurden, um so grösser war
der angerichtete Schaden, sowohl bezüglich der Qualität als auch der
Quantität.
Im Rheingau beträgt das mittlere Mostgewicht etwa 70°, das niedrigste
42°, das höchste 106°. Dagegen betrug voriges Jahr das mittlere Most¬
gewicht mehr als 95°, wobei es schwankte zwischen 70 und 205°.
Im gesamten Moselgebiet beträgt das mittlere Mostgewicht etwas
weniger als 55°. Das niedrigste 33°, das höchste 86°. Dagegen betrug
voriges Jahr das mittlere Mostgewicht 70°, wobei es schwankte zwischen
55 und 100°.
Im Rheingau ist der mittlere Säuregehalt etwas über 1,3 g, der
niedrigste 0,94 g, der höchste 2,20 g. Dagegen war voriges Jahr der
mitttlere Säuregehalt etwa 0,8 g, wobei er schwankte zwischen 0,5
und 1,5 g.
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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
111
lm gesamten Moselgebiet beträgt der mittlere Säuregehalt 1,7 g, der
niedrigste 1,06, g, der höchste 2,56 g. Dagegen betug voriges Jahr der
durchschnittliche Säuregehalt 1,0 g , wobei er schwankte zwischen 0,7
und 1,5 g.
Nimmt man an, dass alle Moste unter 85° Oe. gezuckert werden
dürfen, so können von 643 untersuchten Mosten nur 41, das sind 6,4°/ 0
nicht gezuckert werden. Zweifelsfrei ist, dass aus einer grossen Anzahl
diesjähriger Moste infolge der abnorm hohen Säuregehalte durch die
zulässige Streckung um 20% allein ein handelsfähiger Wein nicht ge¬
wonnen werden kann.
Tabelle I.
Mostgewicht
Grad Öchsle
fl
cö
U)
-
’S
Rheingau
Rechtes Linkes
Nahe
Lahn
Mosel
Saar
«M
CO
a> ,
-c A
O 2+3
x 5 ui
■MrQ -H
ES S rCl
<X> ‘Z* OJ
® fcUD
+-> P"
co p»
O
Insgesamt
Rhein tal
unterhalb des
Rheingaues
25— 34,9
3
6
9
35— 44,9
—
3
—
—
—
—
8
63
—
—
74
45— 54,9
2
13
—
—
4
—
72
36
—
2
129
55— 64,9
2
80
—
—
12
—
37
5
—
4
140
65— 74,9
2
116
—
2
5
—
38
—
—
1
164
75- 84,9
1
66
3 (1 R)
1
1
1(1R)
12
—
1(1»)
—
86 (3 R)
85— 94,9
—
18
8 (3 R)
2
1
2 (IR)
—
2(2 R)
—
33 (6 R)
95—104,9
—
5
1
—
1
—
—
—
—
—
7
105—114,9
—
1
—
—
—
—
—
—
1
Zusammen:
7
302
12 (4 R)
5
24
i (IR)
172 (1 R)
110
3(3R)
7
643 (9 R)
Tabelle II.
fl
Rechtes
Linkes
CO
a> .
ä A
Freie Säuren
g in 100 ccm
a3
fco
Ö
’oö
6ß
fl
‘55
Rhein tal
unterhalb des
Rheingaues
Nahe
Lahn
Mosel
Saar
<
X 5 <D
♦JrP-H
fl fl rQ
<P *H (P
"ö ® 60
g*
Insgesamt
0,60—0,79
I
2
2
0,80—0,99
—
1
—
—
—
—
—
—
i (i R)
—
2 (1 R)
1,00-1,19
—
39
1
—
—
DIR)
2
—
2(2 R)
—
45 (3 R)
1,20—1,39
2
144
9 (3 R)
4
8
43 (1 R)
4
—
—
214 (4 R)
1,40—1,59
2
85
1 (1 R)
1
4
—
47
15
—
2
154 (1 R)
1,60—1,79
2
30
1
—
3
—
37
11
—
1
85
1,80—1,99
1
2
—
—
7
—
17
25
—
2
54
2,00—2,19
—
—
—
—
—
—
17
20
—
1
38
2,20—2,39
—
1
—
—
—
—
7
23
—
1
32
2,40—2,59
—
—
—
—
—
—
5
12
—
—
17
2,60 u. mehr
—
—
—
—
—
—
—
—
—
—
Zusammen:
7
302
12 (3 R)
5
24
i (i R)
172 (1 R)
110
3(3R)
7
643 (9 R)
2. Untersuchung von Naturweinen des Jahres 1911 aus den
preussischen Weinbaugebieten.
Im Laufe des Jahres 1912 wurden 378 naturreine Weine des Jahr¬
ganges 1911 aus den preussischen Weinbaugebieteu untersucht. Unter
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112
m. Bericht Aber die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
ihnen befinden sich Rotweine. Von den Proben entfallen auf den Rheingan
75, das Rheintal unterhalb des Rheingaues 15, die Nahe 35, die Mosel 151,
die Saar 94, die Ahr 2, den Maingau 2 und das ostdeutsche Weinbau¬
gebiet 4.
Über den Jahrgang 1911 ist das Wichtigste schon bei der Most¬
statistik dieses Jahres gesagt worden. 1 ) Hervorgehoben mag folgendes
werden:
Die Weine des Jahres 1911 haben sich fast durchweg leicht und
vollständig geklärt und zur Flaschenreife ausgebaut, so dass sie als voll¬
blumige und bukettreiche Rasseweine geschätzt und dementsprechend hoch
bezahlt werden.
Die Anbaufläche und die Mosternte betrug im Jahre 1911:
Anbaufläche
Ernte
Ertrag
pro Hektar
Wert eines
Hektoliters
ha
hi
hl
M.
Rheingau
2158
57060
26,4
129
Rheingebiet
. . . . 2327
29811
12,8
75
Nahe. . .
. . . . 3055
54190
17,7
59
Mosel . .
. . . . 6878
362996
52,8
80
Ahr . . .
.... 697
14908
21,4
70
In ganz
Preussen: 17100
537197
31,4
82,2
Eine kurze Übersicht über die Ernteerträgnisse in Preussen ergibt
sich aus folgendem:
Seit 1902 sank die Anbaufläche langsam, aber stetig von 18336 auf
17 100 ha.
Geerntet wurden:
1000 hl
MUl. Mark
1000 hl
Mill. Mark
1902 .
. . 418,8
18,2
1907 .
. . 370,1
20,5
1903 .
. . 598,9
21,9
1908 .
. . 355,1
17,0
1904 .
. . 604,7
36,3
1909 .
. . 309,4
15,4
1905 .
. . 335,2
16,3
1910 .
. . 263,1
21,9
1906 .
. . 283,7
19,2
1911 .
. . 537,2
44,1
Danach ist das Jahr 1911 der Menge nach zwar nicht das reichste,
denn es wird von 1903 und 1904 noch übertroffen, dagegen ist der
Gesamtwert des Ertrages weit höher als selbst der des Jahres 1904.
Die Tabelle H enthält die gesamten Einzelergebnisse der analytischen
Untersuchung aufgeführt.
Tabelle I gibt eine zusammenfassende Übersicht über die ermittelten
Weinbestandteile. Zu Tabelle I ist folgendes zu bemerken:
*) Vergl. Arbeiten aus dem Kais. Gesundheitsamte Bd. XLII, S. 218 (1912).
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Original fro-m
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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
113
In diesen Jahren prägt sich der charakteristische Unterschied in der
Zusammensetzung der Weine der einzelnen Weinhaugebiete besonders
deutlich aus.
Im Durchschnitt haben die Rheingauer Weine 8—10 g Alkohol; die
Moselweine 6—8 g; wobei die Saarweine im grossen und ganzen meist
6—7, die eigentlichen Moselweine 7—8 g aufweisen.
Die freie Säure beträgt im Rheingau 0,6—0,8 g, an der Mosel 0,7
bis 0,9 g.
Sehr gering ist durchgehends der Milchsäuregehalt. Im Rheingau
wurde kein Wein mit mehr als 0,19 g Milchsäure beobachtet; auch an der
Mosel und an der Saar haben über die Hälfte der Weine nicht mehr als
0,19 g und nur in wenigen Fällen steigt der Gehalt über 0,29 g. Auch
hier bestätigt sich die Tatsache, dass in guten Jahrgängen der Säure¬
rückgang verhältnismässig gering ist.
Der Gehalt an flüchtiger Säure ist im Rheingau durchschnittlich
etwas höher (0,02—0,06 g) als an der Mosel und Saar (0,02—0,04 g).
Dies hängt selbstverständlich mit dem höheren Alkoholgehalt der Rhein¬
gauer Weine zusammen.
Die Gesamtweinsäure beträgt im Rheingau 0,10—0,29 g, an der
Mosel 0,30—0,49 g, an der Saar 0,40—0,59 g.
Die Extraktgehalte betragen im Rheingau durchschnittlich 2,25 bis
2,74 g, an der Mosel 2,00—2,24 g.
Die Extraktgehalte abzüglich der nichtflüchtigen Säure betragen im
Mittel im Rheingau 1,75—1,99 g\ an der Mosel und Saar 1,25—1,49 g;
in etwa 10°/ 0 der untersuchten Weine ist der Extraktgehalt abzüglich der
nichtflüchtigen Säure kleiner als 1,24 g. Der Aschengehalt im Rheingau
sehr wechselnd. Es finden sich einerseits Weine mit Gehalte unter 0,16 g
(Tischwein), andererseits Weine mit Gehalten von 0,25—0,46 g (Auslese¬
wein). Im Mittel dürfte der Aschengehalt etwa zwischen 0,18 und 0,30 g
liegen. An der Mosel und Saar ist der Aschengehalt ausserordentlich
niedrig. Er beträgt 0,12—0,20 g. In niedrigen Fällen schwankt er
zwischen dem Minimum von 0,11 und 0,12 g, steigt aber auch bis zum
Maximum von 0,20—0,25, ja ganz vereinzelt noch etwas höher.
Die Aschenalkalität der Mehrzahl sämtlicher Weine liegt zwischen
1,0 und 2,0 ccm n. Vereinzelt kommen sehr niedrige Alkalitäten (unter
1,0 ccm n) vor.
Die Phosphatrestbestimmungen wurden nach dem eleganten, von
LoRENZSchen Verfahren ausgeführt. Die Mehrzahl der Mosel- und Saar¬
weine enthalten 10—30 mg P0 4 .
Der Gesamtstickstoff und der Ammoniakgehalt der Moselweine ist
abnorm niedrig. So steigt der Stickstoffgehalt überhaupt nicht über 60 mg;
in der Mehrzahl der Weine beträgt er etwa 10—50 mg. Der Ammoniak¬
gehalt beträgt höchstens 8 mg (nur in einem Wein 9 mg); im Durchschnitt
beträgt der Ammoniakgehalt 2—6 mg.
Geisenheimer Jahresbericht 1912.
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Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
L4
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute
g in 100 ccm
Rheingau
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O
Insgesamt
Alkohol
bis 5,99
3
m
H
7
4
■
■
■
14
von 6,00 „ 6,99
2
62
49
—
n
118
„ 7,00 „ 7,99
5
B
19
74
33
—
1
139
„ 8,00 „ 8,99
11
B
■9
8
8
2
3
48
„ 9,00 „ 9,99
32
1
4
—
—
—
B
—
36
10,00 und mehr
22
Bi
Bgll
—
—
—
Bl
—
23
Zusammen:
75
15
35
151
94
2
2
4
378
Gesamtsäure
bis 0,59
1
9
2
8
1
2
—
4
27
von 0,60 „ 0,69
21
4
5
28
7
—
1
—
66
„ 0,70 „ 0,79
33
2
13
44
31
—
—
—
123
„ 0,80 „ 0,89
17
—
8
48
24
—
1
—
98
„ 0,90 „ 0,99
—
7
16
15
—
—
—
40
„ 1,00 „ 1,09
—
—
6
12
—
—
—
19
„ 1,10 „ 1,19
1
—
—
1
4
—
—
—
5
1,20 and mehr
—
—
—
—
—
—
—
—
Zusammen:
75
15
35
151
94
2
2
4
378
Milchsäure
bis 0,09
42
1
33
■a
13
—
WM
1
107
von 0,10 „ 0,19
23
11
2
mm
56
2
3
169
„ 0,20 „ 0,29
3
51
20
H
BBB
74
„ 0,30 „ 0,39
11
5
16
„ 0,40 „ 0,50
im
B
1
—
■HB
1
Zusammen:
65
15
35
151
94
2
D
4
367
Flüchtige Säure
1
von 0,020 bis 0,039
33
6
4
146
67
—
2
258
„ 0,040 „ 0,059
31
8
27
3
27
2
2
101
„ 0,060 „ 0,079
4
1
4
2
—
—
—
11
0,080 und mehr
7
—
—
—
—
—
B
—
8
Zusammen:
75
15
35
151
94
2
2
4
378
Ge samt wein säure
Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
115
g in 100 ccm
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1
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03
S
Ostdeutsches
Weinbau¬
gebiet
Insgesamt |
Nichtflüchtige
Säure
bis 0,49
4
5
2
3
14
von 0,50 „ 0,69
42
9
15
42
23
—
1
1
133
» 0,70 „ 0,89
32
2
18
90
45
—
1
—
188
„ 0,90 „ 1,09
1
—
2
14
26
—
—
—
43
„ 1,10 und mehr
—
—
—
—
—
—
—
—
—
Zusammen:
75
15
35
151
94
2
2
4
378
Extrakt nach Abzug
der 0,1^ üb ersteigen¬
den Zuckermengen
von 1,50 bis 1,74
2
2
» 1,75 „ 1,99
—
7
—
23
16
—
—
2
48
„ 2,00 „ 2,24
6
3
12
104
53
1
—
—
179
„ 2,25 „ 2,49
18
2
11
23
25
1
—
—
80
„ 2,50 „ 2,74
30
3
12
1
—
—
—
—
46
„ 2,75 „ 2,99
3
—
—
—
—
—
—
—
3
„ 3,00 3,24
6
—
—
—
—
—
1
—
7
„ 3,25 ,, 3,49
1
—
—
—
—
—
—
—
1
„ 3,50 „ 3,99
2
—
—
—
—
—
—
—
2
., 4,00 „ 5,99
7
—
—
—
—
—
1
—
8
„ 6,00 „ 7,27
2
—
—
—
4 —
—
—
—
2
Zusammen:
75
15
35
151
94
2
2
4
378
Extrakt nach Abzug
der 0,1^ üb ersteigen¬
den Zuckermengen
und der nichtflttch-
tigen Säure
von 1,00 bis 1,24
14
17
•
2
33
„ 1,25 „ 1,49
6
9
5
117
73
—
—
2
212
,. 1,50 „ 1,74
11
1
23
19
3
1
—
—
58
„ 1,75 „ 1,99
32
2
4
1
1
1
—
—
41
„ 2,00 „ 2,24
8
3
3
—
—
—
—
—
14
„ 2,25 „ 2,49
6
—
—
—
—
1
—
7
„ 2,50 „ 2,74
1
—
—
—
—
—
—
1
„ 2,75 ,, 2,99
2
—
—
—
—
—
—
2
„ 3,00 „ 3,49
1
—
—
—
—
—
—
—
1
,, 3,50 ,, 3,99
1
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—
—
—
—
—
1
„ 4,00 „ 4,99
5
—
—
—
—
—
1
—
6
„ 6,00 „ 6,55
2
—
—
—
—
—
—
—
2
Zusammen:
75
15
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94
2
2
4
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
117
g in 100 ccm
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Nahe
Mosel
§
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Ahr
Main
Ostdeutsches
Weinbau¬
gebiet
Insgesamt
Ammoniak
von 0,002 bis 0,0029
33
4
37
„ 0,003 „ 0,0039
—
—
—
65
57
—
—
—
122
„ 0,004 „ 0,0049
—
—
—
25
17
—
—
—
42
„ 0,005 „ 0,0059
—
—
—
18
9
—
—
—
27
„ 0,006 „ 0,0069
—
—
—
7
6
—
—
—
13
„ 0,007 „ 0,0079
—
—
—
2
1
—
—
—
3
„ 0,008 „ 0,0089
—
—
—
—
—
—■
—
—
—
„ 0,009 „ 0,0099
—
—
—
1
—
—
—
—
1
Zusammen:
—
—
—
151
94
—
—
—
245
3. Über die Bildung von flüchtigen Säuren durch Hefe
bei der Umgärung von Weinen.
Von C. von der Heide und E. Schwenk.
(Biochemische Zeitschrift Bd. 42, S. 281—288.)
Dass die Hefe flüchtige Säuren erzeugt, ist bekannt. So dürften die
in jedem normalen Weine vorkommenden geringen Mengen flüchtiger Säure
von 0,01—0,04 g (in 100 ccm ) auf die Tätigkeit der Hefe zurückzu¬
führen sein. Gärt man Weine um (d. h. versetzt man säurereiche, aber
alkoholarme Naturweine mit Zuckerlösungen und unterwirft sie einer noch¬
maligen Gärung), so steigt auch der flüchtige Säuregehalt. Versteht man
die Umgärung richtig zu leiten, so beträgt die Zunahme an flüchtiger
Säure meist nur 0,02—0,04 g. Ganz anders aber gestaltet sich die
Sachlage, wenn bei der abermaligen Einleitung der Gärung technische
Fehler begangen werden. Dann erreicht der Gehalt an flüchtiger Säure
leicht eine Höhe von 0,09—0,12 g, ja unter Umständen wird der Wein
vollständig stichig. So ist es eine bekannte Tatsache, dass in früheren
Zeiten, als die Verwendung der Reinhefe in technischen Betrieben noch
unbekannt war, bei der Umgärung nicht unbedeutende Weinmengen infolge
Stichigwerdens verloren gingen. Ja sogar heute werden manchmal noch
technische Fehler bei der Umgärung begangen, deren gewöhnlichste Folge
ebenfalls ein unerwünschtes Ansteigen des flüchtigen Säuregehaltes ist.
Vielfache praktische Erfahrungen zeigten mir, dass besonders immer
dann die Weine in Gefahr geraten, stichig zu werden, wenn die Hefe¬
aussaat zu gering gewählt worden ist. Es erschien mir daher nicht un¬
möglich, dass der Hefevermehrung in gezuckerten Weinen, die doch
immerhin einige Prozente Alkohol besitzen, eben wegen dieser ungünstigen
Lebensbedingungen gewisse Schwierigkeiten erwachsen, die sich in einer
vermehrten flüchtigen Säureerzeugung kundgeben.
Wir suchten durch die vorliegende Arbeit festzustellen, ob tatsächlich
durch verschieden grosse Hefezusätze bei der Umgärung die Menge der
gebildeten flüchtigen Säure beeinflusst werden kann.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
118
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Gleichzeitig prüften wir, ob es auch von einem verschieden hoch be¬
messenen Anfangsgehalt des Gärgutes an Alkohol oder von einem ver¬
schieden grossen Znckerznsatz zum Gärgut abhängig sei, wieviel flüchtige
Säure die Hefe zu erzeugen vermag. Wir gingen dabei in folgender Weise
vor: Ein Traubenwein wurde im luftverdünnten Baum auf ein Zehntel
seines Maßes eingedampft, so dass er von seinem Gehalt an Alkohol voll¬
ständig und an flüchtiger Säure grösstenteils befreit wurde. Durch Wasser¬
zusatz wurde der Eindampfrückstand wieder auf das ursprüngliche Mass
gebracht.
Gleichzeitig wurde soviel reiner Alkohol zugesetzt, dass die Flüssig¬
keit gerade 3 g Alkohol enthielt. (Ausserdem wurde die flüchtige Säure
in zwei Versuchen zu 0,010 g ermittelt.)
Mit diesem Weine wurden 3 Versuchsreihen, jede aus 12 Einzel¬
versuchen bestehend, durchgeführt.
Die 3 Eeihen unterschieden sich dadurch voneinander, dass den
Versuchen der ersten Reihe wenig, denen der zweiten mässig viel, denen
der dritten sehr viel Hefe zugesetzt wurde.
Es enthielt nämlich 1 l Gärgut der
1. Reihe. 0,672 Mill. Hefezellen (18 Zählungen),
2. „ .25,12 „ „ (25 „ ),
3. „ . 489600 „ „ (25 „ ).
Die 12 Versuche jeder Reihe gliedern sich in 4 Gruppen zu je
3 Versuchen.
Das Gärgut der 1. Gruppe enthielt 3 g Alkohol, das der 2. Gruppe
4 g, das der 3. Gruppe 5 g und das der 4. Gruppe 6 g. Deshalb musste,
da das ursprüngliche Gärgut nur mehr 3 g Alkohol enthielt, für die Ver¬
suche der 2., 3. und 4. Gruppe dem Weine Alkohol in berechneter Menge
zugesetzt werden.
Als die Hefe sich nach beendigter Hauptgärung abzusetzen begann,
wurde sie anfangs täglich, später alle 3 Tage durch kräftiges Schütteln der
Flaschen wieder aufgerührt. Nach 10 Wochen Gärdauer wurden die
vollständig klaren Weine von der Hefe getrennt. Die Hefen wurden
makroskopisch und mikroskopisch auf ihre Reinheit geprüft. Es liess sich
bei keiner der 36 Hefeproben eine Beimischung fremder Organismen fest¬
stellen; insbesondere waren keine Essigsäurebakterien, Eahmhefen oder
Schimmelpilze nachzuweisen.
(Siehe die Tabelle auf Seite 119.)
Die Versuche zeigten — entgegen unserer anfangs gehegten Ver¬
mutung —, dass die flüchtige Säuremenge, die bei der Umgärung gebildet
wird, von der Anzahl der im Gärgut ausgesäten Hefezellen durchaus un¬
abhängig ist. Obwohl nämlich in der 1. Versuchsreihe 700000 mal
weniger Zellen in der Masseinheit vorhanden waren als in der 3. Versuchs¬
reihe, sind doch die gebildeten Säuremengen in allen korrespondierenden
Versuchen fast gleich gross.
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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
119
1. Reihe.
1 l des Gärgutes enthält 672000 Hefezellen (18 Zählungen).
Nr.
des Versuchs
Alkohol
9
Flüchtige
Säure
9
Nr.
des Versuchs
Alkohol
9
Flüchtige
Säure
9
1. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes
etwa 3 g.
3. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes
etwa 5 g.
1
6,34
0,032
7
6,79
0,024
2
8,49
0,039
8
8,49
0,034
3
10,44
0.051
9
10,81
0,048
2. Gruppe:
Alkoholgehalt des Gärgutes
etwa 4 g.
4. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes
etwa 6 g.
4
6,34
0,030
10
6,99
0,026
5
8,56
0,035
11
8,84
0,031
6
10,81
0,048
12
10,96
0,040
2. Reihe.
1 l des Gärgutes enthält 25120000 Zellen (25 Zählungen).
Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes
etwa 3 g.
13
6,21
0,035
19
6,73
14
8,42
0,042
20
8,70
15
10,14
0,054
21
10,81
3. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes
etwa 5 g.
0,032
0,038
0,046
Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes
etwa 6 g.
0,027
0,031
0,040
3. Reihe.
1 l des Gärgutes enthält 489600000000 Hefezellen (20 Zählungen).
2. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes
etwa 4 g .
16
6,73
0,032
22
6,99
17
8,63
0,039
23
8,77
18
10,59
0,055
24
10,82
1. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes
etwa 3 g .
3. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes
etwa 5 g .
25
6,34
0,032
31
6,93
0,029
26
8,28
0,043
32
8,56
0,038
27
10,59
0,056
33
10,81
0,047
Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes
etwa 4 g.
4. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes
etwa 6 g.
28
6,59
0,031
34
6,53
0,029
29
8,70
0,038
35
9,42
0,035
30
10,74
0,054
36
10,96
0,044
Ferner konnten wir zeigen, dass auch der Anfangsgehalt des Gärgutes
an Alkohol auf die Menge der gebildeten flüchtigen Säure keinen nennens¬
werten Einfluss hat.
Nachdem wir also gezeigt haben, dass es bei Umgärungen von
Weinen mit reingezüchteten Hefen theoretisch gleichgültig ist, ob die
Hefeaussaat gross oder klein bemessen wird, bleibt noch der Widerspruch
dieser Ergebnisse mit den oben erwähnten Erfahrungen der Praxis auf-
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120
m. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
zuhellen, nach denen mit zu wenig Hefe umgegorene Weine häufig
stichig werden.
Wir glauben uns diesen Unterschied so erklären zu sollen:
Während wir unsere Versuche mit sterilem Gärgut angestellt haben,
arbeitet die Praxis stets mit Weinen, die eine mehr oder weniger reich¬
haltige Bakterienflora aufweisen.
Dabei sind besonders solche Bakterienarten vertreten, die in bekannter
Weise Zucker in Milchsäure zerlegen und dabei als Nebenprodukte flüchtige
Säure bilden.
Wenn nun in einem nochmals mit Zucker versetzten Weine infolge
reichlicher Hefeaussaat der Zucker rasch vergoren wird, so ist den Bakterien
jede Möglichkeit genommen, ihre verderbliche Tätigkeit zu entfalten.
Bei kärglicher Hefeaussaat hingegen dauert es sehr lange, bis die
Alkoholbildung lebhaft einsetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist aber den
Bakterien die günstigste Gelegenheit geboten, sich in dem stark zucker¬
haltigen, aber alhoholarmen Gärgut zu vermehren und jene unerwünschten
Stoffe zu erzeugen.
Dabei sei noch auf folgenden Umstand hingewiesen: Unsere Ver¬
suche lassen zwar keinen Einfluss der Hefemenge auf die Menge der ge¬
bildeten flüchtigen Säure erkennen, dagegen bleibt mit steigendem End¬
gehalt an Alkohol bei geringerer Hefeaussaat ein grösserer Zuckerrest
unvergoren als bei starker Hefeaussaat.
In der Praxis sind gerade diese kleinen unvergorenen Zuckerreste
nicht unbedenklich; sie verursachen häufig das unangenehme Trübwerden
des Weines — sei es, dass später nochmals die Hefegärung beginnt, oder
dass Bakterien sich an der Zuckerzersetzung beteiligen.
4. Abänderungen der Verfahren zur Bestimmung der Bernstein-
nnd Äptelsäure im Weine.
Von C. von der Heide und Erw. Schwenk.
(Zeitschr. f. analyt. Chem. 1912, Bd. 51, 628—638.)
Vor einiger Zeit haben H. Steiner und der eine von uns 1 ) angegeben,
wie Bernstein- und Äpfelsäure im Weine quantitativ bestimmt werden
können. Über diese Verfahren haben wir unterdessen weitere praktische
Erfahrungen gesammelt, die einzelne Abänderungen der ursprünglichen
Vorschriften als zweckmässig erscheinen lassen.
A. Bernsteinsäure.
Ans 50 ccm Wein wird nach dem amtlichen Verfahren die flüchtige
Säure abgetrieben und bestimmt. Der Destillationsrückstand wird verlust¬
los in eine 200 ccm fassende Porzellanschale übergespült. Man gibt
5 ccm einer 10°/ o igen Baryumchloridlösung zu und fügt noch Zusatz von
Phenolphtalein soviel einer heissgesättigten Baryumhydroxydlösung hinzu,
dass die ßotfärbuug bestehen bleibt. Hierauf nimmt man unverzüglich
*) Ztschr. f. Unters, d. Nahrungs- u. Genussmittel, Bd. 17, 291—320 (1909).
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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
121
den Überschuss des Baryumhydroxyds durch Einleiten von Kohlensäure
weg und dampft auf dem Wasserbad auf etwa 10 ccm ein. Dann spült
man den Rückstand mit wenig Wasser möglichst vollständig in ein ge¬
eichtes 100 ccra-Kölbchen, das auch bei 20 ccm eine Marke trägt. Bis
zu dieser Marke füllt man mit Spülwasser nach, setzt unter tüchtigem
Mischen 96 °/ 0 igen Alkohol zu, temperiert bei 15° und stellt endgültig mit
Alkohol auf die 100 ccm Marke ein. Man mischt gut durch, lässt
mindestens 2 Stunden stehen und filtriert dann durch ein glattes Filter.
Das Fitrat (ohne die Waschwässer!) wird gesammelt; ein aliquoter
Teil davon (50—80 ccm) dient zur Milchsäurebestimmung nach W. Mös-
linger. Der Niederschlag auf dem Filter wird mit 80°/ o igem Alkohol
(80—100 ccm) gut ausgewaschen, da hierdurch besondes bei extraktreichen
Weinen die nachfolgende Oxydation bedeutend erleichtert wird. Darauf
wird der Niederschlag restlos mit heissem Wasser in die zur Füllung ver¬
wendete Schale zurückgespült und, zur Entfernung des Alkohols, auf etwa
30 ccm eingeengt. Dann wird unter gleichzeitigem Erhitzen mit je 3—5 ccm
einer gesätttigten Kaliumpermanganatlösung so lange versetzt, bis die
rote Farbe 5 Minuten bestehen bleibt. Man gibt jetzt nochmals 5 ccm
Kaliumpermanganatlösung zu und lässt weitere 15 Minuten einwirken.
Verschwindet die Rotfärbung abermals, so ist der Permanganatzusatz zu
wiederholen. Meist braucht man 50—80 ccm Permanganatlösung. Ist die
Oxydation beendet, so zerstört man den Überschuss an Permanganat durch
Zusatz von festem Natriumbisulfit. Nach dem Verschwinden der Rotfärbung
säuert man mit 25prozentiger Schwefelsäure sehr vorsichtig an; dabei
hält man die Schale mit einem Uhrglas bedeckt. Dann setzt man weiter
Natriumbisulfit zu, bis der ausgeschiedene Braunstein in Lösung gegangen
ist. Man bringt die Schale aufs Wasserbad, hält sie aber noch so lange mit
dem Ührglas bedeckt, bis die Gasentwicklung aufgehört hat. Dann entfernt
man das Uhrglas, spült es sorgfältig ab und dampft nunmehr den Schalen¬
inhalt auf etwa 30 ccm ein. Der Rückstand (Flüssigkeit und Niederschlag)
wird mit Wasser verlustlos in einen Ätherperforationsapparat gespült, indem
man schliesslich durch Zusatz von 40°/ o iger Schwefelsäure dafür sorgt,
dass die Flüssigkeit etwa 10°/ 0 freie Schwefelsäure enthält.
Nach 9 ständigem Perforieren ist in den meisten Fällen die Bernstein¬
säure völlig in den Äther übergegangen; nach 12 Stunden ist dies mit
Sicherheit der Fall.
Man destilliert nun etwa die Hälfte des Äthers ab, gibt dann in das
Kölbchen 10—20 ccm Wasser und treibt den Äther langsam vollständig ab.
Unter Verwendung von Phenolphtalein als Indikator macht man die
im Kölbchen befindliche wässerige Lösung der Bernsteinsäure mit halogen¬
freier Barytlösung deutlich alkalisch; dann erwärmt man etwa 10 Minuten
auf dem Wasserbad. Verschwindet hierbei die Rotfärbung, so setzt man
nochmals Barytlauge zu und erwärmt wieder. Bleibt die Färbung schliess¬
lich bestehen, so leitet man in die alkalische Flüssigkeit bis zur Ent¬
färbung Kohlensäure ein. Dann erhitzt man noch etwa 10 Minuten auf
dem Wasserbad, um etwa gebildetes, lösliches Monobaryumkarbonat in
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122
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
unlösliches sekundäres überzuführen. Da Baryumsuccinat in der Kälte
leichter löslich ist als in der Hitze, lässt man zunächst auf Zimmer¬
temperatur abkühlen. Dann filtriert man durch ein kleines glattes Filter
in ein geeichtes 100 ccm-Kölbchen, jedoch so, dass das Filtrat einschliesslich
des Waschwassers nicht mehr als 75 ccm beträgt. Hierauf gibt man in
das Masskölbchen 20 ccm Vio n-Silbernitratlösung, füllt nach dem Temperieren
bei 15° mit destilliertem Wasser bis zur Marke auf und schüttelt tüchtig
durch. Nach mindestens 2 ständigem Stehen filtriert man durch ein
trockenes Faltenfilter, wobei man in üblicher Weise den zuerst durch¬
laufenden Anteil verwirft. Schliesslich titriert man in einem aliquoten
Teil des Filtrates (50—80 ccm) nach Zusatz von Salpetersäure und Eisen¬
ammoniakalaunlösung mit Vio^lHmdaiilösung das überschüssige Silbersalz
zurück.
Hat man 50 ccm Wein verarbeitet, zur Titration der mit Äther aus¬
gezogenen Säuren 20 ccm 1 / 10 n-Silbernitratlösung vorgelegt und zur Zurücb-
titration von 50 ccm Filtrat r ccm 1 / l0 n-Rhodanammonlösung verbraucht, so
sind in 100 ccm Wein x = 0,0236 ag oder y = 0,4 a ccm n-Bernsteinsäure
enthalten, wobei a = 10 — r ist.
B. Äpfelsäure,
a) Fällung der Weinsäure.
100 ccm Wein werden auf dem Wasserbade in einem Becherglase,
das bei 20 ccm eine Marke trägt, auf dieses Mafs eingeengt. Es empfiehlt
sich, zunächst 50 ccm Wein auf etwa 10 ccm einzudampfen, dann die rest¬
lichen 50 ccm zuzugeben und nun erst endgiltig auf 20 ccm einzuengen.
Zu der noch warmen Lösung gibt man 8 g fein gepulvertes Kaliumchlorid
hinzu, bringt es durch Rühren vollständig in Lösung und setzt hierauf
0,5 ccm Eisessig, 0,5 ccm einer 20°/ o igen Kaliumazetatlösung und 6 ccm
Alkohol von 96 Massprozent hinzu. Man mischt und reibt nötigenfalls die
Glaswand mit einem Glasstabe, um die Abscheidung des Weinsteins ein¬
zuleiten. Nach 15 ständigem Stehen filtriert man durch einen Goochtiegel,
der mit Papierfilterstoff beschickt ist, mit Hilfe der Wasserstrahlpumpe ab.
Zum Auswaschen dienen 20 ccm einer Lösung von 15 g Kalium¬
chlorid, 20 ccm Alkohol von 96 Massprozent und 100 ccm destilliertem
Wasser. Das Becherglas wird mindestens dreimal sorgfältig ausgespült,
der Goochtiegel samt Niederschlag dreimal sorgfältig ausgewaschen.
Filtrat und Waschwasser werden zusammen in einem geeichten 100 ccm-
Kölbchen aufgefangen; sie dienen später zur Apfelsäurebestimmung (siehe
weiter unten unter b). Der Niederschlag samt der Papiermasse wird dann
in bekannter Weise mit heissem Wasser in das Becherglas, das zu seiner
Füllung benutzt worden ist, übergespült und nach kurzem Aufkochen
unter Verwendung von Phenolphtalein bis zur schwachen Rotfärbung mit
Vs n-Lauge titriert.
In 100 ccm Wein sind dann vorhanden w = ~ (b + 0,15) g oder v =
(b + 0,15) ccm n-Weinsteinsäure, wobei b die zur Neutralisation des Wein¬
steins nötige Menge Ve n-Lauge bedeutet.
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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
123
b) Bestimmung von Äpfelsäure und Bernsteinsäure zusammen.
Das von Weinsäure befreite Filtrat hat man, wie oben unter a)
angegeben, zusammen mit 20 ccm Waschflüssigkeit in einem geeichten
100 ccm Masskölbchen aufgefangen. Nunmehr füllt man dieses bei 15 0 mit
Wasser bis zur Marke auf und mischt sorgfältig durch. 50 ccm des
Filtrates werden in einer kleinen Porzellanschale mit 5 ccm einer 10°/ o igen
Baryumchloridlösung versetzt und auf dem Wasserbad fast bis zur Trockne
eingedampft, wobei man die entstehenden Kristallkrusten mit einem kleinen
Glaspistill zerdrückt. Ist Essigsäure nicht mehr durch den Geruch wahl¬
zunehmen, so versetzt man den Rückstand mit Barytlauge bis zur deutlich
alkalischen Reaktion gegen Phenolphtalein. Man erwärmt auf dem Wasser¬
bad, wobei die alkalische Reaktion bestehen bleiben soll. Im anderen Falle
ist der Barytzusatz zu wiederholen. Schliesslich nimmt man durch Ein¬
leiten von Kohlensäure den Barytüberschuss fort und dampft gerade bis
zur Trockne ein. Dann gibt man genau 15 ccm Wasser zu, bringt durch
gutes Umrühren mit dem Pistill den Niederschlag möglichst in Lösung,
versetzt mit 85 ccm Alkohol von 96 Massprozent, rührt wieder gut durch
und lässt mit einem Uhrglase bedeckt mindestens 2 Stunden stehen. Nun
wird durch ein glattes, nicht zu dichtes Filter filtriert, wobei man zuerst
klare Flüssigkeit aufgiesst und dann den Niederschlag aufbringt. Die
Schale und der Niederschlag auf dem Filter werden gründlich mit Alkohol
von 80 Massprozent gewaschen, wozu etwa 100 ccm nötig sind. Nun wird
der Niederschlag mit heissem Wasser in die Schale zurückgespritzt und
in ihr wieder zur Trockne gedampft. Ein unnötig langes Erhitzen ist zu
vermeiden. Zum Abdampfrückstand lässt man in der Kälte aus einer
kleinen Pipette tropfenweise 1 bis höchstens 3 ccm (je nach der Menge
des Niederschlages) 40°/ o ige Schwefelsäure zutropfen. Durch fortwährendes
Verreiben mit einem Pistill sorgt man dafür, dass der Niederschlag von
der Säure völlig durchfeuchtet wird. Dem so erhaltenen Brei wird nun
unter stetem Rühren, nötigenfalls in mehreren Pausen, um eine örtliche
Überhitzung zu vermeiden, tropfenweise 1—1,5 ccm konzentrierte Schwefel¬
säure zugesetzt. Hierauf gibt man feingepulvertes, entwässertes Natrium¬
sulfat zu, um den Überschuss an Wasser und Schwefelsäure zu binden.
Wie viel Natriumsulfat zur Aufsaugung verwendet werden soll, lässt sich
nicht genau angeben. Meist genügen im ganzen 20—30 g. Man gibt am
besten das feingepulverte Natriumsulfat in kleinen Anteilen zu und sorgt
durch gutes Verreiben für eine innige Mischung mit dem breiigen Schalen¬
inhalt. Es empfiehlt sich, wenn die Hälfte des Natriumsulfates eingetragen
ist, die Schale einige Stunden im Exsikkator stehen zu lassen, um das Ab¬
binden zu befördern. Hat man schliesslich die ganze nötige Natrium¬
sulfatmenge zugegeben, so stellt man über Nacht in den Exsikkator und
verreibt anderen Tages mit Hilfe des Pistills den nun trockenen Schalen¬
inhalt zu einem nicht zu feinen Pulver. (Zu lange darf man die Masse
nicht mehr stehen lassen. Ist dies versehentlich doch einmal geschehen,
so kann durch Stehenlassen an der Luft unter gelegentlichem Mischen die
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124 IH. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Masse wieder weich gemacht werden.) Schliesslich füllt man das Pulver
verlustlos in eine ScHLEiCHER-SCHüLLsche Extraktionshülse von 25 mm Durch¬
messer und 100 mm Höhe. Die an der Schalenwand klebenden Teile
werden mit Hilfe eines Platinspatels und unter Nachspülen mit Natriumsulfat
verlustlos in die Hülse gebracht. Wenn man richtig gearbeitet hat, so
wird die Hülse nicht ganz voll. Man verschliesst die Hülse oberflächlich
mit einem Wattepfropfen, setzt sie in einen Soxhletapparat und zieht
6 Stunden mit Äther aus. Nach dieser Zeit sind Äpfelsäure und Bernstein¬
säure vollständig in die ätherische Lösung übergegangen. Man destilliert
zunächst etwa die Hälfte des Äthers ab, versetzt dann mit 10—20 ccm
Wasser, treibt den Äther vollständig ab, erwärmt den Rückstand auf dem
Wasserbad und versetzt unter Verwendung von Phenolphtalein als Indikator
mit Barytlösung bis zur deutlichen Rotfärbung. Man erwärmt dann wieder
auf dem Wasserbad, wobei die Rotfärbung etwa 5 Minuten bestehen bleiben
soll, widrigenfalls der Barytzusatz zu wiederholen ist. Nachdem man
schliesslich durch Einleiten von Kohlensäure den Barytüberschuss weg¬
genommen hat, wird die Flüssigkeit nochmals auf dem Wasserbad erwärmt,
um etwa gebildetes Monobaryumkarbonat zu zersetzen. Die auf etwa
20—30° abgekühlte Flüssigkeit wird durch ein kleines Filter in einen
etwa 150 ccm fassenden Platinkessel filtriert und das Filter mit warmem
Wasser gründlich ausgewaschen. Das Mafs der Flüssigkeit soll schliesslich
mindestens 100 ccm betragen. Der Inhalt des Platinkessels wird auf dem
Wasserbad zur Trockne gedampft. Bei grösseren Äpfelsäuremengen bildet
sich auf der Flüssigkeitsoberfläche eine Salzhaut, die das Eindampfen ausser¬
ordentlich erschwert. Durch häufiges Schwenken der Schale lässt sich
für gewöhnlich diesem Übelstande begegnen. Die zur Trockne gebrachten
Baryumsalze werden, um ein Verspritzen zu vermeiden, mit der grössten
Vorsicht verascht, wobei die Asche nicht völlig weiss gebrannt werden
muss. Nun gibt man einen angemessenen Überschuss an 1 / 6 n-Salzsäure
zu, bedeckt mit einem Uhrglas und erwärmt etwa 5 Minuten auf dem
Wasserbade. Hat sich das Baryumkarbonat gelöst, so spült man das Uhr¬
glas ab und titriert mit 1 / Q n-Lauge unter Verwendung von Phenolphtalein
bis zur beginnenden Rotfärbung.
Bei Jungweinen, oder überhaupt bei Weinen, die einen hohen Apfel¬
säuregehalt aufweisen, genügt es nicht nur 25 ccm des Filtrates von der
Weinsäurefällung zur Bestimmung des Summen wertes von Äpfel- und Bem-
steinsäure zu verwenden, sondern es ist dies sogar wegen des leichteren
Eindampfens der Baryumsalzlösung vorzuziehen.
Es ergab sich, dass das beschriebene Verfahren zur Weinsäure- und
Äpfelsäurebestimmung auch für Moste geeignet ist. Man verwendet jedoch
dann zweckmässig zur Äpfelsäurebestimmung nur 25 ccm Filtrat von der
Weinsäurefällung, entsprechend 25 ccm Most.
Werden bei Verwendung von 50 ccm des Filtrates von der Wein¬
säurebestimmung, entsprechend 50 ccm Wein, d ccm 1 / 6 n-Salzsäure vor-
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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
125
gelegt und zum Zurücktitrieren e ccm 1 / 6 n-Lauge verbraucht, so ent¬
sprechen die Karbonate aus 100 ccm Wein
c = Vs (d — e) ccm n-Säure.
Da ferner nach Seite 631 100ccm Wein y = 0,4 a ccm n-Bernstein-
säure enthalten, so sind in 100 ccm Wein
u = c — 0,4 a ccm n- oder
z = (c — 0,4 a). 0,067 g Äpfelsäure.
5. Kritische Bemerkungen zur direkten Extraktbestimmung
im Weine.
Von C. von der Heide und Erw. Schwenk.
(Zeitschr. f. analyt. Chemie 1912, Bd. 51, S. 429—466.)
I. Einleitung.
Nach der amtlichen Anweisung vom 25. Juni 1896 wird der Extrakt¬
gehalt des Weines bestimmt entweder dnrch Eindampfen von 50 ccm
auf dem Wasserbad und Trocknen des Rückstandes nach bestimmten Vor¬
schriften (sogenanntes direktes Verfahren) oder durch Ermittlung der
Dichte des entgeisteten Weines, worauf aus einer Tafel die der gefundenen
Dichte entsprechende Extraktmenge entnommen wird (indirektes Verfahren).
Gleichzeitig zwei schon in ihren Grundlagen so verschiedene Ver¬
fahren nebeneinander vorzuschreiben, muss zu grundsätzlichen Bedenken
Anlass geben, wenn man auch entschuldigend anführen kann, dass jedes
Verfahren nur für eine bestimmte Klasse von Weinen angewendet werden soll.
Man ist auf diesen unbefriedigenden Ausweg wohl nur deshalb ver¬
fallen, weil man bald erkannt hat, dass bei zuckerhaltigen Weinen das
sogenannte direkte Verfahren zu niedrige Werte liefert, Werte, die mit¬
unter niedriger sind, als der direkt bestimmte Zuckergehalt. Wenn man
bei niedrigem Extraktgehalt dennoch an dem sogenannten direkten Ver¬
fahren festgehalten hat, so dürfte das wohl auf den Umstand zurück-
zufuhren sein, dass man sich von seiner Bezeichnung als einem „direkten“
Verfahren hat blenden lassen.
Ohne Zweitel ist in allen Fällen ein direktes Verfahren einem indirekten
vorzuziehen; allein bei der Extraktbestimmung des Weines führt das
sogenannte direkte Verfahren diesen Namen durchaus mit Unrecht; es ist
in Wirklichkeit kein direktes, sondern ein rein konventionelles, dem alle
die bekannten Fehler und Mängel solcher Verfahren anhaften. In der
Natur der ganzen Verhältnisse liegt es, dass gerade bei diesem konven¬
tionellen Verfahren auch noch dem persönlichen Empfinden des Analytikers
allzu grosser Spielraum gelassen werden muss. Bei so schwerwiegenden,
grundsätzlichen Bedenken ist es nicht merkwürdig, dass auch die experi¬
mentell erhaltenen Werte schlecht übereinstimmen.
Zu den rein äusserlichen, praktischen Mängeln der sogenannten
direkten Extraktbestimmung kommen aber auch noch chemische Bedenken.
Schon die starke Braunfärbung des Extraktes zeigt, dass bei der Trocknung
bedeutende Veränderungen vor sich gehen.
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126 III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Wir hoffen, zeigen zu können, dass das sogenannte direkte Verfahren
unbedingt verlassen werden muss, da es, abgesehen von seiner praktischen
Mangelhaftigkeit, den einfachsten theoretischen Ansprüchen nicht genügt.
Wir behandeln im folgenden zuerst die Veränderungen, die einzelne
im Weine vorkommende Stoffe erleiden, wenn sie im chemisch reinen Zu¬
stande nach Art des Weinextraktes getrocknet werden. Ferner haben
wir in verschieden zusammengesetzten Gemischen die gegenseitige Ein¬
wirkung dieser Stoffe kennen gelernt. Nötigenfalls ist auch das Verhalten
von Kunstweinen genau bekannter Zusammensetzung herangezogen werden.
Die so aufgefundenen Tatsachen lassen einen Rückschluss auf die Art und
Weise zu, wie sich die betreffenden Stoffe bei der Herstellung des Wein-'
extraktes verhalten oder wie sie auf einander einwirken. Immer aber sind
unsere Ergebnisse an reinen oder gezuckerten Traubenweinen überprüft
worden.
II. Flüchtige Säuren.
Da längst bekannt ist, dass bei der einfachen Destillation des Weines
zum Zwecke der Alkoholbestimmung ein Teil (gewöhnlich mehr als die
Hälfte) der vorhandenen flüchtigen Säuren in das Destillat gelangt, so
muss beim Eindampfen des Weines zur Trockne ein noch grösserer Anteil
von ihnen verloren gehen. Nimmt man das nach der amtlichen Anweisung
erhaltene Weinextrakt mit Wasser auf und treibt nach den üblichen Ver¬
fahren mit Wasserdampf 200 ccm Flüssigkeit über, so erhält man zwar
stets ein noch sauer reagierendes Destillat, allein man braucht zur Neu¬
tralisation der übergangenen flüchtigen Säuren in der Regel nur 0,1 ccm
Lauge, gleichgiltig, ob der ursprüngliche Wein viel oder wenig flüchtige
Säuren enthalten hat.
Da also die für die flüchtigen Säuren erhaltenen Werte sehr niedrig
sind, so ist damit zunächst bewiesen, dass bei der Herstellung des Extraktes
tatsächlich zum mindesten der grösste Teil der flüchtigen Säure entfernt wird.
III. Milchsäure.
Der eine von uns hat schon früher nachgewiesen, dass reine Milch¬
säurelösungen beim Eindampfen auf dem Wasserbade beträchtliche Verluste
erleiden. Diese Versuche haben wir an einer reinen Säure (Kahlbaum)
mit demselben Erfolge wiederholt.
Aus weiteren Versuchen lässt sich als wichtigstes Ergebnis feststellen,
dass die Milchsäure auf dem Wasserbad bedeutend rascher verdampft als
im Trockenschrank. Offenbar hängt dies damit zusammen, dass auf dem
Wasserbad durch die lebhafte Luftbewegung und Wasserdampfentwickelung
die über der Schale lagernden Milchsäuredämpfe gleich entfernt werden,
während allseitig im geschlossenen Trockenschrank ein ähnlich schnelles
Fortführen der Dämpfe unmöglich ist.
Übrigens scheint auch die Art des Erhitzens nicht ohne Einfluss auf
die Milchsäure Verluste zu sein, da sich die Versuche nicht mit genau dem
gleichen Ergebnis wiederholen lassen. Wir gingen nun dazu über, Milch-
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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
127
Säurelösungen im Gemisch mit verschiedenen anderen reinen Säuren in
ähnlicher Weise wie die Weinextrakte zu trocknen. Dabei stellte sich
heraus, dass die Milchsäureverluste verschieden gross sind, je nachdem
man einen Zusatz von Weinsäure oder Bernsteinsäure verwendet. Denn
während die Verluste bei Gegenwart von Weinsäure die Höhe der bei
reinen Milchsäurelösungen auftretenden kaum erreichen, sind sie bei Gegen¬
wart von Bernsteinsäure noch etwas grösser.
Die auffallende Veränderung der Flüchtigkeit der Milchsäure bei Zusatz
anderer organischer Säuren ist vermutlieh auf ihre gegenseitige Veresterung
zurückzuführen.
Ferner studierten wir das Verhalten der Milchsäure beim Trocknen
nach Art des Weinextraktes bei Gegenwart von Glyzerin. Auch hierbei
liessen sich Milchsäureverluste feststellen.
Auf Grund unserer Vorversuche durften wir erwarten, dass auch bei
der Herstellung des Weinextraktes wenigstens ein Teil der Milchsäure
flüchtig wird. Die Versuche mit milchsäurehaltigen Weinen lehrten, dass
bei Weinen mit sehr niedrigen Milchsäuregehalten kein oder nur ein geringer
Verlust eintritt. Bei Weinen mit grösseren Milchsäuremengen stiegen auch
die Milchsäureverluste beträchtlich, ohne dass sie jedoch dem ursprüng¬
lichen Milchsäuregehalt irgendwie proportional wären, und ohne dass sie
die Verluste unserer mit reiner Milchsäure ausgeführten Versuche erreichen
würden.
Für uns genügt hier, festgestellt zu haben, dass bei der Extrakt¬
trocknung ein unbestimmtes Anteil der vorhandenen Milchsäure verloren
gehen kann.
IV. Weinsäure.
Aus Vorversuchen ergab sich, dass die Weinsäure unter den Be¬
dingungen der Weinextraktgewinnung hartnäckig Wasser zurückhält, da
ja selbst bei fünfstündigem Trocknen im Weinextrakttrockenschrank die
Gewichte der Rückstände bedeutend höher als die theoretischen Werte sind.
Weitere Versuche zeigten, dass Weinsänre beim Eindampfen und
Trocknen sowohl mit Glyzerin, als auch mit Zucker Ester bildet (da hier
die titrierbare Säure stark zurückgeht), dass ferner die Trockenrückstände
nur geringe Mengen von freier d-Weinsäure und von Metaweinsäure ent¬
halten; die Hauptmenge der ursprünglich vorhandenen Weinsäure liegt
also in der Form des primären Weinsäureesters des Glyzerins vor.
Bei den mit Zuckerzusatz ausgeführten Versuchen scheint die Ver¬
esterung, wobei primäre Weinsäureester des Zuckers entstehen dürften,
nicht so weit fortzuschreiten, wie beim Glyzerin.
Nunmehr prüften wir, ob sich auch im Weinextrakt ein Teil der
Weinsäure der Fällung als Weinstein entzieht. Wir konnten hierbei die
von Th. Roettgen zuerst festgestellte Tatsache bestätigen, dass sich in
den mit Wasser aufgenommenen Extrakten nach dem amtlichen Verfahren
nicht mehr die ganze, im Wein vorhanden gewesene Weinsäure aufflnden
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ÜL Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
lässt. Verseift man jedoch die in Wasser gelösten Extrakte zunächst mit
einem Alkaliüberschuss und fällt dann erst nach der amtlichen Anweisung
die Weinsäure, so erhält man fast die ganze Menge der im Wein ursprüng¬
lich vorhandenen Weinsäure wieder.
Aus unseren Versuchen ergibt sich, dass von einem wirklichen Ver¬
schwinden der Weinsäure kaum gesprochen werden kann. Die im Wein
vorhandene freie Weinsäure wird vielmehr zum grössten Teil beim Trocknen
des Extraktes von Glyzerin, Zucker oder anderen Stoffen, die Hydroxyl¬
gruppen enthalten, verestert. Dieser Anteil kann durch Verseifen wieder
in d-Weinsäure übergeführt werden, so dass er nachher bei der Fällung
als Weinstein wieiergefunden wird. Theoretisch ist ferner bekannt, dass
Säuren beim Erhitzen mit Alkoholen, selbst wenn diese im Überschüsse
sind, nicht vollständig in Ester übergeführt werden können. Es bleibt
also auch beim Eindampfen des Weines ein Teil der Weinsäure unverestert,
der sich bei der Extrakttrocknung wenigstens teilweise in Metaweinsäure
verwandelt. Diese geht aber bei der Verseifung nur schwer wieder in
d-Weinsäure über, so dass sich dieser Anteil endgiltig der Fällung als
Weinstein entzieht.
V. Bernsteinsäure.
Aus unseren Versuchen ergab sich, dass bei der Extraktherstellung
auch die Bernsteinsäure teilweise verestert wird. Im übrigen findet man
im Extrakt die ursprünglich im Wein vorhandene Bernsteinsäure voll¬
ständig wieder.
VI. Äpfelsäure.
Auch das Verhalten der Äpfelsäure beim Trocknen prüften wir zu¬
nächst durch Vorversuche. Die Äpfelsäure wurde teils für sich allein, teils
in Gemischen mit anderen Säuren nach Art des Weinextraktes getrocknet.
Nach unseren Versuchen tritt also unter den Bedingungen der Extrakt¬
trocknung eine Abnahme des Äpfelsäuretiters ein. Nach vorgenommener
Verseifung wird jedoch die gesamte Säuremenge wiedergefunden. Nun hat
schon P. Walden nachgewiesen, dass Äpfelsäure bei anhaltendem Erhitzen
auf 100° Wasser abgespaltet und in die dreibasische Malomalsäure über¬
geht, gemäss der Gleichung 2 C0 2 H . CH OH. CH 2 . C0 2 H — 0H 2 = C 6 H 7 0 8
(C0 2 H) 8 .
Wir ziehen deshalb aus unseren Versuchen den Schluss, dass auch
schon bei zweieinhalbstündiger Trocknung diese Umwandlung eintritt. Von
reiner Äpfelsäure wird unter diesen Umständen etwa 10% anhydrisiert,
während die Anwesenheit anderer Säuren den Vorgang etwas zu Ver¬
langsamern scheint.
Wir haben ferner geprüft, ob die Äpfelsäure im Weinextrakt voll¬
ständig wiedergefunden wird, oder ob sie sich, durch irgendwelche Um¬
stände begünstigt, der Bestimmung entziehen kann.
Aus den Versuchen kann gefolgert werden, dass Äpfelsäure bei der
Extrakttrocknung tatsächlich nicht zerstört wird.
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129
VII. Gesamtsäure.
Die mit den einzelnen Säuren durchgeführten Versuche lassen er¬
warten, dass der Säuretiter des Weinextraktes niedriger ist als der des
Weines. Nach unserer Beweisführung spielt hierbei die Veresterung der
Säuren mit Glyzerin eine Hauptrolle.
Daneben kommt noch die Flüchtigkeit der Essig- und Milchsäure,
sowie die innere Veresterung der Milch- und Äpfelsäure in Betracht. Zum
Beweis, welchen grossen Einfluss die Gegenwart des Glyzerins bei der
Säureabnahme ausübt, haben wir Versuche angestellt.
VIII. Glyzerin.
Die Ansichten über die Flüchtigkeit des Glyzerins mit Wasserdämpfen
(von 100° bei 760 mm Druck) sind schwankend. Während z. B. F. Beilstein
ohne Einschränkung erwähnt, Glyzerin sei mit Wasserdämpfen flüchtig,
findet 0. Hehner, dass zwar 70- und höherprozentige Glyzerinlösungen bei
100—110° Glyzerin verlieren, dass jedoch bei niedrigeren Konzentrationen
keine Verluste eintreten.
Wir haben Versuche angestellt, um die Flüchtigkeit des Glyzerins
unter den Bedingungen der Extrakttrocknung kennen zu lernen. Zu diesem
Zwecke wurden wechselnde Mengen reinen Glyzerins in Weinextraktschalen
auf dem Wasserbad eingedampft uDd dann in verschiedener Weise weiter
getrocknet.
Wenn auch die so erhaltenen Werte der Grössenordnung nach mit
den von .T. Nessler und M. Barth erhaltenen Zahlen übereinstimmen, so
vermögen wir dennoch, weder aus unseren Versuchen noch aus denen der
genannten Forscher dieselben Schlussfolgerungen zu ziehen, wie diese selbst.
Ohne hier auf Einzelheiten eingehen zu wollen, sei doch wenigstens
hervorgehoben, dass der Grundirrtum J. Nessler’s und M. Barth’s darin
liegt, an eine Flüchtigkeit des Glyzerins mit Wasserdämpfen aus verdünnten
Lösungen zu glauben.
Nach diesen Vorversuchen durfte man auch bei der Herstellung der
Weinextrakte Glyzerinverluste erwarten, wobei man allerdings bedenken
muss, dass nach unseren früheren Versuchen ein grosser Teil des Glyzerins
durch Veresterung mit Säuren vor der Verflüchtigung geschützt ist. Tat¬
sächlich ergaben unsere Versuche nur eine geringe Abnahme des Glyzerins.
IX. Zucker.
Um uns über das Verhalten des Invertzuckers gegen organische Säuren
unter den Bedingungen der Weinextrakttrocknung Aufschluss zu verschaffen,
haben wir durch Versuche festgestellt, dass der Zuckergehalt in den Rück¬
ständen in dem Mafse abgenommen hat, als die Dissiziationskonstante der
zugesetzten Säuren wächst.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Weinsäure den Invertzucker
am stärksten angreift. Unter sonst gleichen Umständen wird daher von
zwei Weinen der an Weinsäure reichere das zuckerärmere Extrakt liefern.
Geisenheimer Jahresbericht 1912 . 9
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130
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Zum Schluss haben wir auch einige Bestimmungen des Zuckers in
Weinextrakten ausgeführt, wobei wir in Übereinstimmung mit den Ver¬
suchen Th. Roettüens stets eine starke Abnahme des Reduktionsvermögens
feststellen konnten. Wir verfuhren zu dem Zwecke so, dass wir die ge¬
wonnenen Weinextrakte mit Wasser wieder zum ursprünglichen Mafse
auffüllten, die so erhaltenen Lösungen nach dem Bleiverfahren reinigten
und schliesslich in den Filtraten den Zuckergehalt nach Schoorl er¬
mittelten.
X. Spezifisches Gewicht.
Nachdem wir in den vorhergehenden Abschnitten hinlänglich gezeigt
haben, dass das nach dem Reichsverfahren gewonnene Extrakt seiner
theoretischen Definition: „Wein abzüglich Wasser und Alkohol“ in keiner
Weise entspricht, soll im folgenden noch ein indirekter Beweis für die
Unzulänglichkeit des Verfahrens geliefert werden. Es gelingt dies mit
Hilfe des Unterschiedes, der zwischen dem spezifischen Gewicht des mit
Wasser auf das ursprüngliche Mafs aufgefüllten (auf dem sogenannten
direkten Wege gewonnenen) Extraktes einerseits und dem des entgeisteten
und auf das ursprüngliche Mafs wieder aufgefülltcn Weines andererseits
besteht. Würden bei der Herstellung des Extraktes keine Verluste, keine
Zersetzungen und keine Umsetzungen eintreten, so müsste die wässerige
Lösung des Extraktes dasselbe spezifische Gewicht aufweisen wie der ent-
geistete Wein. Das ist aber niemals der Fall, vielmehr ist fast stets das
spezifische Gewicht des aufgelösten Extraktes kleiner als das des ent¬
geisteten Weines. Nachdem wir oben gezeigt haben, dass mit der
Extraktdarstellung unvermeidbar Veränderungen und Verluste der Wein¬
bestandteile einhergehen, war dieses Ergebnis allerdings vorherzusehen.
Nun könnte man zunächst vermuten, dass die sogenannten direkt er¬
haltenen Extraktwerte wenigstens einigermassen mit denen übereinstimmen
würden, die sich mit Hilfe der Extrakttafel aus dem spezifischen Gewicht
des wieder mit Wasser aufgenommenen Extraktes ergeben. In Wirklichkeit
zeigen sich jedoch auch hier manchmal nicht unbeträchtliche Unterschiede.
Erinnert man sich jedoch, dass jene Extrakttafel eigentlich den Gehalt
einer Rohrzuckerlösung angibt, während die Weinexträktlösung aus einer
Reihe der verschiedensten Stoffe besteht, so ist erklärlicherweise hier eine
Übereinstimmung nicht zu erhoffen. Ja, man darf nicht einmal erwarten,
dass die Abweichungen stets denselben absoluten oder relativen Betrag
erreichen werden, weil ja zum Beispiel anorganische Salze das spezifische
Gewicht anders beeinflussen, als beispielsweise die organischen Säuren oder
das Glyzerin usf.
Dem entspricht auch unser Befund: Diese beiden Werte stimmen
manchmal fast überein, bald zeigen sich beträchtliche Unterschiede.
XI. Schluss.
In den einzelnen Abschnitten haben wir gezeigt, welche Veränderungen
beim Eindampfen des Weines und Trocknen des Rückstands zum Zwecke
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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
131
der sogenannten direkten Extraktbestimmung vor sich gehen. Zur besseren
Übersicht seien die Ergebnisse kurz zusammengefasst.
1. Essigsäure und ihre Homologen finden sich nicht mehr im Extrakt
2. Von der Milchsäure wird ein unbestimmter Teil flüchtig.
3. Die Weinsäure geht zum Teil in Metaweinsäure über.
4. Die Bernsteinsäure bleibt unverändert.
5. Die Äpfelsäure geht teilweise in Malomalsäure über.
6. Sämtliche nicht flüchtig gewordenen Säuren werden grösstenteils in
Form von sauren (?) Estern an Glyzerin gebunden.
7. Die Gesamtsäure (titrierbare Säure) des Extraktes ist infolge der unter
1—6 angeführten Tatsachen bedeutend niedriger als die des Weines.
8. Glyzerin scheint nur wenig verloren zu gehen.
9. Zucker wird grösstenteils zerstört.
10. Das spezifische Gewicht des mit Wasser aufgenommenen Extraktes
ist aus den unter 1—9 angeführten Gründen geringer als das des
entgeisteten Weines. Die Ergebnisse dieser Arbeit zwingen uns zu
dem Vorschlag, man möge das Verfahren der sogenannten direkten
Extraktbestimmung vollständig fallen lassen.
Zwar sind bei genauester Einhaltung der Vorschriften die Ab¬
weichungen zweier Extraktbestimmungen nach der direkten Methode nicht
um vieles grösser als ±0,02; allein aus den eben besprochenen Gründen
sind die für verschiedene Weine erhaltenen Werte nicht ohne weiteres
unter sich vergleichbar. Es sind deshalb auch alle Schlüsse, die man
bisher über Extraktabnahme beim Ausbau der Weine gezogen hat,
analytisch nicht begründet und bedürfen einer nochmaligen Nachprüfung.
Gerade dieser Umstand bewegt uns hauptsächlich, das sogenannte direkte
Verfahren als fehlerhaft zu verwerfen.
Da es mithin vorläufig nicht gelingt, auf direktem Wege den Extrakt¬
gehalt zu ermitteln, so bleibt kein anderer Weg übrig, als mit Hilfe einer
Tafel den Extraktgehalt aus dem spezifischen Gewicht des entgeisteten
Weines zu ermitteln.
Zunächst erhebt sich hier die Frage, ob man das spezifische Gewicht
des entgeisteten Weines direkt durch Wägung ermitteln oder ob man es
mit Hilfe der TABARiEschen Formel aus dem spezifischen Gewicht des
Weines und dem des alkoholischen Destillats berechnen soll.
Wir halten es auf jeden Fall für zweckmässiger, das spezifische Ge¬
wicht des entgeisteten Weines nicht zu berechnen, sondern wirklich zu
bestimmen, da dann die Unsicherheit nur ±0,0001 beträgt.
Nach unserem Vorschlag wäre die TABARiEsche Formel nur zur Über¬
prüfung der Richtigkeit der drei Einzelbestimmungen zu verwenden mit dem
Zugeständnis, dass der Wert (s w + 1 — s a — s e ) bis zu 0,0003 steigen darf.
XII. Leitsätze.
Auf Grund all dieser Erwägungen schlagen wir vor, das Verfahren
der sogenannten direkten Extraktbestimmung zu verlassen. An seine
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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
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Stelle hat das Verfahren der indirekten Extraktbestimmung zu treten.
Dabei ist das spezifische Gewicht des entgeisteten Weines nicht durch
Rechnung, sondern durch Wägung zu ermitteln. Mit Hilfe der Rohrzucker¬
tafel wird aus dem spezifischen Gewicht des entgeisteten Weines der
Extraktgehalt bestimmt. Die TABARiEsclie Formel (S w + 1 — S a — S e ) dient
zur Kontrolle der Richtigkeit der drei spezifischen Gewichtshestimmungen,
wobei ein Fehler von ±0,0003 als zulässig erachtet werden darf.
6. Zur Bestimmung der Phosphorsäure im Weine.
Von C. von dbb Heide und J. Schwenk.
(Zeitschr. f. analyt. Chem. Bd. 51, S. 615—627 [1912]).
In Übereinstimmung mit R. Woy schlagen wir vor, zur Phosphor¬
säurebestimmung im Weine das in üblicher Weise (ohne jeden Zusatz!)
hergestellte Weinextrakt zu veraschen, da sich das bisher vorgeschriebene
amtliche Verfahren nicht bewährt.
Wir haben ferner geprüft, ob nicht mit Vorteil eines der neueren
Phosphorsäurebestimmungsverfahren an Stelle der amtlichen Vorschrift, das
sich noch aus zwei Fällungen zusammensetzt, treten können. Unsere
Untersuchungen beziehen sich auf die Verfahren von A. Nf.umann, 1 )
N. v. Lorenz 2 ) und E. A. Grete. 3 )
Aus unseren Versuchen ergab sich, dass alle drei Verfahren dem
amtlichen gleichwertig sind.
Die Fehlergrenze liegt stets innerhalb 1 mg P0 4 für 100 ccm Wein,
nur das NEUMANNSche Verfahren ist bei geringem Phosphorsäuregehalt
weniger genau. Gleichzeitig lieferten unsere Versuche den Beweis, dass
zur Vorbereitung das einfache Veraschungsverfahren dem unbequemen
amtlichen Schmelz verfahren, sowie dem umständlichen Aufschlussverfahren
mit Schwefel- und Salpetersäure nach F. Glaser und K. Muhle gleich¬
wertig ist.
Ferner haben wir geprüft, ob Phosphorsäure in organischer Bindung
beim Veraschen ohne Sodazusatz verloren gehen können. Auch hier Hessen
sich Verluste nicht feststellen. Ebensowenig erleidet man beim direkten
Veraschen von Hefe Phosphorsäureverluste.
Schliesslich stellten wir fest, dass auch stark zuckerhaltige Weine
beim direkten Veraschen keine Phosphorsäureverluste erleiden, so dass sie
unbedenklich ohne Zusatz für die Phosphorsäurebestimmung verascht werden
können. In der Praxis wird man wegen des starken Aufblähens stark
zuckerhaltige Weine vor dem Veraschen zweckmässig vergären lassen.
Wir versuchten auch rihch den Angaben von E. Philippe und M. Duper-
thuis 4 ) die organisch gebundene Phosphorsäure von der anorganischen zu
trennen. Das Verfahren beruht auf der Unlöslichkeit des tertiären Baryum-
*) Zeitschr. f. physiol. Chem. Bd. 37, S. 115 (1902); Bd. 43, S. 35 (1904).
2 ) Die landw. Vers.-Stat. Bd. 55, S. 183 (1901).
a ) Ber. d. deutsch, chem. Gesellschaft Bd 42, S. 3106 (1909).
4 ) Mitt. a. d. Gebiete d. Lebensmittelunteis. u. Hyg. 1, 125 (1910).
Gck igle
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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 133
Phosphates und der Löslichkeit der Baryumsalze der organisch gebundenen
Phosphorsäure in Wasser. Vor versuche ergaben die Möglichkeit der
Trennung beider Formen der Phosphorsäuren.
Weitere Versuche lehrten, dass es nach dem GRETESchen Verfahren
möglich ist, direkt im Weine den gesamten Phosphorsäuregehalt zu er¬
mitteln, während die anderen Verfahren erst eine Zerstörung der organischen
Stoffe erfordern.
Zusammenfassung:
1. Im Weine kommt Phosphorsäure vor:
a) in Form primärer Phosphate, 1 )
b) als organisch gebundene Phosphorsäure.
Die organisch gebundene Phosphorsäure beträgt nur einen kleinen
Anteil der Gesamtphosphorsäure.
2. Das Verfahren von E. Philippe und M. Duperthuis gestattet, die
beiden Formen der Phosphorsäure voneinander zu trennen. Fällt man im
Wein direkt nach dem Verfahren von R. v. Lorenz die Phosphorsäure,
so erhält man nur den anorganischen Anteil; das Verfahren von E. A. Grete
hingegen liefert im Weine die Menge der gesamten Phosphorsäure. Die
Gesamtphosphorsäure erhält man auch, wenn man zunächst die organischen
Stoffe zerstört, sei es durch Veraschen oder durch Verbrennen auf nassem
Wege.
3. Bei der Veraschung von Tischweineu, Süssweinen, Mosten oder
Hefen ist ein Soda-Salpeterzusatz, um Phosphorsäureverluste zu verhindern,
überflüssig und unzweckmässig.
4. Zur Phosphorsäurebestimmung im Weine verfährt man zweck¬
mässig folgendermassen: 50 ccm Wein werden eingedampft und verkohlt.
(Zuckerhaltige Weine lässt man nach der Entgeistung erst vergären; doch
können sie auch ohne weitere Vorbereitung verkohlt werden). Die Kohle
zieht man mit heissem Wasser (nicht mit Säuren!) aus. Die ausgewaschene
Kohle wird endgültig verascht, in Salpetersäure gelöst und zu dem zuerst
erhaltenen, rein wässerigen Aschenauszug filtriert. Im elektrischen Ofen
lässt sich die Asche in einer Operation weiss brennen, so dass man sofort
mit Salpetersäure aufnehmen kann.) In der so erhaltenen Lösung wird
die Phosphorsäure bestimmt.
5. Das amtlich vorgeschriebene Verfahren zur Phosphorsäurefällung
ist unzweckmässig. Man ersetzt es am besten durch das Verfahren von
v. Lorenz. Auch die Verfahren von Neumann und Grete liefern aus¬
gezeichnete Ergebnisse. Das Verfahren von Grete gestattet sogar, im
Weine direkt die Gesamtphosphorsäure zu ermitteln, falls der Zuckergehalt
0,5 °/ 0 nicht übersteigt.
# *) Vgl. 0. von drr Heide und W. J. Baragiola, Beiträge zur Chemie und Analyse
des Weines (landw. Jahrbücher 39, S. 1032. 1910;; W. Fresenius und L. Grünhut (Zeitschr.
f. anal. Chem. 51, S. 106. 1912.)
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Original frum
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134 III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
7. Der Einfluss des Schönens auf die chemische Zusammensetzung
der Weine.
Von C. von der Heide.
(Zeitschrift für Untersuchung der Nahrungs- und Genussmittel. Bd. 24, S. 253—265. 1912).
Im Jahre 1904 haben Karl Windisch und Theodor Röttgen eine
Arbeit „Über die Veränderungen der Zusammensetzung der Weine durch
Behandeln mit einigen Schönungsmitteln“ veröffentlicht; ein halbes Jahr
später Hessen dieselben Autoren eine zweite Arbeit unter dem Titel er¬
scheinen: „Über die Veränderungen der Zusammensetzung der Weine durch
Schönen mit Hausenblase, Gelatine, Eiweiss und spanischer Erde“.
Die Zahlenangaben aus diesen beiden Arbeiten und die von K. Windisch
und Th. Röttgen daraus gezogenen Schlussfolgerungen sind bereits in
mehrere Lehrbücher über Weinbereitung übergegangen. Wenn nun auch
jene Untersuchungen vom Standpunkte des Weinfachmannes ohne grosse
Bedeutung sind, so trifft dies nicht ohne weiteres für den Nahrungsmittel¬
chemiker zu, der bei der Beurteilung von Weinen gelegentlich deren Ver¬
änderungen durch das Schönen berücksichtigen muss. Bei dem Ansehen,
das K. Windisch als Weinfachmann geniesst, halte ich es für notwendig,
die Fehler, die ihm bei seinen Arbeiten sowohl in theoretischer als auch
in experimenteller Hinsicht unterlaufen sind, aufzudecken, dann aber auch
die ganze Frage nochmals experimentell nachzuprüfen.
I. Teil.
Hier wird nachgewiesen, dass K. Windisch und Th. Röttgen sich
über die Leistungsfähigkeit des von ihnen angewandten analytischen Ver¬
fahrens nicht klar sind. Ferner wird gezeigt, dass die genannten Autoren
einem verhängnisvollen Irrtum zum Opfer gefallen sind, weil sie zur Ent¬
fernung des Schönungstrubes die Weine über Asbest und Papier filtrierten.
II. Teil.
Will man die Frage nach den Veränderungen bei der Schönung
prüfen, so kann man zunächst mit vollständiger Sicherheit ableiten, um
wieviel sich im Höchstfälle (d. h. wenn alle zugeführten Stoffe im Wein
gelöst bleiben) die einzelnen Bestandteile überhaupt vermehren können,
da man die Menge und die Zusammensetzung des Schönungsmittels kennt.
Hier wird gezeigt, dass die von K. Windisch und Th. Röttgen ge¬
fundenen Zunahmen einzelner Weinbestandteile durch die Schönung grösser
sind, als die in Schönungsmitteln enthaltenen Stoffe.
III. Teil.
Nachdem gezeigt worden ist, dass eine wesentüche Vermehrung irgend¬
welcher Weinbestandteile durch Schönungsmittel, die den Anforderungen
der Kellerwirtschaft entsprechen, nicht herbeigefuhrt wird, bleibt noch die.
Frage zu erledigen, ob sie den Gehalt an irgendwelchen Stoffen zu ver¬
mindern vermögen.
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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
135
Diese Frage kann nur experimentell geprüft werden, denn von vorn¬
herein ist nicht einzusehen, ob und gegebenenfalls wieviel Extraktstoffe
(oder Salze usf.) zusammen mit dem Schönungstrub niedergerissen werden.
Wir führten deshalb an einem und demselben Weine, einem verbesserten
Obermoseler mit einem Gehalt von etwa 8 g Alkohol und etwa 0,7 g Säure
eine Reihe von Schönungsversuchen aus. Als Schönungsmittel wendeten
wir an: Hausenblase, Gelatine, Hühnereiweiss, Magermilch, Casein, frischen
Quark, Molken, Tierkohle und Holzkohle. Dabei Hessen wir die Mengen
der Schönungsmittel in sehr starkem Mafse wachsen, um zu sehen, ob bei
Höchstgaben, wie sie in der Kellerwirtschaft kaum noch Anwendung finden,
ein Ausschlag analytisch festgestellt werden kann, was nach den Erörte¬
rungen im II. Teil dieser Arbeit für kleine Gaben im positiven Sinne jeden¬
falls nicht zu erwarten ist.
Zu jedem Versuche verwenden, wir 1500 ccm Wein. Nachdem zu
jeder Probe das Schönungsmittel unter tüchtigem Mischen zugesetzt worden
war, füllten wir mit dem Wein je eine 1200 ccm fassende Flasche völUg
an, verkorkten sie und lagerten sie 4 Wochen im kühlen Keller. Hierauf
heberten wir vom Trübe vorsichtig ab und analysierten die völlig
klaren Proben, ohne sie vorher filtrieren zu müssen. Ausser den Weinen
analysierten wir z. T. auch die Schönungsmittel. Es ergab sich dabei
folgendes Bild:
Tabelle I. Zusammensetzung der Schönungsmittel.
Asche
Hausenblase . . . 0,55°/,
Gelatine . . . . 1,06 „
Casein.3,58 „
Stickstoff Eiweiss (NX X 6,25)
15,15 °/ 0 94,68 °/o
14,35 „ 89,69 „
12,85 „ 77,19 „
Tabelle II. Zusammensetzung der Schönungslösungen.
Bezeichnung
Herstellung der Lösung
100 ccm enthalten g
der Lösung
Asche
Stickstoff
Eiweiss
Hausenblaselösung
10 g Hausenblase -f- 47 ccm Wasser
mit Wein auf 1000 ccm ergänzt.
0,176
0,169
1,05
Gelatinelösung
10 g Gelatine + 99 ccm Wasser mit
Wein auf 1000 ccm ergänzt . .
0,169
0,172
1,07
Hühnereiweiss
Frisches Eiweiss mit Glasscherben
zerschnitten und durch ein Tuch
getrieben.
0,827
1,88
1,17
Magermilch
—
0,752
0,516
3,23
Quarklösung
Aus 1 l Milch wurde durch 4 ccm
20°/ o ige Essigsäure der Quark aus¬
geschieden, gewaschen, dann unter
Zusatz von 24 ccm N-Lauge zu
1 / gelöst.
0,325
0.446
2,80
Molken
Hierzu diente das vom Kasein be¬
freite Milchfiltrat.
0,562 |
0,072
0,45
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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
136
Tabelle III. Chemische Zusammensetzung der geschönten Weine.
Ver-
$25
Extrakt
Asche
Stickstoff
Gerbstoff
suchs-
Nr.
Art des Zusatzes
fl CÖ _
v aa ©
g in 100
ccm
Ursprüng¬
licher Wein
Ohne Zusatz . .
—
1,87;
1,84;
1,88;
1,86
0,180; 0,181;
0,180
0,030; 0,031
0,064 : 0,062
1
Hausenblase . .
2,5 ff
1,87;
1,84
0,180; 0,180
0,030
0,052
2
Desgl.
5,0 ff
1,87; 1,87;
1,88
0,181; 0,184;
0,180
0,029
0,050
3
Desgl.
10,0 g
1,87; 1,87;
1,88
0,178; 0,177;
0,180; 0,180
0,030
0,046
4
Gelatine ....
5 g
1,87;
1,88
0,177; 0,178
0,029
0,052
5
Desgl ....
10 g
1,85;
1,84
0,177; 0,179
0,029
0,049
6
Desgl.
20 g
1,82;
1,87
0,178; 0,178
0,029
0,046
Frisches Hühner-
(
eiweiss . . .
50 g
1,87;
1,89
0,175; 0,176
0,030
0,052
8
Desgl.
125 g
1,83;
1,84
0,178; 0,177
0,030
0,048
9
Desgl.
200 g
1,87;
1,87
0,177; 0,178
0,030
0,043
10
Magermilch. . .
1 /
1,89;
1,92
0,184; 0,183
0,031
0,010
11
Desgl.
3 l
193;
1,97
0,190; 0,189
0,031
0,031
12
Desgl.
5 l
2,03;
2,04
0,197; 0,201
0,032
0,024
13
Quarklösung . .
1 /
1,88;
1,86
0,181; 0,180;
0,029
0.043
14
Desgl.
2 /
1,84;
1,84
0,182; 0,177
0,029
0,035
15
Desgl.
3 l
1,82;
1,84
0,183; 0,180
0.177
0,030
0,028
16
Kasein ....
30 g
1,85; 1,87;
1,89
o
00
o
3-®
00
0,029
0,056
17
Desgl.
60 g
1,86; 1,89;
1.89
0,183; 0,178
0,029
0,050
18
Desgl.
90 g
1,89;
1,86
0,178; 0,179
0,030
0,045
19
Milchalbumin-
lösung (Molken)
2,5 l
2,01;
2,02
0,187; 0,186
0,029
0,051
20
Desgl ....
5,0 /
2.08;
2,11
0,194; 0,189
0,029
0,048
21
Desgl.
7,5 l
2,19; 2,21;
2.24
0,199; 0,198
0,030
0,044
22
Tierkohle . . .
20 g
1,89;
1,87
0,181; 0,180
0,030
0,055
23
Desgl.
80 g
1,86;
1,87
0,181: 0,180;
0,176
0,030
0,049
24
Desgl.
160 ff
1,88;
1,86
0,185; 0,182
0,030
0,050
25
Holzkohle . . .
20 g
1,87;
1,85
0,180; 0,181
0,0°0
0,057
26
Desgl.
80 g
1,88;
1,86
0,180; 0,183
0,030
0,056
27
Desgl.
160 g
1.87;
184
10,183; 0,186
0,030
0,053
Es ergibt sich aus den vorliegenden Zahlenwerten ein Bild, das den
theoretischen Betrachtungen des II. Teils selbstverständlich entspricht,
das aber auch zeigt, dass mit Ausnahme des Gerbstoffs andere Stoffe durch
die Schönung in nachweisbarer Menge nicht entfernt werden.
So tritt, wie zu erwarten war, durch Hausenblase, Gelatine, Eiweiss,
Quark, Kasein, Tierkohle und Holzkohle eine Vermehrung oder Ver¬
minderung des Extraktes oder der Asche nicht ein. Nur bei sehr hohen
Zusätzen von Holz- und Tierkohle glaube ich eine kleine Aschen Vermehrung
(vergl. die Versuche Nr. 24 und 27) feststellen zu können
Diese Vermehrung hängt natürlich von der Sorgfalt ab, mit der die
Kohle vorher mit Säuren von den eingeschlossenen Salzen befreit worden
ist, so dass hieraus verallgemeinernde Schlüsse nicht gezogen werden dürfen.
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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
137
Anders liegen die Verhältnisse bei der Schönung mit Magermilch
und Molken. Wie schon im II. Teile dieser Arbeit erwähnt worden ist,
muss beim Schönen mit grösseren Mengen Milch oder Molken infolge deren
beträchtlichem Gehalte an Milchzucker (4—ö°/ 0 ) und Asche (0,75%) eine
Vermehrung des Extrakt- und Aschengehaltes sich bemerkbar machen.
Tatsächlich stiegen der Extraktgehalt und der Aschengehalt des Weines
in folgender Weise:
Tabelle IV.
Bei Zusatz von Extrakt von 1,86 g Asche von 0,180 g
1 l Milch.auf 1,90 g auf 0,183 g
2 „ „.„ 1,95 „ „ 0,189 „
5 n n.>i 2,03 „ „ 0,199 „
2.5 „ Molken.„ 2,01 ,, „ 0,186 „
5 ,, ü .i: 2,09 „ „ 0,191 ,.
7.5 ,. „ „ 2,21 „ „ 0,198 „
Auch der Stickstoffgehalt der Weine blieb bei unseren Versuchen
konstant; denn er schwankte zwischen 0,029 und 0,031 g\ nur bei der
Schönung mit 5 l Magermilch (entsprechend 150 g Eiweisstoffen!) stieg er
auf 0,032 g, so dass hier tatsächlich geringe Mengen von Milcheiweiss sich
der Ausfällung entzogen haben. In den meisten Fällen einer gelungenen
Schönung, d. h. wenn mit normalen Mengen gearbeitet wird, dürfte sich
eine Stickstoffvermehrung analytisch nicht feststellen lassen. Hier verdient
noch erwähnt zu werden, dass die Behauptung von K. Windisch und
Th. Röttgen, die Kaseinschönung bleibe niemals stecken, sondern falle stets
wieder glatt heraus (Arbeit A), im Widerspruch steht mit den Beobach¬
tungen W. Kehlhofers über Obstwein und mit den Erfahrungen R. Seuffkr-
helds, die dieser im praktischen Betrieb mit Traubenweinen gemacht hat.
W. Kehlhofer schreibt: „Am schlechtesten erfolgte die Klärung bei süss
abgepressten Weissweinen .... Ganz unbefriedigende Resultate erzielten
wir endlich bei Biruweinen . . . , die nur ausnahmsweise und erst mit
verhältnismässig grossen Mengen Lactocolle vollkommen klar zu bringen
waren, . . . .“
R. Seufferheld sagt: „In zahlreichen Fällen ging die Kaseinschönung
garnicht durch, blieb stecken, so dass man zur Filtration gezwungen war,
wodurch der Wein nochmals angegriffen wurde.“ Im Gegensatz hierzu
gibt F. Muth zwar an, dass Kasein durch die Säure des Weines mit
Sicherheit wieder ausgeschieden werde, bei einer mündlichen Unterredung
erklärte er mir aber, dass mitunter (z. B. bei schleimigen Weinen) die
Ausscheidung in so fein verteilter Form erfolge, dass ohne darauf folgende
Filtration eine Klärung des Weines nicht möglich sei.
Schliesslich muss noch auf das Verhalten des Gerbstoffs beim Schönen
eingegangen werden. Es darf als festgestellt angesehen werden, dass alle
Schönungsmittel ohne Ausnahme (und wohl auch alle Filtermittel) dem
Weine Gerbstoff entziehen, gleichgültig ob zu ihrer Ausflockung aus
kolloidaler Lösung der Gerbstoff nötig ist (wie z. B. bei Gelatine) oder
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138
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
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ob zu ihrer Fällung die Anwesenheit von Gerbstoff nicht erforderlich ist
(wie z. B. beim Kasein) oder ob sie schliesslich in fester Form als fein¬
verteiltes Pulver dem Weine zugesetzt werden (wie z. B. Kohle, Asbest,
Zellulose).
Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch auf die Wirkungsweise der
Schönungsmittel überhaupt eingehen, da sich hierüber in den Lehrbüchern
häufig unzutreffende Darstellungen finden. Der Wein kann getrübt werden
durch Ausscheidung anorganischer Stoffe (Weinstein, Ferritannat, Farbstoffe,
Stoffe unbekannter Natur) oder durch Organismen (Hefe, Bakterien). Alle
diese sehr fein verteilten, trübenden Schwebestoffe werden durch Ober¬
flächenanziehung von den Schönungsflocken mit niedergerissen, ja die
Schönungsflocken vermögen sogar gelöste Stoffe (Färb-, Gerb-, Geschmacks¬
und Geruchsstoffe) dem Weine zu entziehen.
Man teilt zweckmässig die Schönungsmittel in 2 Gruppen:
1. Solche, die als feste, unlösliche, aber mechanisch sehr fein verteilte
Pulver dem Weine zugefügt werden, so dass sie also mit keinem Wein¬
bestandteil eine chemische Umsetzung eingehen.
Hierher gehören spanische Erde, Holz- und Tierkohle, Hefegeläger,
Asbest, Zellulose usw.
2. Solche, die in wenig Wasser oder Wein kolloidal gelöst, der Haupt¬
menge des Weines zugesetzt werden, wobei zwischen ihnen und einem
Weinbestandteil eine chemische Umsetzung stattfindet. Die meisten der
zu dieser Gruppe gehörigen Schönungsmittel gehen mit dem Gerbstoff des
Weines eine chemische Umsetzung ein, so z. B. Hausenblase, Gelatine,
Hühnereiweiss, Milchalbumin. Zu ihrer Ausfällung ist die Anwesenheit
von Tannin erforderlich. Der Käsestoff der Milch (Quark) und das im
Handel erhältliche Natriumcaseinat hingegen werden durch die Säuren des
Weines ausgelallt. Obwohl zu ihrer Ausfällung Gerbstoff nicht vorhanden
sein muss, vermögen sie ihn dennoch dem früher gesagten zufolge mit
niederzureissen.
Die Filtration des Weines über Asbest, Zellulose usw. betrachte ich
demnach als einen Sonderfall einer Schönung.
Die hier mitgeteilten Analysen führte Herr Dr. Krohn aus, dem ich
für seine sorgfältige analytische Arbeit zu grossem Danke verpflichtet bin.
In einem Nachtrag zu dieser Arbeit (Zeitschr. f. Unters, d. Nahr.-
und Genussmittel, Bd. 24, S. 624—627, 1912), habe ich die von K. Windisch
und Th. Röttgen erhobenen Einwände (dieselbe Zeitschr. Bd. 24, S. 466,
1912), zurückgewiesen.
9. Sonstige Tätigkeit der Station,
a) Veröffentlichungen.
Der Berichterstatter veröffentlichte in den „Arbeiten aus dem Kaiserlichen Ge¬
sundheitsamte“ Bd. 42, 1912, S. 35—53 den Bericht über die preussische Weinstatistik
für das Jahr 1910 und an demselben Ort S. 218—251 den Bericht über die preussische
Moststatistik für das Jahr 1911; in den Mitteilungen des Deutschen Weinbau-Vereins
1912. 7. S. 205—207 „Die Zusammensetzung der Moste des Jahres 1912“; in der Zeit-
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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.
139
schrift für Untersuchung der Nahrungs- und Genussmittel 1912 Bd. 25, S. 57—58
„Untersuchung von Mosten des Jahres 1912 aus den preussischen Weinbaugebieten“.
Ferner veröffentlichte Berichterstatter in Gemeinschaft mit E. Schwenk in der Zeit¬
schrift für analytische Chemie 1912, Bd. 51, S. 427—466 „Kritische Bemerkungen zur
direkten Extraktbestimmung im Wein“; in Gemeinschaft mit demselben in derselben
Zeitschrift S. 628—638 „Abänderung des Verfahrens zur Bestimmung der Äpfel und
Bernsteinsäure im Wein“; in Gemeinschaft mit demselben in der Biochemischen Zeit¬
schrift 1912, Bd. 42, S. 281—288 „Uber die Bildung von flüchtigen Säuren durch Hefe
bei Umgärungen von Weinen und in Gemeinschaft mit J. Schwenk in der Zeitschrift für
analytische Chemie 1912, Bd. 51, S. 615—627 „Zur Bestimmung der Phosphorsäure im
Wein“. Schliesslich veröffentlichte der Berichterstatter noch eine Arbeit: „Der Ein¬
fluss des Schönens auf die chemische Zusammensetzung der Weine“ in der Zeitschrift
für Untersuchung der Nahrungs- und Genussmittel 1912, Bd. 24, S. 253—265, nebst
einen Nachtrag hierzu in derselben Zeitschrift S. 624—627, sowie einen Beitrag: „Be¬
reitung des Weines“ in der Chemischen Technologie der organischen Verbindungen
von R. 0. Herzog, Heidelberg 1912, S. 265—281 und gab die VII. Auflage von „Barths
Obstweinbereitung“, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 92 Seiten, heraus.
b) Vorträge, Kurse, Unterricht.
Der Berichterstatter nahm teil an den Beratungen der Kommission für die amt¬
liche Weinstatistik in Kreuznach am 26. und 27. September 1912, dabei erstattete er
folgendes Referat:
„Über den Einfluss der Zuckerkonzentrationen auf die Bildung der flüchtigen
Säure bei der alkoholischen Gärung.“ Ferner bearbeitete Berichterstatter für die Neu¬
ausgabe zur Anweisung für die chemische Untersuchung durch das Kaiserl. Gesund¬
heitsamt folgende Abschnitte: 1. Best. d. Extraktes, 2. Best. d. freien Säure, 3. Best,
d. Phosphorsäure, 4. Best. d. Apfelsäure, 5. Best. d. Bernsteinsäure, 6. Nachweis d.
Benzoe-Säure, 7. Nachw. d. Zimmt-Säure, 8. Best. v. Eisen u. Aluminium, 9. Best. d.
Schwefelsäure, 10. Best. d. Chlors.
An dem Obstverwertungskursus für Männer vom 6.—17. August 1912 war die
Station mit 6 Vorträgen, an dem Obstverwertungskursus für Frauen vom 29. Juli bis
3. August 1912 mit einem Vortrag beteiligt.
Der Kursus über die chemische Untersuchung der Weine und die Wein¬
behandlung fand vom 30. Juli bis 10. August 1912 unter einer Beteiligung von
33 Hörern statt.
Ferner arbeiteten auch in diesem Berichtsjahre in dem Laboratorium der Ver¬
suchsstation eine Anzahl Praktikanten.
, c) Gutachten.
Auch in diesem Jahre wurde eine Anzahl von schriftlichen Gutachten an die
Praxis abgegeben. Ferner erteilte der Berichterstatter in einigen Fällen Gutachten an*
die Königl. Staatsanwaltschaft und trat als Sachverständiger vor Gericht auf.
d) Honoraranalysen.
Im Berichtsjahre wurden 88 Untersuchungen teils in privatem, teils in amtlichem
Aufträge ausgeführt. Gegenstand der Untersuchungen waren Weiss- und Rotweine,
Obst- und Beerenweine und Fruchtsäfte, Schaumweine, Moste, in vereinzelten Fällen
auch Kognak, Wasser, Kupfervitriol und Weinbergschwefel.
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140
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Bericht Uber die Tätigkeit der pflanzenpathologischen
Versuchsstation.
Erstattet von G. Lüstner, Vorstand der Station.
A. Durch tierische Feinde hervorgerufene Schäden.
1. Der Buchen-Springrüssler (Orchestes fagi L.) als gefährlicher
Obstbaumschädling.
Von verschiedenen Seiten, so z. B. aus Hermeskeil (Rheinprovinz),
Bicken (Dillkreis), Aulenhausen und Wolfenhausen (Oberlahnkreis) liefen
Mitte bis Ende Juni dieses Jahres hier Anfragen und Einsendungen ein,
die sich auf einen Schädling bezogen, der sich namentlich an Apfelfrüchten,
daneben aber auch an Kirschfrüchten (Aulenhausen) zeigte und sie durch
seinen Frass sehr empfindlich schädigte. Wie die Untersuchung des ein¬
geschickten Materials ergab, handelt es sich in allen diesen Fällen um
keinen eigentlichen Obstbaufeind, sondern um einen Forstschädling, den
Buchen-Springrüssler oder Buchenrüssler (Orchestes fagi L.), der, wie sein
Name besagt, gewöhnlich nur auf Buchen vorkommt, und nur ausnahmsweise
auch auf Obstbäume, Himbeeren, Blumenkohl und Roggenähren übergeht.
Der Käfer überwintert unter dem Laube des Waldbodens und er¬
scheint Ende April bis Anfang Juni, um sich von dem jungen, noch zu¬
sammengefalteten Buchenlaube, in das er kleine, runde Löcher frisst, zu
ernähren. Sobald die Blätter entfaltet sind, legt das Weibchen ein Ei auf
ihre Unterseite in der Nähe der Mittelrippe ab. Die aus dem Ei hervor¬
gehende Larve bohrt sich aisbad ins Innere des Blattes ein und frisst sich
zunächst einen schmalen Gang, der an der Spitze oder Seite des Blattes
platzartig erweitert wird. Die angefressenen Stellen der Blätter sterben
schnell ab und färben sich braun, so dass sie aussehen, als ob sie erfroren
wären, und tatsächlich wird dieser Larvenfrass häufig für Frostschaden
gehalten. Bei starkem Auftreten des Insektes weisen fast alle Blätter der
Buchen den beschriebenen Schaden auf, wodurch natürlich ihre Entwicke¬
lung empfindlich gestört wird. Die Verpuppung der Larve erfolgt im
Innern des Blattes, und aus der Puppe geht im Juni der Käfer hervor.
Derselbe ernährt sich von den Blättern und Früchten, geht aber auch
die Keimpflänzchen der Buchen an und befallt nun auch das oben genannte
Obst und Gemüse sowie die Roggenähren.
Das Auftreten des Käfers an den Obstfrüchten in diesem Jahre war
ein sehr starkes. Der von ihm an diesen hervorgerufene Schaden bestand
in lochartigen Vertiefungen, die die Käfer ausgefressen hatten, und die
ziemlich tief ins Fruchtfleisch hineingingen. Diese Frassstellen nahmen
bis zur Hälfte die Oberfläche der Früchtchen ein und waren unregelmässig
über sie verteilt. Sie fanden sich häufig an der Ansatzstelle des Stieles
vor, doch wurden sie nicht selten auch am und in der Nähe des Kelches
und an den Seiten angetroffen.
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 141
Ein Bekämpfungsmittel für den Schädling ist nicht bekannt. Es
dürfte sich jedoch empfehlen, einmal einen Versuch zu machen, die Käfer
frühmorgens, wenn sie noch taulahm sind, auf
untergelegte Tücher abzuklopfen, einzusammeln
und zu vernichten. Vielleicht gelingt es so,
die Tiere unschädlich zu machen, bevor sie
fortspringen oder wegfliegen. Eine Bespritzung
der Früchtchen mit Arsensalzen, die vielleicht
sehr wirksam sind, möchte ich ihrer Gefähr¬
lichkeit wegen nicht allgemein empfehlen, zu¬
mal dadurch auch die bei uns überall vorhandenen Unterkulturen mit
getroffen werden.
2. Über das Vorkommen der Blutlaus auf Cotoneaster horizontalis.
Auf einem Exemplar dieser Pflanze haben wir das Insekt, wie Abb. 20
zeigt, in grossen Mengen vorgefunden. Es hielt sich vorwiegend auf
Abb. 20. Cotoneaster horizontalis, von der Blutlaus befallen.
einem stärkeren Triebe auf, während dessen Seitenzweige viel weniger
befallen waren. Die Kolonien hatten sich rings um den Trieb angesiedelt;
eine Bevorzugung der Unterseite, wie sie bei dem Auftreten der Laus auf
dem Apfelbaum nicht selten zu beobachten ist, war nicht zu erkennen.
Die befallenen Stellen waren aufgeplatzt und zeigten knollige Wucherungen,
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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
wie sie stets auch auf Apfeltrieben unter Blutlauskolonien in die Er¬
scheinung treten.
3. Über von einem Käfer hervorgerufene Schälwunden «an
Obstbaumtrieben.
„Seit etlichen Jahren tritt im Mai ein Schädling auf, welcher an den
Bäumen meiner Baumschule an den Rückschnittstellen die Rinde ahfrisst
oder die einjährigen Zweige ringelt. Dieses Jahr zeigt sich der Schädling
besonders stark, hat die votiges Jahr gemachten Kronenveredlungen fast
Abb. 21. Vom pechbraunen Lappenriiasler befressene Apfelzweige. Links oben der Käfer.
durchweg stark benagt und auch au den diesjährigen Veredlungen die
Reiser geringelt. Der Schädling muss bei Nacht diese Arbeit ausführen,
am Tage habe ich ihn trotz sorgfältigen Suchens noch nicht wahrnehmen
können. Beim Behacken der Baumschule fanden sich in der Nähe des
Wurzelhalses der beschädigten Bäume im Boden Rüsselkäfer vor, und zwar
wurden an einem Bäumchen über 100 Stück gezählt. Ich sende mit
gleicher Post einige der beschädigten Triebe sowie eine Anzahl der Käfer
und bitte festzustellen, ob dieses Insekt der Übeltäter ist“. So lautet ein
Schreiben, das wir im vergangenen Frühjahr von einem Kreisbaumwart
erhielten. Da die in demselben genannten Schäden eine weniger häufig
auftretende Erscheinung sind, halten wir es für angebracht, sie auch in
dieseu Berichten zu besprechen.
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 143
Zunächst sei bemerkt, dass der im Boden in Nähe der Bäumchen
gefundene Käfer tatsächlich der Urheber des Schadens ist, denn er ist als
solcher nicht allein bekannt, sondern er setzte auch seinen Frass bei uns
in der Gefangenschaft ruhig fort. Es ist der pechbraune Lappenrüssler,
Otiorrhynchus singularis L.-O. picipes F. (s. Abb. 21).
Der Käfer ist ein Nachttier. Bei Tage hält er sich in der Erde,
unter Schollen oder unter Steinen verborgen. Zur nächtlichen Nahrungs¬
suche begibt er sich auf die Triebe verschiedener Holzpflanzen und nagt
an ihnen die Rinde ab, wodurch die darüber befindlichen Triebteile zum
Absterben gebracht werden. In dieser Weise wird er namentlich in Baum¬
schulen schädlich, in denen er mit Vorliebe die Äpfel und Zwetschen,
auch Eichen befallt; auch auf Rosen ist er schon beobachtet worden.
Abbildung 21 zeigt seinen Schaden an Apfeltrieben. Die von ihm ver¬
ursachten Schälwunden erstrecken sich oft rings um den Trieb herum.
Mitunter zeigen sie auch einen spiraligen Verlauf. Es werden Triebe bis
über 1 cm Durchmesser befressen.
Die Bekämpfung des Schädlings ergibt sich aus der Gewohnheit des
Käfers, nur nachts zu fressen, tagsüber sich jedoch im Boden auszuruhen.
Er muss also in jeder Nacht aufs neue zu den Frassstellen wandern. Um
ihn davon fernzuhalten, ist das Anlegen von Klebringen an die Stämmchen
zu empfehlen, was allerdings in Baumschulen schwer durchführbar sein
wird. Auf ihnen muss jedoch der Leim sehr dick aufgetragen werden,
weil sie sonst von dem gut laufenden Käfer leicht überschritten werden.
Auch das Absuchen der Käfer nachts bei Laternenbeleuchtung, sowie das
Aufsuchen derselben bei Tage am Fusse der Bäumchen im Boden, wobei
man sich zum Wegräumen der Erde am besten eines Blechlöffels bedient,
können zur Vertilgung des Feindes empfohlen werden. Von gutem Erfolg
dürfte wohl eine Bespritzung der Triebe mit Schweinfurtergrün oder arsen¬
saurem Blei sein, jedoch möchte ich diese Mittel ihrer Giftigkeit wegen
nicht empfehlen.
4. Über ein stärkeres Auftreten des gebuchteten Prachtkäfers,
Agrilns sinnatus, in einer Strassenpflanzung.
Von dem Käfer ist in diesen Berichten schon einmal die Rede gewesen.
(S. d. Bericht vom Jahre 1890/91, S. 37). Nach R. Goethe, der in diesem
Bericht die erste ausführliche Mitteilung über den Käfer veröffentlichte,
fugt das Insekt den Obstbäumen empfindlichen Schaden zu und verdient
infolgedessen grosse Beachtung. Dieser Ansicht können wir nur zustimmen,
denn in der Strassenpflanzung bei Wetzlar, auf die sich unsere Beob¬
achtungen beziehen, war der von dem Käfer angerichtete Schaden ein ganz
erheblicher. Die Stämmchen der jungen Apfel- und Birnbäumchen waren
in allen ihren Teilen von ihm befallen, dicht über der Erde, in der Mitte
und ganz oben bei der Verzweigung in die Krone. Die Larvengänge lagen
oft dicht übereinander und erstreckten sich über den ganzen Umfang der
Stämmchen. Unter dem Larvenfrass litten die Bäumchen empfindlich Not;
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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
sie blieben im Wachstum zurück, zeigten Spitzen- und Astdürre und einige
waren vollständig eingegangen. Es hat den Anschein, als ob das starke
Auftreten dieses Käfers mit der Dürre des Sommers 1911 in ursächlichem
Zusammenhang steht, die ja in manchen Gegenden auch einen stärkeren
Befall der Obstbäume durch Borkenkäfer im Gefolge hatte. Sollte dies
der Fall sein, so käme, um die Bäume vor weiterem Befall zu schützen,
zunächst in Betracht, sie wieder widerstandsfähig gegen den Käfer zu
machen, was durch eine gründliche Düngung und Bewässerung erreicht
werden könnte.
Um den Käfer vor der Eiablage an den Stämmchen abzuhalten, empfiehlt
Goethe einen Anstrich mit dickem Lehm, der Ende Mai aufgetragen und
bis Ende Juli erhalten werden muss. Auch für die Bekämpfung der Larven,
die darunter ersticken sollen, bringt Goethe einen dicken Überzug von
Lehm und reinem Kuhdung, der mit Leinwandlappen fest zu verbinden
ist, für die befallenen Teile in Vorschlag.
5. Starker Käferfrass an Reben auf* Jungfeldern.
In der Umgebung von Kreuznach traten die beiden Rüsselkäfer
Eusomus ovulum Germ, und Foucartia squamulata, die wir bereits 1900
als Rebenschädlinge kennen gelernt und beschrieben haben (Geisenheimer
Jahresbericht 1900/01, S. 137) in grösseren Mengen auf und riefen durch
Abfressen der jungen Triebe stärkeren Schaden hervor. Näheres darüber
ist veröffentlicht in „Weinbau und Weinhandel“, Jahrg. 1912, S. 221.
6. Über das Auftreten der Wanze Nysins senecionis in den
deutschen Weinbergen.
Anfangs dieses Sommers ging eine Nachricht durch die Fachpresse
und Tageszeitungen, nach der in Frankreich auf Jungfeldern ein neuer,
zu den Insekten gehöriger Rebfeind sich in grosser Zahl bemerkbar mache
und durch seine Nahrungsaufnahme die Reben in kurzer Zeit zum Absterben
bringe. Es handelt sich um eine Wanze, Nysius senecionis, die seither
nur in Algier als Rebenfeind beobachtet worden war, in Europa sich jedoch
noch nicht gezeigt hatte. Wohl ist sie auch bei uns schon lange vor¬
handen und auf einem Kreuzkraut (Senecio silvaticus) gefunden worden,
die Reben jedoch wurden von ihr seither nicht angegangen. Es bestand
somit auch für Deutschland die Möglichkeit, dass dieser Pflanzenfeind sein Ver¬
halten ändern und von dem Unkraut auf die Kulturpflanze übergehen konnte.
Dieser Fall ist bald nach deu französischen Veröffentlichungen ein¬
getreten, denn am 6. August wurde ich von Herrn Weinbaulehrer Röder-
Ahrweiler auf einen Rebfeind aufmerksam gemacht, der sich in der Gemarkung
Walporzheim an der Ahr eingestellt hatte und dort seither noch niemals
gesehen worden war. In seinem Schreiben teilte mir Herr Röder mit,
dass der Baumann, des betreffenden Gutes, der ihm den Schaden meldete,
wahrgenommen hatte, dass auf einem einjährigen Jungfelde eine Anzahl
Stöcke, die noch zwei Tage vorher kerngesund waren, plötzlich mit voll-
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 145
ständig vertrockneten Blättern dastanden. Die fraglichen Stöcke waren
von zahllosen kleinen Tierchen von schmutzig gelbbrauner Farbe mit
schwarzen Zeichnungen besiedelt. Die Tiere waren sehr lebhaft und Hessen
sich bei der geringsten Berührung der Triebe zu Boden fallen. Ihre Grösse
schwankte zwischen 0,5—3 mm. Sie sassen an den grünen Loden, den
Blattstielen und den Blättern, welche sie durch ihr Saugen zum Absterben
brachten. Ihr Zerstörungswerk war ein so schneUes, dass die befallenen
Reben in drei Tagen vollständig vertrocknet waren. Es waren jedoch
Abb. 22. Von der Wanze Nysius senecionis befallener junger Rebstock.
nicht allein einjährige Stöcke befallen, sondern auch vierjährige, die in
einem an das fragliche Jungfeld angrenzenden Weinberge standen. Der
Schädling sass an diesen älteren Stöcken teils an den jungen Loden und
Blättern, teils aber auch an den bereits verholzten Trieben, wo er sich
vorwiegend an den Augen aufhielt.
Diese Mitteilung weckte in mir die Vermutung, dass es sich in diesem
Falle mögUcherweise um denselben Schädling handele, der in diesem Jahre
in einigen Gegenden Frankreichs die jungen Reben heimgesucht hatte,
weshalb ich mich sofort an Ort und Stelle begab, um das Insekt selbst
zu beobachten. Bei der Besichtigung fand ich die Triebe der jungen
Geisenheimer Jahresbericht 1912. 10
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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Stöcke über und über mit kleinen Tierchen besetzt, die tatsächlich die
Larven und Nymphen einer Wanze darstellteu. Nach einigem Suchen
wurden auch Imagines gefunden, deren Bestimmung ergab, dass der auf¬
gefundene Schädling identisch mit dem neuen französischen Rebenfeind
war. Er heisst wissenschaftlich Nysius senecionis — Heterogaster Senecionis
Schill und gehört zu den Sandwanzen. In dem fraglichen Weinberg war
er stellenweise ungemein häufig, und zwar nicht allein auf den Stöcken,
sondern auch in der Erde. Namentlich unter Steinen wurde er massenhaft
vorgefunden, auch in grösserer Entfernung von den Stöcken zwischen den
Zeilen. Die Abb. 22, die von Herrn Röder auf meine Veranlassung
hin aufgenommen wurde, gibt nur ein schwaches Bild von der Häufigkeit
des Insektes auf den Trieben, da sich dasselbe, wie gesagt, bei der ge¬
ringsten Berührung des Stockes zu Boden fallen lässt und hier verkriecht.
Am 8. August waren noch seine Larven und Nymphen in der Mehrzahl
vorhanden, Imagines wurden nur vereinzelt angetroffen. An den befallenen
Stöcken waren die grünen Teile vertrocknet, einzelne Stöcke waren bereits
abgestorben. Bis jetzt ist das Auftreten nur ein lokales, doch machen
sich bereits in den Nachbarweinbergen die ersten Anzeichen des Schadens
bemerkbar.
Allem Anscheine nach handelt es sich nur um einen Gelegenheits¬
schädling, der ebenso schnell, wie er gekommen ist, wieder verschwinden
wird. Er ist nur aus dem Grunde auf die Reben übergegangen, weil er
nicht mehr imstande war, sich von seiner eigentlichen Wirtspflanze zu
ernähren.
Diese Pflanze ist vermutlich^ in unserem Falle das gewöhnliche Kreuz¬
kraut oder die Kreuzwurz (Senecio vulgaris), obgleich Kaltenbach (Die
Pflanzenfeinde aus der Klasse der Insekten, S. 365) nur Senicio silvaticus
als Nährpflanze angibt. Senecio vulgaris ist in den Weinbergen ein weit¬
verbreitetes Unkraut und findet sich auch in den Ahrweinbergen, nament¬
lich in den von der Wanze befallenen, häufig vor. Während jedoch diese
Pflanze zur Zeit der Untersuchung im Rheingau noch üppig grün war,
war sie an der Ahr (Gemarkung Walporzheim) infolge einer lang an¬
haltenden Trockenperiode bereits abgestorben und dürr, so dass die Wanze
nicht mehr imstande war, sich von ihr zu ernähren. Es ist also wahr¬
scheinlich, dass sie aus diesem Grunde vom Kreuzkraut auf die Rebe über¬
gegangen ist. Diese Annahme gewinnt noch dadurch an Wahrscheinlich¬
keit, dass das Insekt auch auf einem Wustfeld, das hauptsächlich mit
Kreuzkraut, daneben u. a. noch mit Gänsedisteln und Ackerwinde bestanden
war, an und in der Nähe der erstgenannten Pflanze wohl im Boden, nicht
aber auf den oberirdischen, allerdings schon dürren Teilen angetroffen
wurde. In dem befallenen Weinberge war ausserdem das Unkraut vor
einigen Tagen ausgehackt worden, so dass auch hierauf der Befall der
Reben zurückgeführt werden kann, zumal dabei die in der Erde vorhandenen
Wanzen wieder ans Tageslicht gebracht wurden. Kreuzblütler (Kruziferen),
auf denen die Wanze in Frankreich leben und von denen aus sie dort auf
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 147
die Reben übergegangen sein soll, waren in dem befallenen Weinberg an
der Ahr nicht vorhanden.
Die Wanze hat im erwachsenen Zustande eine Körperlänge Von 4 mm.
Ihre Farbe ist schmutzig bräunlichgelb. Über den Kopf, die Brust und
das Schildchen zieht sich ein gelber Längsstreif; auf der tief punktierten
Brust sind daneben beiderseits noch zwei gelbe Längsstreifen vorhanden.
Die rotbraunen Fazetteaugen sind ebenso wie die zwei Punktaugen ver¬
hältnismässig gross und vorstehend. Fühler schwarz, viergliederig, End¬
glied verdickt. Beine gelblich, Fusspitzen schwarz. Membran mit fünf
Längsadern, ihr Hinterrand beiderseits mit zwei schwarzen Flecken.
Zur Bekämpfung des Schädlings wurde zunächst ein Versuch mit
der GrRETHERSchen Schwefelkohlenstoff-Emulsion und mit Quassia-Schmier-
seife ausgeführt. Dabei wurden wohl eine Anzahl Tiere abgetötet, viele
blieben aber am Leben. Es ist dies darauf zurückzuführen, dass von diesen
Mitteln wohl die oberirdisch an den Reben sitzenden Wanzen, nicht
aber die im Boden und unter Steinen vorhandenen getroffen werden,
die später die Stöcke wieder bevölkern. Man wird mit diesen Mitteln
vielleicht dann zum Ziele kommen, wenn sie mehrmals hintereinander an¬
gewendet werden, so dass auch diejenigen Tiere, welche sich nach einer
Bespritzung auf den Stöcken wieder einfinden, getötet werden. Versuche
nach dieser Richtung hin sind im Gange. Von günstigerer Wirkung sind
vielleicht pulverförmige Mittel, mit denen die Stöcke bestäubt werden.
So scheinen Stöcke, die mit dem GRETHERschen Malacid behandelt worden
sind, von der Wanze gemieden zu werden. Auch die Anwendung von
Insektenpulver dürfte Aussicht auf Erfolg haben, und sind Versuche damit
gleichfalls beabsichtigt. Der hohe Preis dieses letzten Mittels kommt
einstweilen nicht in Frage, da die Zahl der befallenen Stöcke noch keine
grosse ist.
Als natürlicher Feind der Wanze wurde die Larve einer Florfliege
erkannt. Es konnte beobachtet werden, dass dieser Nützling die jungen
Larven der Wanze mit seinen Kiefern erfasst und aussaugt.
7. Vorkommen des bekreuzten Traubenwicklers in Johannisbeeren.
Die Raupen des einbindigen Traubenwicklers treten bekanntlich nicht
allein an der Rebe, sondern noch an einer ganzen Anzahl anderer Pflanzen
auf. Nach einer Zusammenstellung von Dewitz sind sie bis jetzt gefunden
worden auf Feldahom, wildem Wein, Hartriegel, Pfaffenhütchen, Epheu,
Liguster, Geissblatt, Faulbaum, roten Johannisbeeren, Flieder und Schnee¬
ball; nach Chatanay sollen sie auch auf schwarzen Johannisbeeren und
gemeinem Labkraut leben. Bei dem bekreuzten Wickler liegen die Ver¬
hältnisse wesentlich anders, denn man hat seine Raupen meines Wissens
seither nur auf Waldrebe, wildem Wein, Hartriegel und Daphne gnidium,
einer Seidelbastart, gefunden.
Während der Flugzeit der Heuwurmmotten in diesem Frühjahr
konnte ich nun beobachten, dass diejenigen des bekreuzten Wicklers nicht
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HI. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
allein die Reben, sondern auch Johannisbeersträucher, die in deren
Nähe standen, umschwärmten. Auch im Innern dieser Sträucher hielten
sich die Motten auf und konnten durch Anschlägen derselben aufgescheucht
werden. Hieraus war zu schliessen, dass die Motten die Sträucher wahr¬
scheinlich nur zu dem Zwecke aufsuchen, um sie mit ihren Eiern zu
belegen. War dies der Fall, dann mussten sich späterhin in den Johannis¬
beeren die Raupen dieses Wicklers nachweisen lassen. Die Nachsuche
nach ihnen am 12. und 13. Juni bestätigte diese Vermutung, denn es
gelang an diesen Tagen, die Raupen des bekreuzten Wicklers in schwarzen
und weissen Johannisbeeren nachzuweisen. Sie hatten in den Frucht¬
ständen einzelne Beeren fast vollständig ausgefressen und zusammen¬
gesponnen. Auch rote Johannisbeeren fand ich in dieser Art beschädigt,
allein sie waren bereits von den Raupen verlassen, so dass, obgleich es
sehr warscheinlich ist, mit Sicherheit nicht gesagt werden kann, ob diese
Gespinste vom bekreuzten Wickler herrühren. Ausser den Raupen des be¬
kreuzten Wicklers wurden auch diejenigen des einbindigen in den Johannis¬
beeren angetroffen, welches Vorkommen schon länger bekannt ist (Moritz).
Das Auftreten des Heuwurms, des bekreuzten und einbindigen Wicklers in
den Johannisbeeren kann jedoch nicht als häufig bezeichnet werden, denn es
wurden in einem grösseren Sortiment nur 17 Gespinste und in ihnen nur
4 gelbköpfige und 5 schwarzköpfige Würmer angetroffen, wobei allerdings
zu beachten ist, das sich der Heuwurm in der hiesigen Gemarkung diesmal
viel seltener zeigte, wie in den letzten Jahren.
Auch die Himbeeren der betreffenden Pflanzung wurden von einzelnen
Motten des bekreuzten Wicklers umschwärmt, so dass die Möglichkeit
besteht, dass seine Raupen auch in den Früchten dieses Strauches Vor¬
kommen. Bis jetzt ist es mir jedoch noch nicht gelungen, sie in den¬
selben aufzufinden.
B. Durch pilzliche Feinde hervorgerufene Schäden.
8. Über ein massenhaftes Eingehen von Coniferen-Veredlnngen.
Im folgenden möchte ich über einen Fall berichten, den ich vor
einiger Zeit zu beobachten Gelegenheit hatte, und der wohl auch weitere
Kreise interessieren dürfte, da bei ihm von 3000 Coniferen-Veredlnngen
in kurzer Zeit 70°/ o — also 2100 Pflanzen — zugrunde gegangen sind.
Es handelt sich um Veredlungen von Chamaecyparis Lawsoniana und
Thuya occidentalis, die aus Norddeutschland bezogen worden waren. Die
Pflanzen wurden nach ihrer Ankunft sofort eingeschlagen, dann im Dezember
je nach Bedarf ins Treibhaus geholt, gesäubert, veredelt und hierauf ins
Vermehrungsbeet eingeschlagen in ein Gemisch von Torfmull, Mistbeeterde
und reichlich Sand. Über diese Erde wurde nach dem Einschlagen noch
eine Schicht gewaschenen Sandes gestreut, um Schimmelbildung zu ver¬
hüten. Im Beet kamen die Pflanzen ziemlich dicht zu stehen, was im
Interesse einer guten Ausnutzung des Platzes geschehen musste. Auf die
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 149
Vermehrungsbeete wurden daun, um ein gutes Anwachsen der Veredlungen
zu ermöglichen, Fenster gelegt, auch war für genügende Feuchtigkeit durch
gründliche Bewässerung beim Einlegen gesorgt worden; später wurde nur
hin und wieder nach Bedarf leicht gespritzt. Geheizt wurde anfangs gar-
nicht, erst nach vierzehn Tagen wurde ganz mässig mit 15—18° C. be¬
gonnen, und allmählich wurde
die Bodenwärme bis auf 25 0 C.
gesteigert. Ende Januar fingen
die Unterlagen und auch be¬
reits einige der Edelreiser an
zu treiben, und es zeigte sich
bei genauerer Untersuchung,
dass viele der Reiser schon
recht gut verwachsen waren.
Dabei wurde aber auch gleich¬
zeitig beobachtet, dass sich bei
einer grossen Zahl der Unter¬
lagen an der Veredlungsstelle
weisse Pünktchen gebildet
hatten, und dass an solchen
Pflanzen die Wurzeln meist
schon mehr oder weniger braun
und abgestorben waren. Auf
Abb. 23 sind diese weissen
Pünktchen zwischen den Bind¬
faden deutlich zu erkennen.
An eine Abräumung der Beete
konnte noch nicht gedacht
werden, weil eine Anzahl der
Pflanzen mit den Reisern noch
nicht genügend verwachsen
waren. Um das weitere Ein¬
gehen zu verhüten, wurde für
bessere Lüftung Sorge ge¬
tragen.
Im März wurden dann alle
gesunden Pflanzen eingetopft,
wobei festgestellt wurde, dass bereits 20—35°/ 0 am Eingehen waren. Die
übriggebliebenen wurden im Hause temperiert, und zwar anfangs ziemlich
geschlossen gehalten, um die Bewurzelung zu fordern, dann aber wurde
stark gelüftet und nach wie vor öfter leicht gespritzt. Trotzdem gingen
in den nächsten Wochen noch 10—15°/ 0 ein. Die Pflanzen kamen nun
in kalte Mistbeetkästen, die andauernd stark gelüftet wurden, bis schliesslich
die Fenster ganz weggelassen werden konnten. Es starben aber immer
noch Pflanzen ab, sogar noch nach dem Mitte Mai erfolgten Auspflanzen
Abb. 23. Durch ein Fusarium zum Absterben gebrachte
Thuja-Veredlungen.
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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
ins Freie, so dass schliesslich im ganzen etwa 70 °/ 0 davon eingegangen
waren.
Diese Krankheit steht meines Erachtens mit den genannten weissen
Pünktchen in ursächlichem Zusammenhang, den Sporenlagern eines in die
Gattung Fusarium gehörigen Pilzes. Er hat zunächst die Unterlagen
befallen und ist von diesen aus später auch auf die Edelreiser übergegangen.
Auf der Unterlage ist er allem Anschein nach schon beim Bezüge vor¬
handen gewesen, denn der betreffende Gärtner will schon beim Veredeln
die weissen Pünktchen beobachtet haben, denen er jedoch keine Bedeutung
beigelegt hat. Auf jeden Fall wurde die Weiterentwicklung des Pilzes
durch die ihm sehr zusagenden Feuchtigkeits- und Wärmeverhältnisse,
unter denen die Veredlungen gehalten wurden, sehr begünstigt, so dass
er in kurzer Zeit die Pflanzen znm Absterben bringen konnte.
0. Bekämpfungsversnche.
9. Prüfung von Geheimmitteln.
Nachdem unsere, eine längere Reihe von Jahren durchgeführten
Prüfungen von Geheimmitteln ergeben haben, dass sich unter diesen Fabrikaten
kaum etwas Brauchbares befindet, und dass sie in fast allen Fällen nichts
besseres darstellen als die altbewährten Bekämpfungsmittel, dabei immer
teurer als diese sind, werden von uns in Zukunft solche Mittel überhaupt
nicht mehr erprobt werden, nur dann, wenn diese Mittel ein besonderes
Interesse für uns haben, werden wir Versuche mit ihnen vornehmen.
10. Über den Stand der Hen- und Sauerwurmbekämpfung,
a) Allgemeines über die Traubenwickler.
Im vergangenen Jahre wurde sowohl für den einbindigen, als auch
für den bekreuzten Wickler ein starker Rückgang in ihrem Auftreten fest¬
gestellt, dessen Ursache mit Sicherheit noch nicht aufgeklärt ist. Hier¬
nach war für 1912 ein spärlicheres Erscheinen der beiden Schädlinge zu
erwarten, was im allgemeinen eingetreten ist. Immerhin konnte dabei
festgestellt werden, dass der bekreuzte Wickler weiter in der Zunahme
begriffen ist. Seine ersten Motten wurden im Rüdesheimer Berg am
24. April beobachtet.
Ich bin immer noch der Ansicht, dass wir in dem bekreuzten Wickler
einen neuen Eindringling in unsere Weinberge vor uns haben und nicht
einen alten, zu plötzlicher Vermehrung gekommenen Feind. Sein haupt¬
sächliches Vorkommen an den geschützt stehenden Spalieren und in den
besten, wärmsten Lagen sowie im Schutze der Ortschaften weisen darauf
hin, dass er die Wärme liebt und wahrscheinlich südlichen Weinbauländem
entstammt. Er ist vor seinem Auftreten in der neueren Zeit in Deutsch¬
land seither mit Sicherheit niemals als Rebenschädling beobachtet worden,
während er in Italien schon längere Zeit als solcher den Winzern Sorge
bereitet. Ich habe deshalb früher schon die Vermutung ausgesprochen, dass
er mit Tafeltrauben oder auch mit Trauben zur Weinbereitung erst in
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation 151
jüngster Zeit von Südeuropa aus bei uns eingeführt worden ist und sich
über die Spalierreben hinweg in die Weinberge verbreitet hat. Auf dem
Weinbaukongress in Mannheim (Mitt. des Deutschen Weinbau-Vereins 1907,
S. 365), habe ich bereits darauf hingewiesen, dass anfangs der achtziger
Jahre des vergangenen Jahrhunderts die aus Italien zur Champagner¬
bereitung in Kisten eingeführten Trauben bei ihrer Ankunft im Rheingau
förmlich von Sauerwürmern gewimmelt haben sollen, die wohl zum grössten
Teil der bekreuzten Art angehört haben werden, die dort häufiger ist, wie
die einbindige. Man darf wohl annehmen, dass ein Teil dieser Würmer
an den Verbrauchsorten der Trauben zur Verpuppung gelangte, von wo
aus sich dann das Insekt allmählich weiter verbreitete. Die Annahme einer
solchen Neueinführung ist meines Erachtens mindestens ebenso berechtigt,
als die einer plötzlichen Ausbreitung, für die bis jetzt keine genügenden
Beweise erbracht sind. Ich halte an meiner Ansicht umsomehr fest, als
auch der einbindige Wickler allem Anscheine nach aus dem Süden zu uns
gekommen ist. So kennt ihn Hübner (1796), wie aus den älteren Literatur¬
angaben zu ersehen sein wird, nur aus Italien und auch Treitschke gibt
noch 1829 an, dass er vorwiegend in diesem Lande vorkommt.
b) Kritik der seitherigen Bekämpfungsmassnahmen.
Wenn wir uns heute die Frage vorlegen, ob wir ein einfaches und
leicht durchführbares, also für die Praxis geeignetes Bekämpfungsmittel
für die beiden Traubenwickler besitzen, so müssen wir dieselbe mit nein
beantworten. Wir müssen dies tun, obgleich uns eine Anzahl Mittel und
Massnahmen zur Verfügung steht, die bei ihrer Anwendung Erfolge nach
sich ziehen. Allein, ihre allgemeine Durchführung scheitert an der Zeit,
die sie bei der Verwendung in Anspruch nehmen und an den Kosten, die
sie dabei und bei ihrer Beschaffung verursachen. Dazu kommt noch, dass
sie meist nur dann wirksam sind, wenn sie geschlossen, d. h. von allen
Besitzern einer Gemarkung gebraucht werden. Im einzelnen sind sie mehr
oder weniger wirkungslos, weil die dabei vernichteten Individuen alsbald
wieder durch Zuflug anderer aus den Nachbarweinbergen ersetzt werden.
Für die allgemeine Benutzung fehlen aber die Arbeitskräfte.
Zu diesen wirksamen Mitteln rechne ich alle Kontakt- und Magen¬
gifte, die sich seither mit gutem Erfolg bei kleineren und auch grösseren
Versuchen als brauchbar erwiesen haben, z. B. die NESSLERsche Flüssig¬
keit, das DüFOURsche Wurmgift, verschiedene Öle, die Schmierseife und
Harzölseife, die Arsen- und Nikotinpräparate. Sie haben sich alle bei
sorgfältiger Anwendung bewährt, allein bei ihrem Übergang in die Praxis
Hessen sie mehr oder weniger zu wünschen übrig, so dass sie sich in ihr
nicht einbürgern konnten. Sie setzen alle eine Einzelbehandlung der Ge¬
scheine voraus und eine solche ist in der grossen Praxis im allgemeinen
nicht mögüch, ganz abgesehen davon, dass sie zur Erreichung eines wirk-
Hchen Erfolges in grossen Mengen verspritzt werden müssen, die Wirtschafts¬
kosten also ganz bedeutend erhöhen. Solange diese Mittel kein einfacheres
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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
und schnelleres Arbeiten gestatten, können sie nicht als praktische be¬
zeichnet werden, denn man muss bedenken, dass die Zeit, in der sie zur
Vorspritzung gelangen, für den Winzer die arbeitsreichste des ganzen
Jahres ist.
Der Grund für die Schwierigkeit der Bekämpfung der Heuwürmer
liegt einmal in ihrem Gespinst, das sie vorzüglich gegen Benetzung schützt,
dann aber auch in der von Tag zu Tag stärker werdenden Belaubung der
Stöcke, durch die die Gescheine verdeckt werden imd die ihr Treffen mit
Flüssigkeiten sehr erschwert. Mit diesen beiden Umständen muss stets
gerechnet werden und sie stellen dem Auffinden eines für die Praxis
wirklich brauchbaren Wurmbekämpfungsmittels ganz bedeutende Schwierig¬
keiten in den Weg. Denn die Flüssigkeiten, welche im Stande sind, die
Heuwurmgespinste zu durchdringen, benachteiligen fast alle die Gescheine
und anderen grünen Eebteile, so dass bei ihrer Anwendung grosse Vor¬
sicht geboten ist. Man benutzt sie deshalb auch stets in starker Ver¬
dünnung, aber je mehr diese zunimmt, um so mehr lässt ihre Wirksamkeit
und ihre Mischbarkeit mit Wasser nach (Schwefelkohlenstoff, Benzol,
Petroleum usw.). Sie scheiden sich dann schnell ab, wodurch eine gleich-
mässige Verspritzung, wenn die Spritze nicht fortwährend geschüttelt wird
oder mit einem Rührwerk versehen ist, unmöglich ist.
Bei der Bekämpfung der Sauerwürmer liegen die Verhältnisse ganz
ähnlich. Hier gesellt sich zu den Schwierigkeiten, die durch die starke
Belaubung hervorgerufen werden, der Umstand, dass Stoffe mit besonderem
Geruch oder Geschmack keine Verwendung finden dürfen, weil die Gefahr
besteht, dass sie auf den Trauben bis zur Lese haften bleiben und dann
beim Keltern derselben in den Most und in den aus diesem werdenden
Wein übergehen. Gerade aus letzterem Grunde scheut sich die Praxis
sehr mit Recht, derartige Mittel zur Anwendung zu bringen.
Bei der Verwendung des Nikotins kommt noch hinzu, dass sich dieses
Gift leicht verflüchtigt und noch leichter vom Regen ausgewaschen werden
kann, wodurch natürlich seine Wirksamkeit mehr oder weniger vermindert
wird. Diese wird also je nach den Witterungsverhältnissen eine ver¬
schiedene sein, wenn das Verfahren nach einem stärkeren Regen nicht
alsbald wiederholt wird, wodurch aber wieder die Kosten erhöht werden.
Seines Geruches und Geschmackes wegen kommt es für die 2. Generation
nicht in Frage.
Die einzigen Massnahmen, die den Winzern mit gutem Gewissen zur
Bekämpfung der Würmer empfohlen werden können, sind meines Erachtens
nur das Auslesen der Heuwürmer aus den Gescheinen und das Auslesen
der Wurmheeren aus den Trauben. Ihrer Umständlichkeit wegen eignen
sie sich jedoch nicht für die Allgemeinheit, wohl aber für die besseren
Lagen. Sie stellen allerdings auch nichts vollkommenes dar, weil ihr
Erfolg durch Zuflug aus der Nachbarschaft beeinträchtigt wird, immerhin
kann sich der Besitzer durch sie gegen grössere Verluste schützen, zumal
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 153
auch durch das Entfernen der Wurmheeren aus den Trauben, diese bis
zu einem gewissen Grade gegen Fäulnis geschützt werden.
Das Fangen der Würmer in Fallen ist gegen die beiden Arten nicht
in gleicher Weise wirksam. Derartige Vorrichtungen werden nur
von den Raupen des bekreuzten Wicklers angenommen, während
sie gegen diejenigen des einbindigen versagt haben. Sie werden in der
einfachsten Weise aus Tuchstücken hergestellt, die um die Schenkel und
in der Höhe der Bogreben um die Pfähle gebunden werden. Sie lassen
also auch zu wünschen übrig, obgleich man damit vielleicht den bekreuzten
Wickler stärker dezimieren kann, was jedoch erst noch durch grössere
Versuche ermittelt werden muss.
Der Fang der Motten mit dem Klebefächer hat seit dem Auftreten
des bekreuzten Wicklers viel von seiner Wirksamkeit eingebüsst. Dessen
Motten sind sehr flink und fluggewandt, so dass sie nicht so leicht zu er¬
haschen sind. Sie entkommen deshalb sehr häufig den Fängern und finden
dadurch Gelegenheit, ihre Eier abzusetzen. Nur für die Gebiete, die allein
den einbindigen Wickler beherbergen, hat diese Massnahme noch eine
Bedeutung, vorausgesetzt, das sie ständig und allgemein durchgeführt wird,
wofür jedoch auch wieder nicht genügende Arbeitskräfte vorhanden sind.
Die Wirkung der Fanglampen ist unsicher. Sie liefern nur in dunklen,
warmen und windstillen Nächten einigermafsen befriedigende Resultate,
während sie in hellen, kalten und windigen Nächten vollständig versagen.
Überhaupt scheint mir die Zahl der damit seither gefangenen Motten gegen¬
über der Menge der tatsächlich in den Weinbergen vorhanden gewesenen
eine nur sehr geringe zu sein, so dass sie kaum zur Bekämpfung empfohlen
werden können. Ihre Aufstellung hat nur dann einen Zweck, wenn sie
allgemein erfolgt, denn bei der Benutzung im einzelnen werden sie auch
auf die Motten der weiteren Umgebung anziehend einwirken, also veran¬
lassen, dass sich diese in den Weinberg begeben, in dem sie aufgestellt
sind. In dem betreffenden Weinberge kann somit, trotzdem durch die
Lampen eine Menge Motten unschädlich gemacht wird, ihre Zahl dennoch
vermehrt werden, da nur ein Teil der angezogenen Motten in den Lampen
seinen Tod findet.
Genau so liegen die Verhältnisse bei dem Fang der Motten mit
Fanggefässen. Sie haben bei der ersten Generation vollständig versagt,
während ihre Wirkung bei der zweiten Generation eine bessere war. Ob
jedoch bei dieser ihre Wirkung eine immer gleiche sein wird, bleibt ab¬
zuwarten. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass bei den ausgedehnten
Versuchen des Jahres 1911 infolge der trockenen und heissen Witterung
das Fangergebnis nach der günstigen Seite hin beeinflusst worden ist.
Ihr schnelles Verschwinden aus den Weinbergen lässt erkennen, was die
Praxis von dieser neuen Massnahme hält.
Ebensowenig wie ein brauchbares Anlockungsmittel ist bis jetzt ein
Schreckmittel für die Motten gefunden worden. Die Erlangung eines
solchen stösst überhaupt auf grosse Schwierigkeiten, da wir, worauf ich
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154 III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
früher schon hingewiesen habe, nicht wissen, wodurch die Motten ver¬
anlasst werden, ihre Eier auf die Gescheine und Trauben zu legen. Es ist
möglich, ja wahrscheinlich, dass sie hierbei durch ihren Geruchssinn ge¬
leitet werden, und dementsprechend hat man auch versucht, sie durch
Aufbringung bestimmter Geruchstoffe auf die Gescheine und Trauben von
der Eiablage abzuhalten. Dabei ist man lediglich aufs Probieren ange¬
wiesen, denn es ist nicht gesagt, dass Stoffe, welche dem menschlichen
Geruchssinn zuwider sind, das Riechorgan der Motten in derselben Weise
affizieren und umgekehrt, Düfte, die uns sympathisch sind, auch von diesen
Tieren als angenehm empfunden werden. Es ist somit sehr schwer, ein
derartiges Mittel aufzufinden, weil man dabei ganz auf den Zufall an¬
gewiesen ist.
Als eine der besten Massnahmen für die Winterbekämpfung der
Traubenwickler wird die Vernichtung der Puppen durch Abbürsten oder
Abkratzen der Bebschenkel empfohlen. Es ist selbstverständlich, dass bei
sorgfältiger Durchführung dieser Arbeit eine Menge Puppen unschädlich
gemacht werden kann, aber trotzdem hat sie für alle Weinhaugebiete mit
Pfahlerziehung, solange die an den Pfählen vorhandenen Puppen nicht
mit vernichtet werden, nur eine geringe Bedeutung, denn das Gros der
Puppen steckt in den Pfählen, an denen ihre Bekämpfung nicht auszu¬
führen ist. Um diese Massnahme wirksamer zu gestalten, kann der Über¬
gang zur Drahterziehung nur empfohlen werden, wobei Holz so wenig
wie möglich verwendet werden soll.
Schliesslich erhoffe ich auch von der Hilfe der insektenfressenden
Vögel , sowie der tierischen und pflanzlichen Parasiten der Würmer und
Puppen im Kampfe gegen die Traubenwickler keinen durchgreifenden Er¬
folg. Die meisten der für unsere Zwecke in Betracht kommenden Vögel
meiden die Weinberge, und ihre künstliche Ansiedlung in denselben stösst
auf grosse Schwierigkeiten. Man hat dies durch Anlegung von Vogel¬
schutzgehölzen und Aufhängen von Nisthöhlen zu erreichen gesucht und
will damit auch bereits gute Erfolge erzielt haben. Diesen Angaben stehe
ich persönlich sehr skeptisch gegenüber, denn ich kann mir nicht vor¬
stellen, in welcher Weise die Meisen — andere Vögel kommen wohl kaum
in Betracht — in den Weinbergen einen grösseren Nutzen stiften sollen,
weil es ihnen nicht möglich ist, die tiefer sitzenden Puppen mit ihrem
kurzen Schnabel zu erlangen. Ihre guten Dienste sind also nur beschränkte,
sie erstrecken sich nur auf die oberflächlich liegenden Puppen und deshalb
dürfen wir ihren Nutzen bei objektiver Beurteilung nicht zu hoch an¬
schlagen. Dazu kommt noch, dass sie sich von den Schutzgehölzen
aus nicht weit in die umliegenden Weinberge hinein wagen, sondern nur
in deren unmittelbaren Nähe für uns arbeiten, wie sich das aus den Ver¬
suchen mit den von mir in Vorschlag gebrachten provisorischen oder be¬
weglichen Vogelschutzgehölzen in den Königl. Weinbaudomänen an der
Mosel und Saar ergeben hat. Hiernach müssten somit für eine einiger-
massen befriedigende Bekämpfung des Heu- und Sauerwurmes durch die
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 155
Vögel eine grosse Zahl von Vogelschutzgehölzen in den Weinbergen an¬
gelegt werden, was praktisch nicht durchführbar ist. Es ist auch zu be¬
denken, dass derartige Gehölze nicht allein von Meisen und anderen In¬
sektenfressern, sondern auch noch von anderen Vögeln bezogen werden.
Namentlich Drosseln werden sie zum Aufenthalt nehmen und von ihnen
aus die Weinberge befliegen, um sich von den Trauben zu ernähren.
Dabei können sie grössere Schäden anrichten, wie sie von den Sauer¬
würmern verursacht werden, so dass der von den Meisen gestiftete Nutzen
mehr wie aufgehoben werden wird. Wer je einmal beobachtet hat, in
welchen Mengen und mit welcher Emsigkeit Drosseln von angrenzenden
Feldgehölzen aus die Weinberge heimsuchen, wird mir zustimmen, wenn
ich davor warne, dass Vogelschntzgehölze in zu grosser Zahl oder in zu
grossem Umfange in der Nähe der Rebpflanzungen angelegt werden. Ich
bin wahrlich kein Gegner der Vogelschutzbestrebungen, nein, im Gegenteil,
ich suche sie aus ethischen und ästhetischen Gründen soviel wie möglich
zu fördern und habe dies seither nach Kräften betätigt. Meiner Ansicht
nach dürfen wir jedoch aus diesen Bestrebungen für den Weinbau nicht
zu viel erhoffen, wie es jetzt meist geschieht, sondern wir müssen ob¬
jektiv bleiben und den Wert der Vögel für die Wurmbekämpfung so ab¬
schätzen, wie er es tatsächlich verdient. Hierzu sollten uns auch die
Beobachtungen ermuntern, die man in Weinbergen machen kann, die in
der Nähe grösserer Parks liegen oder von grösseren Baumpflanzungen um¬
geben sind; sie leiden nach meinen Ermittelungen genau so unter Heu-
und Sauerwurmschäden, wie die freiliegenden, obgleich doch in ihnen die
nützlichen Vögel ihre Tätigkeit entfalten können. Den Hauptgrund für
die Abnahme der insektenfressenden Vögel erblickte ich in ihrer so un-
gemein starken Dezimierung in südlichen Ländern und solange dieser
Massenmord nicht aufgehoben wird, werden auch die Erfolge unserer
Vogelschutzbestrebungen nur geringe sein. Was will es besagen, wenn
wir in unserem Lande die Vögel um ein paar Hunderte im Jahr ver¬
mehren und in demselben Jahr dafür im Süden Tausende vernichtet werden.
Hier ist der Punkt, wo eingesetzt werden muss, wenn unser heimischer
Vogelschutz Früchte zeitigen soll.
Auch die künstliche Vermehrung der pilzlichen und tierischen Schmarotzer
der Raupen und Puppen, überhaupt aller Entwicklungsstände der Trauben¬
wickler wird meines Erachtens nicht zu dem erhofften Ziele führen. Es
handelt sich dabei um Lebewesen, deren Entwicklung und Vermehrung,
wie diejenige aller anderen, an bestimmte Verhältnisse geknüpft ist, ohne
die sie nicht zu einer grösseren Ausbreitung gelangen können. Man hofft,
mit diesen Organismen Epidemien erzeugen zu können, denen die Trauben¬
wickler in irgend einem Stadium erliegen sollen, und denkt dabei nicht
an die Ursachen, durch die derartige Erscheinungen in der freien Natur
ganz von selbst ausgelöst werden. Soweit dabei die parasitischen Pilze
in Frage kommen, schliesse ich mich ganz der Ansicht Sorauers an, die
derselbe über das Zustandekommen von Pilzepidemien überhaupt geäussert
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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
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hat (s. Handbuch der Pflanzenkrankheiten, Bd. 1, S. 15). Er setzt für
die Bezeichnung Epidemie den Ausdruck Landseuche , wobei das Wort
„Seuche “ die Vielheit der erkrankten Individuen im Gegensatz zum ver¬
einzelt auftretenden Krankheitsfall andeuten soll. Gemeinsames Erkranken
zahlreicher Individuen unter übereinstimmenden Faktoren über weite Länder¬
strecken hin kennzeichnet die Erscheinung einer Epidemie. Bei ihrem
Ausbruche müssen also Zustände vorhanden sein, „welche den Organismus
zahlreicher Individuen in seinen Funktionen so stark erschüttern, dass er
mit einem vorzeitigen Abschluss seines Lebens bedroht ist oder schliesslich
diesem Abschluss zugeführt wird. Die Erschütterung beruht auf äusseren
Ursachen. Wenn dieselben in Form parasitärer Organismen auftreten, so
sind sie in ihrer Existenz abhängig von den ihre übermässige Vermehrung
begünstigenden Wachstumsfaktoren, zu denen eine Lockerung der Immunität
des Nährorganismus gehört“. Nur sie sind ausschlaggebend für das Zu¬
standekommen einer Epidemie, denn solange die Parasiten keine Gelegenheit
haben, sich stärker zu vermehren und auszubreiten, können sie niemals
eine Epidemie auslösen. Für das Zustandekommen einer solchen ist also
nicht die Gegenwart des Parasiten, sondern die seine Ausbreitung be¬
günstigenden Umstände ausschlaggebend. Hiernach kann somit das Behäufeln
der Rebe mit Erde als eine sehr zweckmässige Massnahme zur Bekämpfung der
Winterpuppen der beiden Traubenwickler bezeichnet werden, denn sie zielt
darauf hin, den Pilzen, die auf diesen Puppen schmarotzen und sie dadurch
töten, die günstigsten Lebens- und Entwicklungsbedingungen zu bieten.
Aber was hilft dies alles, wenn sich diese Massnahme allein auf die Stöcke
beschränkt und nicht auf die Pfähle und anderen Rebstützen ausgedehnt
werden kann und wenn bei hohen Erziehungsarten die oberen Schenkel¬
teile von ihr ausgeschlossen werden müssen? Solange sie nicht gleich-
mässig auf alle Örtlichkeiten ausgedehnt werden kann, in denen Puppen
überhaupt Vorkommen, wird sie niemals als praktisch bezeichnet werden
können.
Sokauer weist auch darauf hin, dass sowohl bei Endemien als auch
Epidemien das gleichzeitige Erkranken grosser Mengen von Individuen aut
ein längeres Stadium der Vorbereitung bis zum tatsächlichen Ausbruch der
Seuche hindeutet. Nach ihm ist jede Epidemie gleichsam die Explosion
einer längere Zeit vorher stattgefundenen Ladung. Bei parasitären
Epidemien ist das massenhafte Auftreten der Mikroorganismen durchaus
nicht das erste Stadium der Erscheinung, sondern schon ein Schlusseffekt
langer Vorbereitungen. Und diese Vorbereitungen bestanden einerseits in
der allmählichen Herstellung der für die enorme Vermehrung günstigen
Lebensbedingungen der Mikroorganismen, andererseits in der, wie wir
glauben, damit stets vorhandenen allmählichen Schwächung einiger und
korrelativer Steigerung anderer Funktionen des Nährorganismus.
Also Epidemien sind Krankheitsformen, die nur durch weitergreifende
Faktoren gezeitigt werden. Nur bestimmte Witterungskombinationen von
längerer Dauer sind als die einleitende Ursache zu betrachten. Natürlich
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 157
wird die Intensität der Epidemie lokal variieren, weil örtliche Faktoren
spezielle Begünstigungen schaffen werden. Daraus erklärt sich das Auf¬
treten von Nestern, in denen die Seuche zuerst erscheint und am spätesten
schwindet, falls nicht alle Individuen gemeinsam in kurzer Zeit abgetötet
werden. Daraus erklärt sich ferner der Rückgang der Epidemie zur Endemie,
d. h. zu engbegrenzten „Krankheitsherden“.
Es sind also in letzter Linie Witterungsverhältnisse, welche die Ent¬
stehung von Pilzepidemien bedingen, und diese zu beeinflussen, dürfte
sehr schwer sein. Vergegenwärtigen wir uns das Gesagte doch einmal
an einem konkreten Beispiele, nämlich an der Peronospora des Wein¬
stockes. Sie ist stets und ständig in den Weinbergen vorhanden, ohne
dabei aber schädlich auftreten zu müssen, wie es z. B. im Sommer 1911
der Fall war. Man hätte damals die Reben über und über mit Perono-
sporasporen bedecken können, ohne auch nur eine einzige Infektion zu
erzielen, weil damals eben dem Pilze die Bedingungen für seine Ent¬
wicklung, tropfbar flüssiges Wasser, gefehlt haben. Sind diese aber in
den Weinbergen vorhanden, so fasst der Pilz ganz von selbst auf den
durch dieselben Witterungsverhältnisse besonders empfindlich gewordenen
Blättern sofort festen Fuss und breitet sich nicht allein über Weinberge,
sondern gleich über ganze Weinbaugebiete aus. Und genau ebenso liegen
m. E. die Verhältnisse bei der Infektion von Sauerwurmpuppen durch
Pilze, z. B. durch die Isarien. Auch diese sind überall in den Weinbergen
vorhanden, wenn auch in verschiedener Stärke. Sie haben also stets Ge¬
legenheit, auf die Puppen überzugehen und ihre uns nützliche Tätigkeit
zu entfalten, allein sie tun es nicht immer, sondern nur zeitweise, und
zwar nur dann, wenn es ihnen die Witterungsverhältnisse und wahr¬
scheinlich auch eine besondere Empfindlichkeit der Puppen ermöglichen.
Sie kommen und wirken dann ganz von selbst, während wir im um¬
gekehrten Falle sie millionenweise in die Weinberge bringen können, ohne
auch nur eine Spur von einer Wirkung zu erzielen.
Genau dasselbe gilt für die tierischen Schmarotzer der beiden Trauben¬
wickler. So sehr uns ihre Hilfe bei dem Kampfe gegen dieselben erwünscht
ist, dürfen wir nicht ständig mit ihnen rechnen. Auch sie finden sich
stets in den Weinbergen vor, allein zu einer stärkeren Vermehrung kommen
sie nur dann, wenn ihnen die Natur hierzu die Möglichkeit bietet. Wie
man aus bei anderen Insekten beobachteten Verhältnissen schliessen kann,
scheint dies der Fall zu sein, zu einer Zeit, in der die Würmer zu einer
sehr starken Vermehrung gekommen und für den Befall besonders empfindlich
geworden sind, denn es ist doch auffällig, dass sie dieses Verhalten nicht
immer zeigen. Man hat infolgedessen auch angenommen, dass z. B. die
Schlupfwespen nur kranke Raupen befallen, wenn man dabei vielleicht auch
etwas zu weit gegangen ist. Jedenfalls spielen bei dem Befall der ver¬
schiedenen Stadien der Traubenwickler durch tierische Parasiten bestimmte,
uns noch nicht bekannte Verhältnisse eine Rolle, die wir ebenso wenig zu
beeinflussen imstande sein werden, wie diejenigen, die ihre Infektion durch
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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
die Pilze ermöglichen. Ich meine, wir könnten bei all diesen Fragen mehr
aus den früheren deutschen, als aus den neueren amerikanischen Versuchen
lernen, auf welch letztere jetzt von einigen Seiten so vielverheissend hin¬
gewiesen wird. Die umfangreichen Versuche, die vor Jahren zur Be¬
kämpfung der Nonne mit ihren natürlichen Feinden ausgeführt worden
sind, haben alle zu einem Erfolge nicht geführt, und ich fürchte, dass
auch die nach dieser Richtung hin eingeleitete Bekämpfung des Heu- und
Sauerwurmes mit einem negativen Resultate endigen wird; sie hat meines
Erachtens kein praktisches, sondern nur wissenschaftliches Interesse. Sie
muss selbstverständlich fortgesetzt werden, damit die Zeit zeigen kann,
was von ihr zu halten ist.
Wenn man aber die Traubenwickler mit ihren natürlichen Feinden
bekämpfen will, dann muss man es voll und ganz tun; man darf dann
keine halbe Arbeit schaffen. Sie wird nur dann rationell sein, wenn alle
übrigen Bekämpfungsmassnahmen nicht mehr ausgeführt werden und die
Arbeiten sich allein darauf beschränken, den Parasiten ihre Existenz¬
bedingungen so günstig wie nur möglich zu gestalten. Das ist aber
leichter gesagt wie getan, denn wenn wir z. B. der Entwicklung der
Isarien durch Schaffung der für ihre Vermehrung günstigen Feuchtigkeit
im Sommer zu Hilfe kommen wollen, begünstigen wir gleichzeitig das Auf¬
treten der Peronospora, die dann den errungenen Vorteil sofort wieder
zu nichte machen wird.
Für verfehlt halte ich es auch, der Winzerbevölkerung neben dem
Abreiben der Stöcke zur Bekämpfung der Winterpuppe zugleich die
Schonung und Verbreitung der tierischen Parasiten anzuraten, weil durch
die erstgenannten Massnahmen die Nützlinge mit zugrunde gerichtet
werden. Das eine dieser Verfahren schliesst eben das andere aus, und
um zielbewusst vorzugehen, muss man sich entscheiden, welches von beiden
man zur Durchführung bringen will. Entweder überlässt man hierbei den
Wurm seinem Schicksal und wartet ab, bis seine Parasiten ihn von selbst
zum Verschwinden bringen, oder aber man vernichtet ihn auf chemischem
oder mechanischem Wege, wie man es für am zweckmässigsten hält.
Ich halte es auch nicht für zweckmässig, zwei oder gar drei Schäden
mit nur einer Massnahme zugleich bekämpfen zu wollen, z. B. neben
dem Heu- und Sauerwurm noch die Peronospora oder das Oidium oder
gar alle drei zusammen. Hierbei gilt die alte Erfahrung, dass niemand
zwei Herren zu gleicher Zeit dienen kann, es sei denn, dass er einen ver¬
nachlässigt. Allein schon das verschiedene Vorkommen von Heu- und
Sauerwurm und Peronospora einerseits und von Heu- und Sauerwurm und
Oidium anderseits machen verschiedene Behandlungen der Reben erforderlich.
Werden dieselben miteinander verbunden, so wird zu gleicher Zeit die
Aufmerksamkeit der sie Ausführenden geteilt, weil sie bald den Gescheinen,
resp. den Trauben, bald dem Blattwerk zugewendet werden muss. So
zu arbeiten ist aber für den Winzer auf die Dauer sehr schwierig; mit
seiner Ermüdung nimmt das Interesse für die Arbeit ab, er wird nach-
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 159
lässig und die Folge davon ist, dass beide Arbeiten notleiden. Das einzige
Richtige ist, jede Krankheit und jeden Feind für sich allein zu bekämpfen,
weil nur auf diese Weise mit der nötigen Sorgfalt und Aufmerksamkeit
vorgegangen werden kann. Gewiss ist eine Vereinigung der Bekämpfungs¬
arbeiten wegen des überall herrschenden Arbeitermangels und der hohen
Kosten, die sie verursachen, erstrebenswert, und ich habe selbst versucht,
dieses Ziel zu erreichen, allein nach den dabei von mir gesammelten Er¬
fahrungen kann ich nur sagen, dass eine solche Arbeitsvereinigung zurzeit
noch nicht empfohlen werden kann.
c) Ältere Nachrichten über den Heu- und Sauerwurm
und seine Bekämpfung.
Im vorliegenden Abschnitt habe ich versucht, den Wert der einzelnen
Bekämpfungsmittel und -massnahmen für die beiden Traubenwickler so
objektiv wie möglich zu beurteilen. Das Resultat davon ist, dass wir dem
Schädling im allgemeinen augenblicklich noch so gut wie machtlos gegen¬
überstehen. Gewiss werden bei der Durchführung aller der genannten
Massnahmen auch im kleinen Erfolge erzielt, denn die dabei getöteten
Individuen können natürlich keinen Schaden mehr verursachen, allein diese
sind im Vergleiche zu der Menge, in der der Schädling gewöhnlich vor¬
handen ist, so geringe, dass von einer nachteiligen Wirkung nicht die
Rede sein kann. Das sollten wir uns endlich einmal offen und ehrlich
eingestehen und von der Empfehlung von Arbeiten ablassen, die aus irgend
einem Grunde eine Verminderung des Schadens nicht im Gefolge haben.
Wir müssen dies tun, um die schwer darniederliegende Praxis vor un¬
nötigen und zwecklosen Ausgaben zu bewahren. Wie oft ist die Mehrzahl
der genannten Bekämpfungsmethoden schon erprobt worden, wie viele
kleinere und grössere Versuche sind damit schon ausgeführt worden und
was ist damit für die Praxis erreicht worden? So gut wie nichts! Die
Schwierigkeiten, die das Insekt der Bekämpfung entgegensetzt, sind eben
zu grosse und dazu kommt der Mangel an Arbeitskräften, der uns ver¬
hindert, diese Schwierigkeiten zu heben. An die Einführung einer all¬
gemeinen Bekämpfung ist kaum zu denken, wie die Erfahrungen in der Pfalz
gezeigt haben, woselbst die Winzer sogar durch eine äusserst streng
durchgeführte Polizeiverordnung nur mit der grössten Anstrengung zur Aus¬
führung der darin vorgeschriebenen Massnahmen zu bewegen waren. So liegen
die Verhältnisse nicht allein im Weinbau, sondern auch bei manchen
Feinden des Obst- und Gartenbaues und der Land- und Forstwirtschaft,
auch für sie hat man noch kein Mittel gefunden, obgleich man sich jahre¬
lang darum bemüht. Und genau dasselbe gilt auch von der Menschen-
und Tierheilkunde. Auch bei ihnen ist die Zahl der Krankheiten, für die
es noch kein Mittel gibt, sondern die Natur alles machen muss, eine recht
grosse, und dabei stehen für deren Erforschung sehr viel mehr Arbeits¬
kräfte im Dienste, wie im Pflanzenschutz. Es liegt also gar kein Grund
vor, unsere Ohnmacht zu verschleiern, zumal man bei einem anderen
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160
111. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Rebfeind, nämlich der Reblaus, diese Verhältnisse längst richtig erkannt
und ihre Vernichtung auf andere Weise in Angriff genommen hat. Wir
sollten die alten und auch die neueren Bekämpfungsmethoden nach ihrem
eigentlichen Wert für die Praxis beurteilen, mit ihnen, wenn nötig, brechen
und versuchen, auf neuen Wegen zum Ziele zu gelangen.
Wenn wir die älteren Arbeiten über den Heu- und Sauerwurm, die
ich in den „Mitteilungen des deutschen Weinbau-Vereins“, 1913, Nr. 1,
2 und 3 zusammengestellt habe und die bis zum Jahre 1811 zurückgehen,
überblicken, so können wir feststellen, dass die meisten der in ihnen ge¬
nannten Bekämpfungsmassnahmen heutzutage noch jährlich zu seiner Ver¬
tilgung empfohlen werden. Seit hundert Jahren wird zum Sammeln der
Wurmbeeren, zur Vertilgung der Puppen an den Stöcken und Pfählen und
zum Verbrennen des Abfallholzes aufgefordert; seit 90 Jahren wird zum
Auslesen der Würmer geraten; seit 77 Jahren kommen zum Mottenfang
Feuer zur Anwendung, an deren Stelle später (1850) die Fanglampen ge¬
treten sind, und wird empfohlen, bei der Erziehung des Stockes hölzerne
Stützen möglichst zu vermeiden; seit 72 Jahren wird das Fangen der
Motten mit besonderen Geräten in Vorschlag gebracht; seit 68 Jahren
wird das Auslesen der Heuwürmer mit Zängelchen ausgeübt, auch wurde
damals schon zu ihrer Bekämpfung Tabakextrakt verwendet; seit 54 Jahren
wird schon der allgemeinen Bekämpfung das Wort geredet, zur Gründung
von Bekämpfungsvereinen aufgefordert und zum Übergang zur Draht¬
erziehung ermuntert! Daneben wird aufmerksam gemacht auf den Befall
einzelner Sorten, auf den Einfluss tiefer Lagen, auf die nützlichen Vögel
und Insekten, auf die Beschädigungen, die durch das Auslesen der Würmer
an den Gescheinen und Trauben entstehen können, auf den Arbeitermangel
u. a. m. Es ist wirklich angebracht, sich einmal an alle diese früheren
Arbeiten zu erinnern, weil uns die lange Zeit, während der sie schon be¬
nützt werden, mit aller Deutlichkeit ihren Wert für die Praxis erkennen
lässt. Ich für meinen Teil habe die Überzeugung, dass die Arbeiten, die
während eines halben oder gar ganzen Jahrhunderts bei der Winzer¬
bevölkerung keine Aufnahme gefunden haben, trotzdem sie ihr beinahe
tagtäglich angepriesen werden, auch in der kommenden Zeit nicht aus¬
geführt werden, und dass dadurch ihre Ungeeignetheit für die Wurm¬
bekämpfung bewiesen ist. Und da wir wissen, dass eine allgemeine Durch¬
führung dieser Massnahmen nicht möglich ist, dürfte es sich erübrigen,
damit weitere Versuche auszuführen, da dabei doch nichts anderes heraus¬
kommen wird, als was schon lange bekannt ist. Davon scheint man sich
auch in der Pfalz überzeugt zu haben, denn die dort vor zwei Jahren
begonnenen sehr umfangreichen Winterbekämpfungsarbeiten haben eine
Fortsetzung nicht erfahren, allem Anscheine nach deshalb, weil die Schwierig¬
keiten, auf die man dabei stiess, allzu grosse waren. Aus alledem ergibt
sich, dass wir diese alte Massnahme als ungeeignet betrachten und bei
der Wurmbekämpfung andere Wege einschlagen sollten, die vielleicht eher
zum Ziele führen werden. Dabei ist m. E. nach der Erlangung eines
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 161
Schreckmittels zu streben, durch das die Motten abgehalten und dadurch
verhindert werden, ihre Eier auf die Stöcke zu legen. Durch ein solches
Vorbeugungsmittel könnte sich jeder einzelne Winzer, genau so, wie es
bei der Peronospora und dem Oidium der Fall ist, ohne vom Nachbar ab¬
hängig zu sein, gegen den Wurm schützen, so dass es ihm selbst über¬
lassen werden kann, das Mittel zu gebrauchen oder nicht. Ein derartiges
Mittel zu finden wird allerdings sehr schwer sein, da man auf der Suche
danach ganz auf den Zufall angewiesen ist, aber vielleicht ist dieser uns
doch einmal günstig. Über die Kontakt- und Magengifte für die Bekämpfung
der Heuwürmer ist oben schon gesprochen worden. M. E. eignen sie sich
für grosse Verhältnisse ebenso wenig, wie die mechanischen Massnahmen.
Schliesslich möchte ich noch darauf hinweisen, dass auch der Weinbergs¬
schluss ein grosses Hindernis für die Wurmbekämpfung darstellt. Er
macht es dem Winzer unmöglich, während seiner Dauer gegen den Wurm
vorzugehen, so dass dieser Gelegenheit hat, sich ungestört zu entwickeln.
d) Die Dauer der letzten Wurmperiode.
Die Schäden, die wir in neuerer Zeit in den Weinbergen zu be¬
obachten Gelegenheit hatten, werden meist allein dem Heu- und Sauer¬
wurm zugeschrieben .und dabei wird darauf hingewiesen, dass sie dauernde
geworden seien, während sie früher nur einige, meist drei Jahre anhielten,
um dann wieder zu verschwinden und sich danach erst allmählich wieder
bemerkbar zu machen. Die letzte Heu- und Sauerwurmperiode soll sich
über 14 Jahre erstreckt haben. Sie soll 1897 begonnen und 1911 geendet
haben, denn in diesem Jahre wurde, wie oben bereits erwähnt, ein auf¬
fallender Bückgang in dem Auftreten der beiden Arten festgestellt. Es
mag sein, dass an diesen dauernden Schäden das Hinzutreten des bekreuzten
Wicklers zu unserer heimischen Art mit die Schuld trägt, allein, ich glaube
nicht, dass diese Erscheinung als die einzige Ursache davon zu betrachten
ist, denn die Ernteverluste, um die es sich hier handelt, sind nicht allein
vom Heu- und Sauerwurm verursacht worden, sondern es waren daran
auch Peronospora und Botrytis beteiligt. Von welchem dieser 3 resp.
4 Parasiten der grösste Schaden hervorgerufen worden ist, lässt sich schwer
abschätzen, jedoch fällt m. E. den beiden Pilzen mindestens der gleiche
Anteil zu, wie den zwei Traubenwicklern. Es war dies, worauf ich schon
auf der Generalversammlung des Verbandes preussischer Weinbaugebiete
in Trier hingewiesen habe, mit aller Deutlichkeit aus den Verhältnissen
des Sommers 1911 zu erkennen, in dem Peronospora und Botrytis in den
Weinbergen nicht oder doch nur spurenweise vorhanden waren, die Schäden
vielmehr allein vom Heu- und Sauerwurm verursacht wurden. Der Stand
der Beben war damit auf einmal ein ganz anderer. Sie waren üppig grün
und zeigten ein kräftiges Wachstum und die Trauben selbst waren mit
Ausnahme einiger Wurmbeeren völlig gesund. In den vorhergegangenen
Jahren war dies anders, da sah man nicht allein einzelne Beeren, sondern
gleich ganze Äste der Trauben dahinsiechen, absterben und abfallen, bis
Geisenheimer Jahresbericht 1912. 11
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162
HI. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
endlich die Traube vollständig zerstört war. Es handelte sich dabei
meistens um die von der Botrytis verursachte Rappen- und Stielfaule,
sowie um die von der Peronospora erzeugte Lederbeerenkrankheit, und
das Auftreten dieser Pilze war selbst wieder bedingt durch die feuchte
Witterung der letzten Jahre, die ihre Ausbreitung ungemein förderte.
Durch das Hinzutreten dieser beiden Pilze wurden die eigentlichen Sauer¬
wurmschäden sehr verwischt und schwer erkennbar gemacht, so dass eine
Überschätzung ihrer Grösse leicht möglich war. Gewiss waren Wurm¬
schäden vorhanden, ob sie aber immer die Grösse aufwiesen, die ihnen
beigelegt wurde, ist sehr zweifelhaft. M. E. waren an den Schäden der
Sauerwurm und die beiden Pilze in gleicher Weise beteiligt, so dass auf
die letzteren zusammen genommen ein grösserer Anteil fällt als auf den
Wurm allein. Es ist also wohl möglich, dass in den Jahren von 1897 bis
1911 Schwankungen im Auftreten der beiden Traubenwickler vorgekommen
sind, dass sie jedoch durch das Hinzukommen der beiden Pilze nicht so
deutlich in die Erscheinung getreten sind, wie das in früheren Jahren der
Fall war.
e) Beobachtungen über das Vorkommen der Puppen im Boden.
Wie im vergangenen Jahre, wurden auch diesmal wieder einige Be¬
obachtungen über das Vorkommen von Heu- und Sauerwurmpuppen im
Boden ausgefuhrt. Dazu fanden die bereits in meinem letzten Berichte
erwähnten Drahtkäfige von 1 m Länge, 35 cm Breite und 35 cm Höhe
Verwendung. Sie wurden in einem stärker vom Heu wurm befallen ge¬
wesenen Weinberg dicht an dem Fusse der Stöcke aufgestellt, ihre unteren
Teile mit Erde behäufelt und diese fest angedrückt. In den Käfigen mussten
somit alle Tiere, welche der unter ihnen befindliche Erden entschlüpften,
gefangen werden. Die Aufstellung von 6 solchen Käfigen erfolgte, nach¬
dem die Heu Würmer die Gescheine verlassen hatten, die Wegräumung nach
Beendigung des Fluges der Sauerwurmmotten. In keinem dieser Käfige
konnten Motten nachgewiesen werden.
Weiterhin wurde zur Klärung der Frage über das Vorkommen von
Heu- und Sauerwurmpuppen im Boden über 38 Stöcken im freien Weinberg
ein Häuschen errichtet, dessen Wände und Dach aus engem Drahtgeflecht
hergestellt waren. Die in ihm befindlichen Reben wurden so sorgfältig
wie möglich abgebürstet, so dass angenommen werden konnte, dass auf
ihnen keine Puppen mehr vorhanden waren. Um die an den Pfählen
ruhenden Puppen gleichfalls aus dem Häuschen zu entfernen, wurden die
alten Pfahle herausgenommen und durch neue ersetzt. Unten wurde das
Häuschen mit Erde behäufelt. Im übrigen wurden an den überdachten
Reben dieselben Arbeiten ausgeführt, wie sie auch sonst in den Weinbergen
erforderlich sind. Es zeigte sich nun im Laufe des Sommers, dass die
im Häuschen befindlichen Stöcke vollständig vom Sauerwurm verschont
blieben, denn es konnte trotz genauester Untersuchung kein Wurm an
ihnen nachgewiesen werden. Die Trauben blieben bis in den Herbst hinein
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 163
vollkommen gesund, was umsomehr aufflel, als diejenigen der freistehenden
Stöcke mehr oder weniger unter Frühfrösten gelitten hatten.
Unsere früher bezüglich des Vorkommens von Heu- und Sauerwurm¬
puppen im Boden gemachten Erfahrungen wurden somit durch die beiden
diesjährigen Versuche wieder bestätigt.
f) Bekämpfungsversuche im Sommer 1912.
Es wurde schon wiederholt gesagt, dass in diesem Frühjahr und
Sommer der Heu- und Sauerwurm im allgemeinen viel schwächer auf¬
getreten ist, als in den Vorjahren. Dies war auch in unserem Versuchs¬
weinberg der Fall, so dass die ausgeführten Arbeiten zu einem eigentlichen
Ergebnis nicht geführt haben.
a) Versuche mit dem Rebendampfapparat „Landaurett“.
Dieser auf unsere Anregungen hin verbesserte und nunmehr auch
mit einem Wasserstandsrohr versehene Apparat ist bereits in unserem
letzten Bericht (S. 146) beschrieben worden. Er arbeitete auch in diesem
Jahre wieder gut und sind Störungen während des Betriebes nicht vor¬
gekommen. Als Verdampfungsflüssigkeit diente auch diesmal wieder ein
nikotinhaltiges Präparat, so dass der Dampfstrahl stets dieses Gift enthielt,
was durch den Geruch deutlich zu erkennen war. Zunächst hatte es den
Anschein, als ob der nikotinhaltige Dampf eine vorzügliche Wirkung auf
die Würmer ausübe, denn bei der Untersuchung der Gescheine sofort nach
der Behandlung konnten nur vollständig bewegungslose Würmer vorgefunden
werden. Allein dieser gute Erfolg war nur ein scheinbarer, wie die weitere
Beobachtung der Gescheine in den folgenden Tagen ergab. Sie zeigte,
dass in den behandelten Gescheinen neben toten auch noch lebende Würmer
vorhanden waren, woraus geschlossen werden kann, dass die durch den
nikotinhaltigen Dampf nicht sofort vernichteten Würmer sich später wieder
erholten. Die nämliche Erscheinung wurde auch bei einem zweiten, in
einem anderen Weinberg ausgeführten Versuche festgestellt. Im ganzen
wurde bei beiden Versuchen höchstens die Hälfte der vorhanden gewesenen
Würmer zugrunde gerichtet, welches Resultat im Vergleiche mit den auf¬
gewendeten hohen Kosten als nicht befriedigend bezeichnet werden muss.
Dazu kommt noch, dass die Arbeiter unter dem nikotinhaltigen Dampfe
sehr zu leiden haben. Gegen Ende eines Versuches stellten sich bei zwei
Männern stärkere Vergiftungserscheinungen ein, die sich durch Erbrechen
und Schwindelanfälle äusserten. Aus alledem ergibt sich, dass der Apparat
und vor allem auch die Verdampfungsflüssigkeit der Praxis zur Wurm¬
bekämpfung einstweilen noch nicht zur Benutzung empfohlen werden können.
ß~) Versuche mit dem Leuchtklebeband und den Leuchtklebeglocken von H. Gross,
' Hamburg.
Das Leuchtklebeband besteht aus einem Tuchstreifen, auf dem ein
Klebestoff und eine leuchtende Farbe aufgetragen ist. Sie soll durch ihre
ununterbrochene Leucht- und Klebekraft, die auf ca. 12 Monate angegeben
11*
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164
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
wird, die Motten anziehen und sie mit tödlicher Sicherheit vernichten.
Das Band soll entweder zwischen zwei Pfählen in 1 m Höhe wagerecht
ausgespannt oder senkrecht frei aufgehängt werden in einem Abstand von
40 cm vom Boden Schon durch einen Vorversuch konnte festgestellt
werden, dass die Angaben, die Gross in seinen Prospekten macht, nicht
richtig sind. Denn der Klebestoff eines am 12. April im Freien aus¬
gespannten Bandes war bereits am 15. d. Mts., also nach 3 Tagen, fast
ganz eingetrocknet Auch das an und für sich sehr schwache Leuchten
nahm schon während dieser kurzen Zeit noch mehr ab. Dieser Versuch
wurde später im Weinberg wiederholt, und daneben auch die Pfähle mit
dem Präparat bestrichen. Dabei war der Klebstoff bereits nach 7 resp.
16 Tagen vollständig eingetrocknet. Gefangen wurden mit den Klebebändern
nur 6 Fliegen und ein Rebstecher. Gegen die Heu- und Sauerwurmmotten
waren die Bänder vollständig wirkungslos.
Keine Bedeutung für die Bekämpfung des Heu- und Sauerwurmes
haben auch die von Gross erfundenen Leuchtklebeglocken. Es sind dies
Blechgefässe in Form einer Glocke, welche innen und aussen mit einer
Leuchtklebemasse bestrichen sind und zwischen den Zeilen aufgehängt werden.
Zum Anlocken der Motten ist im Innern der Glocke ein Schwämmchen
befestigt, das mit verdünntem Essig getränkt wird. Bei unseren Versuchen
benutzten wir zum Tränken des Schwämmchens Apfelwein, der sich im
vergangenen Jahre zum Ködern der Motten bei uns am besten bewährt
hat. Mit drei solcher Glocken wurden in der Zeit vom 22. Juli bis
12. August 3 einbindige und 12 bekreuzte Motten in den 3 ersten Tagen
gefangen, während sie in den folgenden vollständig versagten, weil der
Klebstoff zu schnell eintrocknete. Bereits am 2. Tage liefen die Ameisen
über den Klebstoff hinweg, ohne hängen zu bleiben. »
y) Apparat zum Fangen der Motten von Jakob Neudeck, Düsseldorf-Gerresheim.
Er stellt eine Petroleumfanglampe dar, die von 4 drehbaren, aus
Tuch bestehenden Flügeln umgeben ist, auf denen die Motten, nachdem
sie vom Licht angezogen worden sind, mit einem Klebestoff gefangen
werden sollen. Der Apparat fand in der Zeit vom 23. Juli bis 4. August
Aufstellung in den Weinbergen. Am 25. August wurde die Lampe ge¬
stohlen. Der gelieferte Leim verlor bereits nach 5—6 Tagen seine Kleb¬
fähigkeit, so dass die Flügel im ganzen 3 mal damit bestrichen werden
mussten. Das Fangergebnis in der angegebenen Zeit belief sich im ganzen
auf nur acht Motten, wodurch die Unbrauchbarkeit des Apparates für die
Bekämpfung des Heu- und Sauerwurmes erwiesen ist.
(S) Heuwurmbekämpfungsmittel.
Es wurden folgende Mittel 1 ) geprüft:
1. Mittel von ScHNEiDER-Oestrich. 2. Insekticide von J. Golaz & Cie.,
Küssnacht-Zürich. 3. Layko-Kupferkalk-Schwefel-Arsen und Layko-Kupfer-
*) Es wurden von uns nur solche Mittel geprüft, deren Zusammensetzung uns
genau angegeben wurde, jedoch werden auf Wunsch der Fabrikanten diese Angaben
nicht veröffentlicht.
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 165
kalk-Schwefel-Nikotin von Laymann & Cie. in Brühl-Cöln. 4. Milo von
Societa Milo in Mailand. 5. Laurina und Nikotinschmierseife Nr. 37 von
O. Hinsberg in 'Nackenheim. 6. Spezial-Tenax Nr. II und Birkenölseife
von Friedrich Grüner in Esslingen a. N. 7. Monopolseife von der Seifen¬
fabrik Stockhadsen & Traiser in Krefeld. 8. Bariumhydroxyd und Basa
von R. Sahm in Düsseldorf. 9. Phytophilin von der Gesellschaft „Phitobie“
im Haag. 10. Sulfitablauge von der Zellstofffabrik Waldhof. 11. Chlor¬
barium von G. Holtz in Düsseldorf. 12. Asnicot von der ehern. Fabrik
Dr. L. C. Marquart in Beuel a. Rh. 13. Teerdestillationsprodukt der
Chemischen Industrie- und Handels-Gesellschaft in Dresden. Ausführliches
über diese Versuche ist in den Mitteilungen des Deutschen Weinbau-
Vereins 1913, S. 71—74 mitgeteilt worden. Daraus geht hervor, dass der
Wurm nur in sehr geringem Mafse in dem Versuchsweinberg vorhanden
war. Es ist deshalb auch nicht möglich, auf Grund der ausgeführten
Versuche, die dabei verwendeten Mittel zu beurteilen. Unter ihnen be¬
finden sich einige, die nur von so geringem Einfluss auf das Leben der
Würmer zu sein scheinen, dass sie kaum für die Wurmbekämpfung in
Betracht kommen werden.
11. Prüfung einiger Peronospora- und Oidium-Bekämpfungsmittel.
Von den geprüften Mitteln hat sich keines besser bewährt wie die
Kupferkalkbrühe und der Schwefel. Wir unterlassen es deshalb, hier noch
einmal darüber zu berichten und verweisen Interessenten auf unsere Ver¬
öffentlichung in den Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft, Jahr¬
gang 1913, S. 53.
D. Auskunftaerteilung.
Die Station wirkte auch im Berichtsjahre, wie früher, als Haupt¬
sammelstelle der Organisation zur Bekämpfung der Pflanzenkrankheiten.
Die Anzahl der Einsendungen betrug 1063 (gegen 995 im Jahre 1911).
Davon entfielen auf
Obst- und Gartenbau.593
Weinbau.204
Landwirtschaft. 71
Forstwirtschaft.. . 10
Chemische und technische Mittel zur Schädlingsbekämpfung 126
Sonstige Anfragen mit Bezug auf Pflanzenkrankheiten . . 59
E. Sonstige Tätigkeit der Station.
Als Praktikanten arbeiteten in der Station:
1. Herr Carl Hoehl aus Geisenheim.
2. Herr W. R. Kubleb aus Redhill (England).
Proi Lüstneb hielt folgende Vorträge:
1. Auf der General-Versammlung des Verbandes der Obst- und Gartenbau vereine im
Bezirke der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz am 6. Oktober in
Honnef a. Rh. über Feinde und Krankheiten des Beerenobstes.
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166
in. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
2. Auf der General-Versammlung des Rheingauer Vereins für Wein-, Obst- und
Gartenbau am 12. Januar zu Geisenheim über beachtenswerte Schädlinge und
Krankheiten des Beerenobstes.
Im Repetitionskursus für Obstbaubeamte und Landwirtschaftslehrer:
3. Über „Allgemeines über Pflanzenschutz“.
4. Über „Atmosphäre und Boden als Ursache von Pflanzenkrankheiten“.
5. Über „Die Bedeutung der Baumschulen für die Verbreitung von Schädlingen und
Krankheiten“.
6. Uber „Beerenobstfeinde und Krankheiten“.
Am 30. und 31. Mai und 1. Juni hielt Prof. Lüstner einen Pflanzenschutzkursus
für die Sammelstellenleiter und Sammler der Organisation zur Bekämpfung von Pflanzen¬
krankheiten ab, der von 19 Personen besucht war.
Der Reblauskursus für die Schüler fand am 10. und 11. Februar, der öffentliche
Reblauskursus am 13., 14. und 15. Februar statt; beide Kurse wurden von dem Stations¬
vorstand geleitet. Die Teilnehmerzahl des Schülerkursus betrug 52, die des öffentlichen
Kursus 38 Personen.
In der Handhabung des Apparates zur Desinfektion von Reben wurden 2 Personen
unterrichtet.
Ende Juli wurden vom Stationsvorstand die im Park, den Gewächshäusern und
dem Muttergarten der Anstalt stehenden Reben auf das Vorhandensein der Reblaus hin
untersucht, wobei verdächtige Erscheinungen nicht beobachtet wurden.
Die feuchte Witterung des Sommers hatte im Walde eine sehr reichliche Ent¬
wicklung der Pilze im Gefolge, die von der Bevölkerung des Rheingaues zu Genuss¬
zwecken mehr wie in früheren Jahren gesammelt wurden. Um die Sammler mit den
wichtigsten essbaren und giftigen Pilzen bekannt zu machen und vor allem auch, um
Vergiftungsfälle zu verhüten, wurden von der pflanzenpathologischen Station drei Püz-
ausstellungen vom 19.—21. September, vom 25.—27. September und vom 28.—30. Sep¬
tember veranstaltet, auf denen im ganzen 60 Arten zur Schau gestellt waren.
P. Veröffentlichungen der Station.
Vom Vorstande Professor Dr. G. Lüstner.
1. Uber das Auftreten der Wanze Nysius senecionis in den deutschen Weinbergen.
Weinbau und Weinhandel 1912.
2. Vorkommen des bekreuzten Traubenwicklers in Johannisbeeren. Ebenda 1912.
3. Witterungsfolge nach heissen Sommern. Ebenda 1912.
4. Starker Käferfrass an Reben auf Jungfeldern. Ebenda 1912.
5. Uber den Stand der Heu- und Sauerwurmbekämpfung. Zugleich Bericht über das
Auftreten und die Bekämpfung der beiden Traubenwickler im Jahre 1912 nebst
Angaben über ihre Bedeutung in früheren Zeiten. Mitteilungen des Deutschen
Weinbau-Vereins 1913.
6. Der Elfer in Poesie und Prosa. Vortrag, gehalten in der Hauptversammlung der
Vereinigung Rheingauer Weingutsbesitzer am 24. Januar 1912.
7. Zwei Schildlausarten. Erfurter Führer im Obst- und Gartenbau 1912.
8. Achtung auf Aaskäfer und Runkelfliege. Amtsblatt der Landwirtschaftskammer
zu Wiesbaden 1912.
9. Ein neuer Klebring zum Fangen des kleinen Frostspanners. Ebenda 1912.
10. Über das Auftreten von Feinden und Krankheiten der Kulturpflanzen im Kammer¬
bezirk während dos Jahres 1911. Ebenda 1912.
11. Chrysanthemum-Wanzen. Möllers Deutsche Gärtner-Zeitung 1912.
12. Über den Himbeerkäfer. Ebenda 1912.
13. Über ein massenhaftes Absterben von Koniferen-Veredlungen. Ebenda 1912.
14. Die weisse Fliege oder Azaleenmotte. Ebenda 1912.
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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 167
15. Naturdenkmäler in Nassau. Bericht über die Tätigkeit des Bezirkskomitees für
Naturdenkmalpflege im Regierungsbezirk Wiesbaden im Jahre 1912. Arbeiten
dieses Komitees Heft 1.
16. Das Rheingauer Gebück. Arbeiten des Bezirkskomitees für Naturdenkmalpflege
im Regierungsbezirk Wiesbaden. Heft 2.
17. Bericht über das Auftreten von Feinden und Krankheiten der Kulturpflanzen in
der Rheinprovinz, zusammen mit Prof. Dr. REMY-Bonn. Veröffentlichungen der
Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz 1912, Nr. 2.
18. Herbstaussichten im Rheingau. Wiesbadener Tagblatt 1912.
19. Farbendrucktafel „Nützliche Insekten“. Verlag von R. Bechtold & Co., Wiesbaden.
20. Prüfung einiger Schädlingsbekämpfungsmittel. Geisenheimer Mitteilungen über
Obst- und Gartenbau 1912.
21. Käferschäden an Apfelveredlungen. Ebenda 1912.
22. Der Buchenspringrüssler (Orchestes fagi L.) als gefährlicher Obstbaumschädling.
Ebenda 1912.
23. Über den Stand des Kirschbaumsterbens. Ebenda 1912.
24. Käferschäden an Obstbäumen. Ebenda 1913.
25. Uber Massnahmen zur Verhütung von Rauchschäden an Reben. Mitteilung über
Weinbau und Kellerwirtschaft 1912.
26. Ist der Name „bewegliches oder provisorisches Vogelschutzgehölz“ berechtigt?
Ebenda 1913.
27. Ein seltener Weinbergsgast (der Riesenbovist, Lycoperdon bovista). Ebenda 1913.
28. Der Schmalbauch als Schädling der Wallnussblätter. Geisenheimer Jahres¬
bericht 1912.
29. Ein neuer Vergissmeinnichtschädling (Ceuthorhynchus asperifoliarum Gyll.).
Ebenda 1912.
30. Die Bekämpfung der Wühlmaus. Blätter für Kleingartenbau 1913.
31. Uber von einem Käfer hervorgerufene Schälwunden an Obstbaumtrieben. Deutsche
Obstbau-Zeitung 1912.
32. Eine Anzahl von Referaten, kleineren Mitteilungen und Antworten auf Anfragen
in verschiedenen Fachzeitschriften.
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168
in. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Bericht Uber die Tätigkeit der Hefereinzucht-Station.
Erstattet von R. Laub, Assistent der Station.
A. Tätigkeit der Station im Verkehr mit der Frans.
1. Geschäftsverkehr.
Die Zahl der eingegangenen und erledigten brieflichen Anfragen
betrug 4497 gegenüber 3187 im Voijahre. Hiervon hatten Bezug auf
Umgärungen 422 (118), Vergärungen von Traubenmosten 496 (378), Ver¬
gärung von Obst- und Beerenmosten 1153 (1024), Schaumweinbereitung 173
(144). Der Rest betraf verschiedene gärungsphysiologische Fragen usw.
An Ausgängen sind zu verzeichnen 2854 gegenüber 2222 im
Vorjahre.
Die angegebenen Zahlen lassen schon erkennen, dass der geschäft¬
liche Verkehr in diesem Jahre ein ausserordentlich reger war. Bis zum
Monat Juli war die Nachfrage nach Reinhefen im Verhältnis zum vorher-
gehenden Jahre keinen nennenswerten Schwankungen unterlegen, von
Ende Juli ab machte sich jedoch eine Steigerung bemerkbar, so dass im
August ca. 70, im September ca. 50, im Oktober ca. 500, im November
ca. 200 und im Dezember ebenfalls ca. 200 Hefekulturen mehr zum Ver¬
sand gebracht werden konnten, als in den gleichen Monaten des Jahres 1911.
Es wurde damit der grösste Jahresumsatz seit Bestehen der Station erzielt.
2. Tätigkeit der Station in bezng auf die Vergärung der Obst-,
Beeren- und Traubenmoste.
In dem verflossenen Etatsjahre war der Bezug von Reinhefen zum
Vergären von Obstmosten ein äusserst lebhafter, etwa um die Hälfte
grösser als im vorhergehenden, für die Beerenweinbereitung blieb derselbe
auf gleicher Höhe, während zum Vergären von Traubenmosten ziemlich
die zweifache Anzahl von Hefekulturen als im vorletzten Jahre an die
Praxis zum Versand gebracht wurde.
Besonders stark machte sich die Nachfrage nach Rotweinhefen zum
Vergären von Heidelbeermosten bemerkbar, ein Zeichen, dass die Heidel-
beerernte im allgemeinen recht gut ausgefallen war und die Heidelbeer-
weinbereitung sich von Jahr zu Jahr immer mehr einbürgert. Ein weiterer
Grund wird wohl auch darin zu suchen sein, dass Heidelbeermoste an und
für sich sehr schwer vergären und in vielen Fällen nicht die eiwünschte
Durchgärung herbeigeführt werden kann. Man muss infolgedessen eine
recht gärkräftige Reinhefe, wozu sich die in der Sammlung der Station
befindliche Bordeauxhefe besonders gut eignet, verwenden, und da es diesen
Mosten ausserdem noch an den für die Ernährung der Hefen unbedingt
nötigen Stickstoffsubstanzen mangelt, ist ein Zusatz von Stickstoff, in
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Bericht über die Tätigkeit der Hefe-Reinzucht-Station.
169
Form von chem. reinem Chlorammonium (25—30 g pro Hektoliter Saft¬
mischung) anzuraten.
Der grössere Absatz von Hefen zum Vergären der Traubenmoste ist
lediglich darauf zurückzuführen, dass durch die Ende Sommer plötzlich ein¬
getretene Regenperiode, sowie durch die Nachtfröste des Monats Oktober,
die besonders in den Weinbaugebieten der Mosel, Saar und Ruwer grossen
Schaden angerichtet hatten, die Winzer gezwungen wurden, zur möglichst
schnellen und sicheren Durchgärung Reinzuchthefen in Anwendung zu
bringen, da sich gerade bei Mosten aus erfrorenen Trauben bei langsamer,
schlechter Vergärung allerhand Übelstände einstellen.
B. Tätigkeit der Station in bezug auf die Verwendung von Rein¬
hefen bei Umgärung bezw. Durchgärung von Weinen und bei
der Schaumweinbereitung.
Im Berichtsjahre war der Absatz von Reinhefen für genannte Zwecke
im Gegensatz zu den letzten zwei Jahren sehr gross. Durch die ein¬
getretenen ungünstigen Witterungsverhältnisse waren die Trauben in ihrer
Entwicklung stark zurückgeblieben und die Winzer, die ihre Moste infolge
des hohen Gehaltes an Säure und grösstenteils sehr niedrigen Most¬
gewichten nicht gleich nach der Kelterung gezuckert hatten, genötigt,
nachträglich eine Zuckerung resp. Umgärung der Jungweine vorzunehmen,
um den Säuregehalt nach dem gesetzlich zulässigen MaXs zu vermindern.
In vielen Fällen musste man sogar noch eine weitere Verminderung durch
Ausfällen mit Hilfe von chem. reinem kohlensauerem Kalk bewirken. Bei
der Zuckerung der bereits vergorenen Moste (Jungweine) konnte ver¬
schiedentlich festgestellt werden, dass dieselben durch ihre eigenen, von
Natur aus vorhandenen Hefen nicht wieder in Gärung geraten wollten,
mitunter nur eine sehr langsame, schleppende Gärung eintrat. Die an¬
wesenden Hefen waren nicht leistungsfähig genug, nochmals eine durch¬
greifende Gärung in dem alkoholhaltigen Weine einzuleiten, teilweise
konnten sie nur mühsam ihre gestellte Aufgabe verrichten, da ihre Gärkraft
nicht ausreichend war und sich für ihre Vermehrung ungünstige Faktoren
geltend machten. Durch Auswahl einer Reinheferasse, die weniger em¬
pfindlich gegen höhere Alkoholgehalte und noch fähig ist, sich unter
solchen Umständen entsprechend zu vermehren, konnte ohne Schwierigkeit
die gewünschte Vergärung der nachträglich gezuckerten Weine erreicht
werden. Weit schwieriger gestaltete sich jedoch die Behandlung der in
der Gärung stecken gebliebenen Weine, von denen uns gegen Ende De¬
zember und noch im Anfang Januar wiederholt Proben eingesandt wurden.
Die meisten dieser Weine waren infolge eingetretener niederer Keller¬
temperatur bis auf geringe Mengen Zucker vergoren, die sich dann immer
sehr schlecht entfernen lassen. Durch Anwendung von Reinhefe, Auf¬
schlagen der Weine und Heizen der Kellerräume konnte auch nach dieser
Richtung hin Abhilfe geschaffen werden.
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170
in. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
In der Schaumweinbereitung haben sich die bekannten Helen
„Champagne Ay“ und „Steinberg 1892“ überall gut eingeführt, so dass die
meisten deutschen Schaumweinfabriken und ein Teil des Auslandes ihren
Bedarf von der Station beziehen. Mit schlechter Vergärung hat man selten
Anstände, dieselben sind in den wenigen Fällen wohl stets auf eine un¬
günstige Zusammensetzung der verwendeten Weine zurückzuführen.
4. Untersuchung und Behandlung fehlerhafter und kranker Weine.
Wie alljährlich, so wurden auch in diesem Jahre der Station eine
Menge fehlerhafter und kranker Weine zur Untersuchung und Beurteilung
eingesandt. Die sich zeigenden Fehler und Krankheiten sind im grossen
ganzen immer die gleichen und zum weitaus grössten Teil stets auf Un¬
achtsamkeit und nicht sachgemässe Kellerbehandlung zurückzuführen. Es
fehlt anscheinend in vielen Kellereien noch an der richtigen Kontrolle, so
dass die Aufmerksamkeit zu spät auf den entstandenen Fehler usw. gelenkt
wird, oft erst dann, wenn der Wein resp. Most schon dem Verderben nahe
ist und eine Abhilfe nicht mehr geschaffen werden kann. Dies gilt haupt¬
sächlich für Obst- und Beerenweine.
Besonders auffällig ist, dass die Apfelweine unter allen anderen in
dieser Beziehung an der Spitze stehen. Die Hersteller derselben sind zu
wenig über die sachgemässe Behandlung dieser Weine orientiert, sie be¬
achten nicht, durch Auswahl der Obstsorten für eine gute Zusammensetzung
der Moste zu sorgen und halten ferner vielfach an dem alten Gebrauch
fest, die Apfelweine auf der Hefe liegen zu lassen, was natürlich ein
grober Fehler ist und zu allerhand Krankheiten führt. Derartig behandelte
Weine sind nicht haltbar und bleiben trübe. Dies ist auch noch auf
einen weiteren Umstand zurückzuführen, dass die Apfelmoste nicht allein
von echten Weinhefen, sondern grösstenteils durch die schädlichen Apikulatus-
hefen vergoren werden. Diese Hefen behaften die Weine mit unangenehmen,
geschmackswidrigen Stoffen und infolge ihrer Unfähigkeit, Rohrzucker zu
vergären, führen sie oft zum Schleimigwerden, indem sie dadurch den eben¬
falls in den Mosten immer vorhandenen Schleimhefen Gelegenheit bieten,
die restlichen Zuckermengen in Schleimstoffe umzuwandeln.
Ausser Obst-, Beeren- und Traubenweinen wurden der Station ver¬
schiedene Heidelbeer- und Himbeermuttersäfte, pasteurisierte Moste, Schaum¬
weine usw. zur Untersuchung überliefert.
5. Kultur und Vermehrung der Sammlung von Reinhefen und
sonstigen Gärungsorganismen.
Neben der beschriebenen regen Tätigkeit mit der Praxis ist es eine
weitere Aufgabe der Station, die in Reinzucht befindlichen Organismen
durch Auffrischen der Kulturen dauernd am Leben zu erhalten und neue
Reinzuchten, insbesondere von Weinhefen, anzulegen. In diesem Jahre
konnten wieder eine Anzahl Organismen, darunter 21 Weinhefen, rein-
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Bericht über die Tätigkeit der Hefe-Reinzucht-Station.
171
gezüchtet werden, die gleichfalls je nach ihrer Fähigkeit und Brauchbar¬
keit in der Praxis Verwendung finden sollen. Die neuen Eeinzuchthefen
wurden durch vergleichende Gärversuche auf ihr Alkoholbildungsvermögen
untersucht.
Die Sammlung verfügt zurzeit über:
295 Traubenweinhefen aus verschiedenen Weinbergslagen des In- und Aus¬
landes,
20 verschiedene Obst- und Beerenweinhefen,
21 „ Bierhefen,
4 „ Brennereihefen,
44 „ Kahmhefen aus Wein und Bier,
12 „ Apikulatushefen,
6 „ Schleimhefen aus Trauben- und Apfelwein,
189 sonstige Mikroorganismen (Bakterien, Schimmelpilze usw.).
6. Nen-Anschaffungen.
Für die Stationsbibliothek wurden nachstehende Werke angeschafft:
Kossowicz, „Mykologie der Genussmittel“.
Grüss, „Kapillaranalyse der Enzyme“.
Ferner erhielt die Station direkten Femsprechanschluss mit er Nr. 210
mit dem Amt Büdesheim.
7. Veröffentlichungen
vom Berichterstatter.
1. „Die Vorteile der Verwendung reingezüchteter Weinhefen bei der
Obst- und Beerenweinbereitung“, in verschiedenen landwirtschaftlichen
und Obstbau-Zeitschriften.
2. „Beachtenswertes für die Apfelweinbereitung“ (Verhütung des Schleimig¬
werdens), Frankfurter Zeitung.
B. Wissenschaftliche Tätigkeit der Station.
1. Vergleichende Gärversuche der neu in Reinzncht gewonnenen
Weinhefen.
Die im verflossenen Jahre neu reingeztichteten Hefen wurden einer
vergleichenden Prüfung ihrer Fähigkeiten, Alkohol zu bilden, unterworfen.
Zu dem Zwecke wurden dieselben in Reagenzgläsern mit sterilem
Traubenmoste herangezüchtet und dreimal hintereinander auf ge frischt, um
recht gärkräftige Kulturen zu erhalten. Von den auf diese Weise erhaltenen
dritten Kulturen wurde je eine Platinöse in Gärflaschen, deren jede 400 ccm
sterilen Most von 114° Öchsle ca. 25,5% Zucker enthielt, übertragen.
Die Aufbewahrung der Flaschen geschah in einem Wärmeschrank bei einer
Temperatur von ca. 20—21 0 C. Die Kohlensäureabgabe wurde in gewissen
Zwischenräumen durch Wägen der Gefässe festgestellt und die erhaltenen
Resultate in der nachstehenden Tabelle aufgezeichnet.
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172
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
1897 er
1893 er
1893 er
1912er
1912er
1908er
1908 er
1912er
1912er
1904er
1912er
1912 er
1911er
1912 er
1912er
1908 er
1908er
1912er
1912er
1912er
1912er
Kohlensäureabgabe in g vom 1. bis
Heferasse
3. j 6. | 9. 1 12. 1 15. | 18. | 21. | 24.
Rüdesheimer Trockenbeer Auslese .
Steinberger Kabinett b.
Steinberger Kabinett c.
Rappoltsweiler Riesling a.
Rappoltsweiler Riesling b.
Deidesheimer Buschweg Traminer a
Deidesheimer Buschweg Traminer b
Malaga Muskateller a.
Malaga Muskateller b.
Tokayer Gyaparos „Tolscva“ ....
Rappoltsweiler Zwicker a.
Rappoltsweiler Zwicker b.
Schloss Kauzenberg.
Sherry Santiago a.
Sherry Santiago b.
Förster Langenböhl Riesling Auslese a
Förster Langenböhl Riesling Auslese b
Malaga Pedro a.
Malaga Pedro b.
Sherry Pavamenna a.
Sherry Pavamenna b.
1,1
0,2
0,7
7.4
4,7
1,2
2,0
12,7
4.6
2.6
4,0
6,9
6.5
4,7
6,1
6,2
3,3
4,1
5.6
3.6
4,5
19.2
17.5
14.2
25,7
20.5
16.4
18.4
28.5
23,05
19.6
18.7
20.2
24,0
18,3
21,6
23,6
24,9
24.2
23,5
16.3
16,2
27.3
31.8
26,2
33.4
28.9
24.4
26,8
33.5
29.5
28.7
26,2
25.4
30.5
24.3
28.6
29.4
31.8
31.2
30.2
23,1
21.9
Tage
32.3
38.8
34,0
38.2
34.9
30.4 j
33,8
37,0
33,6
34,2!
32,0
29.2
34.2
29,8|
33,6
33.1
34.1
36, Oj
34,1
28.3
26.4
36.1
42.7
38.7
42.4
39.4
35.2
37.9
40.1
36.3
37,0
135.7
32.5
36.2
33.5
37,45
35.9
35.8
37.7
36,2
32,0
29.9
37,8
44.5
40.2
43.4
41.6
37.7
39.8
42.5
38,0
38.5
37.2
34.4
37.2
37.3
38.6
36.7
36.3
38,0
36,7
33.5
30.4
39.4
46.1
41.5
44.2
43.4
39.9
41.6
42.9
38.3
39.2
38.5
35.9
38.1
37.9
38.7
37.3
36.7
38.2
37,1
34.8
30.8
41,9
46.8
42.4
44.9
44.6
41.7
43.1
43.2
38.5
39.8
39,4
36.3
38.9
38.2
38,76
37.4
37,05
38,25
37.3
35,7
31,05
Da sich in den einzelnen Flaschen noch eine schwache Nachgärung
bemerkbar machte, wurden sämtliche 21 Versuchsflaschen noch 3 Wochen
im Thermostaten belassen und dann nach dem spezifischen Gewicht der
Destillate der verschiedenen Weine mit Hilfe des Pyknometers die Alkohol¬
gehalte derselben ermittelt. Die erhaltenen Zahlen sind in der folgenden
Tabelle niedergelegt.
Verzeichnis der von den Hefen erreichten Alkoholgehalte.
Heferasse
Alkohol
g in 100 ccm « Vol.-°/ 0
1897 er Rüdesheimer Trockenbeer Auslese .
12,34
15,55
1893er Steinberger Kabinett b.
12,11
15,26
1912 er Rappoltsweiler Riesling a.
11,65
14,68
1893 er Steinberger Kabinett c.
11,57
14,58
1912er Rappoltsweiler Riesling b.
11,57
14,58
1908er Deidesheimer Buschweg Traminer b
11,49
14,48
1908 er Deidesheimer Buschweg Traminer a
11,27
14,20
1912 er Malaga Muskateller a.
10,89
13,72
1904 er Tokayer Gyaparos „Tolscva“ ....
10,81
13,63
1912er Rappoltsweiler Zwicker a.
10,44
13,16
1911er Schloss Kauzenberg.
9,99
12,59
1912er Sherry Santiago a.
9,92
12,50
1912er Sherry Santiago b.
9,92
12,50
1912 er Malaga Muskateller b.
9,78
12,32
1912 er Rappoltsweiler Zwicker b.
9,7 |
12,23
1908 er Förster Langenböhl Riesling Auslese a
9,7 |
12,23
1912er Malaga Pedro a.
9,56
12,05
1912 er Malaga Pedro b . . .
9,49 !
11,95
1908 er Förster Langenböhl Riesling Auslese b
9,42 1
11,86
1912 er Sherry Pavamenna b.
9,2
11,59
1912er Sherry Pavamenna a.
9,13 !
11,50
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Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
Bericht über die Tätigkeit der Hefe-Reinzucht-Station.
173
Die ersten zehn in letzter Tabelle angeführten Hefen dürften für die
Praxis als besonders geeignet anzusprechen sein. Sie sollen deshalb im
kommenden Etatsjahr erst versuchsweise abgegeben werden, um Urteile
über ihre Brauchbarkeit und Anwendung im Grossen zu erfahren, bevor
sie allgemeine Verwendung finden.
Die Bassen 1897 er Büdesheimer Trockenbeer-Auslese, 1893 er Stein¬
berg Kabinett a und b, 1908 er Deidesheimer Buschweg a und b und 1908 er
Förster Langenböhl Biesling-Auslese wurden aus Flaschenweinen, die der
Station zur Untersuchung und Beurteilung eingeschickt waren, reingezüchtet.
Prüfung der neuen Hefen auf Sporenbildung.
Um festzustellen, ob die neuen Hefen auch wirklich zu den echten
Saccharomyceten zu rechnen sind, mussten dieselben gleichzeitig auf Sporen¬
bildung untersucht werden. Zu dem Zweck wurden die Hefen in bekannter
Weise vorbereitet, indem sie wiederholt in frischen sterilen Most über¬
geimpft und 24 Stunden vor dem Anlegen der Sporenkulturen nochmals
in Most aufgefrischt wurden. Das Anlegen der Kulturen erfolgte auf
sterilisierten feuchten Gipsblöckchen, die im Wärmeschrank bei einer
Temperatur von 25° C. auf gestellt wurden. 10 Kulturen zeigten schon
nach Verlauf von 24 Stunden fertig ausgebildete Sporen, weitere 6 nach
48 Stunden. Die restlichen 5 Hefen (Steinberg b und c, Malaga Pedro a
und Förster Bslg. Auslese) konnten dagegen durch diese Behandlung nicht
zur Sporenbildung gezwungen werden. Sie sollen daraufhin noch weiter
geprüft werden.
2. Einfluss von Mosten mit verschiedenem Zuckergehalt auf die
Bildung flüchtiger Säure durch Saccharomyces apiculatus.
Die chemischen Untersuchungen von Weinen, die aus sterilisierten
und mit Beinhefe vergorenen Mosten von verschiedenem Zuckergehalt
hergestellt waren, haben ergeben, dass bei steigendem Zuckergehalt eine
Zunahme an flüchtiger Säure durch die Tätigkeit der echten Weinhefen
stattfindet. Diese Tatsache hat K. von der Heide (Jahresbericht 1907
der Kgl. Lehranstalt Geisenheim S. 254), entgegen der früheren Ansicht,
dass die Konzentration der Gärflüssigkeit die Bildung der flüchtigen Säure
nicht beeinflusst, durch eingehende Versuche bestätigt. Die Menge der
flüchtigen Säure ist bei der Gärtätigkeit der echten Weinhefen unabhängig
von dem entstehenden Alkohol, Keisch hat sogar durch seine Versuche
(Zentralblatt für Bakteriologie 1905, H. Abteil., Bd. 14, S. 572) gezeigt,
dass selbst ein vor der Vergärung gemachter Zusatz von Alkohol zum
Most ohne besonderen Einfluss auf die Bildung von Essigsäure ist.
Dass sich Apiculatushefen durch Säureproduktion auszeichnen und je
nach den Eigenschaften der Basse nach dieser Eichtung hin sehr ver¬
schieden sind, ist ebenfalls schon lange bekannt und durch Versuche in
Trauben-, Obst- und Beerenmosten bewiesen worden. Es ist deshalb von
Interesse zu erfahren, wie sich diese schädlichen Hefen in verschieden
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Original fram
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174 HE. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
konzentrierten, d. h. verschieden zuckerhaltigen, aber sonst in der Zusammen¬
setzung gleichartigen Mosten verhalten. Nach den bisherigen Angaben in der
Literatur und nach den Analysenresultaten kleinerer Laboratoriumsversuche
bilden Apiculatushefen schon in weniger zuckerhaltigen Mosten bedeutend
mehr flüchtige Säure als die echten Weinhefen. Um nun zu prüfen, wie
sich diese Hefen bei steigendem Zuckergehalte im Vergleich zu den echten
Weinhefen verhalten, wurden von dem Berichterstatter Versuche mit 4
aus der Sammlung der Hefereinzucht-Station stammenden Apiculatushefen
in 6 verschieden zuckerhaltigen Mosten vorgenommen, die nachstehend
kurz beschrieben werden sollen.
Zur Verwendung gelangte ein 1912 er Rheingauer Most, in welchem
durch entsprechende Zusätze von Zucker (Traubenzucker) und destilliertem
Wasser verschiedene Abstufungen im Zuckergehalt, im übrigen aber nach
Möglichkeit gleiche Zusammensetzung der anderen Mostbestandteile erzielt
wurde. Von den auf diese Weise erhaltenen Flüssigkeiten wurden je
5 Gärflaschen mit je 300 ccm befüllt, mit einem Wattebausch verschlossen,
dreimal hintereinander eine halbe Stunde in Zwischenräumen von ca.
24 Stunden im strömenden Dampf sterilisiert und 4 Flaschen jeder Serie
im Impfkasten unter allen Vorsichtsmassregeln mit je einer Öse einer
5 Tage alten Kultur der Apiculatushefen Nr. 305, 308, 312 und 323
(Sammlungs-Nr.) beimpft und darauf sogleich mit sterilen WORTMANNschen
Gärspunden verschlossen.
Saccharomyces apiculatus Nr. 305 war aus Erde,
„ „ ,, 308 und 312 aus Stachelbeermost
und „ „ „ 323 aus Traubenmost
reingezüchtet worden.
Die Versuchsflaschen wurden in einem Thermostaten bei einer
mittleren Temperatur von ca. 22 0 Celsius aufbewahrt. Die einzelnen
Serien erhielten der Reihe nach, dem zunehmenden Zuckergehalte der
Moste entsprechend, die Bezeichnung a, b, c, d, e und f und die von jeder
Serie übrig gebliebene fünfte Flasche diente zur chemischen Untersuchung,
deren Resultate in nachstehender Tabelle 1 niedergelegt sind.
Tabelle 1.
Most
Spezif.
Gewicht
Grade
Öchsle
Zucker
ginlOOccm
Gesamt¬
säure
als Wein¬
säure
berechnet
^in 100 ccm
Flüchtige
Säure
als Essig¬
säure
berechnet
^in 100 ccm
Nicht¬
flüchtige
Säure als
Weinsäure
berechnet
g in 100 ccm
Serie a.
1,0545
54,5
10,63
0,970
0,0204
0,94
» b.
1,0650
65,0
13,25
0,975
0,0210
0,95
D c.
1,0767
76,7
16,18
0,965
0,0198
0,94
» d.
1,0898
89,8
19,45
0,965
0,0198
0,94
* e.
1,0998
99,8
21,95
0,975
0,0210
0,95
nt .
1,1173
117,3
29,33
0,975
0,0204
0,95
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Original frnm
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Bericht über die Tätigkeit der Hefe-Reinzucht-Station.
175
Die Gärflaschen wurden 3 Wochen im Wärmeschrank belassen und
in gewissen Zwischenräumen durch Wägen derselben an Hand der Kohlen¬
säureverluste, der Verlauf der Gärung festgestellt. Vor jedem Wägen
wurde der Inhalt der Flaschen mehreremale um geschüttelt. Die Gewichts¬
verluste ergeben sich aus der Tabelle 2, aus welcher gleichzeitig zu
ersehen ist, dass sich die einzelnen Hefen sehr verschieden in ihrer Gär¬
tätigkeit unter gleichen Bedingungen verhalten.
Tabelle 2.
Serie
und Nr.
der
Ap.-Hefe
Kohlensäureabgabe in Gramm
vom 1.
bis zum
4. !
5. |
6. |
1 7. 1
1 3.
! 9.
1 11-
1 13. |
1 16. I
20.
Tage
Serie a .
Nr. 305. . . .
1,3
4,4
6,2
7,3
7,9
8,0
8,1
8,2
8,6
8,75
„ 308. . . .
1,4
4,6
6,3
6,8
7,3
7,6
7,8
8,1
8,3
8,4
„312. . . .
2,1
5,8
7,7
8,9
9,5
10,0
10,3
10,5
10,8
10,9
„ 323. . . .
2,5
7,8
9,5
10,5
11,0
11,2
11,3
11,5
11,8
11,85
Serie b.
Nr. 305. . . .
1,4
4,7
6,4
7,2
7,5
7,7
7,9
8,0
8,2
8,3
„ 308. . . .
1,8
4,8
6,2
7,0
7,7
8,0
8,5
8,7
8,75
9,1
„ 312. . . .
1,4
6,3
8,0
9,1
9,8
10,3
10,8
11,1
li,3
11,4
„ 323. . . .
2,1
8,1
9,5
10,8
11,5
11,8
12,0
12,1
12,4
12,45
Serie c.
Nr. 305. . . .
1,9
5,2
6,3
7,3
7,7
7,8
9,0
9,2
9,5
9,65
„ 308. . . .
2,1
5,1
5,9
6,9
7,4
7,9
8,2
8,4
8,7
8,9
* 312. . . .
1,7
4,3
5,6
7,3
8,2
8,8
10,1
10,2
10,4
10,7
* 323. . . .
1,9
7,7
8,9
10,2
10,9
11,2
11,5
11,7
12,2
12,4
Serie d.
Nr. 305. . . .
1,3
4,0
6,2
7,0
7,5
7,8
8,0
8,1
8,5
8,8
„ 308. . . .
1,1
5,5
6,3
7,05
7,7
8,2
8,5
8,7
8,85
9,1
„ 312. . . .
2,2
7,1
8,3
9,5
9,8
10,3
10,5
10,8
11,0
11,3
„ 323. . . .
2,4
7,8
8,9
10,0
10,5
11,0
11,5
11,6
11,9
12,1
Serie e.
Nr. 305. . . .
2,1
2,4
5,8
6,8
6,9
7,2
7,3
7,4
7,5
7,6
„ 308. . . .
2,2
5,7
6,5
7,4
7,5
7,7
7,9
8,05
8,3
8,5
„312. . . .
0,7
1,6
2,1
3,3
3,6
5,2
6,6
7,8
9,05
9,5
„ 323. . . .
2,8
7,1
8,2
9,1
9,7
10,7
11,0
11,3
11,5
11,75
Serie f.
I
Nr. 305. . . .
2,3
5,2
5,6
6,1
6,3
6,6
6,9
7,0
7,1
7,35
„ 308. . . .
1,9
5,8
6,5
7,1
7,5
7,8
8,1
8,2
8,3
8,4
„312. . . .
1,9
5,1
5,7
7,1
7,3
7,7
8,05
8,2
8,3 1
8,5
„ 323. . . .
2,1
6,5
7,3
8,5
8,8
9,6
10,3
10,7
11,0 1
41,3
Nach drei Wochen war die Gärung zu Ende, die Hefe hatte sich
zu Boden gesetzt und die Flüssigkeit war vollständig klar geworden. Der
Versuch wurde infolgedessen abgebrochen und der Inhalt der Flaschen der
sofortigen Analyse unterworfen, über deren Ergebnisse die Tabelle 3
Aufschluss gibt. Die Alkoholgehalte wurden mit Hilfe des Pyknometers
nach dem spez. Gewicht der Destillate bestimmt. Da die flüchtige Säure,
welche beim Destillieren zum Teil mit übergeht, das spez. Gewicht des
alkoholischen Destillates stark beeinflusst (siehe von der Heide, Jahres¬
bericht 1907 der Kgl. Lehranstalt Geisenheim, S. 230), so wurden die
Flüssigkeiten vor dem Destillieren schwach alkalisch gemacht, um möglichst
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176
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
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genaue Zahlen zu erhalten. Die flüchtige Säure wurde ebenso wie bei
der Mostuntersuchung nach dem amtlichen Verfahren mit Vio Normallauge
bestimmt, als Essigsäure berechnet und jede Bestimmung zweimal zur
Kontrolle ausgeführt. Der Hefetrub zeigte sich nach dem mikroskopischen
Befunde in sämtlichen Versuchsflaschen als vollkommen rein.
Tabelle 3.
Api-
kulatus-
Hefe
Nr.
Serie
Ursprüng¬
licher
Zucker¬
gehalt
Spezi¬
fisches
Gewicht
Alkohol
Flüchtige
Säure als
Essigsäure
berechnet
g in 100 ccm
Mikro¬
skopischer
Befund
g in 100 ccm
Vol
305
a
10,63
1,0284
2,88
3,64
0,0744
rein
305
b
13,25
1,0399
2,77
3,49
0,0762
305
c
16,18
1,0502
2,55
3,21
0,0762
305
d
19,45
1,0645
2,66
3,35
0,0768
305
e
21,95
1,0769
2,43
3,07
0,0822
305
f
29,33
1,0954
2,55
3,21
0,0828
n
308
a
10,63
1,0295
2,60
3,28
0,1068
n
308
b
13,25
1,0382
2,94
3,71
0,1098
308
c
16,18
1,0501
2,66
3,35
0,1128
n
308
d
19,45
1,0639
2,88
3,64
0,1176
n
308
e
21,95
1,0752
2,55
3,21
0,1152
n
308
f
29,33
1,0920
2,55
3,21
0,11.94
n
312
a
10,63
1,0212
3,64
4,58
0,0756
»
312
b
13,25
1,0313
3,40
4,29
0,0762
n
312
c
16,18
1,0440
3,52
4,43
0,0798
n
312
d
19,45
1,0568
3,69
4,65
0,0854
n
312
e
21,95
1,0734
2,60
3,28
0,0812
n
312
f
29,33
1,0924
2,72
3,42
0,0930
r>
323
a
10,63
1,0181
3,75
4,73
0,0996
n
323
b
13,25
1,0272
4,11
5,18
0,1098
n
323
c
16,18
1,0388
3,81
4,80
0,1056
n
323
d
19,45
1,0537
3,87
4,88
0,1068
n
323
e
21,95
1,0646
3,75
4,73
0,1110
n
323
f
29,33
1,0838
3,58
4,51
0,1128
n
Die wirkliche Zunahme an flüchtiger Säure der mit den Apikulatus-
hefen vergorenen Moste ist nach Abzug der schon im Most ursprünglich
vorhanden gewesenen (siehe Tabelle 1) aus Tabelle 4 ersichtlich.
Tabelle 4.
Serie:
a
b
c
d
e
f
Ap.-Hefe 305
0,0540
0,0552
0,0564
0,0570
0,0612
0,0624
n . 308
0,0864
0,0888
0,0930
0,0978
0,0942
0,0990
„ „ 312
0,0552
0,0552
0,0600
0,0656
0,0602
0,0726
„ . 323
0,0792
0,0888
0,0858
0,0870
0,0900
0,0924
Aus dem Ergebnis der Analysen ist zu ersehen, dass die Apikulatus-
hefen ebenfalls mit steigendem Zuckergehalt eine Mehrbildung an flüchtiger
Säure hervorrufen. Wie bereits erwähnt, erzeugen die Apikulatushefen bei
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Bericht über die Tätigkeit der Hefe-Reinzucht-Station.
.177
Mosten mit geringerem Zuckergehalt im Verhältnis zu den echten Wein¬
hefen bedeutend grössere Quantitäten flüchtiger Säure, und eine Zunahme
bei höherem Zuckergehalt findet nur allmählich statt, während bei den
echten Weinhefen bei grösserem Zuckergehalt die Produktion viel stärker
ist. Es kann daher auch bei den Apikulatushefen angenommen werden,
dass eine Mehrbildung von flüchtigen Säuren in gewissen Beziehungen zum
Zuckergehalt der Moste steht und nicht von Alkoholbildung abhängig ist.
Die vergorenen Flüssigkeiten wurden gleichfalls einer Geschmacks¬
und Geruchsprobe unterzogen, bei welcher wohl der bekannte unangenehme
Geschmack und Geruch der sogenannten Apikulatusgör, jedoch bei keiner
derselben der charakteristische stichige Geschmack zu bemerken war.
MüLLER-Thurgau (Jahresbericht der schweizerischen Versuchsanstalt Wäden-
weil für 1896/97, S. 50) machte bei der Kostprobe von Weinen, die mit
Apikulatushefen vergoren waren, die gleichen Beobachtungen. Wahr¬
scheinlich entstehen bei der Gärung ausser Essigsäure noch Ameisensäure
und andere Fettsäuren, was noch nicht bestimmt erwiesen ist.
Ob nun nach der Vergärung noch weitere Mengen flüchtiger Säure
gebildet werden, wie z. B. Osterwald er (Zentralblatt für Bakteriologie
II. Abteil., 1912, Bd. 32, S. 48) bei der echten Weinhefe unter Luftzutritt
nachgewiesen hat, müssten neue Versuchsanstellungen aufklären.
(Jeisenheimer Jahresbericht 1912.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
178
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Station während
des Jahres 1912.
Erstattet von G. Lüstner, Vorstand der Station.
Die meteorologische Station der Königl. Lehranstalt ist eine Beob¬
achtungsstation II. Ordnung des Königl. meteorologischen Instituts zu Berlin.
Sie liegt:
östliche Länge von Greenwich 7° 58'; nördliche Breite 49° 59'; Höhe
des Nullpunktes des Barometers über N. N. (Normal-Null), d. h. über
dem Nullpunkte des Amsterdamer Pegels 97,5 m.
Die Ablesungen finden täglich statt:
T*ha
2 w hp
9 w hp
Die hierbei gemachten Beobachtungen werden in eine Tabelle ein¬
getragen (Monatstabelle, Sonnenscheintabelle), welche nach Schluss eines
jeden Monats sofort dem Königl. meteorologischen Institut in Berlin ein-
gesandt wird. Über Gewitter, Wetterleuchten, Höhe der Schneedecke und
andere wichtige meteorologische Erscheinungen wird besonders dorthin
berichtet. Am öffentlichen Wetterdienst nimmt die Station insofern teil,
als sie an jedem Vormittag der Wetterdienststelle zu Frankfurt a. Al.
(Physikalischer Verein) telegraphisch und an jedem Nachmittage den Wetter¬
dienststellen zu Bonn und Aachen (Meteorologisches Observatorium) durch
Postkarte über die Wetterlage im Rheingau Nachricht gibt. Die König¬
liche Rheinstrom-Bauverwaltung zu Cohlenz wird im Winter an jedem
Montag über die Höhe der Schneedecke und die Temperatur und die öffent¬
liche Wetterdienststelle zu Berlin an demselben Tage über die Dauer des
Sonnenscheines an den einzelnen Wochentagen unterrichtet. In zehntägigen
Zwischenräumen wird an die Deutsche Seewarte zu Hamburg Bericht er¬
stattet über alle wichtigen meteorologischen Erscheinungen, über das Auf¬
treten von Pflanzenfeinden und Pflanzenkrankheiten sowie über den Stand
der landwirtschaftlichen Kulturen und Arbeiten, Beobachtungen, welche in
dem „zehntägigen Witterungsbericht für die Landwirtschaft“ der deutschen
Seewarte veröffentlicht werden. In diesen Berichten gelangen auch die
Beobachtungen der Station über die Lufttemperatur (Max. und Min.), sowie
über die Niederschläge und Dauer des Sonnenscheins zum Abdruck.
Die Station hat auch im vergangenen Jahre an Behörden und Privat¬
personen öfter Auskunft über Wetterfragen erteilt. Sie ist mit nachstehenden
Instrumenten ausgestattet:
I. Im Innern der Wildschen Hütte.
1. Ein trocknes Thermometer
2. Ein feuchtes Thermometer
| Augustsches Psychrometer.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Station.
179
3. Ein Maximum-Thermometer mit durch Luftblase getrenntem Quecksilber-Index
nach Negretti und Zambra.
4. Ein Alkohol-Minimum-Thermometer mit verschiebbarem Glas-Index nach Rutherford.
5. Ein Haarhygrometer nach Koppe.
6. Ein Richardscher Termograph.
7. Ein in halbe Grade geteiltes Quecksilber-Thermometer (Kontrollthermometer zu 6).
II. In unmittelbarer Nähe der Wildschen Hütte.
8. Ein Maximum-Thermometer nach Negretti und Zambra.
9. Ein Minimum-Thermometer nach Rutherford. (Beide Instrumente liegen 7,5 cm
über dem Boden.)
10. Zwei Regenmesser nach Hellmann.
11. Eine Wildsche Windfahne mit Anemometer auf hohem Maste.
III. In einem Zimmer der pflanzenpathologischen Versuchsstation.
12. Ein Stationsbarometer mit thermom&tre attachö von R. Fuess in Berlin.
IV. Im Versuchsweinberg der Anstalt.
13. Ein Sonnenschein-Autograph nach Campbell-Stockes.
14. Ein Hygrograph.
15. Ein Pluviograph.
V. Besitzt die Station noch:
16. Einen Wolkenspiegel.
17. Ein Schöpfthermometer.
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Original frnm
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
l ) „Eistage“ sind solche Tage, an denen das Maximum der Temperatur unter 0° bleibt (an deneu es nicht auftaut); „ Frosttage“, an denen
das Maximum der Temperatur unter 0° sinkt (an denen es friert) und „Sommertage“, an denen das Maximtim 25° C. (=20° R.) oder mehr beträgt.
(Instruktion für den Beobachter an der meteorologischen Station 2., 3. und 4. Ordnung. Berlin 1888, S. 60.)
180
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Difitized by
Jahresmittel:
Summe :
Januar .
Februar
März.
April.
Mai .
Juni.
Juli.
August.
September.
Oktober.
November.
Dezember.
Monat
Mittel .
Maximum.
Datum.
Minimum.
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Sommertage *)
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Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
Zusammenstellung der Beobachtungen aus dem Kalenderjahr 1912.
1. Der Luftdruck.
Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Station
181
3. Die Luftfeuchtigkeit
7 28 h a
4,2
4,9
6,0
5,7
8,0
10,1
11,5
10,0
7,3
6,2
5,2
4,9
7,0
2 28 kp
4,7
5,9
6,4
6,3
9,2
10,0
11,2
10,1
7,8
6,9
5,3
5,5
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4,3
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6,5
6,0
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11,8
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6,4
5,2
5,2
7,3
Mittel:
4,4
5,3
6,3
6,0
8,6
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11,5
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6,5
5,2
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7,2
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7 28 ha
84
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79
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82
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90
86
2 28 hp
81
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64
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48
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65
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76
88
66
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83
83
85
77
67
71
69
78
82
84
85
90
78
Gemessen mittels des KoppESchen Haarhygrometers.
7 28 h a
86
94
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86
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86
2 28 h p
79
79
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52
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75
73
78
85
67
9 28 hp
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67
75
77
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86
89
88
89
90
83
Mittel:
83
87
79
64
68
69
70
79
85
85
86
88
79
4. Die Bewölkung.
Stunde
der
Beobachtung
Januar
Februar
März
M
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B
Juni
i
August
September
Oktober |
November |
Dezember
Jahres- ||
mittel II
7 28 ha
9,0
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7,6
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8,0
6,7
7,6
7,5
m
8.9
8,0
7,7
9,1
8,7
7,9
9 28 hp
8,0
6,5
6,0
3,9
6,8
7,0
Kl
6,9
5,4
5,7
8,1
m
6,4
Mittel:
8,6
8,2
EU
5,4
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6,9
5,6
8,1
7,0
7,0
8,5
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7,3
Monat
Nieder- 1
| Schlags- 1
summen |
Maximum I
1 in
24 Stunden|
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Tage mit
mehr als
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Regen
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Schnee¬
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—
März.
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22.
19
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—
2
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—
—
—
April.
25,2
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2.
9
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3
8
—
—
—
—
Mai.
37,9
10,2
25.
8
14
—
—
3
—
—
5
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Juni.
44,8
12.3
30.
15
21
—
1
—
—
—
7
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Juli.
50,0
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—
—
—
3
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August ....
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12,6
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16
24
—
—
1
—
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September . . .
42,3
23.2
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10
16
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2
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Oktober ....
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10
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November . *. .
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—
Dezember . . .
25,3
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10
13
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Jahressumme:
511,2
144,9
—
147
196
10
11 1
60
46
7
19
13
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
182
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
6. Die Windrichtung.
Windrichtung
Januar 1
Februar
März ||
April
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Juni
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August
September |
Oktober |
November |
Dezember |
Jahres- 1
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5,5
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5,5
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4,5
4,5
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1,0
78,5
Nordost.
26,5
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16,0
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18,0
18,5
12,0
4,0
144,5
Ost.
24,5
13,5
14,5
14,5
5,5
6,5
5,5
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4,5
3,0
19,0
121,5
Südost.
1,5
—
3,0
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1,0
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1,0
2,0
—
1,0
—
1,0
15,5
Süd.
3,5
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3,5
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2,0
7,0
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505
Südwest.
10,0
12,5
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11,5
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25,0
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17,5
17,0
20,5
190,0
West.
15,0
15,0
29,5
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21,0
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31.5
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21,0
24,5
26,0
275,0
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3,0
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6,0
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3,0
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3,0
95,0
7. Die Windstärke.
Stunde der
Beobachtung
Januar |
Februar ||
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2,5
1,8
3,0
3,0
2,5
28
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3,7
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2,6
2,8
33,7
9 28 h p.
2,2
1,4
1,8
2,2
1,7
1,6
0,9
1.4
1,6
1,3
1,8
1,8
19,8
Mittel:
2,3
1,5
2,1
2,4
1,9
2,1
1,5
2,3
2,1
2,0
23
2,3
25,0
Sturm tage:
3
3
7
5
—
2
—
3
—
—
1
4
28
8. Die Dauer des Sonnenscheins.
Monat
Summe des
Monatsmittel des
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Nach¬
mittags
Tages
Vor¬
mittags
Nach¬
mittags
i Tages
Januar .
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16,5
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0.5
0,9
Februar.
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0,6
1,1
1,7
März.
40,6
51,1
91,7
1,3
1,6
3,0
April.
110,9
104,7
215,6
3,7
3,5
7,2
Mai.
117,3
104,6
221,9
3,8
3,4
7,2
Juni.
102,0
105,0
207,0
3,4
3,5
6,9
Juli.
112,5
114,0
226,5
3,6
3,7
7,3
August.
41,5
42,0
83,5
1,3
1,4
2,7
September.
43,0
50,6
93,6
1,4
1,7
3,1
Oktober.
37,7
41,4
79,1
1,2
1,3
2,6
November.
16,2
18,8
35,0
0,5
0,6
1,2
Dezember.
3,0
9,3
12,3
0,1
0,3
0,4
Jahressumme:
653,9
690,5
1344,4
21,3
1 22,6
44,2
9. Vergleichende Übersichten der letzten fünf Jahre.
A. Mittel der absoluten Feuchtigkeit.
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Januar |
Februar
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Juni
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1908
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7,4
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11,7
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1910
4,7
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11,2
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7,5
1911
4,3
4.8
5,7
6,1
9,3
10,1
12,2
9,0
7,3
6,1
5,7
—
1912
4,4
5,3
6,3
6,0
8,6
10,0
11,5
10,0
7,7
6,5
5,2
5,2
7,2
□ igitized by Google
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Station.
183
B. Mittel der relativen Feuchtigkeit.
Jahr
Januar
Februar
März
April
*3
£
Juni
•■3
•-a
August
September
Oktober
November |
Dezember |
Jahres¬
mittel
1908
73,3
70,0
66,7
59,3
72,3
61,7
66,0
70,0
76,3
72,0
78,6
85,0
70,7
1909
74,7
66,0
63,7
55,3
41,7
58,0
65,7
57,7
71,0
81,7
76,3
76,3
65,8
1910
75,0
76,6
78,3
69,0
75,0
69,0
79,3
81,0
86,7
86,3
86,0
91,0
79,4
1911
89,7
90,0
89,7
69,0
72,7
72,0
64,7
66,3
70,7
84,0
90,0
91,7
79,2
1912
b3,3
85,4
77,3
67,4
70,9
69,3
69,9
78,5
82,0
83,8
84,6
89,5
78,5
C. Mittel der Lufttemperatur.
1908
-2,8
2,9
4,3
7,6
14,7
18,8
18,4
15,3
12,8
8,4
2,4
0,7
1909
-0,7
0,4
3,9
10,3
13,6
15,6
16,5
17,8
13,9
10,5
3,6
3,3
1910
2,8
4.1
5,3
9,5
13,6
17,6
16,7
16,8
12,8
10,3
3,7
3,8
1911
0,2
3,3
5,8
9,0
14,5
16,3
20,9
21,0
15,5
9,1
6,6
4,4
1912
1,2
3,5
8,0
9,3
14,0
17,0
19,2
14,8
10,2
7,0
4,0
2,7
D. Niederschlagssummen.
Jahres¬
summe
1908
15,9
52,6
16,4
54,4
86,2
36,5
71,0
79,5
38,4
2,1
27,7
14,4
495,1
1909
26,1
22,«
12,1
23,1
15,5
38,5
79,9
34,7
52,4
63,2
34,2
63,8
466,1
1910
42,3
54,3
6,0
135
99,8
78,4
96,1
46,6
35,1
11,5
97,5
41,3
621,9
1911
17,4
15,0
30,8
20,3
33,2
54,5
56,2
43,7
29,8
35,4
46,4
66,8
449,5
1912
43,5
35,0
45,5
25,2
37,9
44,8
50,0
67,2
42,3
63,6
30,9
25,3
511,2
E. Dauer des Sonnenscheins in Stunden.
1908
68,4
51,0
106,7
167,8
162,1
268,3
255,6
182,8
184,7
157,5
71,5
21,4
1697,8
1909
84,4
102,9
95,8
234,8
825,2
208,7
162,7
215,0
165,8
82,3
56,5
56,6
1790,7
1910
48,3
65,1
136,5
197,7
229,0
188,0
179,9
215,0
128,5
92,0
55.3
28,6
1563,9
1911
45,2
90,5
99,1
201,1
223,9
208,8
335,2
272,8
185,1
120,1
28,4
17,3
1827,5
1912
29,0
49,2
91,7
215,6
221,9
207,0
226,5
83,5
93,6
79,1
35,0
12,3
1344,4
10. Phänologische Beobachtungen während des Jahres 1912. 1 )
Abkürzungen.
BO = erste normale Blattoberflächen sichtbar, und zwar an verschiedenen (etwa
3—4) Stellen; Laubentfaltung.
b = erste normale Blüten offen, und zwar an verschiedenen Stellen,
f = erste normale Früchte reif, und zwar an verschiedenen Stellen; bei den
saftigen: vollkommene und definitive Verfärbung; bei den Kapseln: spontanes Auf platzen.
W = Hochwald, grün = allgemeine Belaubung: über die Hälfte sämtlicher Blätter
an der Station entfaltet.
LV = allgemeine Laubverfärbung: über die Hälfte sämtlicher Blätter an der
Station — die bereits abgefallenen mitgerechnet — verfärbt.
W und LV müssen an zahlreichen Hochstämmen (Hochwald, Alleen) aufgezeichnet
werden.
E = Ernteanfang.
BO
b
f
LV
Aesculus Hippocastanum (Rosskastanie) . .
28. in.
28. IV.
14. IX.
6. X.
Atropa Belladonna (Tollkirsche).
—
—
—
—
Betula alba (Birke).
27. III.
28. m.
—
6. X.
Cornus sanguinea (Roter Hartriegel)....
—
23. V.
27.’VIII.
—
Oorylus Avellana (Hasel).
—
6. I.
—
—
*) Die Beobachtungen werden nach dem Giessener Schema, Aufruf von
Hoffmann-Ihne, angestellt. Die phänologischen Beobachtungen während der Jahre 1898
bis 1912 sind in den betreffenden Jahresberichten der Lehranstalt enthalten.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
184
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Crataegus oxyacantha (Weissdorn) . . .
Cydonia vulgaris (Quitte).
Cytisus Laburnum (Goldregen).
Fagus silvatica (Buche).
Ligustrum vulgare (Liguster).
Lilium candidum (Weisse Lilie) . . . .
Lonicera tatarica (Tatarisches Geisblatt) .
Prunus avium (Süsskirsche).
Prunus Cerasus (Sauerkirsche).
Prunus Padus (Trauben- oder Ahlkirsche).
Prunus spinosa (Schlehe).
Pyrus communis (Birne).
Pyrus Malus (Apfel).
Quercus pedunculata (Stieleiche) . . . .
Ribes aureum (Goldgelbe Johannisbeere) .
Ribes rubrum (Johannisbeere).
Rubus idaeus (Himbeere).
Salvia officinalis (Salbei).
Sambucus nigra (Hollunder).
Secale cereale hib. (Winterrogen). . . .
Sorbus aucuparia (Vogelbeere, Eberesche)
Spartium scoparium (Besenginster) . . .
Symphoricarpus rac. (Schneebeere) . . .
Syringa vulgaris (Nägelchen oder Flieder)
Tilia grandifolia (Sommerlinde) . . . .
Tilia parvifolia (Winterlinde).
Vitis vinifera (Wein).
4. V.
—
27. HI.
—
—
—
28. IV.
—
—
18. IV.
—
W 21. IV.
5. X.
—
6. VI.
22. vm.
—
—
20. VI.
—
—
—
5. V.
10. VHL
—
—
5. IV.
—
—
—
10. IV.
—
—
—
7. IV.
—
—
—
28. IH.
—
—
—
7. IV.
—
—
—
18. IV.
—
—
20. IV.
—
W 25. IV.
7. X
—
7. IV.
3. VH.
—
—
28. IH.
8. VI.
—
—
18. V.
15. VT.
—
—
5. VI.
—
—
—
12. V.
20. VH.
—
—
14. V.
Ernte Anfang 10.VH.
—
5 V.
20. VIH.
—
—
12. V.
—
—
—
28. V.
12. vm.
—
—
26. IV.
—
—
—
6. VI.
—
—
—
11. VI.
—
—
—
12. VI.
—
—
Ergänzungsliste.
Abies excelsa (Fichte). — 7. V. — —
Acer platanoides (Spitzahorn). 2. VI. 9. IV. — 10. X.
Acer Pseudoplatanus (Bergahorn).10. IV. 4. IV. — 14. X.
Ainus glutinosa (Gemeine Erle). 9. HL — — —
Amygdalus communis (Gemeine Mandel) . . — 10. HL — —
Anemone nemorosa (Gemeine Anemone) . . — 12. m. — —
Berberis vulgaris (Berberitze). — 6. V. — —
Buxus sempervirens (Buxbaum). — 8. IV. — —
Calluna vulgaris (Heidekraut). — 12. VHL — —
Caltha palustris (Sumpfdotterblume) ... — 2. IV. — —
Cercis Siliquastrum (Judasbaum). — 4. V. — —
Chrysanthemum leuc. (Wiesenwucherblume) — 12. V. — —
Colchicum autumnale (Herbstzeitlose) ... — 1. VIEL — —
Cornus mas (Gelber Hartriegel, Kornelkirsche) — 1. III. 10. VHL —
Evonymus eur. (Gemeiner Spindelbaum) . . — 10. V. 20. VIH. —
Fagus silvatica (Buche). — — 2. X. —
Fraxinus excelsior (Esche).27. IV. 8. IV. — Laakfall 24. X.
Galanthus nivalis (Schneeglöckchen) ... — 10. H. — —
Hepatica triloba (Leberblümchen) .... — 4. HL — —
Juglans regia (Walnuss). — 27. IV. 10. X. —
Larix europaea (Lärche). — 28. IH. — —
Leucojum vernum (Grosses Schneeglöckchen,
Frühlingsknotenblume). — 28. II. — —
Lonicera Xylosteum (Heckenkirsche) ... — 17. IV. 6. VH. —
Morus alba (Weisse Maulbeere). — 6. V. — —
Narcissus Pseudon. (Gelbe Narzisse). ... — 20. IH. — —
Olea europaea (Ölbaum). — — — —
Persica vulgaris (Pfirsich). — 18. ETI. — —
Philadelphus coron. (Falscher Jasmin) ... — 10. V. — —
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Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Station.
185
BO
b
f
LV
Pinus silvestris (Kiefer).
12 . v.
Prunus Armeniaca (Aprikose).
—
17 . m.
—
—
Ranunculus Ficaria (Scharbockskraut) . . .
—
13. m.
—
—
Ribes Grossularia (Stachelbeere).
—
27 . m.
8. VI.
—
Robinia Pseudacacia (Weisse Robinie, Akazie)
—
16. V.
—
—
Salix caprea (Sahlweide).
—
25 . n.
—
—
Tilia grandifolia (Sommerlinde).
15. IV.
—
—
—
Tilia parvifolia (Winterlinde).
9. IV.
—
—
—
Triticum vulgare hib. (Winterweizen) . . .
—
11. VI.
Ernte Anfang 27. VII.
Tussilago Parfara (Huflattich).
—
3. III.
—
—
Ulmus campestris (Feldulme).
8. IV.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
186
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Bericht Uber die Tätigkeit der Station fdr Schädlingsforschungen
in Metz für das Jahr 1912.
Erstattet von Dr. J. Dewitz, Leiter der Station.
I. Physiologische Untersuchungen an Insekten.
Seit einigen Jahren hat das Studium der Schädlinge der Kultur¬
pflanzen, besonders das der niederen Tiere und vorzüglich der Insekten,
auch in Ländern, in denen es vorher vernachlässigt war, mehr Beachtung
gefunden. Im allgemeinen bezieht sich jedoch dieses Studium auf den
äusseren Lebensgang der Arten, d. h. ihre naturhistorische Erforschung,
sowie auf die empirische Auffindung von Bekämpfungsverfahren. In neuerer
Zeit hat man sich dann auch eingehender mit den tierischen und pflanz¬
lichen Parasiten der Schädlinge befasst Ohne die Notwendigkeit dieser
Richtungen in Abrede stellen zu wollen, glaube ich sagen zu dürfen,
dass man der Schädlingsforschung einerseits Einseitigkeit und Beschränkt¬
heit des Gesichtsfeldes und andererseits, soweit die Bekämpfung der
schädlichen Arten in Frage kommt, einen einer Wissenschaft nicht würdigen
Empirismus zum Vorwurf machen muss. Die physiologische Erforschung
der vorliegenden Fragen, welche auf diesem Gebiet mehr als in anderen
Zweigen der Biologie am Platze wäre, hat man bis jetzt vollkommen aus¬
geschlossen. Und doch würde sie für die Lösung vieler Probleme von
Nutzen sein, denn sie würde uns oft in den Kern der Sache führen.
Wenn nun aber ein Gegenstand geeignet ist, die in der Schädlings¬
forschung bestehenden Verhältnisse zu kennzeichnen, so ist es sicherlich
die Art der Bekämpfung der Schädlinge. Täglich werden neue Mittel er¬
dacht und angewandt, höchst selten ist es aber geschehen, dass man sich
auch nur die Frage vorgelegt hat, welches die physiologische Wirkung
des Insektizids ist. Die Pharmakologie als Teil der Schädlingsforschung
existiert eben noch nicht. Aber nur durch Verlassen dieser unwissen¬
schaftlichen Behandlung des Gegenstandes und Einführung wissenschaft¬
licher Arbeitsmethoden kann man bessere Resultate von der Bekämpfung
der Schädlinge erhoffen.
Die naturhistorische Erforschung der schädlichen Arten oder den
äusseren Gang ihrer Entwicklung und ihrer Lebensverhältnisse kann man
bis jetzt wohl als den alleinigen wissenschaftlichen Teil der Schädlings¬
forschung bezeichnen. Es ist aber leicht zu verstehen, dass er keineswegs
genügt. Das zahlreiche Auftreten von schädlichen Insekten in gewissen
Jahren und ihr Verschwinden in andern ist eine Erscheinung, welche für
die Praxis von grösster Wichtigkeit ist, welche aber nur in der Weise
gelöst werden kann, dass wir die Vorgänge im Organismus der Tiere und
ihrer Entwicklungsstadien zu erkennen suchen. Schon in der ersten
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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 187
Arbeit, welche sich auf die „Physiologischen Untersuchungen an Insekten“
bezog (vgl. Jahresbericht 1905), habe ich mich mit dieser Frage beschäftigt.
Sie betraf speziell den Einfluss der Sommerwärme auf die Insektenlarven.
Ein anderer Gegenstand von gleichfalls grosser Bedeutung ist das Ver- *
Wandlungsproblem. Wie sollen wir imstande sein, das Kommen und Gehen
der Schädlinge zu beurteilen, wenn wir nicht wissen, welche physiologischen
Vorgänge sich bei der Verwandlung im Organismus abspielen und wie
auf diese Vorgänge äussere Faktoren zurückzuwirken imstande sind.
Die Winzer wissen alle, dass sich der gefürchtete Heuwurm bei Nahrungs¬
mangel — wenn die Blüte schnell vorübergeht — vor der Zeit verwandelt.
Weshalb verwandelt er sich aber vor der Zeit bei Nahrungsmangel? Mit
dieser Frage stehen wir bereits im Herzen des Verwandlungsproblems,
der physiologischen Vorgänge, deren Resultat die Verwandlung ist.
Dass die Geschlechtsverhältnisse gleichfalls zu den wichtigsten
Fragen der Schädlingsforschung gehören, geht schon aus den in den Fang-
und Bekämpfungsberichten niedergelegten Mitteilungen über die Prozent¬
zahlen der Geschlechter, die Zu- und Abnahme eines Geschlechts in den
verschiedenen Jahren, das frühere oder spätere Auftreten der Männchen
und Weibchen und über viele ähnliche Fragen hervor. Bisher beschäftigte
man sich nur mit der äussern Seite dieser Erscheinungen, während ein
tieferes Eindringen in das Problem vermisst wird.
Wenn sich nun die Schädlingswissenschaft in der bezeichneten
Weise orientieren würde, würde sie nicht allein sich selbst nützen, sondern
sie würde auch zum Fortschritt der Biologie im allgemeinen beitragen.
Wie ich schon in einem voraufgehenden Jahresbericht (1909) sagte, hat
die heutige biologische Bewegung ihren Anstoss von der praktischen,
medizinischen und technischen, Forschung erhalten und ist von ihr be¬
fruchtet worden. Und dieses kann nicht Wunder nehmen, denn die Praxis
ist der Prüfstein für die Güte der gewonnenen wissenschaftlichen Resultate,
die sie aller Theorie und Scholastik entkleidet. Ihr Weg führt uns not¬
wendigerweise zu den Kardinalfragen des Lebens.
Nr. 4.*) Untersuchungen über die Verwandlung von Insektenlarven.
Einer der wichtigsten Vorgänge im Leben der Insekten bildet die
Verwandlung, der Vorgang, durch den die Larve in das Stadium der Puppe
oder Nymphe übergeht. Für die meisten schädlichen oder unschädlichen
Arten sind die äusseren Verhältnisse (Zeit, Ort usw.) bekannt, unter denen
sich dieser Prozess vollzieht. Ebenso sind seit den Untersuchungen von
Weismann die bei der Verwandlung in Frage kommenden histologischen
Veränderungen von zahlreichen Forschern eingehend untersucht worden.
Dagegen ist aber das Studium der physiologischen Vorgänge, die sich bei
der Verwandlung abspielen, bisher nur von einigen wenigen Personen unter¬
nommen worden. Denn ausser den Arbeiten von E. Bataillon und von
mir liegen wohl nur vereinzelte experimentelle Beobachtungen vor. Ich
*) Vergl. Nr. 1—3 in den voraufgehenden Berichten.
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188 III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
habe die Serie meiner Untersuchungen über diesen Gegenstand vor etwa
15 Jahren unabhängig von Bataillon begonnen und seit dieser Zeit ge¬
legentlich fortgesetzt.
Es schien mir zum Abschluss meiner Beobachtungen noch notwendig
zu sein, durch Versuche festzustellen, wie sich die zur Verwandlung
schreitenden Larven gegenüber einer mit Feuchtigkeit gesättigten und einer
ihres Sauerstoffs beraubten Atmosphäre verhalten. Als Versuchsobjekt
dienten die Raupen des Kohlweisslings, Pieris brassicae.
r. Verwandlung in feuchter Atmosphäre.
Um den Einfluss einer feuchten Atmosphäre auf die Verwandlung der
Raupen zu beobachten, wurde folgende Einrichtung getroffen (Abb. 24). Man
wählte einen Lampenzylinder von 26 cm Höhe und 28 mm Durchmesser am
schmalen Ende. Dieses letztere wurde mit einem Kork (e) fest verschlossen.
Raupen, welche aufgehört hatten zu fressen
und sich verwandeln wollten, wurden in
den Zylinder gebracht, in dem sie empor¬
stiegen und sich festspannen ( f ). In das
Zylinderrohr (a) steckte man eine Rolle (d)
aus Fliesspapier und feuchtete sie an.
Ausserdem wurden in einen kleinen Vogel¬
napf aus Glas (c) Fliesspapierstücke (g, h)
gesteckt und auf das Fliesspapier und in
den Napf wurde etwas Wasser gegossen.
Der Napf passte in den unteren weiten
Teil ( b ) des Lampenzylinders und wurde
für den Versuch in diesen gestellt. Bald
erfüllte sich das Innere des Zylinders mit
Wasserdampf und Wassertröpfchen be¬
deckten seine Innenfläche. Diese Versuche
führten zu folgenden Resultaten.
. Da, wo nur 1 Raupe im Zylinder war,
verwandelte sich diese zu einer normalen
Puppe. Von im ganzen 35 Versuchen war
dieses in allen 14 Versuchen mit 1 Raupe der Fall. Schon bei 2 Raupen ver¬
lief die Verwandlung anfangs nicht mehr glatt, da man 1 normale Puppe und
1 unvollkommene Puppe erhielt. Später (im November) scheint die Empfind¬
lichkeit der Raupen abgenommen zu haben. Denn in 4 Versuchen mit 2,
2 Versuchen mit 3 und in 1 Versuch mit selbst 5 Raupen kamen alle
Exemplare zur normalen Verwandlung. Es handelt sich in diesen Fällen
aber auch nur um 7 Versuche von 21 Versuchen, in denen mehr als
1 Raupe im Zylinder war. Mithin verwandelte sich in 14 solcher Ver¬
suche ein Teil der im Zylinder angesponnenen Raupen nicht oder unvoll¬
kommen. Man erhielt in den 35 im ganzen angestellten Versuchen:
9
(SrVäa-
■s
Abb. 24.
Google
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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 189
von
77
77
77
77
1 Raupe 1 Puppe.
2 Raupen 1 „ und 1 unvollkommene Puppe
2 „ 1 „ und 1 tote Raupe ....
2 „ 2 Puppen.
3 „ 2 „ und 1 tote Raupe . . . .
3 „ 1 Puppe, 1 unvollkommene Puppe und
1 tote Raupe.
3 ,, 2 Puppen und 1 unvollkommene Puppe
3 »i 3 „ .
4 „ 3 „ und 1 tote Raupe . . . .
5 „ 3 und 2 tote Raupen ....
77
77
5
7
77
77
5
4
77
77
und 3 tote Raupen .
78 Raupen
in 14 Versuchen.
77
77
77
1
1
2
2
1
1
1
35 Versuche.
Die Erscheinung, dass in dem Zylinder bei Gegenwart von mehr als
I Raupe die Verwandlung unsicher wird und ein Teil der Raupen abstirbt,
kann man nicht auf Rechnung der Feuchtigkeit setzen, denn die vermehrte
Ausscheidung von Wasserdampf durch ein paar Raupen ist gegenüber der
grossen Menge von im Zylinder bereits vorhandenem Wasserdampf nicht
in Anschlag zu bringen. Es handelt sich in diesen Versuchen offenbar
um das zur Verfügung stehende Quantum Luftsauerstoff oder auch um von
den Raupen ausgeatmete toxische Substanzen, welche hier vielleicht um
so schädlicher wirken, als sie sich mit dem Wasserdampf auf den Raupen
niederschlagen. Jedenfalls Hegt hier eine gegenseitige Beeinflussung der
Raupen vor, die aber nicht die Ausscheidung von Wasserdampf betrifft.
Sonderbar bleibt es aber, dass oft. 1 Raupe die Verwandlung unterlässt,
gleichgültig ob dabei 2, 3 oder 4 Raupen im Zyünder waren.
a. Verwandlung bei beschränkter Atmung.
Bataillon ist der Meinung, dass die Verwandlung der Raupe durch
eine starke Ansammlung von Kohlensäure im Organismus veranlasst wird.
Ich habe dagegen schon früher gezeigt, dass unter Luftabschluss gehaltene
Insektenlarven (auch bei Gegenwart von Chlorcalcium, welches die Feuchtig¬
keit absorbiert) sich nicht verwandeln. Die folgenden Versuche beziehen
sich gleichfalls auf diesen Punkt. Sie zeigen, dass, wenn man den Luft¬
sauerstoff durch alkalische Pyrogallussäure entfernt oder in den Rezipienten
Kohlensäure einführt, die Verwandlung unterbleibt. Schliesslich wurde
diese noch dadurch aufgehoben, dass die Atmung der Gewebe der Raupe
durch die Gegenwart von Blausäure in der Luft herabgesetzt wurde.
a) Entziehung des Luftsauerstoffs durch alkalische
Pyrogallussäure.
Als Rezipient wurde ein grosses Pulverglas von 1 l 650 ccm Inhalt und
II cm Durchmesser der Bodenfläche gewählt. In dieses setzte man die
Raupen, welche sich an der Wand des Glases anspannen. Um die Feuchtigkeit
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190
in. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
im Innern des Glases zu vermindern, goss man mittels eines Trichters
mit langem Ausflussrohr rohe Schwefelsäure auf den Boden des Pulver¬
glases oder ersetzte solche durch Stücke von Chlorcalcium. An einem
Faden liess man darauf ein weithalsiges Gläschen mit alkalischer Pyrogallus-
säure in das Gefäss herab. Die Lösung der Pyrogallussäure bestand aus
100 ccm dest. Wasser, 12,5 g Natriumhydroxyd und 5 g Pyrogallussäure.
Der Verschluss des Pulverglases wurde durch einen tief eingeschobenen
Kork bewirkt, auf den man eine hohe Schicht von Vaselin oder besser
Wollfett (Lanolin) brachte.
Die unter normalen Verhältnissen befindlichen Raupen von Pieris
brassicae verwandelten sich in 2—27a Tagen nach dem Festspinnen.
a) Die Feuchtigkeit im Behälter wird durch rohe Schwefelsäure entfernt.
Pyrogallussäure 100 ccm. 20 Raupen angesponnen, 8. 11. 11. Am
9. 11. 11 morgens sind sämtliche Raupen da, wo der Gürtel den Leib
umfasst, übergefallen und hängen herab. Die Raupen sterben ab ohne
Anfang von Verwandlung. — Pyrogallussäure 80 ccm. Eine grosse Anzahl
von Raupen hat sich festgesponnen. 8. 11. 11 abends. Am 9. 11. 11
morgens bewegen die Raupen den Vorderkörper langsam hin und her. Da
der Verschluss nicht dicht zu sein scheint, wird nochmals eine Schicht
Vaselin aufgetragen; darauf sind am 9. 11. 11 abends fast alle Raupen
übergefallen. Absterben ohne Verwandlung. — Pyrogallussäure 25 ccm.
18 Raupen angesponnen. 20. 11. 11 nachmittags. Am 20. 11. 11 abends
sind die Raupen sehr unruhig und bewegen den Vorderkörper hin und her.
Am 21. 11. 11 morgens bewegen sie sich noch. Am 22. 11. 11 mittags
bewegen sich noch verschiedene Raupen, wenn das Glas vorsichtig er¬
schüttert wird. Verschiedene der übergefallenen Raupen suchen sich wieder
aufzurichten. Am 23. 11. 11 geben die Raupen kein Lebenszeichen mehr
von sich. Am 20. 11. 11 sind alle ohne Verwandlung abgestorben. —
Pyrogallussäure 10 ccm. 4 Raupen angesponnen. 27. 11. 11. Am 28. 11. 11
rühren sich die Raupen; eine Raupe fällt im Laufe des Tages über. Am
29. 11. 11 sind 2 normale Puppen und 2 abgestorbene Raupen vorhanden.
ß) Die Feuchtigkeit im Behälter wird durch Chlorcalcium entfernt.
Pyrogallussäure 40 ccm. 16 Raupen angesponnen. Versuch dauert
vom 6. 12. 11 mittags bis 12. 12. 11 morgens. Sämtliche Raupen waren
abgestorben, ohne sich zu verwandeln. Schon am 6. 12. 11 abends hing
die Hälfte der Raupen über. — Pyrogallussäure 40 ccw. 3. 10. 12:
17 Raupen angesponnen; einige Raupen, die sich bereits zusammengezogen
hatten; mehrere Raupen krochen noch umher. Am 7. 10. 12 waren alle
Raupen ohne jeden Anfang von Verwandlung abgestorben. — Pyrogallus¬
säure 30 ccm. 7 Raupen von Vanessa urticae angesponnen, 1. 8. 12. Am
2. 8. 12 war bei einer Raupe am Nacken die Haut zur Verwandlung auf¬
gesprungen. Sonst weiter keine Veränderungen. Die Raupen starben
sämtlich ohne Verwandlung ab. — Pyrogallussäure 30 ccm. 16 Raupen
angesponnen. Versuch vom 3. 10. 12 bis 7. 10. 12. Nur eine Raupe am
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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 191
Nacken ein ganz klein wenig aufgesprungen. Alle Eaupen sterben ohne
Verwandlung ab. — Pyrogallussäure 30 ccm. 18 Eaupen sind gegenwärtig.
Nach Verschluss des Glases sind nicht alle Eaupen festgesponnen; einige
spinnen noch und gehen umher, 19. 9. 12. Am 20. 9. 12: 1 Eaupe
spinnt den Gürtel. Am 21. 9. 12: 1 Eaupe kriecht noch etwas, 2 Eaupen
sind auf dem Nacken aufgesprungen, sonst weiter keine Veränderung. Die
festgesponnenen Eaupen fallen am Gürtel über, die nicht festgesponnenen
sind tot herabgefallen. Schluss des Versuchs am 24. 9. 12. — Pyrogallus¬
säure 25 ccm. 18 Eaupen festgesponnen. Versuch vom 8. 12. 11 mittags
bis 12. 12. 11 mittags. Am 10. 12. 11 mittags rührte sich noch 1 Eaupe
bei Erschütterung des Glases. Alle Eaupen starben ohne Verwandlung
ab. — Pyrogallussäure 25 ccm. 21 festgesponnene und mehrere noch freie
Raupen. Versuch vom 9. 10. 12 bis 15. 10. 12. Am 10. 10. 12 rühren sich
die Eaupen. Es sind entstanden: 1 Puppe, 1 Puppe zur Hälfte heraus-
gekoramen, 1 Eaupe am Nacken etwas aufgesprungen. Später keine
Änderung. Absterben der Eaupen. — Pyrogallussäure 25 ccm. 22 Eaupen
angesponnen, 14. 9. 12 abends. Am 15. 9. 12 abends rühren sich viele
Raupen auf Erschütterung. Am 16. 9. 12 nachmittags dasselbe; ausserdem
sind 4 Raupen am Rücken ein wenig aufgesprungen. Darauf wird am
17. 9. 12 abends das Glas geöffnet. Infolgedessen sind am 18. 9. 12 morgens
vorhanden: 1 Puppe, 1 Puppe zum grossen Teil herausgekommen, 7 Eaupen
am Nacken aufgesprungen. Am 18., 19. 9. 12 und den folgenden Tagen
rühren sich verschiedene Eaupen bei Erschütterung; es entstehen aber keine
normalen Puppen mehr, sondern die Raupen chitinisieren sich unter der
Raupenhaut. In der Zeit vom 14.—17. 9. 12 hatte die Entziehung des
Sauerstoffs die Raupen bereits so weit geschädigt, dass sie nach Sauerstoff¬
zufuhr nur einen Anfang von Verwandlung zeigten. — Pyrogallussäure
20 ccm. 13 angesponnene Eaupen und mehrere noch freie Raupen, 28. 9. 12.
Am 29. 9. 12 morgens haben von 13 angesponnenen Raupen 4 Exemplare
eine Puppe gegeben. Darauf hörte die normale Verwandlung auf. Am
30. 9. 12 sind 5 Raupen mit aufgesprungenem Nacken vorhanden; der
Sauerstoff im Glase hatte für eine normale Verwandlung nicht mehr aus¬
gereicht. Dabei war aber noch genug Sauerstoff vorhanden, damit die
Eaupen am Leben blieben. Denn die nicht verwandelten Raupen, besonders
die freien, bewegten noch bei Erschütterung des Glases den Kopf hin und
her, sassen aber da wie eingeschlafen. Die freien Eaupen hatten das
Spinnen nicht fortgesetzt. Am 1. 10. 12 erhielt man folgendes Resultat:
Die freien Raupen waren tot auf den Boden gefallen oder hingen mit den
hinteren Füssen festgehakt schlaff und tot herab. Die angesponnenen,
nicht verwandelten Raupen waren am Gürtel übergefallen. Die 4 ent¬
standenen Puppen waren weich und in keiner Weise ausgefärbt. Sie be-
sassen noch die getigerte Fleckung einer ausgeschlüpften Puppe. Innerhalb
der ersten 24 Stunden war mithin für eine normale Verwandlung genug
Sauerstoff vorhanden. Innerhalb der weiteren 24 Stunden genügte der
vorhandene Sauerstoff nur für einen Anfang von Verwandlung einiger
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192
111. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Exemplare. Nach nochmals 24 Stunden hingen die Raupen herab, waren
tot. — Pyrogallussäure 20 ccm. 24 Raupen mit Gürtel, 11. 10. 12. Am
13. 10. 12 waren 10 Raupen am Rücken aufgeplatzt; bei 3 Exemplaren
war der grössere Teil der Puppe hervorgekommen. Bis zum 15. 10. 12
sind alle sonstigen Raupen ohne Anfang von Verwandlung abgestorben. —
Pyrogallussäure 10 ccm. 24 Raupen festgesponnen, 14. 9. 12 abends. Am
15. 9. 12 sind bereits 3 Puppen vorhanden; am 16. 9. 12: 16 Puppen; am
17. 9. 12 sind alle 24 Raupen normal verwandelt. — Pyrogallussäure 10 ccm.
Das Glas war etwas kleiner; es enthielt 1 l 250 ccm. 27 Raupen an¬
gesponnen, 15. 9. 12. Am 16. 9. 12 abends sind bereits 6 Puppen vor¬
handen; am 17. 9. 12 morgens 16 Puppen. Am Abend desselben Tages
sind alle Raupen bis auf einige wenige Exemplare, die unverpuppt bleiben,
verwandelt. Alle Puppen blieben jedoch weich und hatten die gefleckte
Zeichnung der auskommenden Puppe.
Aus diesen Versuchen geht hervor, dass bei Entziehung von Sauerstoff
durch alkalische Pyrogallussäure die zur Verwandlung reifen Raupen nicht
sogleich getötet werden, dass sie aber nach und nach absterben, ohne sich
zu verwandeln; dass ferner die Verwandlung in dem Mafse zunimmt, als
die Menge der Pyrogallussäure abnimmt. Bei der mitgeteilten Grösse des
verschlossenen Glases beginnt sie deutlich bei 25—30 ccm der benutzten
Lösung von Pyrogallussäure. Die Gegenwart von 10 ccm Pyrogallussäure
vermag die Verwandlung kaum mehr zu verhindern, sie ist aber der
Chitinisierung der entstandenen Puppe hinderlich.
b) Einführung von Kohlensäure in die Atmosphäre.
In einem grösseren Erlenmeyerschen Kolben von 800 ccm Inhalt
wurden zur Verwandlung reife Raupen von Pieris brassicae gesetzt. Als
sie sich festgesponnen und den Gürtel angelegt hatten, wurde mittels eines
Trichters mit langem Rohr auf den Boden des Kolbens rohe Schwefelsäure
gebracht. Darauf setzte man den Kolben mit einem Entbindungsapparat
in Verbindung, in dem man Kohlensäure entwickelte. Die Kohlensäure
strich durch eine Waschflasche und darauf durch konzentrierte Schwefel¬
säure. Man leitete längere Zeit hindurch und wiederholte die Durchleitung
der Kohlensäure während des Versuches. In dieser Weise wurden folgende
Versuche angestellt.
Versuch vom 29. 10. 11 bis 3. 11. 11; 10 angesponnene Raupen. So¬
bald die Raupen das Gas merkten, wurden sie unruhig. Nach einigen
Tagen fielen sie über und starben ab, ohne sich zu verwandeln. — In
einem weitem Versuch wurde der Kolben durch ein grosses Pulverglas
von 1 l 700 ccm Inhalt ersetzt. Die sonstige Anordnung des Versuches
blieb dieselbe. Versuch vom 31. 10. 1L bis 3. 11. 11; 15 angesponnene
Raupen. Die Raupen starben ab, ohne sich zu verwandeln. — Dieselbe
Anordnung des Versuches; um den Versuch zu variieren, wurde aber die
Schwefelsäure auf dem Boden des Behälters weggelassen. 27 Raupen, von
denen 9 Exemplare noch nicht angesponnen waren. Der Versuch dauerte
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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 193
nur 24 Stunden: vom 1.11.11 bis 2.11. 11. Die freien, nicht angesponnenen
Raupen liessen sich herabfallen. Am 2. 11. 11 wurden alle Raupen aus
dem Pulverglas genommen und aufbewahrt. Eine Raupe erholte sich, starb
aber. Die Haut der Raupen chitinisierte sich, zu einer Verwandlung kam
es aber bei keiner Raupe. Der Aufenthalt von 24 Stunden in der Atmo¬
sphäre von Kohlensäure hatte genügt, um eine spätere Verwandlung zu
verhindern.
Für andere Versuche benutzte man folgende Anordnung. Als Rezipient
diente ein grosses Pulverglas wie vorher (Abb. 25). In diesem liess man sich
die Raupen festsetzen und anspinnen (i). Dann wurde auf den Boden des Pulver¬
glases etwas rohe Schwefelsäure gegossen (h) und ein kleines Gläschen (e)
mit reinem doppelkohlensauren Natrium ( g)
und etwas Wasser (/) gestellt. Durch den
Kork ( a ) ging ein Eingussrohr (c) mit
Trichter und Hahn, dessen unteres Ende
in das Gläschen mit doppelkohlensaurem
Natrium reichte. Ausserdem ging durch
den Kork ein Abzugsrohr (d). Der Kork
wurde tief eingedrückt und auf ihn eine
hohe Schicht von Wollfett oder einer
Mischung von Vaselin und Wachs ( b) ge¬
bracht. Wenn der Versuch beginnen sollte,
wurde durch den Trichter tropfenweise
verdünnte reine Schwefelsäure eingegossen,
worauf die entstandene Kohlensäure den
Apparat erfüllte. Nach Beendigung der
Gasentwicklung wurde das Abzugsrohr
(d) am Ende abgeschmolzen. Es wurden
in dieser Weise folgende Versuche an-
gestellt.
Grössere Anzahl von Raupen, angesponnene und nicht angesponnene.
10. 10. 12. Während der Entwicklung der Kohlensäure fallen die nicht
angesponnenen Raupen herab. Die angesponnenen Raupen sind nach kürzerer
Zeit übergefallen. Am 12. 10. 12 rühren sich noch verschiedene Raupen.
Am 15. 10. 12 waren alle Raupen abgestorben, ohne einen Anfang von
Verwandlung gezeigt zu haben. — 19 angesponnene Raupen, einige spinnende
und mehrere nicht angesponnene Raupen. Die Menge des doppelkohlen¬
sauren Natriums war 10 g. Versuch dauert vom 19. 10. 12 bis 22. 10. 12.
24 angesponnene Raupen, einige spinnende und mehrere freie Raupen.
5 g doppelkohlensaures Natrium. Versuch vom 19. 10. 12 bis 22. 10. 12.
Das Resultat dieser beiden Versuche war dasselbe wie vorher. Es trat
keine Verwandlung ein. — 20 angesponnene Raupen, 1 spinnende Raupe,
einige freie Raupen. 1 g doppelkohlensaures Natrium. Versuch vom
23. 10. 12 bis 27. 10. 12. Am 25. und 26. 10. 12 rühren sich noch einige
Raupen. Alle Raupen sterben ohne Verwandlung ab.
Geisenheimer Jahresbericht 1912. 13
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194 IIL Bericht aber die T&tigkeit der wissenschaftlichen Institute.
Da in den verschiedenen Versuchen unter a) und b) im Rezipienten
rohe Schwefelsäure vorhanden war, wurde ein Versuch angestellt, um
zu sehen, ob sie auf die Verwandlung hindernd wirkt (zu grosse Trocken¬
heit usw.).
In einem Pulverglas von dem obigen Inhalt liess man sich 6 Raupen
anspinnen. Man brachte darauf die Schwefelsäure auf den Boden und
stellte einen sorgfältigen Verschluss her. 26. 10. 12. Am 29. 10. 12 sind
gleichzeitig 5 Raupen verwandelt. Eine Raupe war von der Schwefelsäure
benetzt und starb.
c) Einführung von Blausäure in die Atmosphäre.
Im Anschluss an die unter a) und b) erwähnten Versuche wurden
noch solche ausgeführt, in denen nicht die umgebende und daher ein¬
geatmete Luft des Sauerstoffs verlustig ging, sondern in denen das Innere
der Raupe in der Weise verändert wurde, dass die Sauerstoffsaufnahme
durch die Gewebe herabgesetzt wurde. Dieses geschah durch Einführung
von Blausäure in den Rezipienten.
Ich habe bereits an verschiedenen Stellen meiner Veröffentlichungen
angegeben, dass die Gegenwart von Blausäure in der Atmosphäre die Ver¬
wandlung verhinderte oder in einigen Fällen ganz unvollständige Puppen
hervorrief. Diese Erscheinung erklärte ich durch die Verminderung der
Fähigkeit der Gewebe, Sauerstoff zu binden. Es ist recht schwer, die¬
jenige Menge Blausäure zu treffen, bei der die Raupen längere Zeit am
Leben bleiben. Ist die Menge zu gross, so gehen sie sogleich zugrunde;
ist sie zu klein, so bleibt sie ohne Einfluss auf die Raupen und die Ver¬
wandlung. Unter vielen Versuchen gelingen daher nur wenige. Sie ver¬
langen ausserdem sehr grosse Sorgfalt und beständige Überwachung.
In einem grossen Pulverglas wie vorher liess man sich die Raupen
von Pieris brassicae anspinnen. Auf dem Boden des Glases stand ein
kleines Gläschen mit Cyankali, welches sich an der Luft zersetzte und
Blausäure lieferte. Das Pulverglas blieb unverschlosen, und nur im Falle,
dass sich solches als notwendig erwies, wurde seine Öffnung teilweise mit
einer kleinen Glasplatte bedeckt.
Beginn des Versuches am 16. 11. 11 mittags. Am 18. 11. 11
abends begann die Verwandlung bei allen bis auf 1 Raupe, bei der sie
sich am 19. 11. 11 einstellte. Die Verwandlung der Raupen war ganz
unvollkommen. Die Nackenhaut war geplatzt und ein grösseres oder
kleineres Stück des Rückens einer Puppe war sichtbar geworden. Ein
Exemplar hatte die Raupenhaut abgestreift. Die Flügelscheiden waren
aber bei ihm ganz kurz geblieben und die Körperform war rund wie bei
einer soeben entstandenen Puppe. Am 20. 11. 11 befanden sich alle
Exemplare in unverändertem Zustande. An sämtlichen zutage getretenen
Puppenteilen war die Chitinhaut vollkommen weich geblieben. Solche
Gebilde erhielt ich früher auch unter Luftabschluss.
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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 195
Das Resultat dieses Versuches stimmt mit dem meiner früheren Ver¬
suche mit Blausäure überein. 1 )
Aus den unter a) b) und c) auf geführten Versuchen geht hervor, dass
der Sauerstoff für die Verwandlung ein durchaus notwendiger Faktor ist
und dass die Verwandlung unterbleibt, wenn er in der Atmungsluft fehlt
oder wenn die Gewebe der Raupe in einen Zustand versetzt sind, in dem
sie die Fähigkeit, Sauerstoff aufzunehmen, verlieren.
Nr. 5. Chemische Verschiedenheit der Blutflüssigkeit der Geschlechter
bei Insekten.
Die Differenzierung der Lebewesen in männliche und weibliche Indi¬
viduen ist eine Erscheinung, welche die ganze Organismenwelt beherrscht
und sich auch bei dem Auftreten und der Ausbreitung der Schädlinge
vielfach geltend macht. Es ist daher auch vom Standpunkt der angewandten
Zoologie aus der Mühe wert, dieser Frage näher zu treten. Während man
sie nun aber im allgemeinen experimentell und mehr oder minder empirisch
behandelt, habe ich es versucht, sie auf biochemischem Wege zu studieren.
Bereits in einem früheren Jahresbericht (Geisenheimer Jahresbericht für
1909, S. 107, Nr. 2) habe ich in diesem Sinne berichtet. Es seien hier
weitere Beobachtungen mitgeteilt. Diese bezogen sich auf die verschiedene
Fähigkeit des Blutes (Hämolymphe) männlicher und weiblicher Insekten¬
puppen, Farbstofflösungen, die als Indikatoren dienten, zu reduzieren.
Die Versuche wurden in vollkommen gefüllten und festverschlossenen
Fläschchen angestellt, welche die zu entfärbende Flüssigkeit enthielten,
der etwas Blutflüssigkeit der Puppe zugefügt war. Des Vergleiches halber
musste die Menge der gefärbten Flüssigkeit sowie der Blutflüssigkeit für
beide Geschlechter in jedem einzelnen Falle die gleiche sein. Zur bessern
Prüfung der Veränderung des Indikators wurden die Fläschchen einerseits
bei durchfallendem Licht und andererseits auf einem weissen Bogen Papier
betrachtet.
1. Indikator: Lösung von Indigocarmin.
Saturnia pavonia, 2. Febr., Indikator 5 ccm, Blut 1 / 2 ccm, W s ) ganz
grün, M grünlich-blau, sehr grosser Unterschied. — S. pavonia, 6.-9. Febr.,
Indikator 20 ccm, Blut 1 ccm, M viel blauer als W, Unterschied deutlich,
so dass eine Verwechslung von W und M nicht möglich ist, besonders
wenn man die Fläschchen gegen Licht hält. — S. pyri, 23. Febr., Indi¬
kator 8 ccm, Blut 1 ccm, W etwas mehr abgeblasst als M. — S. pyri,
23.—28. Febr., Indikator 16 ccm, Blut 1 ccm, W sogleich grün, M bleibt
blau, ein wenig grünlich, Unterschied stark. — S. pyri, 24.—28. Febr.,
Indikator 34 ccm, Blut 1,5 ccm, deutlicher Unterschied, W grünlicher
J ) Versuche mit Raupen von Buproctis chrysorrhoea, die ich in diesem Sommer
(1913) wiederholt habe, haben die Resultate der obigen sowie früherer Versuche
bestätigt.
*) W = Mischung von weiblichem Blut oder Weibchen; M = Mischung von
männlichem Blut oder Männchen.
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196
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
als M. — S. pyri, 23.—28. Febr., Indikator 37 ccm, Blut 2 ccm. Es
wurde 1 g feingemahlener Schwefel (reagierte neutral, wenn er angefeuchtet
wurde. Es handelte sich nicht um Schwefelblüte, die angefeuchtet sauer
reagierte) zugefügt. W deutlich grüner als M.
2. Indikator: Lösung von Fuchsin.
S. pyri, 26.—28. Febr., Indikator 8 ccm, Blut l 8 / 4 ccm. Der Fuchsin¬
lösung war Fluorammon zugefügt. W erhält sogleich einen braunen
Farbenton. Deutlicher Unterschied. — S. pyri, 26.—28. Febr., Indikator
8 ccm, Blut 1 ccm. Zusatz von Fluorammon. W sogleich bräunlich.
Recht deutlicher Unterschied. — S. pyri, 23.-28. Febr., Indikator 8 ccm,
Blut 2 ccm. Ohne Zusatz von Fluorammon. W sogleich bräunlich, grosser
Unterschied. — S. pyri, 26.—28. Febr., Indikator 16 ccm, Blut 2 ccm.
Ohne Zusatz von Fluorammon. Unterschied deutlich, aber nicht bedeutend;
die Fuchsinlösung war stark konzentriert.
3. Indikator: Lösung von Methylviolett.
S. pyri, 29. Febr. bis 11. März, Indikator 10 ccm, Blut 2 ccm, Zusatz
von Fluorammon. M ein wenig rötlich; W dunkler und mehr bläulich.
Der Unterschied war sehr auffällig, als man den Inhalt in je ein Porzellan¬
tiegelchen goss. Wenn man eine Lösung von Methylviolett oxydiert, so
wird sie rosenrot. Zu einem solchen Zweck schüttet man eine Lösung
von Permanganat in ein Reagenzglas, giesst die Lösung aus, so dass von
ihr etwas an der Wandung des Glases haftet und füllt das Reagenzglas
zur Hälfte mit einer Lösung von Methylviolett. Diese wird zuerst aus¬
gesprochen violett, dann mehr rosenrot und schliesslich etwas bräunlich.
Kocht man umgekehrt eine Lösung von Methylviolett mit Schwefelkalium,
so wird sie ausgesprochen blau, infolge der Reduktion. — Deilephila
euphorbiae, 22.—28. März. Zwei Gläschenpaare. Indikator 15 ccm, Blut
2 ccm. Etwas von der Flüssigkeit wird in Porzellantiegelchen gegossen
und dem Sonnenlicht zugekehrt. M rötlich (oxydiert), W blau (reduziert).
4. Indikator: Lösung von Methylenblau.
S. pavonia. 9. Febr. Indikator 10 ccm, Blut 1 ccm. M sogleich
mehr abgeblasst als W. 13. Febr. M fast farblos, W noch ein wenig
grünlich. — D. euphorbiae. 15. März. Indikator 10 ccm, Blut 2 ccm.
M und W ziemlich blau. 16. März. W grünlich; M grünlich, aber ganz
abgeblasst. Bei M ist die Reduktion sehr viel weiter. — D. euphorbiae.
16. März. Indikator 10 ccm, Blut 1 ccm. 17. März. Beide grün. 18. März.
Beide fast farblos. — D. euphorbiae. 17. —19. März. Indikator 10 ccm,
Blut 1,2 ccm. M grün; W blaugrün, dunkler. Bedeutender Unterschied.—
D. euphorbiae. 23. März. Indikator 15 ccm, Blut 2 ccm. Zusatz von
Fluorammon. 3 Gläschenpaare (a, b, c). 23. März, a) W grün, M blau,
b) M grünlich, W bläulich, c) Unterschied unbestimmt. 24. März, a) M blau,
W grün, b) M grün, W blau, c) M grün, W blaugrün. 26. März, c) M fast
farblos, W noch schön grün. 31. März, a) Beide abgeblasst. M grün,
W blaugrün, b) M abgeblasst, W grüner.
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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 197
Das Verhalten der männlichen und der weiblichen Blutflüssigkeit
gegenüber gefärbten Indikatoren kann man in folgender Weise zusammen¬
fassen. Die weibliche Blutflüssigkeit reduziert die Indikatorflüssigkeit
stärker als die männliche; bei Methylenblau findet das umgekehrte Ver¬
hältnis statt (bis auf den Fall von D. euphorbiae. 23. März. Gläschen¬
paar a), aber nur bei Beginn). In einer Anzahl von Versuchen, die ich mit
dem Glyzerinextrakt der diözischen Pflanze Lychnis dioica anstellte, redu¬
zierte der männliche Extrakt die Lösung von Methylenblau gleichfalls stärker
als der weibliche Extrakt.
In den Mischungen von Blut und Indikatorflüssigkeit bildeten sich
Niederschläge, welchen besonders bei S. pavonia und S. pyri Beachtung
geschenkt wurde. Nach einiger Zeit, etwa 30 Minuten nach Vermischung
des Blutes und der Indikatorflüssigkeit, trübt sich der Inhalt der verkorkten
Fläschchen; das Aussehen der männlichen Flüssigkeit ist aber ganz ver¬
schieden von dem der weiblichen Flüssigkeit. Die letztere bleibt lange
trüb und der später auf dem Boden befindliche Niederschlag ist ein feines
Sediment. Die männliche Flüssigkeit wird schnell klar, der Niederschlag
ist flockig. Die Farbe der Niederschläge war in den gefärbten Indikator¬
flüssigkeiten nicht regelmässig; sie war aber beim W oft heller als bei M.
Es wurde auch Puppenblut mit destilliertem Wasser gemischt. — S. pavonia.
3.—5. Febr. Wasser 20 ccm, Blut Vs ccm. Der Niederschlag der weib¬
lichen Flüssigkeit ist ein feines, helles Sediment; der in der männlichen
Flüssigkeit ist flockig und braun.
Die Blutfarbe des M von S. pavonia und pyri ist gelb, die des W
grün. Für D. euphorbiae gilt dasselbe.
Wenn man einen Tropfen Puppenblut von S. pavonia der beiden Ge¬
schlechter auf feines Fliesspapier fallen und trocknen lässt, so erhält man
grosse kreisförmige Flecken von verschiedenem Aussehen. Der weibliche
Fleck ist von kräftiger, dunkler Farbe, graugelb oder graubraun. An seiner
Peripherie befindet sich ein Kranz von olivengrüner Farbe. Der männliche
Fleck ist sehr viel heller, mit blassem, undeutlichem Saum von gelblicher
Farbe. Dieser Saum tritt besonders dann hervor, wenn man das Papier
gegen das Licht hält. Lässt man Streifen von feinem Fliesspapier in
destilliertes Wasser tauchen, dem man Puppenblut von S. pavonia zugefügt
hat, so entstehen am oberen Ende der von der aufsteigenden Flüssigkeit
durchlaufenen Strecke zwei Zonen, nämlich eine breite Zone, welche beim
W olivengrün und beim M sepiabraun ist, und ein oberer Saum, der in
beiden Geschlechtern eine hellgelbe Farbe hat. Der männliche Streifen
hat ausserdem einen schwachen, bräunlichen Schein erhalten, den der
weibliche Streifen nicht besitzt.
Kurz vor dem Auskommen des Schmetterlings, im April, wird das
Blut der Puppe von S. pavonia farblos wie Wasser. Dieses geschieht zu¬
erst bei dem M, bei dem die Entwicklung schneller vonstatten geht als
beim W. Später ist auch das Blut des W farblos. In diesem Stadium
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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
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haben aber die Puppen fast gar kein Blut mehr. Ein solches Blut gibt in
destilliertem Wasser auch keinen Niederschlag.
Wenn man das Puppenblut von S. pavonia (Dezember—Januar) auf
Deckgläschen trocknen lässt, so nimmt man den Farbenunterschied der
Geschlechter (gelb bei M, grün bei W) deutlich wahr, besonders wenn man
die Deckgläschen auf weisses Papier legt. In dem angetrockneten Blut
des W hat sich ausserdem eine grosse Zahl kugeliger, kristallinischer Ge¬
bilde ausgeschieden, die sich in Wasser sogleich lösen.
Nr. 6. Über die Entstehung der Farbe der Kokons von gewissen auf
unsem Obst- und Schattenbäumen lebenden Raupen.
(Nachtrag zu Jahresbericht für 1911, S. 278—285.)
Im Anschluss an die im Jahresbericht für 1911 gemachten Angaben
seien hier einige weitere Beobachtungen über diesen Gegenstand mitgeteilt.
Solche betreffen die Raupenart Lasiocampa quercus.
Wenn man die Raupen im erwachsenen Zustand in einem grösseren
Blechkasten füttert, so bemerkt man, dass die zur Verwandlung schreitenden
Raupen gegen 8 oder 9 Uhr morgens einen grauen Kokon gesponnen haben,
der aus Seide und einer mehr oder minder grossen Menge Raupenhaare
besteht. Nimmt man diesen Seidenkokon aus dem Kasten und beobachtet
ihn weiter, so sieht man, dass ihn die Raupe durch Spinnen vervollständigt
und dass sie ihn erst am Nachmittag (2 Uhr) mit einer cremefarbenen
Flüssigkeit durchtränkt, welche aus dem Munde hervorkommt. Später
trocknet die Flüssigkeit und der Kokon ist dann inkrustiert und hart. Die
Flüssigkeit wird aus dem After entleert und ohne Zweifel mit dem Munde
aufgesogen. Dieser letztere Vorgang konnte nicht beobachtet werden, da
ein in den Seidenkokon geschnittenes Loch von der Raupe sogleich wieder
zugesponnen wird. Dass aber die Flüssigkeit, welche aus dem Munde aus-
gestossen wird, den After passiert, beweisen verschiedene Tatsachen.
Nimmt man eine Raupe, sobald sie angefangen hat, den Seidenkokon
zu durchnässen, heraus und drückt das untere Körperende, so quillt die
cremefarbene Flüssigkeit aus dem After hervor. Sie ist von Kristallen der
Malpighischen Gefässe erfüllt und trocknet schnell auf Papier, wobei die
entstehende Kruste braun wird. Unterbindet man ferner einer spinnenden
Raupe recht sorgfältig den After und lässt die Raupe weiter spinnen, so
ist der angefertigte Kokon nur aus Seide zusammengesetzt und nicht in¬
krustiert. Die cremefarbene Flüssigkeit, welche die Inkrustierung veran¬
lasst, konnte infolge der Unterbindung des Afters aus diesem nicht ent¬
leert werden.
Wenn man ein Stückchen des inkrustierten Kokons unter dem
Mikroskop betrachtet, so sieht man, wie die Kokonschale aus Kristallen
der Malpighischen Gefässe wie aus kleinen rechtwinkeligen Sternchen
mosaikartig zusammengesetzt ist. Die Kristalle berühren sich mit den
Seiten und sind verkittet. Das mikroskopische Bild der Schale von
E. lanestris ist ein ähnliches.
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Bericht über die Tätigkeit der Station für Sch&dlingsforschungen in Metz usw. 199
Der inkrustierte Kokon von L. quercus kann hell oder schwärzlich
sein, je nachdem die umgebende Luft bei seiner Entstehung feucht oder
trocken ist. Die Beleuchtung schien mir, wie ich es schon für Saturnia
pavonia und pyri und für Eriogaster lanestris angegeben habe, ohne Ein¬
fluss auf die helle oder dunkle Farbe des Kokons zu sein.
Wenn man die Raupen in einem fest verschlossenen Blechkasten hält,
der mit der Futterpflanze angefüllt ist und in dem die Luft mit Feuchtig¬
keit gesättigt ist, so entstehen hier schwärzliche Kokons. Lässt man
ferner die Inkrustierung des Kokons in einem Reagenzglas ausführen, in
dem sich etwas angefeuchtetes Fliesspapier befindet, so wird der Kokon
gleichfalls schwarz, auch wenn man das Reagenzglas der Sonne aussetzt
und hinter ihm weisses Papier befestigt.
Helle Kokons entstehen dagegen in trockner Umgebung. Löst man
Seidenkokons von der Unterlage, auf der sie gesponnen sind, ab, befestigt
sie mit Nadeln auf weissem oder schwarzem Papier und setzt sie dem
Sonnenlicht oder dem diffusen Licht aus, so sind die schliesslich ent¬
standenen inkrustierten Kokons hell und unterscheiden sich stark von den
in feuchter Umgebung entstandenen schwärzlichen Kokons.
II. Kitteilnngen über Rebläuse.
1 . Wirkung von reinem Schiefer auf die Reblaus.
Reiner Schiefer aus Bernkastel war mit dem Hammer feingeklopft
worden und diente unvermischt zu folgenden Versuchen in Töpfen.
Nr. 95. Aus Stecklingen gezogener junger Riesling. Wuchs in
Schiefer vom 15. 6. 10 bis 20. 10. 12. Infektion am 26. 6. 10, später
wiederholt. Resultat: gut entwickeltes Wurzelsystem. Die stärkeren
Wurzeln mit zahlreichen Tuberositäten; auf der vertieften Spitze dieser
befanden sich Läuse. Keine Nodositäten.
Nr. 90. Aus Steckling gezogener Sylvaner. Wuchs in Schiefer von
Dezember 1909 bis 20. 10. 12. Infektion am 24. 6. 10, später wiederholt.
Resultat: Am 17. 10. 11 eine Anzahl von Nodositäten. Am 20. 10. 12
Wurzelsystem grösstenteils abgestorben; die stärkeren Wurzeln mit zahl¬
reichen Tuberositäten; die starken Wurzeln ganz zerfressen. Die Borke
war auf den letzteren abgestorben und liess sich ablösen. Unter ihr be¬
fanden sich oft Nester von Läusen. An anderen Stellen wuchs aus der
noch festen Borke eine frische Tuberosität hervor, an der sich Läuse be¬
fanden (Abb. 26 a u. b).
Nr. 91. Aus Steckling gezogener junger Kleinberger. Wuchs in
Schiefer vom Dezember 1909 bis 2. 11. 12. Infektion am 24. 6. 10,.später
wiederholt. Resultat: Am 20. 10. 11 eine Anzahl von Nodositäten. Am
2.11.12 Wurzelsystem fast ganz abgestorben, überall Tuberositäten sichtbar.
Auf den Wurzelresten und am Stamm überall Läuse.
Nr. 88. Aus einer Augenknospe gezogener Riesling. Wuchs in
Schiefer vom 28. 5. 10 bis 3. 11. 12. Infektion am 24. 6. 10, später
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200
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
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wiederholt. Resultat: Am 12. 10. 11 viele Nodositäten. Am 3. 11. 12
Wurzelenden im Begriff abzusterben. Überall auf den stärkeren Wurzeln
Tuberositäten mit Läusen. Die Tuberositäten vielfach und auf grössere
Strecken hin gefault. Am unterirdischen Wurzelstock starke Tuberositäten
und Auswüchse mit Läusen
(Abb. 27 a u. b).
Nr. 103. Aus Steckling
gezogener Später Burgunder.
Wuchs in Schiefer vom 20.
5. 10 bis 7. 11. 12. Infektion
am 24. 6. 10, später wieder-
Abb. 26 a. Ganzes Wurzelsystem.
Abb. 26 b. Eine starke zerfressene Wurzel.
holt. Resultat: Wurzelsystem sehr stark entwickelt. Grössere Anzahl
von Nodositäten.
Nr. 104. Aus Steckling gezogener Kleinberger. Wuchs in Schiefer
vom Dezember 1909 bis 8. 11. 12. Infektion am 24. 6. 10, später wieder¬
holt. Resultat: Auf der Oberfläche des Ballens einige Nodositäten. Wurzel¬
system im Absterben begriffen. Die stärkeren Wurzeln tragen Tuberosi¬
täten und sind überall zerfressen. Zahlreiche Läuse auf den stärkeren
Wurzeln.
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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 201
Nr. 105. Aus Steckling gezogener Später Burgunder. Wuchs in
Schiefer vom 15. 6. 10 bis 12. 10. 11. Infektion am 24. 6. 10, später
wiederholt. Resultat: Wurzelsystem gut entwickelt. Wurzeln von Nodosi-
täten bedeckt (Abb. 28).
Nr. 92. Samen von Riesling in Schiefer gesät am 17. 5. 10. Wuchs
hier bis 10. 9. 12. Infektion am 20. 7. 10, später wiederholt. Beim Nach¬
sehen wurden verschiedentlich Nodositäten und auf der Hauptwurzel Läuse
At)b. 27 a. Ganzes Wurzelsystem. Tuberositäten an einer starken
Wurzel, Tuberositäten und Auswüchse an dem unterirdischen
Wurzelstock.
Abb. 27 b. Eine starke Wurzel mit
vielen Tuberositäten.
und Eier festgestellt. Hörte schliesslich auf zu wachsen. Die Neben¬
wurzeln waren abgestorben; die Hauptwurzel trug chancerartige, durch
die Läuse hervorgerufene Auswüchse (Abb. 29).
Nr. 106. Aus Steckling gezogener junger Riesling. Wurde am
27. 5. 10 in Schiefer gepflanzt. Infektion zu verschiedenen Malen während
des Sommers 1910. Das in Abb. 30 wiedergegebene Wurzelstück befand
sich auf der Oberfläche des Ballens und wurde am 8. 6. 11 abgeschnitten.
Derartige winzige Nodositäten sind an Riesliugwurzeln, welche in dem
zerkleinerten Schiefer aus Bernkastel gewachsen w r aren, öfters beobachtet
worden.
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202
HI. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
: r : ':>'i :
Abb. 28. Ganzes Wurzelsystem mit zahlreichen Nodositäten.
Abb. 29. Hauptwurzel mit abgestorbenen Neben*
wurzeln; durch Läuse verursachte Auswüchse.
Nr. 107. Es waren ausserdem aus
Stecklingen gezogene junge Späte Bur¬
gunder und Rieslinge in Schiefermehl
aus Steinach in Sachsen-Meiningen ge¬
pflanzt worden, das aus sehr weichem
Schiefer hergestellt war. Da der an¬
gefeuchtete Schiefer eine teigartige
Masse darstellte, war das Wachstum
der Rehen ein beschränktes. Es bildeten
sich aber neue Wurzeln, besonders auf
der Aussenfläche des Ballens, auf denen
sich dann Nodositäten und Tuberositäten
zeigten.
Ein Einfluss des reinen Schiefers
auf die Reblaus konnte nicht beob¬
achtet werden.
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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 203
Ausserdem sind im Frühjahr 1912 grössere Topfversuche mit Blind¬
holz und Moselaner Schieferböden eingeleitet worden. Für einen solcher
Schieferböden, welcher aus Bernkastel stammte, wurde Blindholz aus dem
entsprechenden Weinberg benutzt; für drei andere Schieferböden Riesling-
und Sylvaner-Holz von Herrn
Pagenstecher in Scy. Diese
drei Bodenproben waren die¬
selben, welche bereits zu
den Versuchen dienten, über
welche im voraufgehenden
Jahresbericht Mitteilung ge¬
macht wurde; sie stammen, wie dort angegeben ist, aus Lieser, Uerzig und
vom Josefshof. Für die Beschaffung der Moselaner Schieferböden und der
Moselaner Blindreben bin ich wie früher Herrn Weinbauinspektor Neumann
in Bernkastel zu Dank verpflichtet.
Die Blindreben werden im Laufe dieses Sommers (1913) infiziert
werden. 1 )
2. Wirkung einer Mischung von Quarz und Heideerde auf die Reblaus.
Nach Angabe der französischen Autoren enthalten die Sande, welche
frei von Rebläusen sind, mindestens 60°/ o Kieselsäure. Es wurde daher
reiner Quarz (aus der chemischen Fabrik List in Seelze bei Hannover),
mit Heideerde (aus der Gärtnerei Frenkel in Metz) vermischt. Die Mischung
bestand aus 30% (Gewichtsprozent) lufttrockner Heideerde und 70% Quarz.
Der Quarz seinerseits setzte sich zusammen aus feingekörntem Quarz (2 hg)
und gemahlenem Quarz (1 hg). Der Mischung von Quarz und Heideerde wurden
ausserdem noch 2 Kilo Quarzstückchen von der Grösse einer Haselnuss
zugefügt, um den künstlichen Boden locker zu erhalten und in ihm Lücken
hei vorzurufen.
Mit dieser Bodenmischung wurden in Töpfen folgende Versuche
gemacht.
Nr. 93. Aus einem Steckling gezogener junger Riesling. Wuchs
in der Bodenmischung vom 2. 3. bis 25. 10. 12. Resultat: Dichtes Wurzel¬
system; auf den stärkeren Wurzeln Tuberositäten mit Läusen.
Nr. 97. Aus einem Steckling gezogener junger Sylvaner. Beim
Einsetzen in die Mischung waren die Wurzeln ganz kurz geschnitten, damit
sich das neue Wurzelsystem möglichst in der Quarzmischung bildete.
Wuchs in der Bodenmischung vom 2. 3. bis zum 25. 10. 12. Resultat:
Sehr dichtes Wurzelsystem. Zahlreiche Nodositäten; in den Rissen der
starken Wurzeln Läuse.
Nr. 98. Aus einem Steckling gezogener junger Sylvaner. Beim
Einsetzen wurden die Wurzeln kurz geschnitten wie in Nr. 97. Wuchs
in der Bodenmischung vom 2. 3. bis 25. 10. 12. Resultat: Wurzelsystem
mässig entwickelt. Nodositäten und Tuberositäten vorhanden.
*) Sie haben sich im Jahre 1913 zum grössten Teil selbst infiziert.
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204
III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
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Nr. 100. Blindholz. Riesling. Wuchs in der Erdmischung von Mai
bis 25. Oktober 1912. Resultat: Wurzelsystem normal, einige Nodositäten.
Nr. 101. Wie Nr. 100. Resultat: Wurzelsystem nicht stark ent¬
wickelt; einige Nodositäten.
Nr. 102. Blindholz, Riesling. Wuchs nur kurze Zeit in der Erd¬
mischung. Die hervorkommenden Wurzeln waren sogleich befallen und in.
Nodositäten umgewandelt (Abb. 31).
Die Infektion wurde fiir die in der Quarzmischung wachsenden Reben
während des Sommers 1912 mehrere Male vollzogen. Eine Wirkung der
Mischung auf die Reblaus konnte nicht beobachtet werden.
Eine andere Bodenmischung wurde
mit GERDESschen Humuskieselsäure-Präpa¬
raten ausgeführt. Herr Konsul Gerdes
hatte mir unentgeltlich zwei Proben zur
Verfügung gestellt, von denen die eine
50 °/ 0 und die andere 23 °/ 0 Kieselsäure
enthielt. Von diesen Präparaten wurden
je zwei Mischungen mit Heideerde her¬
gestellt. Von dem Präparat 23 °/ 0 wurden
2,17 g und 4,35 g auf 100 g Mischung
genommen (— 0,5 °/ 0 und 1 °/ 0 Kieselsäure);
von dem Präparat 50 °/ 0 wurden 1 g und
2 g auf 100 g Mischung angewandt
(= 0,5 °/o und 1 °/ 0 Kieselsäure). In diese
vier Erdmischungen wurden teils junge
Topfreben, denen die Wurzeln vorher ganz
kurz geschnitten waren, teils in Kasten
Blindreben von Riesling und Sylvaner ge¬
pflanzt. Von den Topfreben gedieh nur
ein Teil, der sich noch in Kultur befindet.
Was das Blindholz in Kasten angeht, so
schlug von Riesling nur ein Stück aus; von Sylvaner meist nur solche
Stücke, die in den weniger konzentrierten Mischungen wuchsen. Die Ab¬
stufung war so deutlich, dass von Zufall nicht gesprochen werden kann.
Ich vermute, dass das Absterben des Blindholzes die Folge der alkalischen
Eigenschaften der Präparate ist. Die wenigen gewachsenen Blindreben
befinden sich gleichfalls noch in Kultur. 1 )
Abb. 31. Die ersten Wurzeln in Nodositäten
nmgewandelt.
3. Der Einfluss des Sandes auf die Reblaus.
Gleichzeitig mit der Untersuchung über den Einfluss von Schieferböden und
von Silicium enthaltenden Substanzen auf die Reblaus wurden solche über den
Einfluss des Sandes auf das Insekt in Angriff genommen. Sande, welche der
Umgebung von Metz entnommen und ziemlich grobkörnig waren, zeigten, dass
J ) In dem Kasten befanden sich ursprünglich 120 Stück Blindholz und diese
haben schliesslich nur vier mehr oder minder gut entwickelte Reben gegeben (Sommer
1913).
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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 205
die Reblaus in ihnen sehr gut fortkommt. Die durch sie hervorgerufenen
Nodositäten waren gross und gut gebildet. Ich habe daher angefangen,
authentische Immunsande zu benutzen. Ich verdanke solche den freund¬
lichen Bemühungen der Herrn Jablonowski in Budapest, G. Gastine in
Marseille, Arbelot in Arles und der Compagnie des Salins du Midi in
Aigues-Mortes (Montpellier).
Jedermann kennt ungefähr die Bedeutung, welche gewisse Sandböden
für Südfrankreich und Ungarn haben. Was aber in Deutschland weniger
bekannt ist, sind die auf diese Frage Bezug habenden Veröffentlichungen.
Man kann fast behaupten, dass nur wenige Personen diese oder jene von
ihnen gesehen haben. Solches kommt daher, dass sie im Ausland und
noch dazu als Artikel kleiner Zeitschriften, oder als kleine Broschüren er¬
schienen sind. Unter solchen Umständen hielt ich es für angebracht, die
verschiedenen Arbeiten, welche die Immunität gewisser Sande behandeln,
zu sammeln. Da aber die Wiedergabe dieser Literaturmitteilungen für
diesen Bericht zu umfangreich ist, so werde ich sie in einer geeigneten
Zeitschrift veröffentlichen.
Ob sich auch in Deutschland derartige Sande vorfinden, ist bisher
nicht untersucht worden. Mit Rücksicht hierauf dürfte es von Interesse
sein, diejenigen Auskünfte hier wiederzugeben, welche ich bezüglich des
deutschen Weinbaugebietes von verschiedenen geologischen Anstalten er¬
halten konnte. In dieser Weise würden sie weiteren Arbeiten über diese
Frage als Richtschnur dienen können. Die Institute, denen ich für solche
Angaben zu Dank verpflichtet bin, sind die Geologischen Landesanstalten
in Berlin, München, Darmstadt, Stuttgart, Freiburg i. Br. und Strassburg.
Ich führe die Mitteilungen so auf, wie ich sie erhalten habe, ohne dabei
entscheiden zu wollen, ob in den bezeichneten Gegenden bereits Weinbau
getrieben wird, oder ob sie sich für den Weinbau eignen würden.
1. Reine, feinkörnige, leicht bewegliche, sterile Sande sind in der
mittelrheinischen Ebene und im Mainzer Becken vielfach vorhanden und
sehr verbreitet, insbesondere am linken Rheinufer zwischen Mainz und
Bingen, dann rechts des Rheines zwischen Mainz und Darmstadt, Mainz
und Frankfurt und zwischen Darmstadt und Mannheim. Vereinzelt und
in geringerer Ausdehnung sind solche Flugsande auch von Trier und aus
einigen Tälern der Nordvogesen (Pfalz) bekannt.
2. Im hessischen Gebiet kommt hauptsächlich die Gegend von Iugen-
heim und Seeheim an der Bergstrasse in Frage; rechtsrheinisch der Ort
Lorsch. Auf der linken Rheinseite kommen Worms und Eich (gegenüber
von Gernsheim) in Betracht, ferner die Gemarkungen von Mainz bis
Bingen, so z. B. die Orte Heidesheim, Ingelheim.
3. Für die bayerische Rheinpfalz sind die Flugsandgebiete auf der
geognostischen Karte Bayerns 1 : 100000 (in München bei Pilot y & Loehle,
Jungfemturmstrasse) angegeben.
Blatt Speyer Nr. XVIII. — Grössere Flugsandgebiete sind einge¬
zeichnet in XXIV, 8—13 (bei Scheibenhardt, Lauterburg), in XXI, 7—12
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206 III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.
(bei Wörth, Schaidt), in XII—XIV, 3—6 (westl. von Germersheim), in
VII—Vili, 2—6 (NNW. von Speyer), in IV—V, 3—4 (N. von Schifferstadt).
Grössere Partien von Flugsanden von ebenso ganz typischer äolischer
Entstehung und Korndifferenzierung finden sich im Blatt Zweibrücken
Nr. XIX und zwar in EX, 35—37 (0. und W. von Beeden) und dann in
dem Geländestreifen zwischen VII und III, 25—35 (zwischen Homburg
und Kindsbach bei Bandstuhl). Die letzteren Vorkommen sind nicht so
beträchtlich, wie die im Blatt Speyer, doch sind sie nennenswert.
4. Im Flugsandgebiet der unterbadischen Rheinebene nördlich von
Rastatt sind Weinberge selten. Sie finden sich aber z. B. bei Fendenheim
unweit Mannheim und bei Schwetzingen. Auch bei Forst bei Bruchsal
sind einzelne vorhanden, alle in der Rheinebene. Sandiger Löss trägt
Reben bei Zenthem, Unteröwisheim und Grötzingen. Die geologischen
Spezialkarten 1:25000, Blatt 22 Ladenburg, 31 Schwetzingen und 46
Bruchsal geben nähern Aufschluss.
5. In Württemberg sind Flugsande selten. Für das Bodenseegebiet
vgl. Schmidle, Schriften d. Vereins für Geschichte des Bodensees, XXXVII,
1908, S. 40 ff.
6. Ebenso spielen im Reichsland Flugsande eine geringe Rolle und
sind in Weinbergsgegenden überhaupt nicht bekannt. Blatt Bitsch der
Geologischen Spezialkarte verzeichnet Dünen, die aus Vogesensand ent¬
standen sind, die aber in den militärischen Anlagen liegen. Im Eisass
kommen Flugsande in der Gegend von Hagenau vor: altdiluviale, zu Dünen
verwehte Sande östlich vom Bahnhof Neuburg, pliozäne Sande im Gemeinde¬
wald von Schweighausen südlich vom Dorf, nördlich vom Ohlunger
Galoppweg.
Was die Kultur von Reben auf deutschen Flugsandböden angeht, so
interessiert uns hier eine Schrift, die ich der Freundlichkeit des Kali¬
syndikats, Berlin, Dessauerstrasse, verdanke und die uns Auskunft über
die Rebenanlagen in Liebfrauthal, in der linken Rheinebene zwischen Worms
und Oppenheim gelegen, erteilt. E. Lierke, Kalidüngung der Weingärten.
Herausg. von der Agrikultur-Abteil, d. Kalisyndikats. Leopoldshall-Stass-
furt. 3. Aufl., 1906, S. 28— 35. Dieses Flugsandgebiet wurde der Reben¬
kultur im Jahre 1887 durch J. J. Hoffmann in Liebfrauthal er¬
schlossen. Dreiundvierzig Hektar Rebenkultur wurden von ihm geschaffen
und es sind jetzt bedeutende Flächen guter Bestände vorhanden. Es
wachsen dort Frühburgunder, Spätburgunder, Sylvaner, Ruhländer. Der
Boden, welcher aus feinem Sand besteht, ist einem humusreichen Ton¬
mergel, den Schlammablagerungen des früheren Rheinbettes, aufgelagert.
Der oft 2—3 m mächtige Oberboden litt an Trockenheit. Sind aber die
Reben erst festgewachsen, so finden sie in der Tiefe genügende Feuchtigkeit.
Nährstoffe sind in geringer Menge vorhanden, dagegen zeichnet sich der
Sand durch besonders hohen Kalkgehalt aus. Gedüngt wird mit künst¬
lichem Dünger.
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IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
a) Technische Abteilung.
Erstattet vom Betriebsleiter Weinbauinspektor Fischer.
A. Betriebsbericht.
i. Stand und Entwicklung der veredelten Reben in der Versuchsanlage
Leideck.
Infolge der vorzüglichen Holzreife überwinterten die Reben gut.
Selbst die 1905 gepflanzten Sylvanerveredlungen, die sehr starken Frost¬
schaden erlitten hatten, konnten ziemlich normal geschnitten werden. Der
Austrieb erfolgte bei Sylvaner und Burgunder ziemlich gleichzeitig, bei
Riesling etwas später. Schon Ende April hatten die Triebchen der erst¬
genannten Sorten eine Länge von 4 cm, während die Rieslinge eben erst
in die „Wolle gekommen“ waren. Die ersten blühenden Gescheine zeigten
' sich ziemlich gleichmässig bei Sylvaner, Riesling, Früh- und Spätburgunder
auf den verschiedenen Unterlagen. Den Eintritt der Blüte der an der
Mauer gepflanzten Reben (veredeltes Tafeltraubensortiment) zeigt folgende
Zusammenstellung.
Es blühten am:
7. Juni: Weisser Ofner, Gamay de Liverdun, Weisser Riesling.
8. „ Früher blauer Wälscher, Farbtraube I, Früher blauer Burgunder,
Blauer Hängling, Weisser Morillon, Weisse Lamberttraube.
9. „ Muscat noir Vibert, Muscat St. Laurent, Bukettraube, Gelber
Ortlieber, Madeleine royale, Blauer Sylvaner.
10. „ Blauer Arbst, Sauvignon blanc, Blauer Portugieser, Roter Hansen.
11. „ Weisser Wippacher, Schwarzblauer Riesling, Grauroter Gutedel,
Blauer Damascener, Basilicumtraube, Gamay de Bevy, Roter
Elbling, Cabernet, Blauer Gelbhölzer, Piquepoule petite noire,
Weisser Gamay, Muscat Caillaba, Blauer Kölner, Goldriesling,
Müllerrebe, Sämling Nr. 155, 168.
12. „ Roter Zierfandler, Weisser Gutedel, Rotstieliger Dolcedo, Haläper
Muscattraube, Weisser Traminer, Blauer Muskateller, Blauer
Kläpfer, Weisser Heunisch, Blauduft-Trollinger, Roter Urben,
Madeleine angevine, Früher roter Velteliner, Weisser Kalabreser,
Roter Krachgutedel, Ribola, Früher Malingre, Orangetraube,
Blauer Aramon, Merlot, Gamay crepet, Sämling Nr. 2, 4, 89, 98,
166, 167, 173, und am
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208
IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
13. Juni: Farbtraube, Weisse Folie, Gelber Muskateller, Kalebstraube,
Caserno, Carmenere, Boudales, Weisses Wachtelei, Großer Veite¬
liner, Blaufränkisch, Muskat-Gutedel, Olivette noire, Rouge.
Die Entwicklung der Triebe war ausserordentlich üppig. Mitte Juni
w T aren die meisten Lotten um etwa 50 cm länger als zur gleichen Zeit
des Vorjahres.
Heu- und Sauerwurm wurden bei Riesling und Sylvaner sehr wenig,
bei Früh- und Spätburgunder überhaupt nicht gefunden. Von den pilz¬
lichen Krankheiten machte sich das Oi'dium besonders bei Sylvaner in dem
tiefst gelegenen Quartier bemerkbar. Trotz sechsmaligen Schwefelns hatten
diese Veredlungen etwas unter diesem Pilz zu leiden. Die Blattfallkrank¬
heit konnte durch die Behandlung mit Kupfervitriolkalkbrühe vollständig
fern gehalten werden.
Im Chlorosebefall wurde im Berichtsjahr zum 1. Mal ein Rückgang
beobachtet. Von 835 im Jahre 1911 befallenen Stöcken sind 292 wieder
gesundet. Immerhin waren 1912 noch 657 Stöcke gelbsüchtig, von welchen
135 im Berichtsjahr die ersten Anzeichen dieser Krankheit erkennen liessen.
45 Stöcke sind infolge der Verheerung der Chlorose abgestorben. Die
Sylvanen auf Solonis blieben von dieser Krankheit wiederum verschont.
Stellt man den Chlorosebefall bei Riesling, Sylvaner und Spätburgunder
veredelt auf Solonis, Riparia und Rupestris zusammen, so erhält man
folgendes Bild:
Sorte
Anzahl
der
vorhandenen
Stöcke
Von
Chlorose
befallene
Stöcke
0/
Io
des Befalles
Riesling auf Riparia.
918
126
14
Sylvaner „ .
1263
102
8
Spätburgunder auf Riparia.
235
47
20
2416
275
42
Riesling auf Solonis.
1340
259
19
Sylvaner „ „ .
466
—
—
Spätburgunder auf Solonis.
168
5
3 '
1974
264
22
Riesling auf Rupestris.
232
16
7
•Sylvaner „ „ .
271
6
2
503
22
9
Man erkennt aus dieser Zusammenstellung, dass die Veredlungen auf
Riparia mit 42°/ 0 am meisten unter der Gelbsucht zu leiden hatten.
Solonis folgt mit 22°/ 0 an 2. Stelle, während Rupestris nur 9°/ 0 aufweist.
Bezüglich des Wachstums konnte auch in diesem Jahr bei den
jüngeren und älteren Veredlungen der schwächere Wuchs der Edelsorten
auf Solonis als auf Riparia und Rupestris beobachtet werden. Die Riesling©
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a) Technische Abteilung.
209
auf Gloire de Montpellier, welche Unterlagssorte doch in unveredeltem Zu¬
stand mit das stärkste Wachstum aller Amerikanerreben hat, zeigten als
sechsjährige Veredlungen eine noch schwächere Entwicklung als die gleich-
alterigen Kieslinge auf Solonis. Ganz besonders äussert sich das Verhalten
der einzelnen Veredlungen bezüglich ihres Wachstums im Abfallholz beim
Schnitt. Wie die Tabelle n, Seite 211, zeigt, betrug das Gewicht des Holzes
von 46 Stöcken bei Riesling auf Riparia Gloire de Montpellier nur 7,5 kg, da¬
gegen bei den unveredelten Kontrollreben 20 kg-, von den Solonisveredlungen
fielen 9, von den unveredelten Kontrollreben 17 kg Holz ab. Die Ver¬
edlungen auf den Geisenheimer Kreuzungen zeigten mit Ausnahme der auf
Riparia x Rupestris 13 G, auf der veredelte und unveredelte Reben dieselbe
Menge Abfallholz ergaben, einen wesentlich stärkeren Trieb als die un¬
veredelten Kontrollreben.
Die Lese wurde begonnen bei:
Frühburgunder am 18. September,
Spätburgunder am 14. Oktober,
Sylvaner und Riesling am 10. November.
Der an sich ausserordentlich reiche Behang wurde durch die anfangs
Oktober eingetretenen Fröste sehr stark vermindert. Trotzdem wurden
599,5 kg Trauben mehr gelesen als im Vorjahre, der beste Beweis für den
reichlichen Fruchtansatz im Berichtsjahr. Das durchschnittliche Most¬
gewicht betrug bei den älteren Veredlungen 68° Oe. und 15,4 °/ 00 Säure,
gegen 95° Oe. und 11,5 °/ 00 Säure im Vorjahre.
Im einzelnen finden sich die genauen Angaben über Trieblänge, Be¬
hang, Chlorosebefall, Ertrag, Mostgewicht, Säure, Abfallholz beim Schnitt
in den Tabellen I, II und III (siehe Seite 210 u. 211).
2. Die Frühjahrsveredlung und Einschulung.
Im ganzen wurden im Berichtsjahr für die verschiedenen Versuche
sowie zu Nachpflanzungen und für Neuanlagen 11700 Veredlungen her¬
gestellt. Einschichten und Vortreiben geschah nach dem bewährten Verfahren,
wie wir es im Bericht 1910 beschrieben haben. Der Vortreibeprozess be¬
gann am 10. Mai und schon 4 Tage danach konnte die erste Kallusbildung
beobachtet werden; am 15. Mai wurde die Deckschicht bereits entfernt.
Von den verschiedenen Edelsorten zeigte Gutedel den ersten und gleich-
mässigsten Austrieb und es folgten dann der Reihe nach Spätburgunder, Elbling,
Sylvaner, Portugieser und Riesling. Die Kallusbildung war im allgemeinen
sehr gut. Am 28. Mai begannen wir mit dem Einschulen der Veredlungen
sowie 2700 unbewurzelter Amerikaner-, 3400 Europäerreben und 3200 im
Jahre 1911 angefertigter Veredlungen, so dass das Einschulungsquartier
im ganzen mit 21000 Reben bestellt war.
Die Entwicklung der veredelten Reben blieb im Berichtsjahr hinter
jener des Jahres 1911 etwas zurück. Über die Bewurzehingsbeobachtungen,
festgestellten Anwachsprozente usw. wollen wir später zusammenhängend
nach Abschluss der Versuche berichten.
Geisenheimer Jahresbericht 1912. 14
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210 IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
Riesling auf Riparia .
Riesling auf Solonis .
Frtihburgunder auf Riparia ....
Riesling auf Riparia .
Sylvaner auf Riparia.
Sylvaner auf versch. Unterlagen . .
Riesling auf versch. Unterlagen . .
Riesling auf Solonis.
Riesling auf Riparia.
Riesling auf Riparia.
Sylvaner auf Riparia.
Sylvaner auf Solonis.
Spätburgunder auf Riparia ....
Spätburgunder auf Solonis ....
Riesling auf Solonis .
Riesling auf Riparia ......
Riesling auf Gutedel X Riparia . .
Riesling auf Solonis, Sämling von
Quartier V .
Riesling auf Rupestris .
Riesling auf Rupestris metallica . .
Riesling auf Riparia X Rupestris . .
Riesling auf Amurensis .
Riesling auf Solonis .
Riesling auf Riparia Portalis . . .
Riesling auf versch. Unterlagen . .
Sylvaner auf Riparia .
Sylvaner auf Rupestris .
Edel- und Unterlagssorte
5633
60-^3 CO M M M to CO l-k H-t (-k CD CO 00
—3--3C5COQO(—kOOQOCDÖ' 001-^05 05 00 05 60 0560 00 00 00 05*—©»-^**.
*— CD 00 00 *— OO CD ^3 CO O' ^ 1— 00 00 O* 05 CO CO 1— © rf*. 05 CO CO 05 *— CO
Anzahl
der
Stöcke
00
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Ge¬
pflanzt
Quar¬
tier
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Durchschnitt¬
lich erreichte
Trieblängen
bis zum Gipfeln
in Meter
CD
CO
sehr gut
n n
mittelmässig
sehr gut
n n
gut
gering
mittelmässig
n
n
sehr gut
n n
sehr gering
r> n
gut
genug
mittelmässig
gering
mittelmässig
n
gut
mittelmäBsig
n
n
sehr gut
mittelmässig
Behang
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8 I
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Tabelle I.
Versuchspflanzung Leideck (ältere Bestände).
a) Technische Abteilung.
211
Tabelle II.
Quartier VI (Jungfeld) auf der Leideck, angelegt im Jahre 1906.
Riesling veredelt auf
Anzahl der
Stöcke
Durchschnittlich
erreichte Trieblänge
in m bei
Gewicht des Holzes
in kg beim Schnitt
Ries
veredelt
ding
un¬
veredelt
Ries
veredelt
ling
unveredelt
Ries
veredelt
ling
unveredelt
Riparia Gloire de Montpellier
46
46
2,3
2,5
7,5
20
Riparia X Rupestris 11 G. .
46
46
2,7
2,5
17,5
15
. X 12 „
45
45
3,0
2,5
26,5
14
. X 13 n
43
43
2,5
2,4
20,0
20
. X „ 15 „ .
! 44
43
2,5
2,4
22,5
16
Cordifolia X Rupestris 19 G. .
45
45
2,7
2,5
22,0
14
Riparia IG.
45
45
2,7
2,5
18,0
16
Solonis.
44
44
2,3
2,5
9,0
17
Rupestris monticola ....
! 43
43
2,5
2,3
14,0
24
Tabelle III.
Quartier III (Jungfeld) auf der Leideck, angelegt im Jahre 1905.
Sylvaner veredelt auf
Anzahl
der
Stöcke
Ertrag
1911
in kq
1912
Most¬
gewicht
in
0 Öchsle
Säure
in
°/no
Gewicht
des
Abfall¬
holzes
in
kg
Riparia 72 G.
18
5,0
29,0
72
12,6
4,0
„ 78 G.
17
2,5
16,0
71
12,6
4,0
„ Gloire de Montpellier ....
35
3,0
17,0
76
11,4
3,0
,, X Gutedel 45 G.
23
2,5
19,0
70
13,4
7,0
„ X Rupestris 11 G.
42
12,5
43,0
70
12,0
12,0
.. x „ 12 „.
35
2,5
28,0
74
12,0
8,5
11 X 11 ^ )!.
69
11,5
57,0
74
11,6
18,0
ii X ii 15 ..
34
2,5
18,0
70
12,8
9,5
„ X „ 3 H.G.
44
9,5
8,0
69
12,5
8,5
» . X „ 108 M.G.
44
6,0
38,0
74
12,5
8,5
Rupestris 9 H.G.
12
1,5
10,0
73
12,5
4,0
„ monticola.
14
1,5
15,0
70
11,8
3,0
Cabemet X Rupestris 33a M.G. . . .
12
2,0
8,0
66
16,2
5,0
Cordifolia X „ 17 G.
42
7,0
25,0
73
12,2
10,5
ii X ii 19 ,, ....
62
8,0
49,0
72
12,4
17,0
Solonis.
52
6,5
38,0
68
12,4
14,0
„ X Gutedel 96 G.
13
1,5
8,0
69
12,4
2,5
„ XYork Madeira 159 G. . . .
17
2,5
10,0
69
12,8
3,0
Trollinger X Riparia 51 G.
22
0,5
8,0
74
13,6
7,0
ii X ii 98 G.
22
5,0
17,0
74
13,0
7,0
Sylvaner, unveredelt.
114
14,0
110,0
70
12,6
35,5
743
107,5
571,0
-107,5
I -7 I I •
1912 = 463,5 kg mehr.
14*
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212
IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
3. Neuanlagen.
Im Berichtsjahr wurde eine Versuchspflanzung im Distrikt „Schorchen“
fertiggestellt, die eine Prüfung der verschiedenen Erziehungsarten für die
amerikanischen Reben bezweckt. Die in der Rebschule früher zu ver¬
schiedenen Zeiten zum selben Zweck eingerichteten Versuchsquartiere
Hessen unbedingte allgemeine Schlüsse nicht zu, weil die Anlage nicht
gleichzeitig erfolgte und Lage und Boden für die Kultur von Unterlags¬
reben wenig zweckmässig sind.
Um diese so wichtige Frage daher einwandfrei zu prüfen, wurde
dafür eine mittelgute Weinbergslage im Gewann „Schorchen“ ausgewählt.
Der Boden besteht im Obergrund aus sandigem Lehm mit einem Kalk¬
gehalt von 1,2—8 °/ 0 , der Untergrund setzt sich im nordöstUchen Teil aus
Löss, im südwestHchen Teil aus rotem, lehmigem Kies mit darunter Hegendem
Gemenge von Lehm und Steinen zusammen. In der Lössschicht beträgt
der Kalkgehalt bis zu 23,8, im Kies bis zu 6,3 °/ 0 . Die ganze 1 Morgen
grosse Fläche ist in 6 Abteilungen gegUedert, auf denen geprüft werden die:
Erziehung an Stangen,
„ ,. Pyramiden,
,, wie in Auvernier (Colombier),
,, an Spalieren,
„ mit einarmigem Kordon,
Bodenerziehung.
Für jede Erziehung wurde je eine Reihe gepflanzt von:
Gutedel X Berlandieri 41 B , falsche Form,
„ X „ 41®, echte Form,
Mourvedre X Rupestris 1202 Coud.,
Riparia 1 Geisenheim,
Riparia X Rupestris 101 14 M. G.,
Rupestris X Berlandieri 30 l a M. G.,
Solonis X Riparia 1616 Coud.
Die Entwicklung der Reben war bis heute vorzügHch.
B. Anzucht der Gutedel X Berlandieri 41 B M. G. durch Augenstecklinge.
Die echte Form dieser Sorte war bis zum Jahr 1908 in Geisenheim
nicht vorhanden. Erst von 1909 an wurden alljährlich 2—300 Schnitt¬
reben der echten Form aus Obernhof und Tiefenbach bezogen.
Bei der Vermehrung dieser bezogenen Blindreben zeigten sich natur-
gemäss dieselben Schwierigkeiten wie anderwärts. Von den 1909 und 1910
zur Einschulung gelangten Hölzern wurden nur 6—15 °/ 0 Wurzelreben ge¬
wonnen. 1911 versuchten wir daher die Vermehrung dieser Sorten durch
AugensteckUnge. Von den 200 bezogenen Reben wurden 100 nach Ein-
steUen in eine Dunstgrube sofort ins Freiland gepflanzt, die anderen 100
als Augenstecklinge mit je 2 Augen in Töpfen kultiviert und dann ins
Freie gepflanzt. Die erste Hälfte ergab 2, die AugensteckUnge 35 Stück
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a) Technische Abteilung.
213
Wurzelreben. Angeregt durch diesen Erfolg wurden auch die 1912 be¬
zogenen Gutedel X Berlandieri 41® durch Augenstecklinge vermehrt. Infolge
der grossen Bedeutung dieser Kultur für diese Sorte geben wir unsere
Vermehrungsart etwas ausführlicher hier wieder.
Die zu vermehrenden Beben werden in Stecklinge von 2 Augen Länge
geschnitten. Schon am 5. März wurden sie in Töpfe von 5 cm Höhe und
Breite gepflanzt, die gefüllt waren mit einer kräftigen Mist- und Freiland¬
erde zu gleichen Teilen, der etwas Sand beigemengt war. Sofort, nachdem
die Reben eingepflanzt waren, brachten wir die Töpfe in Mistbeetkästen.
Schon nach 10 Tagen konnte man bei den meisten Reben die Augen an¬
schwellen sehen, nach weiteren 8 Tagen bildeten sich die ersten Blättchen.
Auch die Kallusbildung war bereits eingetreten. Die Entwicklung der
einzelnen Pflanzen war aber recht verschieden. So hatten am 26. April
von 600 Stecklingen 210 bereits das 3., 100 1—2 Blätter gebildet, bei
Abb. 32.
130 Stück begannen die Augen zu schwellen, während der Rest von 160
kein Leben zeigte. Die nähere Untersuchung der letzten Gruppe ergab
vollständig gesundes Holz und grüne Augen. Deswegen wurden diese
Stecklinge nochmals in einen frisch gepackten Kasten gepflanzt. Doch
zeigte sich auch hier kein rechtes Leben. Wohl entwickelten sich bei
einigen noch kleine schwächliche Triebchen, die aber bald wieder eingingen.
Von den andern Stecklingen waren Ende Mai 317 Stück so weit entwickelt,
dass sie ausgepflanzt werden mussten. Da einige Mistbeetkästen zur Ver¬
fügung standen, wurden diese mit einer Mischung von Kompost, Freiland¬
erde und Sand gefüllt und die Stöcke hierauf ausgepflanzt. Nach 14 Tagen
blieben die Reben vollständig unbedeckt. Abb. 32 zeigt die Entwicklung
der Augenstecklinge Ende August.
Die meisten Triebe waren zu dieser Zeit 0,80—1 m lang. Von den
317 Stöcken waren im Herbst 285 sehr gut bewurzelt, die von 300 Schnitt¬
reben stammten. Von den Schnittreben berechnet, ergaben sich also 95 °/ 0
gut bewurzelte Reben.
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214
IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
C. Über den Wert der kalten sogenannten Pödelister Doppelkästen.
Die .Rebenveredlungsstation Pödeiist in Sachsen hat jährlich so
grosse Mengen von Veredlungen heranzuziehen, dass die Vortreibräume
mehrere Male beschickt werden müssen. Würde also dort mit der Ver¬
edlung wie gewöhnlich erst Mitte bis Ende April begonnen, so kämen
die zuletzt vorgetriebenen Veredlungen erst sehr spät zur Einschulung.
Die Vegetationszeit würde derart gekürzt, dass die Gefahr bestünde, dass
diese Veredlungen bis zum Eintritt des Herbstes nicht genügend ver¬
wachsen wären. Um diesem Übel vorzubeugen, wird dort mit der Ver¬
edlung bereits 1 Monat früher, also Mitte bis Ende März, begonnen.
Die Veredlungen des zuerst vorgetriebenen Satzes werden nun nicht in
das Freiland, sondern in sog. bewegliche Doppelkästen eingeschult, da der
Abb. 33.
Boden um diese Jahreszeit noch nicht genügend erwärmt ist. Erst den
2. Satz schult man in das freie Land ein.
Da auch wir uns mit der Heranzucht von Veredlungen in kalten
Kästen bereits in den Jahren 1908 und 1909 beschäftigten, erschien es
uns wünschenswert, auch das oben genannte Verfahren auf seinen Wert
zu prüfen. Bei unseren damaligen Versuchen wurden die Reben Ende
März veredelt und nach Anlegung eines Bastverbandes in kalte niedrige
Kästen eingeschult, ohne sie vorzutreiben. Die Veredlungen wuchsen zwar
recht gedrungen, höhere Anwachsprozente als im freien Land erzielten
wir aber nicht. Bei dem Einschulen nach dem Vortreiben in kalten Kästen
w r ird jedoch die Kulturzeit um reichlich 6—8 Wochen verlängert.
Seit 1910 versuchten wir die Pödelister Kästen, im Jahre 1910 mit
den Unterlagssorten Aramon X Riparia 143 b M. G. und Aramon X Rupestris
1 Ganzin, im Jahre 1911 mit Riparia X Rupestris 13 G., Riparia Gloire
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a) Technische Abteilung.
215
de Montpellier, Solonis X Eiparia 1616 Coud. (falsche Form) und Cabemet
X Rupestris 33 a M. G., im Jahre 1912 mit den erstangeführten 3 Sorten
des Jahres 1911. Als Edelsorte wurde immer Riesling gewählt.
Die Ausführung der Veredlung geschah immer Mitte März. Nach
ungefähr 3 Wochen erfolgte dann die Einschulung, während die Kontrolle
anfangs Mai ins freie Land gepflanzt wurde. Die Anlage des Kastens
und den Stand der Veredlungen zeigt Abb. 33, aufgenommen am 20. Mai.
Wie die nachfolgende Tabelle zeigt, wurden 1910 im Kasten bedeutend
höhere Anwachsprozente erzielt als im Freien. 1911 und 1912 traf dies
jeweils nur bei einer Sorte* zu.
Riesling veredelt auf:
Ein¬
Ver¬
Einge¬
Ver¬
schulungsort
edelt
schult
wachsen
Aramon X Riparia 143b M.G. . .
Aramon X Rupestris 1 Ganzin . .
1910.
Kasten
250
250
154
Freiland
250
236
104
Kasten
250
250
158
Freiland
250
250
90
1911.
Riparia X Rupestris 13 G.
Riparia Gloire de Montpellier . . . .
Solonis X Riparia 1616 Coud. (falsche
Form).
Cabernet X Rupestris 33 a M.G.
Kasten
250
189
41
Freiland
250
243
116
Kasten
250
214
97
Freiland
250
240 .
129
Kasten
250
203
33
Freiland
250
245
100
Kasten
250
200
76
Freiland
250
249
67
Riparia X Rupestris 13 G.
Riparia Gloire de Montpellier . . . .
Solonis X Riparia 1616 Coud. (falsche
Form).
1912.
Kasten
250
250
69
Freiland
250
250
76
Kasten
250
250
85
Freiland
250
250
151
Kasten
250
250
120
Freiland
250
250
48
61,6
41,6
63,2
36,0
16.4
46.4
34.8
51,6
13,2
40,0
30.4
26.8
27,6
30.4
34,0
60.4
48,0
19,2
Die im Kasten herangezogenen Veredlungen hatten in den Jahren
1910 und 1912 bedeutend längere Triebe als die Freilandreben. Besonders
stark zeigte sich diese Eigenschaft im letzten Jahre. Zur Beleuchtung
dessen folgende Zahlen:
Edelsorte
Unterlagssorte
Trieblänge in m
im Kasten
im Freien
Riesling
Solonis X Riparia 1616 (falsche Form) . . .
0,70
0,35
n
Riparia Gloire de Montpellier.
0,60
0,27
n
Riparia X Rupestris 13 G.
0,65
0,20
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216
IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
Dagegen blieben die gleich nach dem Vortreiben und Abhärten ins
Freie eingeschulten Veredlungen infolge der langsameren Entwicklung ge¬
drungener. Die Triebe waren kräftiger. Um ein möglichst genaues Resultat
zu erhalten, wurden sämtliche Veredlungen zwischen dem 2. und 3. Blatt
mit der Schieblehre gemessen. Die Feststellungen folgen.
Edelsorte
Unterlagssorte
Triebstärke in mm
im Kasten
im Freien
Riesling
Solonis X Riparia 1616 (falsche Form) . . .
3,0
3,2
n
Riparia Gloire de Montpellier.
2,8
3,4
n
Riparia X Rupestris 13 G.
2,8
3,0
In dem heissen Sommer 1911 war bezüglich des Wachstums wie auch
der Verwachsung der Veredlungen ein Unterschied zwischen Kastenveredlung
und Kontrolle kaum festzustellen.
Nach unseren Erfahrungen ist es wohl möglich, mit Hilfe der kalten
Kästen dieser Art bedeutend früher mit der Veredlung zu beginnen, um
so eine grössere Menge von Veredlungen heranziehen zu können. Die
Triebe der im Kasten vorgetriebenen Veredlungen zeigen in Geisenheim
ausserdem eine grössere Länge, höhere Anwuchsprozente wurden im all¬
gemeinen aber nicht erzielt.
In sonnigen warmen Jahren wird ein Unterschied in der Güte der
Veredelungen und in den Anwuchsprozenten nach unseren Erfahrungen aber
nicht zu erhoffen sein; in kühlen, regnerischen, ungünstigeren Sommern bedeutet
dagegen dieses Verfahren entschieden eine Verbesserung der Rebkultur dieser
Art. Deswegen ist dieses Verfahren überall dort zu empfehlen, wo man regel¬
mässig nach guten und schlechten Sommern grössere Mengen von Reben zu
liefern hat. Unter diesen Verhältnissen rentiert es sich mit den Jahren
auch. Wer aber nur geringe Mengen von Veredlungen herzustellen hat,
der arbeitet im freien Lande billiger.
D. Über ein stärkeres Auftreten von Apoplexie.
In den ersten Tagen des Monates September wurden an mehreren
Amerikanerrebstöcken auf der „Leideck“, im „Schorchen“ und in der Reb-
schule ganz merkwürdige Absterbungserscheinungen beobachtet. Die
unteren Blätter dieser Stöcke fingen ganz plötzlich an zu vertrocknen,
ohne dass man eine äussere Ursache hätte wahrnehmen können. Die
Vertrocknung setzte sich mit der Zeit nach der Triebspitze zu immer
weiter fort. Am 24. September hatten manche Stöcke überhaupt keine
grünen Blätter mehr, bei anderen waren die Blätter bis zur Hälfte der
Trieblänge vollständig dürr. Das Krankheitsbild war in der Regel so, dass
die Verwelkung von unten nach oben am Stock vor sich ging. Trieb¬
spitzen und Geize kamen am Trieb meist zuletzt an die Reihe. Die
Vertrocknungsflecken zeigten sich zunächst fast immer in der Mitte zwischen
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a) Technische Abteilung.
217
den Blattrippen. Die Umgebung dieser wie sie selbst blieben in der Regel
noch einige Zeit grün. Die verwelkenden Blätter rollten sich vom Rande
her nach oben zusammen.
Interessant war der Umlang und die Art des Auftretens dieser
Erscheinung. Weit voneinander stehende Stöcke, die den verschiedensten
Sorten angehörten, zeigten den krankhaften Zustand. So hatte auf der
„ Leideck “ besonders Riparia Gloire de Montpellier zu leiden. Von 60
Stöcken waren an 9 alle Blätter, an 12 etwa die Hälfte vertrocknet. Im
Sortiment wurde dieselbe Vertrocknungserscheinung an den unten an¬
geführten Sorten beobachtet. Von je 3 gepflanzten Stöcken waren befallen
von der Sorte:
Riparia grand glabre
,. 72 G. . . .
I u „
78 ,.
79 ,.
Rupestris 9 G.
Berlandieri 172 G.
„ 137 .... .
„ 173 .
Riparia X Rupestris 3306 Coud.
Cordifolia X Rupestris 19 G. .
„ X ,. 20 ,. .
* X ,. 90 ,. .
Trollinger X Riparia 97
1
1
1
1
2
1
1
1
1
1
1
3
2
2
3
1
Stock
>7
Stöcke
Stock
Stöcke
Stock
In der Bebschule trat die Vertrocknung erst 14 Tage später ein.
In jedem mit Amerikanerreben bepflanzten Quartier war die Erscheinung
zu beobachten.
Von den im Jahre 1910 und 1911 gepflanzten 18 Sorten des engeren
Sortimentes waren die untersten 8—10 Blätter vertrocknet bei:
Berlandieri X Riparia 34 E. M.
Cordifolia X Rupestris 17 G
Mourvedre X Rupestris 1202 Coud.
Riparia 1 G
,. Gloire de Montpellier
,. X Rupestris 101 11 M. G.
,. X ,. 3309 Coud.
Alle 1912 gepflanzten Stöcke dieser Sorten blieben verschont.
Von den im Jahre 1905 auf mehreren Flächen zur Holzgewinnung
gepflanzten Sorten hatten besonders Riparia X Rupestris 13 G und Cordi¬
folia X Rupestris 19 G unter dieser Vertrocknung zu leiden. Bei 26 Stöcken
der ersteren Sorte waren die Blätter zum grossen Teil dürr. 2 Stöcke
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218
IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
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wurden vollständig welk und sind eingegangen. Von Cordifolia X Rupestris
19 G wurden 40 Stöcke, von Cordifolia X Rupestris 17 G 1 und von
Riparia X Rupestris 15 G 2 Stöcke mit leichten Vertrocknungserscheinungen
gezählt.
Im Sortiment zeigten Anfänge von Yerwelkung von je 3 Stöcken:
Aestivalis 134 G.
Cordifolia X Rupestris 20 G. . .
Riparia Colorado.
Riparia 1 G. melanosefrei. . .
, IG.
„ 72 „.
» 73 „.
» 78 „.
Riparia X Rupestris 107 G. . .
„ X „ 101 14 M. G.
„ X „ 3306 Coud..
Rupestris Azemar 2 15 2 . . .
„ 186 G.
Taylor Bullit.
2 Stöcke
1 Stock
3 Stöcke
3 „
l Stock
3 Stöcke
1 Stock
3 Stöcke
Etwas stärker war die Erscheinung aufgetreten bei:
Cordifolia X Rupestris 19 G.(befallen 1 Stock)
„ X „ 90 „»•••( „ 1 „ )
Riparia 64 G.( „ 1 „ ) und
Vitis Californica.
Im „ Schorchen* hatten von den 1911 gepflanzten Sorten 1202, 1 G,
101 u , 301a und 1616 mehrere Stöcke einige vertrocknete Blätter.
Die nachstehend wiedergegebenen Pläne (Abb. 34 u. 35) lassen die
Unregelmässigkeit des Auftretens dieser Absterbungserscheinung erkennen.
Nach dem ganzen Krankheitsbild,
dem ungleichmässigen Befall und vor allem
auch der Schnelligkeit der Verwelkung —
man konnte das Fortschreiten mit dem
unbewaffneten Auge häufig deutlich er¬
kennen — konnte es sich bei dieser Er¬
scheinung nur um Apoplexie handeln. Diese
tritt bekanntlich besonders in feuchten Böden und nassen Jahren ein,
wenn nach lange Zeit bedecktem Himmel plötzlich Aufheiterung mit kräf¬
tigem Sonnenschein eintritt. Dass die beobachtete Erscheinung mit der
Wirkung der Sonne zusammenhing, dafür sprach der Umstand, dass die
freier stehenden Randstöcke immer mehr befallen waren als die gedeckt
stehenden. So war z. B. von den 3 Stöcken in den Sortimentspflanzungen
jeweils der am Wege, also freier stehende zuerst und stärker befallen als
die beiden anderen derselben Sorte. Für Apoplexie sprach auch der
Witterungsverlauf in den Monaten August und September. Nach den Auf-
^ 00 x 0 * 00000000000000
_ O * *<»0900*0000000
" ^-^O 9* *00090000
o flLe Plätter qestini* ® @ o o * *
»Alle Blau sr vertrocknet °
x Blatter bis zur Hälfte Jer Triebe vertrocknet
Abb. 34 . Plan über das Auftreten der
Apoplexie auf der Leideck.
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a) Technische Abteilung.
219
Zeichnungen der Geisenheimer meteorologischen Station fielen vom 11. August
bis 3. September nur an 5 Tagen keine Niederschläge. Die Niederschlags¬
höhe während dieser Zeit betrug 54 mm, in der Zeit vom 4.—27. Sep¬
tember — am 27. erreichte die krankhafte Erscheinung etwa ihren Höhe¬
punkt — während derselben Anzahl von Tagen nur 25,7 m, wobei zu
bemerken ist, dass am 9. d. Mts. allein 23,2 mm Feuchtigkeit nieder-
® BLÄTTER zun grossen TEIL oürr .
• STÖCKE siNo iwfOL&c ods VERTROCKNUNG eIngeoxnoen
Abb. 35 . Plan über das Auftreten der Apoplexie in der Bebschule. I mit Europäerreben,
n nicht bepflanzt.
gingen, während 16 Tage ohne jeden Niederschlag verliefen. Die Sonnen¬
scheindauer betrug vom 11. August bis 3. September 58 Stunden, vom 4.
bis 27. September dagegen 79 Stunden.
Sehr eigentümlich ist die Beobachtung, dass alle 1912 gepflanzten
Reben verschont blieben, während die älteren unter denselben Verhältnissen
erkrankt waren. M. E. kann diese Tatsache wohl nur damit Zusammen¬
hängen, dass die Wurzeln der jungen Reben noch nicht in die tieferen
kälteren Bodenschichten vorgedrungen waren.
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220
IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
E. Über den Wert der Geisenheimer Sämlinge von amerikanischen
Beben nnd Kreuzungen.
Um das Jahr 1890 hat der frühere Anstaltsdirektor, Landes-Ökonomierat
Goethe Kreuzungen von verschiedenen Sorten Reben amerikanischen Ur¬
sprungs sowie von europäischen mit amerikanischen Rehsorten ausgeführt.
Von diesen Kreuzungen sind in den Jahren 1902 und 1903 auf der Leideck
103 Sorten zur weiteren Beobachtung in einer Anzahl von je 3 Stöcken
ausgepflanzt worden. Zu gleicher Zeit hat man auch Sämlinge von reinen
Amerikanern daneben gebracht. Später haben wir diese Pflanzung mit
21 Sorten ergänzt.
Zunächst sollten diese Sämlinge auf ihr Verhalten im unveredelten
Zustand beobachtet und geprüft werden. Zu diesem Zweck wurden beob¬
achtet und auf gezeichnet: Zeit des Austriebes, Blütezeit, Befall von Krank¬
heiten (Peronospora, Oidium, Melanose, Chlorose), Trieblänge vor und nach
dem Gipfeln, Ausreife des Holzes, Zeit und Art des Blattabfalles, Ertrag
an Blindholz. Inzwischen sind diese Kontrollen mit vieler Mühe 10 Jahre
durchgeführt worden. Über den Wert einzelner dieser Sämlinge haben
wir heute bereits ein Bild gewonnen. Von den 102 Sorten zeichneten sich
40 durch Eigenschaften aus, die eine weitere Beobachtung und Prüfung
vor allem auch in veredeltem Zustand wünschenswert erscheinen lassen,
62 Sorten erwiesen sich aus verschiedenen Gründen als wertlos, während
über die erst später gepflanzten 21 die Beobachtungen noch nicht abge¬
schlossen sind.
Zur Sichtung des gesammelten Materials, dessen vollständige Wieder¬
gabe übrigens hier zu weit führen würde, erscheint es wünschenswert, die
Resultate der Beobachtungen hier auszugsweise mitzuteilen. Mit den
bereits angeführten 62 Sorten werden wir uns weiterhin nicht mehr be¬
schäftigen. In unseren Sortimenten bleiben sie für gelegentliches Studium
erhalten. Die 21 Sorten, über die wir noch kein abschliessendes Urteil
erhalten haben, werden nach dem angegebenen Plan weiter beobachtet
werden, während die 40 in unveredeltem Zustand brauchbar erscheinenden
Sorten auf dem neu einzurichtenden preussischen Versuchsfeld in Scy auf
ihre Reblauswiderstandsfähigkeit geprüft und von uns in dem kommenden
Jahre auf Vermehrungs- und Veredlungsfähigkeit und auf ihr Verhalten im
Rebschul- und Leideckboden beobachtet werden sollen.
Nach unseren Beobachtungen können als im unveredelten Zustand
brauchbar erscheinende Sorten angesehen werden:
Aestivalis ....
Cordifolia X Rupestris
55
55
55
X
X
X
55
Gutedel X Riparia
55
X
55
134
16
17
19
90
43
45
G
55
55
55
55
55
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a) Technische Abteilung.
221
Kiesling X Riparia
X
n
Riesling X Solonis
V)
n
X
X
Riparia .
r
n
v
V ....
Riparia X Rupestris
n
X
X
Riparia X Trollinger
!) ))
Rupestris.
Solonis X Gutedel . .
Solonis X Riparia . .
Solonis X York Madeira
n
X
n
Taylor Geisenheim ,
Trollinger X Riparia
X
X
X
X
X
X
r
r
194
210
154
156
158
1
1
64
65
68
72
78
183
12
15
66
81
107
37
55
193
197
177
159
162
G
I melanose'
” \ frei.
n
r
n
V)
r
r
51 G
98 „
110
112 „
145 „
203
204
Von weiterer Beobachtung haben wir ausgeschlossen, weil sie uns
wertlos erschienen, die in Tabelle IV aufgeführten Sämlinge, ln der
Tabelle haben wir auch gleichzeitig kurz den Grund angegeben, warum
wir von weiterer Prüfung absehen. Ein Kreuz deutet jeweils an, welche
schlechte Eigenschaft für die betreffende Sorte zutrifft.
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222
IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
Tabelle IV.
Von weiterer Beobachtung wurde
abgesehen wegen
Sorte
un¬
genügender
Holzreife
starken
Melanose¬
befalles
starken
Peronospora-
befalles
starken
Oidium-
befalles
ständigen Ver-
trocknungs-
eracbeiDungen
an den Blättern
schwachen
Wachstumes
Aestivalis 135 G.
X
X
*
?> 136 „.
X
X
X
X
„ 170 „.
X
*
X
Berlandieri 137 G.
X
X
X
„ 171 „ .
X
X
X
„ 173 „ .
X
*
X
v 205 „ .
X
X
Cordifolia X Rupestris 20 G.
X
X
» x „ 89 „..
X
X
Riparia 2 G.
X
X
X
„ 69 „.
X
X
„ 71 „.
X
X
» 73 „.
X
X
X
„ 74 „.
X
X
„ 75 „.
X
X
„ 86 „.
X
X
X
„ 176 „ .
X
X
X
„ 179 „ .
X
X
» 180 „ .
X
„ 181 „ .
X
X
X
#132 „.
X
X
X
X
Riparia X Rupestris 14 G .
X
X
„X „ *88 „.
X
X
X
»X „ 141 ..
X
„X „ 142.
X
X
„X „ 174 .
X
1 X
X
»X „ 175 „.
X
X
„ x Trollinger 56 „.
X
X
X
Trollinger X Riparia 47 „.
X
X
X
>. X „ 49 „.
X
X
X
X „ 97 „.
X
X
X
X „ 151 „.
X
X
X
» X „ 202 „.
X
X
X
„ X „ Hl .
X
X
York Madeira X Riparia 188 G .
X
X
I *
Gutedel X Riparia 199 G .
X
!
X
» x 200 „.
X
X
» x „ 201 „.
X
X
X
Noah 226* G .
X
X
Riesling X Riparia 23 G .
X
X
X
» x „ 208 „.
X
X
v X » 209 „.
X
X
Riesling X Solonis 131 G .
X
X
X
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a) Technische Abteilung.
223
224
IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
Solonis X Riparia 40 G
Sylvaner X Cordifolia X Rupestris 17 G
Amurensis 167 G
F. Sonstige Tätigkeit.
Der Berichterstatter nahm an der Frühjahrssitzung der Preussischen
Rebenveredlungskommission teil. Er studierte. die Rheingauer Weinbergs¬
bodenverhältnisse zum Zwecke der Prüfung von Unterlagssorten in den
typischen Rheingauer Weinbergsböden. Er bereitete die Pachtung von
5 für Adaptationsversuche vorgesehenen Flächen vor und fertigte Kosten¬
voranschläge und Bepflanzungspläne für diese an.
Am 5. Oktober nahm er an der Konferenz der Leiter der Preussischen
Rebenveredlungsstationen teil.
b) Jahresbericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen
Abteilung der Rebenveredlungs-Station.
Erstattet vom Vorstand Prof. Dr. Kroemer.
1. Untersuchungen über die Bodenmüdigkeit in Reitschulen.
Bearbeitet von Dr. Schmitthenner.
Wie in den Weinbergen der Boden nach einer gewissen Zeit, die
sich meist auf mehrere Jahrzehnte beläuft, rebenmüde wird, so zeigt sich
auch in den Rebschulen meistens eine gewisse Bodenmüdigkeit, wenn
mehrere Jahre lang hintereinander Reben an ein und derselben Stelle ein¬
geschult werden. Nur tritt die Müdigkeit hier bedeutend früher, oft schon
nach wenigen Jahren ein; bestimmte Angaben darüber, wie lange eigentlich
Reben in dem gleichen Quartiere eingeschult werden können, existieren
anscheinend nicht.
Die Rebschulmüdigkeit äussert sich dadurch, dass die eingeschulten
Reben von Jahr zu Jahr schlechter gedeihen und der Prozentsatz an
brauchbaren Wurzelreben immer geringer wird. In den Rebschulen unserer
staatlichen Rebenveredlungsanstalten ist das Rebschulgelände meist so
umfangreich bemessen, dass ein drei- bis vierjähriger Turnus eingehalten
werden kann, jedes Einschulquartier also immer erst nach 2—3 Ruhejahren,
während welcher es entweder für andere landwirtschaftliche Zwecke ver¬
wendet oder eine Gründüngung erhält, wieder an die Reihe kommt. Da¬
durch wird der Rebschulmüdigkeit vorgebeugt und daher kommt es auch,
dass wir über die Dauer der Verwendbarkeit eines und desselben Quartiers
sowie über die Ursachen der Rebschulmüdigkeit nichts Bestimmtes wissen.
Es wurden daher im Berichtsjahre Versuche zur Lösung dieser Fragen
begonnen, die natürlich jetzt noch nicht zu einem Abschluss gebracht
werden konnten, sondern sich auf mehrere Jahre erstrecked müssen. Diese
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b) Wissenschaftliche Abteilung.
225
Versuche sind deshalb sehr notwendig, weil der alljährliche Wechsel mit
den Einschulquartieren sehr grosse Anforderungen bezüglich des Umfanges
der Rebschulen in den Rebenveredlungsanstalten stellt und durch eine
Änderung in diesem Verfahren event. eine wesentliche Verbilligung des
Betriebes erzielt werden könnte.
Der vorgesehene und in diesem Jahre bereits eingeleitete Gang der
Versuche ist folgender: Eine grössere Anzahl Blindholzveredelungen sowie
unveredelter Europäer-Blindreben verschiedener Sorten werden alljährlich
auf ein und demselben Quartier der Rebschule eingeschult. Die gleiche
Anzahl derselben Veredlungen und Blindreben kommt alljährlich in die
Wechselquartiere. Die Bodenbearbeitung und Düngung muss natürlich auf
beiden Versuchsquartieren gleich sein. Aus diesem Versuche wird sich
dann ohne weiteres ergeben, wie lange das Einschulen ohne Quartier¬
wechsel durchführbar ist.
Zu gleicher Zeit ist alljährlich die Mikroflora des Bodens zu unter¬
suchen, um festzustellen, ob und in welcher Beziehung im Laufe der Jahre
auf dem Standquartier ein Unterschied gegenüber den Wechselquartieren
eintritt, und ob diese event. eintretende Veränderung mit der Rebschul-
müdigkeit in ursächlichen Zusammenhang gebracht werden kann.
Auch diese Untersuchungen sind im Berichtsjahre begonnen worden,
und zwar wurde zunächst nur die Zahl der Bodenkeime kurz vor der ersten
Einschulung festgestellt; in Zukunft wird dann auch auf deren Art Rück¬
sicht genommen werden müssen.
Sowohl von dem Standquartier als auch von dem Einschulquartier
(Wechselquartier) 1912 wurden unter Anwendung der üblichen Vorsichts-
massregeln Bodenproben in 10, 25 und 50 cm Tiefe entnommen. Hiervon
wurden */io un d Vioo Aufschwemmungen in sterilem Wasser hergestellt
und damit folgende Nährböden geimpft: 1. Fleischgelatine, 2. Fleischagar,
3. Bodenextraktgelatine und 4. Bodenextraktagar. 1 ) (Je vier Schalen von
jedem Nährboden für jede der sechs Bodenproben in 1 / 10 und 1 / 100 Auf¬
schwemmung.) Die Zählung der Keime am dritten und fünften Tage nach
der Impfung ergab annähernd gleichen Keimgehalt für den- Boden des
Standquartiers und des Wechselquartiers 1912. Die genaueren Angaben
erfolgen nach Abschluss der Versuche.
2. Untersuchungen über die Wachstunisstockungen an jungen Reben¬
veredlungen in Pödelist.
Bearbeitet von Dr. Schmitthenneb.
In seinen letzten Jahresberichten hat der Leiter der Rebenveredlungs¬
anlagen der Provinz Sachsen, Obergärtner Bebber, mehrfach hervorgehoben,
dass besonders das Schnittholz der Sorte Riparia X Rupestris 101 u im Sand¬
einschlage stark durch Botrytis geschädigt werde. Ein grosser Teil der
*) Die Herstellung der Nährböden sowie die Ausführung aller die Bestimmung
des Keimgehaltes im Boden berührenden Arbeiten erfolgte nach den Vorschriften von
P. Löhnis, Landw. Bakteriol. Praktikum, Berlin 1911.
Geisenheimer Jahresbericht 1912 . 15
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226
IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
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Schnittreben zeige nach 6—8-wöchentlichem Einschläge hauptsächlich an
den Schnittstellen, teilweise aber auch auf der Rinde zahlreiche Sklerotien
des Pilzes, so dass oft bis zu 40 °/ 0 des Schnittholzes unbrauchbar gemacht
werden. Aber auch das nach der Ausscheidung dieser sichtbar mit Botrytis
behafteten Schnittreben noch vorhandene, bei der Veredlung scheinbar noch
gesunde Holz gäbe nachträglich häufig zu Klagen Anlass. Die mit ihm
hergestellten Veredlungen gingen, nachdem sie zunächst ganz normal aus¬
getrieben waren, gegen Mitte Juni in mehr oder weniger grosser Anzahl
auffallend zurück oder ganz ein. Diese missliche Erscheinung verdient
um so grössere Beachtung, als sich die Sorte Riparia X Rupestris 101 14
als eine für die sächsischen Verhältnisse besonders geeignete Unterlagssorte
erwiesen hat, die besonders mit Gutedel gepfropft in der staatlichen Muster¬
anlage am Schweigenberge hervorragend gut steht, und zwar auffallender¬
weise trotz des hohen Kalkgehaltes (36°/ 0 ) des dortigen Bodens.
Auf Verfügung des Herrn Ministers wurden deshalb vom Bericht¬
erstatter Untersuchungen an Ort und Stelle vorgenommen, bei welchen
folgendes festgestellt worden ist:
Die Mutterstöcke der Riparia X Rupestris 101 14 M.G., von welchen
die fraglichen Schnittreben gewonnen werden, stehen nicht in der Reben¬
veredlungsanstalt Pödelist selbst, sondern auf dem Dechantenberge bei
Goseck a. d. Saale. Diese Schnittweinanlage liegt auf einem steilen, durch
hohe Mauern in mehrere Terrassen gegliederten Südhang. Der Boden ist
verwitterter Buntsandstein, stellenweise etwas mit Lehm durchsetzt. Auf
der grösseren, westlichen Hälfte der Anlage stehen in Pyramiden-Erziehung
die einzelnen Amerikaner-Unterlagssorten, welche sich zur Zeit der Besich¬
tigung, mit Ausnahme der Riparia X Rupestris 101 14 in prächtigem Zustande
befanden; die einzelnen Stöcke hatten fast durchweg die Höhe der Pfähle
längst erreicht.
Die Riparia X Rupestris 101 u , deren Schnittlinge und Veredlungen
in Pödelist die oben beschriebenen auffallenden Erscheinungen zeigen, steht
hier im Schnittweingarten auf der obersten Terrasse, die direkt an den
Wald angrenzt. Der Entwicklungszustand der Sorte zeigte hier ein ganz
eigentümliches Bild. Von Osten nach Westen die Terrasse parallel mit
dem Waldrande durchschreitend bemerkte man zunächst unter zahlreichen
recht üppig gewachsenen, auch bereits über Pfahlhöhe hinausgehenden
Stöcken einzelne, welche die Pfahlhöhe nicht mehr erreicht hatten, ihrem
Blattwerk nach aber gesund erschienen; nur die Geizblättchen machten in
ihrer leicht gelblichen Färbung einen etwas kränklichen Eindruck. In der
Westecke der Terrasse aber, wo die ältesten, ursprünglich aus Österreich,
bezogenen, im Jahre 1903 gepflanzten Stöcke stehen, mehren sich die im
Rückgang befindlichen Stöcke zusehends, der Rückgang selbst ist hier auch
schon viel stärker, bei manchen Stöcken so, dass die Lotten Ende August
kaum ein Drittel bis die Hälfte der Pfahlhöhe erreicht haben. Diese eine
Stelle an dem westlichen Ende der Terrasse enthält etwa 58 Pyramiden
zu vier Stöcken, also etwa 232 Stöcke; kaum 3 Dutzend derselben hatten
zur Zeit der Besichtigung (Ende August) die volle Pfahlhöhe erreicht.
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b) Wissenschaftliche Abteilung.
227
Die Blätter aller, auch der am meisten zurückgegangenen Stöcke
hatten zwar die normale Grösse nicht, erschienen aber äusserlich gesund;
desgleichen war auf den Trieben nichts von einem Parasiten oder einer
Beschädigung durch einen solchen festzustellen. Da an dieser Stelle der
Rückgang der Stöcke wie in einem Reblausherd scheinbar von einem Punkte
ausgeht, wurde an einigen Stellen auch zum Zwecke der Wurzelunter¬
suchung die Erde weggeräumt; die Wurzeln erwiesen sich jedoch als völlig
frei von Rebläusen, Nodositäten und Tuberositäten. Doch auch ohne diesen
Befund hätte man ohne weiteres behaupten können, dass dieser starke
Rückgang der Stöcke niemals von der Reblaus verursacht sein konnte, denn
die Reblausfestigkeit der Riparia X Rupestris-Hybriden ist sicher erwiesen.
Auch eine Verpilzung oder irgend eine andere abnorme Erscheinung konnte
an den Wurzeln bei dieser Untersuchung nicht festgestellt werden.
Es lag somit zunächst bloss das äussere Krankheitsbild, nämlich der
Rückgang der Stöcke ohne äusserlich sichtbare Krankheitsursache, klar zu¬
tage, und es wäre nur noch nachzutragen, dass nach einer Mitteilung des
Obergärtners Bebber alljährlich neue Stöcke, die im vorhergehenden Jahre
noch scheinbar völlig gesund waren, die Zahl der Kümmerer vermehren.
Die Vermutung war nicht von der Hand zu weisen, dass die Ursache des
Rückganges in einem Nährstoffmangel zu suchen sei, der nicht durch die
Beschaffenheit des Bodens an sich, sondern durch den im Norden direkt
an dieses Quartier anstossenden Hochwald bedingt wird. Man trifft ähnliche
Erscheinungen fast überall, wo landwirtschaftliche Kulturen an Wälder
angrenzen; der Einfluss der Waldbäume, zumal der Eichen — um solche
handelt es sich in diesem Falle —, macht sich zuweilen auf ganz überraschend
weite Entfernungen bemerkbar, was darauf zurückgeführt werden muss, dass
die am Rande des Waldes stehenden Bäume infolge des einseitigen günstigeren
Licht- und Luftgenusses sowohl ihre Kronen, als auch ihr Wurzelwerk nach
der offenen Seite zu, also gerade in das Kulturland hinein, sehr stark ent¬
wickeln.
Für die Auffassung, dass die Nähe des Waldes ganz oder auch nur
zum Teil an den Rückgängen schuld sein dürfte, sprach schon von vorn¬
herein der Umstand, dass alle anderen Sorten des Schnittweingartens auf
den nicht an den Wald angrenzenden Terrassen bezüglich ihrer Entwicklung
nie etwas zu wünschen übrig liessen. Die angestellten Nachgrabungen
ergaben denn auch klar und deutlich, dass dem tatsächlich so ist, denn
die Eichen- und Schwarzdornwurzeln durchziehen die oberste Terrasse voll¬
ständig. In einer Tiefe von zwei Spatenstichen wurden sie in grossen
Mengen neben den Rebenwurzeln vorgefunden. Am unteren Rande der
Terrasse, also in einer Entfernung von 23 m vom Waldrande entfernt, wurden
noch Eichenwurzeln von 4 mm Dicke blossgelegt. Man kann also annehmen,
dass die Wurzeln noch wesentlich weiter streichen würden, wenn die
Terrassenmauer nicht wäre, an der sie nun senkrecht hinunterzuwachsen
gezwungen sind. So wie die Dinge also liegen, steht zu erwarten, dass
die Rückgänge auf der obersten Terrasse sich von Jahr zu Jahr vermehren
15 *
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228
IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
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werden und die oberste Terrasse für die Schnittholzgewinnung völlig un¬
brauchbar wird. Vielleicht könnte das Ausheben eines Grabens von 1,5
bis 2 m Tiefe am Waldrande Abhilfe schaffen.
Die grossen Beschädigungen des Holzes der Eiparia X Rupestris 101 14
durch Botrytis im Sandeinschlage und weiterhin das Zurückgehen der Ver¬
edlungen dieser Sorte scheinen hiermit genügend erklärt zu sein. Denn
man darf wohl mit Sicherheit annehmen, dass das Holz der Mutterstöcke
von der obersten Terrasse, auch wenn sie noch keinen sichtbaren Rück¬
gang zeigten, stets notreif in den Einschlag kam, und infolgedessen den
Angriffen des Pilzes keinen genügenden Widerstand entgegensetzen konnte.
Hierüber wäre noch folgendes zu sagen:
Die Schnittreben aller Unterlagssorten des Dechantenberges wurden
bisher in Pödelist sofort nach dem Schnitte, der im Februar bis März statt¬
fand, in den Rebkeller der Anstalt gebracht und dort in mässig durch¬
feuchteten Sand eingeschlagen. Früher wurden die Reben gebündelt, in
den letzten Jahren aber ungebündelt vollständig mit dem Sande bedeckt.
Hier blieben die Reben nun bis zur Zeit der Veredlung, also etwa 6 bis
8 Wochen. Beim Herausnehmen aus dem Sande zeigten dann alle Sorten
mehr oder weniger zahlreiche Botrytis-Sklerotien, was jedoch bei ein¬
geschlagenen Reben bis zu einem gewissen Grade nichts auffallendes ist.
Nur bei der Sorte Riparia X Rupestris 101 14 traten diese Sklerotien stets
in abnormen Mengen auf, so dass dadurch oft bis zu 40% Ausfall an ver¬
edlungsfähigem Holze entstand. Aber auch das scheinbar pilzfreie Holz
dieser Sorten, welches nach dieser Ausscheidung noch zur Veredlung kam,
zeigte nachträglich ein sehr merkwürdiges Verhalten insofern, als die
damit hergestellten Veredlungen zwar normal austrieben, aber schon im
Laufe des Frühsommers in grösserer Anzahl wieder zurückgingen. Bebber
suchte nun im Frühjahr 1912 zum ersten Male die Verpilzung der Schnitt¬
reben dadurch zu vermeiden, dass er das Holz überhaupt nicht mehr in
den feuchten Sandeinschlag brachte, sondern direkt vom Stocke weg ver¬
edelte. Es kam also alles Holz frisch zur Veredlung und es zeigte sich
auf den Schnittreben äusserlich keine Verpilzung. Dennoch gingen auch
dieses Mal die jungen Veredlungen der Riparia X Rupestris 101 14 , nachdem
sie sich anfänglich recht schön entwickelt hatten, von Mitte oder Ende
Juni an zurück, und zwar in diesem Jahre in ganz auffallend starkem
Mafse, während die Veredlungen auf anderen Unterlagssorten normal ge¬
diehen.
Zur Zeit der Besichtigung der Rebschule in Pödelist war der Stand der
1912 er Veredlungen auf Ruparia X Rupestris 101 14 ganz kläglich, sowohl in
den heizbaren Kästen als auch in den Freilandquartieren. Stellenweise waren
in einer Zeile überhaupt nur noch wenige Veredlungen am Leben; und wo
solche in grösserer Anzahl noch in Vegetation standen, waren sie im
Vergleich zu den Veredlungen auf anderen Unterlagssorten auffallend
stark zurück. Auch die zweijährigen Veredlungen zeigten einen sehr
lückenhaften Stand. Das Bild ist das gleiche, ob Riesling, Gutedel,
Gck igle
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b) Wissenschaftliche Abteilung.
229
Portugieser, Elbling oder Burgunder auf Riparia X Rupestris 101 14 stehen;
nur wenn Sylvaner die Edelsorte bildet, ist der Ausfall merklich geringer,
aber immerhin noch recht stark.
Bei den zurückgegangenen Veredlungen, welche an verschiedenen
Stellen entnommen wurden, war das Holz der Unterlagen meist mehr oder
weniger gebräunt, also abgestorben. Sklerotien von Botrytis konnten auf
demselben nicht beobachtet werden, wohl aber stellenweise ein weisser
mehlartiger Beschlag, dessen Natur noch nicht festgestellt werden konnte.
Die mikroskopische Untersuchung von Oberflächenschnitten ergab die An¬
wesenheit zahlreicher Bakterien, und auf Querschnitten durch das ab¬
gestorbene Holz wurden Myzelfäden von Botrytis und einem anderen noch
zu bestimmenden Pilze vorgefunden.
Es erscheint nun nach der Lage der Dinge nicht wahrscheinlich,
dass diese Mikroorganismen oder auch nur einer derselben den Rückgang
der Veredlungen in erster Linie verursacht haben. Vielmehr darf mit
Sicherheit angenommen werden, dass es sich bei dem Auftreten derselben
um eine sekundäre Erscheinung handelt und die primäre Ursache in der
Beschaffenheit der Unterlagsreben zu suchen ist. Da es sich hier in der
Rebschule sowohl bei dem Ausfall an Schnittreben infolge Botrytisbefalls
als auch bei dem Rückgang von jungen Veredlungen um die Unterlags¬
sorte Riparia X Rupestris 101 14 handelt, dieselbe Sorte also, welche in der
Schnittreben-Anlage Dechantenberg den auffallenden Rückgang zeigt, liegt
es nahe, die Erscheinungen alle miteinander in Zusammenhang zu bringen
und die primäre Ursache in einer mangelhaften Ausbildung der Schnitt¬
reben im Dechantenberg zu suchen. Es wäre z. B. denkbar, dass selbst
das scheinbar beste Holz der noch nicht zurückgegangenen Stöcke im
Dechantenberg infolge der Aussaugung des Bodens durch die Baumwurzeln
nur notreif wird und deshalb zunächst schon im Einschläge in grösseren
Mengen der Botrytis zum Opfer fällt, denn je schlechter die Reben aus¬
gereift sind, desto weniger sind sie gegen die Angriffe der Parasiten
gewappnet; und dann würde auch selbstverständlich das von der Botrytis
verschonte, also nach dem Einschlagen scheinbar noch gesunde Holz in
seinem notreifen Zustande keine dauerhaften Veredlungen liefern können.
Dass die primäre Ursache des Rückganges der Veredlungen auf
Riparia X Rupestris 101 14 M. G. nicht in der Rebschule zu Pödelist zu
suchen ist, wie man bisher annehmen zu müssen glaubte, geht schon daraus
hervor, dass die Veredlungen auf anderen Unterlagssorten sich in Pödelist
unter den gleichen Bedingungen im allgemeinen normal entwickeln, und
auch das Schnittholz dieser Sorten im Sandeinschlag nicht in ungewöhn¬
lichen Mengen an Botrytisbefall zugrunde geht.
Der Beweis dafür, dass die in Pödelist an der Sorte Riparia X Rupestris
101 14 beobachteten Schädigungen nur auf die schlechte Ausbildung eines
Teiles des Holzes im Dechantenberg zurückzuführen sind, wird sich nun
ohne Zweifel noch restlos erbringen lassen durch einen Versuch, der auf
Anregung des Berichterstatters von Obergärtner Bebber im Frühjahr 1913
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230
IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim.
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ausgeführt werden soll. Ausser auf der obersten Terrasse stehen nämlich
auch auf der nächst unteren Terrasse zahlreiche Stöcke von Riparia X Ru-
pestris 101 u , die bis jetzt noch keinen Rückgang erkennen lassen und aller
Voraussicht nach auch niemals eine derartige Entwicklungshemmung zeigen
werden, weil die Wurzeln der Waldbäume nicht bis zu ihnen Vordringen
können. Das Holz dieser Stöcke und das der Stöcke von der obersten
Terrasse wird nun getrennt geerntet und getrennt in den Einschlag ge¬
bracht, sowie schliesslich auch getrennt mit denselben Sorten veredelt
werden. So wie die Dinge liegen, ist mit Sicherheit anzunehmen, dass
der starke Botrytisbefall im Einschläge, sowie der Rückgang der Vered¬
lungen sich auf das Holz von der obersten Terrasse beschränken wird.
3. Rebenveredlungsdenkschrift.
Im Berichtsjahre wurde ausserdem eine ausführliche Denkschrift über
die Entwicklung und den Stand des Rebenveredlungs-Versuchswesens in
Preussen ausgearbeitet.
4. Neuanschaffungen.
Für die Bibliotheck: Ausser den Zeitschriften: Revue de viticulture,
I’rogres agricole et viticole, Moniteur vinicole und Zeitschrift für Botanik,
die Werke: Ahrens, Technologie; Benecke, Leben der Bakterien; Kayser,
Geologie; Lintner, Thaer-Bibliothek; Nageler, Wissen und Können; Nuss¬
baum, Biologie; Schmidt, Kompendium der Photographie.
Für das Laboratorium: 150 Petrischalen, 4 Aufbewahrungsgefässe aus
Stahlblech für Petrischalen und 10 Wasserpipetten.
Die Sammlung der Station wurde vermehrt durch eine Anzahl Prä¬
parate von Direktträger-Trauben und Veredlungsstellen, sowie durch zahl¬
reiche photographische Aufnahmen.
5. Vorträge und Besichtigungen.
Prof. Dr. Krömer nahm teil an der Herbstznsammenkunft der Königl.
Preussischen Rebenveredlungskommission in Geisenheim Anfang Oktober
1912 und an den folgenden Besichtigungen der Veredlungsanlagen an der
Saar, der Nahe und der Mosel. Auf der Kommissionssitzung in Geisenheim
hielt er einen Vortrag über das Thema: Die bisherige Tätigkeit Preussens
auf dem Gebiete der Rebenveredlung.
6. Veröffentlichungen.
Dr. Schmitthenner, Über die Reblansfestigkeit der Amerikanerreben
Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft 1912.
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V. Tätigkeit der Anstalt nach aussen.
Der Direktor führte das Amt des Vorsitzenden der Königl. preussischen
Reben Veredlungs-Kommission. In dieser Eigenschaft besichtigte er die
neu gegründeten und fertig gestellten Rebenverdlungs-Stationen in Ober¬
lahnstein und Bernkastel und regelte deren technischen Betrieb. Er be¬
sichtigte ferner das Institut für Schädlingsforschung in Metz und beteiligte
sich an den Sitzungen der Kommission in Bernkastel und in Geisenheim.
Der Direktor leitete als Vorsitzender des „Verbandes preussischer
Weinbaugebiete“ mehrere Vorstands- und Ausschusssitzungen desselben in
Coblenz sowie die Generalversammlung in Kreuznach a. Nahe.
Er beteiligte sich ferner an mehreren Kommissions- und Vorstands¬
sitzungen des Deutschen Weinbau-Vereins sowie als Mitglied an den
Sitzungen der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden
und an den Ausschüssen 1. für Weinbau, 2. für Obst- und Gartenbau der
Kammer.
Als Mitglied des Ausschusses für Wein- und Obstbau der D. L.-G.
nahm er teil an einer Sitzung desselben in Berlin.
Die in Geisenheim stationierten Obst- und Weinbau-Wanderlehrer der
Landwirtschaftskammer in Wiesbaden hielten im Einvernehmen mit der
Anstaltsleitung Kurse und Vorträge ab, und zwar:
1. Obst- und Weinbauinspektor Schilling war im Berichtsjahre
210 Tage auswärts und 6 Wochen in Geisenheim an der Königl. Lehranstalt
mit der Abhaltung von Vorträgen, Kursen usw. beschäftigt, an den übrigen
Tagen des Jahres erledigte er an seinem Wohnorte Büroarbeiten. Er
hielt in seinem Dienstbezirk in den Kreisen: Rheingau, Unterlahn, Dill
und Oberwesterwald 62 Vorträge aus den Gebieten des Wein-, Obst- und
Gartenbaues, und zwar 8 über: „Die Düngung der Weinberge mit be¬
sonderer Berücksichtigung der künstlichen Düngemittel“; 4 über: „Die
Behandlung der 1912er Traubenmoste“; 1 über: „Neuzeitliche Boden¬
bearbeitungsgeräte für den Weinbau und die Düngung der Weinberge mit
Kunstdünger“; 1 über: „Die Bekämpfung von Oidium und Peronospora“;
1 über: „Die Errichtung von Drahtanlagen in Weinbergen“; 13 über: „Das
Umpfropfen der Obstbäume mit einträglichen Sorten“; 11 über: „Die
Sommerpflege der Obstbäume, insbesondere der Sommerschnitt des Zwerg¬
obstes und die Bekämpfung der z. Z. auf tretenden Obstbaum Schädlinge“;
9 über: Zweck und Ziele der häuslichen Obst- und Gemüseverwertung“;
2 über: „Spalierobstzucht an Mauern und Häuserwänden“ (mit Lichtbildern);
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V. Tätigkeit der Anstalt nach aussen.
Bericht über die Tätigkeit des Obst- und Gartenbaulehrers
B. Herrmann-Geisenheim a. Rhein im Jahre 1912113.
Obst- und Gartenbaulehrer Herrmann hielt im Jahre 1912/13 folgende
67 Vorträge: 5 über „Die Bedeutung des Obstbaues und die Ansprüche
der einzelnen Obstarten an Klima-, Lage- und Bodenverhältnisse“; 11 über
„Die Vorarbeiten zum Pflanzen, die Pflanzung selbst, und die Behandlung der
jungen Bäume nach dem Pflanzen“; 13 über „Die Behandlung älterer Bäume,
unter besonderer Berücksichtigung der Düngung“; 5 über „Die wichtigsten
Schädlinge des Obstbaumes und ihre Bekämpfung, unter besonderer Beachtung
des Vogelschutzes“; 5 über „Das Umpfropfen älterer Obstbäume“; 5 über „Die
Behandlung der Bäume nach dem Umpfropfen“; 6 über „Obstbau und
Obstverwertung“; 2 über „Die Bedeutung der Obstbau vereine für die Ent¬
wicklung des Obst- und Gartenbaues im Untertaunuskreise“; je einen über
„Der Schnitt der Obstbäume, seine Wirkung und Bedeutung für die Kronen¬
bildung“; „Die Obstverwertung in ländlichen Haushaltungen“; „Welche
Gesichtspunkte müssen uns bei der Auswahl der Obstarten und -Sorten
bei der Anpflanzung leiten?“; „Die Bedeutung der Unterkulturen im Obst¬
bau“; und 11 über „Welche Mittel müssen angewandt werden, um den
Gemüsebau auf dem Lande zu fördern?“. Weiterhin leitete er 5 Obstbaum¬
pflegekurse von je 6 tägiger, 7 von je 2 tägiger und 2 von je eintägiger
Dauer; 5 Pfropfkurse von je 2 tägiger und 6 Obst- und Gemüseverwertungs¬
kurse von 3 tägiger Dauer.
Zusammen mit Obstbauinspektor Schilling hielt er den Obstbau-
und Baumwärternachkursus im Juli 1912 an der hiesigen Kgl. Lehranstalt
und ebenso den je 14 Tage dauernden Obstbau- und Baumwärterkursus im
Monat Februar und März 1913 ab. Um die Kenntnisse der Kursisten zu er¬
weitern, wurden Ausflüge in sehenswerte Obstbaubetriebe, auf Obst¬
märkte usw. unternommen.
Des weiteren revidierte er 34 Gemeindeobstanlagen, 5 Gemeinde¬
baumschulen und 11 Musterbaumstücke, begutachtete verschiedene Ländereien
auf ihre Brauchbarkeit für den Obstbau und nahm Taxationen von Obst¬
bäumen vor. Er leitete den Aufbau verschiedener Obstausstellungen und
war in vielen Fällen als Obstsortenbestimmer und Preisrichter tätig. Zur
weiteren Orientierung nahm er an den Sitzungen der 1. Deutschen Garten¬
bauwoche in Bonn, sowie an einer 8 tägigen Studienreise durch Holland teil.
Auch in verschiedenen Kommissionen war er als Mitglied tätig und wohnte
deren Sitzungen bei, so z. B. der der Central-Obstbaukommission des Vereins
Nass. Land- und Forstwirte und der der Redaktionskommission der Centrale
für Obstverwertung in Frankfurt a. M.
Der Obstbaulehrer bekleidete weiterhin das Amt des Geschäfts- und
Kassenführers des Nass. Landes-Obst- und Gartenbau-Vereines. Als solcher
hatte er den ausgedehnten Schriftwechsel des z. Z. etwa 12000 Mitglieder
zählenden Landesvereines zu erledigen, die Kassengeschäfte zu leiten, über
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Bericht über die Tätigkeit des Obst- und Gartenbaulehrers B. Herrmann. 235
die Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen des Landesvereines
Bericht zu erstatten, den Versand von Edelreisern für die Frühjahrs¬
veredlungen auszuführen und die Gemüseanbauversuche zu leiten. Im Ver¬
folg der letzteren Massnahme besichtigte er im Sommer 1912 34 Gemüse¬
anbaustellen, klärte hierbei die Versuchsansteller über den Zweck des An¬
bauversuches auf und machte sie auf praktische Winke für die Durchführung
und grösstmöglichste Ausbeutung der Kulturen aufmerksam. Über das
Resultat dieser Gemüseanbauversuche fertigte er einen Bericht an, der
gedruckt zur Kenntnis aller Vereinsmitglieder gelangte.
Auch von seiten des Landesvereines gehörte Herrmann einzelnen
Kommissionen an und bearbeitete, gemeinsam mit den übrigen Kommissions¬
mitgliedern, die vorliegenden Fragen im Obstbau, Obsthandel und Ge¬
müsebau.
Gelegentlich seiner Vorträge und Kurse im Kammerbezirke wirkte er
als Geschäftsführer des Landesvereines auf eine weitere Bildung von Obst¬
und Gartenbauvereinen hin. So wurden durch ihn in vielen Gemeinden
neue Obstbauvereine gegründet, und dort, wo bereits Obstbauvereine be¬
standen, durch Gewinnung neuer Mitglieder eine weitere Steigerung des
Mitgliederbestandes erzielt. Auf seinen Besichtigungen verfehlte der Obst¬
baulehrer nicht, die Vorsitzenden der Obstbauvereine und Besitzer von
Obstanlagen zu besuchen. Auch nahm er an einigen Generalversammlungen
von Kreis- und Obstbauvereinen und an Versammlungen von Baumwärtem teil.
Ausser dem bereits vorhin erwähnten Gemüseanhauversuche des
Landesvereines, leitete er, auf Anordnung der Landwirtschaftskammer, in
diesem Jahre zum 1. Male die Verteilung guter Gemüsesämereien an ge¬
eignete Personen im Regierungsbezirk Wiesbaden ein, zur Förderung des
Gemüsebaues.
Neben den angeführten Massnahmen erteilte Herrmann in sehr vielen
Fällen schriftlich und mündlich Auskunft in allen Fragen des Obst- und
Gartenbaues.
Der Besuch der Vorträge, Kurse usw. kann im Durchschnitt als gut
bezeichnet werden. Die Bevölkerung bringt dem Obst- und Gartenbau ein
immer grösser werdendes Interesse entgegen, wofür der Beweis sowohl in
dem guten Besuche der Veranstaltungen als auch in der vermehrten Zahl
von Obstpflanzungen und in der besseren Pflege des Bestehenden erblickt
werden kann. Es nahmen an allen Unterweisungen im ganzen etwa
2200 Personen teil. Mit besonderer Freude ist es zu begrüssen, dass die
Vorträge über Gemüsebau und die Kurse über Obst- und Gemüse¬
verwertung in so ausgedehntem Mafse von Frauen und Mädchen besucht
werden.
Durch die Anstellung eines 3. Gartenbaulehrers der Landwirtschafts¬
kammer wurde der Dienstbezirk von Herrmann um die Kreise Frankfurt
und Höchst verkleinert.
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Druck von Fr. Stollberg, Merseburg.
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